Kobo Glo: eBook-Reader mit Hintergrundbeleuchtung im Kurztest

Ich habe das Kobo Glo mal kurz in die Hände bekommen und es mit dem wohl größten Konkurrenten, dem Amazon Kindle Paperwhite, verglichen. Fangen wir erst einmal mit den technischen Daten an:

Das Kobo Glo ist mit einem Gewicht von nur 185g rund 28g leichter als sein Pendant aus dem Hause Amazon. Beide Geräte haben ein 6 Zoll großes Display und sind mit einem eInk-Pearl-Bildschirm mit 16 Graustufen ausgestattet. Die Auflösung ist mit 1024×758 Pixel ebenfalls bei beiden Geräten gleich. Beim Touchscreen unterscheiden sie sich allerdings. Während das Kindle Paperwhite auf ein bewährtes kapazitives Touchscreen setzt, hat Kobo beim Glo einen Infrarot Touchscreen eingebaut. Der Infrarot Touch (IR Touchscreen) funktioniert ähnlich wie eine „Lichtschranke“. Diese liegt kurz über der Display Oberfläche und damit muss man theoretisch das Display nicht mal berühren, damit etwas registriert wird. Der Abstand zwischen Lichtschranke und Display scheint aber so gering zu sein, so dass ich es nicht geschafft habe, ohne das Display tatsächlich zu berühren eine Berührung registrieren zu lassen. Dafür konnte ich aber das Display mit einem etwas dickeren Gegenstand nutzen, was beim Kindle nicht möglich war. Dafür unterstützt das Kindle aber Multitouch-Gesten, was beim vergrößern des Textes recht praktisch ist.

Man kann beide Geräte mittels Micro-USB aufladen oder mit dem PC verbinden. Per WLAN 802.11b/g/n kann man sich ins Internet verbinden um beispielsweise Updates oder Bücher herunterzuladen. Während auch beim internen Speicher beide Geräte auf 2 GByte setzen, kann das Kobo Glo im Gegensatz zum Kindle Paperwhite noch zusätzlich per MicroSD-Karte um zusätzlichen Speicherplatz erweitert werden.

Die Akkulaufzeit beim Kobo Glo wird mit “bis zu 1 Monat, bis zu 55 Stunden durchgehend mit aktiviertem Licht” angegeben. Amazon gibt beim Kindle Paperwhite “8 Wochen” an, was auch immer das heißt. Falls sich jemand über die langen Akkulaufzeiten wundert, dies ist bei eBook-Readern mit eInk-Bildschirm normal, weil das Display nur dann Strom verbraucht, wenn sich irgendwas am Bildschirm-Inhalt ändert (Bsp. umblättern).

Während das Kobo Glo die Dateiformate EPUB, PDF, JPEG, GIF, PNG, TIFF, TXT, HTML, RTF, CBZ, CBR beherrscht, kann das Kindle “nur” AZW3, AZW, TXT, PDF, MOBI, PRC, HTML, DOC, DOCX, JPEG, GIF, PNG, BMP. Damit fehlt dem Kindle Paperwhite das wichtigste eBook-Format ePub. Das macht den Kobo Glo, zumindest für mich, viel attraktiver.

Weiter geht es mit der Bedienung: Das Kobo Glo hat zwei physische Bedienelemente am Gehäuse. Während der eine Knopf die Display-Beleuchtung ein- und ausschaltet, gibt es noch einen Schiebeschalter, der das Gerät einschaltet bzw. aus dem Ruhezustand holt. Der Rest wird komplett, wie man es von Smartphones kennt, über den Touchscreen gesteuert. Die Bedienung ist dabei bei beiden Geräten sehr intuitiv gestaltet, so dass das ich mich als eBook-Reader-Anfänger sehr schnell zurechtgefunden habe.

Um eigene Dateien auf die eBook-Reader zu übertagen, gibt es mehrere Wege. Ich habe mich für den, meiner Meinung nach, einfachsten Weg entschlossen und den Reader per MicroUSB-Kabel an den PC angeschlossen. Dort wird der Reader als Wechselspeicherlaufwerk erkannt und unter Arbeitsplatz angezeigt. Die eigenen Dateien können dann einfach über den Windows Explorer rüber geschoben werden. Wer neue Bücher kaufen will, kann dies über die herstellereigenen Shops tun und direkt die Bücher auf das Gerät herunterladen.

Die im Grunde gleichen Displays der Geräte zeigen alles gestochen scharf an, fast wie wenn es auf Papier gedruckt wäre. Der Bildschirm im Kindle Paperwhite scheint alles einen kleinen Tick kontrastreicher anzuzeigen, aber den Unterschied sieht man wirklich nur im direkten Vergleich. Wenn sich der Bildschirminhalt ändert, flackert der Bildschirm eInk-Typisch ganz kurz auf, weil eInk-Bildschirme eine Reaktionszeit von rund 120 Millisekunden haben. Moderne LCD-Display haben dagegen eine Reaktionszeit von Millisekunden im einstelligen Bereich! Störend ist das aber beim Lesen nicht, da dieses Flackern nur beim Umblättern auftaucht. Nutzt man dagegen die integrierten Browser zum Surfen, kann es doch ganz schön nerven, weshalb man einen eBook-Reader auch nur im Notfalls zum Surfen nutzen sollte.

