Test HTC One (M8): Two and a half Cam

ne (M8) - Detail Display, Logo

Bereits der erste Eindruck des HTC One (M8) war sehr gut. In den letzten Tagen habe ich es mir intensiver angeschaut, das Android-Smartphone an seine Leistungsgrenzen gebracht und mit der Dual-Kamera auf der Rückseite massenhaft Fotos geschossen. Ohne etwas vorwegnehmen zu wollen: der sehr gute Eindruck ist geblieben, zur Perfektion reicht es aber nicht. Trotzdem werden sich die High-End-Androiden von Samsung, Sony und LG warm anziehen müssen.

Großes 5-Zoll-Display

Das HTC One (M8) hat keine Sensor-Tasten mehr. Den zusätzlichen Platz durch den Wegfall nutzt HTC für ein größeres Display, das von 4,7 Zoll auf 5 Zoll Diagonale aufgepumpt wurde. Die Navigationstasten zur Bedienung des Android 4.4.2 KitKat Betriebssystems werden virtuell über das Display abgebildet. Der IPS-Touchscreen gehört zu den Besten seiner Klasse: leuchstark mit einer durchschnittlichen Leuchtdichte von 418 cd/m² und großer Farbtiefe. Die Blickwinkelabhängigkeit ist gering. Selbst bei extrem seitlichen Blick auf das Display geht nur der Helligkeitseindruck etwas zurück. Damit knüpft das neue One an die sehr guten Werte des Vorgängers an. Die Auflösung beträgt 1920 x 1080 Bildpunkte (Full HD). Die Pixeldichte von rund 440 dpi ist durch die größere Displayfläche geringer als die 468 dpi beim Vorgänger. In der Praxis macht sich das nicht bemerkbar, bei einem durchschnittlichen Betrachtungsabstand von etwa 40 cm erkennt man keine einzelnen Pixel. Alles in allem eine herausragende Anzeige.

HTC One (M8) - Front, Display an

Verarbeitung und Haptik

Herausragend ist auch das Aluminiumgehäuse, dass es in den Farbvarianten Gunmetal Grey, Glacial Silver und in einer güldenen Ausführung Amber Gold geben wird. Zum Test lag die dunkle Gunmetal-Version vor. Das Gehäuse besteht aus gebürstetem Aluminium und ist sehr gut verarbeitet. Material und Verarbeitung liegen etwa auf dem Niveau des Apple iPhone 5s, bei den High-End Android-Smartphones gibt es derzeit nichts Vergleichbares. Die Alu-Oberfläche scheint gehärtet worden zu sein und hinterlässt einen kratzfesten Eindruck. Eine Oberflächenversiegelung verhindert die typischen dunklen Fingertapser, wie sie sonst auf Aluminiumgehäusen zurückbleiben. Anders gesagt: Fingerabdrücke sieht man auf dem Metallgehäuse des One gar nicht. Wasser- und staubfest wie beispielsweise das Samsung S5 oder das Sony Xperia Z2 ist das neue One nicht. Obwohl das HTC One mit seinem stattlichen Gewicht von rund 160 g sehr stabil erscheint, sollte man allzu harten Outdoor-Einsatz vermeiden.

HTC One (M8) - Rückseite

Wer sein HTC One schützen möchte, greift auf das HTC Case DotView aus Gummi und Kunststoff zurück. Die Haptik ist klasse. Durch ein Lochraster auf der Vorderseite zeigt das HTC One Informationen wie Uhrzeit, Wettervorhersage oder den Anrufer im Retro-Look an, ohne dass man das Case öffnen muss. Im Logo auf dem Deckel ist ein Magnet eingebaut, über den das HTC One erkennt, ob der Deckel geöffnet oder geschlossen ist. Der Magnet wurde im Deckel allerdings so ungünstig platziert, dass er den Deckel nicht zusätzlich fest in seiner Position hält.

HTC One (M8) - Ansicht Display mit Etui

Bedienung

Die hervorragende Verarbeitung findet ihre Grenzen bei den Bedienelementen, genauer gesagt bei der Lautstärkewippe. In London hatte ich Gelegenheit, mir mehrere HTC One (M8) anzusehen. Bei fast allen das gleiche Bild: eine lose Lautstärkewippe. Bei unserem Testmodell war das zunächst nicht der Fall, nach einem Tag Benutzung wackelte die Lautstärkewippe ebenfalls. Die Funktion beeinflusst das nicht. Da es sich bei all diesen Geräten um frühe Samples handelt, sollte man das nicht überbewerten. Die finalen HTC One, die in den Verkauf gehen, können über eine feste Laustärkewippe verfügen, die sich nicht lockert. Der leicht erhabene, fest sitzende Power Button an der Oberseite wackelt dagegen nicht. Er verfügt über einen festen Druckpunkt und arbeitet tadellos.