Dank der Leichtigkeit von nur 185g lässt sich das Kobo wirklich auch bei längeren Bahnfahrten sehr angenehm in der Hand halten. Das Kindle Paperwhite wiegt fast 30g mehr und diese 30g merkt man die Dauer in den Armen. Texte zu lesen macht wirklich Spaß auf so einem eBook-Reader und was die Augenanstrengung betrifft, konnte ich keine Unterschiede im Vergleich zu einem gedruckten Buch feststellen. Die Hintergrundbeleuchtung ist eine wirklich sinnvolles Feature. So kann man auch abends im Bett die Nachttischlampe auslassen und sehr angenehm lesen.

Fazit: eBook-Reader sind günstig, sie sind sehr leicht und bieten jede Menge Platz für Bücher. Man muss sich keine Gedanken darum machen, auf welcher Seite man zuletzt gelesen hat, dies alles übernimmt der Reader. Zwischen den beiden getesteten Geräten gibt es kaum Unterschiede. Wer mehr Wert auf Freiheit legt, der ist wohl mit dem Kobo Glo besser bedient. Das Kindle Paperwhite befindet sich so ähnlich wie Apple Geräte in einem umzäunten Ökosystem, aus dem es kaum ein entkommen möglich ist. Beim Kobo Glo ist zwar auch so ein Ökosystem vorhanden, allerdings mit deutlich mehr Schlupflöchern. Wer viel und gerne liest und das besonders unterwegs, für den könnte sich der Umstieg lohnen. Die kleinen Geräte passen in die meisten Jackentaschen und damit gehört das Schleppen von dicken Wälzern der Vergangenheit an.

avatar

Über Cihan Boz

Hallo, ich bin seit 2011 Community Manager bei notebooksbilliger.de. Ich liebe Technik und lebe in Berlin. Finden könnt Ihr mich natürlich auch auf Twitter, Facebook, Instagram und natürlich Google+.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Ausgepackt abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten auf Kobo Glo: eBook-Reader mit Hintergrundbeleuchtung im Kurztest

  1. avatar Denis Pr. sagt:

    “Fazit: eBook-Reader sind günstig,….”

    Quatsch mit Soße. Die Kohle muss man erstmal wieder raus bekommen. Wenn man 120€ in nen Reader steckt, für jedes eBook 2-3€ weniger als die physische Kopie, dann kann man sich ja ausrechnen, wie viele Bücher man lesen muss, damit der Reader sich rechnet. Wer selten Bücher liest, ist wesentlich besser bedient ein Buch zu kaufen.

    Dieser part war erstmal meckern für die “günstig- Aussage”. Ich stimme vollkommen zu, es ist praktisch und es macht mir mehr Spaß. Somit gibt es für mich auch nicht mehr zu sagen außer: muss jeder für sich selbst entscheiden.

    Ich lese in meiner “Freizeit” gefühlt mehr, seit ich ein Kindle besitze. Und mit Freizeit meine ich Bahnwege auf Arbeit etc.

  2. avatar Sempres sagt:

    Hallo,

    danke für den ausführlichen Test, ich hätte jedoch einige kleine Anmerkungen zum Vergleich zwischen KobO Glo und dem Paperwhite.

    Wie hier schon richtig geschrieben wurde, unterstützt der Paperwhite wichtige Formate wie ePub nicht, jedoch gibt es die Möglichkeit, diese Formate relativ einfach für die Kinde-Geräte umzuwandeln, aber es stimmt schon, der Kobo unterstützt mehr Formate.

    Einen großen Vorteil, der hier unerwähnt bleibt, ist die Fülle an kostenlosen Büchern für die Kindle-Reihe.
    Ja, ich weiß, ist auch viel Müll dabei, aber man findet immer wieder gute, kostenfreie Bücher in Amazons-Webshop.

    Das war letztendlich auch der Grund, warum ich mich gegen den Glo, und für den Paperwhite entschieden habe.

    Rein technisch stehen sich die beiden Geräte in nichts nach

  3. avatar Lotha Pieper sagt:

    Die Möglichkeit der Akku-Ladung ist zu sehr eingeschränkt, mir ist nur das Laden über
    PC bzw. Notbook bekannt. Oder hat jemandnoch eine andere Variante

  4. avatar Michael sagt:

    Nimm irgendein Usb-Ladegerät für ein paar Euro, also so ein Steckernetzteil mit USB-Ausgang.

  5. Mit einem USB-Ladegerät funktioniert das Laden sehr gut.

Kommentar verfassen