HTC One (M8) - Lautsprecherwippe 4

HTC One (M8) - Lautspreche

Einen Fingerabdruck-Scanner, wie ihn Apple oder Samsung im iPhone 5s oder Galaxy S5 eingebaut haben, fehlt beim HTC One. Dabei sollte man allerdings beachten, dass lediglich der Fingerabdruck-Scanner des iPhone 5s derzeit praxisgerecht funktioniert. Finger drauflegen, ohne die Lage beachten zu müssen. iPhone entsperrt. Fertig. Beim Samsung S5 muss man den Finger erst umständlich über den Scanner ziehen und dabei auch noch die Lage des Fingers beachten. Das Ergebnis ist eine mäßige Erkennungsleistung. HTC hat also gut daran getan, auf dieses Feature vorerst zu verzichten, solange die User-Experience möglicherweise nicht gegeben ist. Trotzdem möchte HTC dem Benutzer beim Start aus dem Standby die Arbeit erleichtern: Ein Doppel-Tap auf das Display reicht, um in den Sperrbildschirm zu gelangen. Ein Wisch von links nach rechts im Hochformat öffnet die Nachrichtenzentrale BlinkFeed, ein Wisch von rechts nach links zeigt die Widget-Ansicht an. Swipet man von oben nach unten, wird die Sprachwahl aufgerufen. Streicht man von unten nach oben, wird die zuletzt angezeigte App geöffnet. Ist eine Code-Sperre aktiviert, muss man erst den Entsperr-Code eingeben, um in die jeweilige Ansicht zu gelangen.

HTC One (M8) - Ansicht oben

Schnittstellen und Speicher

Bei den Schnittstellen hat sich im Vergleich zum Vorjahresmodell nicht viel verändert: Mikro-USB, Headset-Anschluss und ein SIM-Karten-Einschub sind vorhanden. Der Audio-Anschluss ist von der schmalen Oberseite zur schmalen Unterseite gewandert. Bei eingestecktem Headset versperrt so das Kabel nicht die Sicht auf das Display, wie es beim alten One bei eingestöpseltem Headset auf der Oberseite der Fall war.

HTC One (M8) - Ansicht unten

Eine Schnittstelle ist neu dazugekommen. Auf der rechten langen Kante sitzt jetzt ein microSD-Slot. Der ist auch nötig, denn das HTC One bringt lediglich 16 GB Flash-Speicher mit, von dem etwa 5,9 GB vom Android-Betriebssystem und diversen Daten belegt sind. Eine 32-GB-Version des HTC One (M8) soll es zwar ebenfalls geben, allerdings ist unklar, ob sie nach Deutschland kommen wird. Der Kauf einer microSD ist also Pflicht. Sie kann bis zu 128 GB groß sein, sodass genügend Speicher für Musik, Videos und Dokumente zur Verfügung steht. Profi-Androiden werden jetzt die Augen verdrehen, denn 10 GB interner Flash-Speicher sind für Apps sehr wenig. Recht haben sie! Immerhin lassen sich aber einige Apps über „Einstellungen > Apps“ auf die Speicherkarte verschieben. Das war die gute Nachricht, die schlechte: Die komplette Verlagerung einer App ist nicht immer möglich. Bei dem Autorennspiel Asphalt 6 beispielsweise ließen sich nur knapp 56 MB von insgesamt 1,38 GB verschieben.

HTC One (M8) - Nano-SIM, microSD

Leistung satt

Leistung satt bietet der Quad-Core-SoC Qualcomm Snapdragon 801 (MSM8974AB v3) mit integrierter Adreno 330 Grafik. Der Prozessor taktet mit 2,3 GHz. 2 GB Arbeitsspeicher steht dem Duo zur Seite. Auch wenn andere High-End-Androiden mehr Speicher bieten, reichen 2 GB grundsätzlich aus. 3 GB wären aber nicht schlecht gewesen, um ein paar Reserven für Multitasking und die Darstellung mehrerer aufwendiger Webseiten im Browser zu haben.

Um eine Ahnung zu bekommen, wo sich das HTC One (M8) leistungstechnisch einordnet, fragen wir nicht den ahnungslosen Tech-Nick, sondern lieber den wissenden Bench-Mark. Zum Einsatz kommen AnTuTu Benchmark 4.3.3, 3DMark (Ice Storm 1.2), GFXBench 3.0.10 sowie SunSpider 1.0.2. Die Resultate sind nicht sonderlich überraschend. Sie bewegen sich auf hohem Niveau und überragen die Werte anderer High-End-Smartphones wie dem Samsung Galaxy S4 oder dem Sony Xperia Z1 aus dem Modelljahr 2013. Da die Nachfolger S5 und Z2 noch nicht in unserer Redaktion angekommen sind und entsprechend keine belastbaren Benchmarks vorliegen, verbietet sich derzeit ein Vergleich. Die Leistung von ihnen dürfte sich aber in etwa auf dem gleichen Niveau bewegen.

AnTuTu Benchmark HTC One M8

3DMark HTC One M8

GFXBench HTC One M8

SunSpider Benchmark HTC One M8

Beim HTC One (M8) spiegeln sich die Leistungswerte auch in der Praxis wieder: weder bei der Bedienung noch bei den Apps hakelt etwas. Das gilt auch für grafisch anspruchsvollere Spiele wie “Zombie Assault: Sniper” und die Autorennspiele “Asphalt 8″ und “Real Racing 3″. Selbst bei etwas längeren Gaming-Sessions konnten keine Ruckler provoziert werden. Bei gleichzeitiger Belastung von CPU und GPU wird das HTC One auf der Rückseite recht schnell warm. In der Spitze waren es 37,8 °C auf der Rückseite.

Connections

Das HTC One (M8) unterstützt den schnellen Datenfunk LTE im Downstream bis zu 150 Mbit/s. Kein LTE-Vertrag? Egal. HSPA+ und HSUPA sind ebenfalls mit an Bord. Im One M8 steckt jetzt wie schon beim Apple iPhone 5 und 5s eine Nano-SIM statt einer Micro-SIM. Wer sich das neue HTC One zulegt, muss eine neue SIM-Karte bei seinem Mobilfunk-Provider ordern. Im lokalen Netz geht es mit WLAN-ac flott voran.

BOOOOOOOOM Sound

HTC selbst setzt beim One (M8) zwei Schwerpunkte: Sound und Kamera. Beim Sound hat sich etwas getan. Die Zusammenarbeit mit dem US-amerikanischen Audio-Spezialisten Beats wurde im letzten Jahr beendet, nachdem HTC seine Anteile an dem Unternehmen verkauft hatte. BoomSound kommt zwar immer noch aus den beiden Lautsprechern auf der Frontseite, aber die Equalizer-Funktion von Beats nicht mehr. Entsprechend ist das (hässliche) Beats-Logo auf der Rückwand des neuen One verschwunden.

HTC One (M8) - Frontkamera, Sensor, Lautpsrecher

HTC setzt einen neuen DSP-Chip ein. Der Sound ist laut. Sehr laut. Sofern man die beiden Frontlautsprecher benutzt, lässt sich BoomSound nicht abschalten. Der Klang überzeugt trotz seiner Kräftigkeit nicht: Bässe sind nicht vorhanden, Höhen übersteuern bei zunehmender Lautstärke. Der Sound klingt undifferenziert, es fehlen Frequenzen. Dadurch verliert der Klang insgesamt an Dynamik. Die Abstimmung des Equalizers ist nicht optimal gelungen.

HTC liefert ein In-Ear-Headset mit Ohrstöpseln unterschiedlicher Größe mit. Ist das Headset eingestöpselt, kann man den BoomSound auch abschalten. Der Klang mit Kopfhörern begeistert nicht. Ansatzweise hörbare Bässe klingen viel zu dumpf und zu leise. Man hat auch hier den Eindruck, dass Frequenzen fehlen. Dem Klang fehlt es insgesamt an Dynamik und Differenzierung. Um einen Vergleich zu bringen: Der Sound aus einem Apple iPhone 5s hört sich deutlich dynamischer, ausgewogener, wärmer und weniger künstlich an. Hat HTC also etwas falsch gemacht? Nein. Die meisten Benutzer werden die Nuancen gar nicht bemerken, weil sie ordentlich etwas auf die Ohren bekommen wollen. Und genau das erfüllt das HTC One (M8) auch.

Versteckte Kamera

Drei Kameras sind im HTC One verbaut. Auf der Front eine 5-Megapixel-Kamera für Videochats und Selfies. Damit dürfte HTC den Zeitgeist voll treffen, denn bisher musste man entweder mit der höher aufgelösten Kamera auf der Rückseite Selbstaufnahmen ohne Displaykontrolle auf gut Glück schießen oder mit der niedrig aufgelösten Frontkamera auf Fotoqualität verzichten. Beim HTC kann man jetzt auch Selfies in ordentlicher Qualität von 2560 x 1920 Bildpunkten aufnehmen. Ein Blitz fehlt jedoch, sodass die Lichtverhältnisse gut sein sollten. Ansonsten rauscht es sehr schnell.

Auf der Rückseite hat HTC dem neuen One gleich zwei Kameras spendiert. Eigentlich nur eine, denn die zweite Kamera dient lediglich als Entfernungssensor, um die Lage von Objekten im Raum zu bestimmen. Die zweite 2,1-Megapixel-Kamera ist also nicht als separate Kamera ansteuerbar und liefert keine Fotos. Die Entfernungsinformationen werden mit dem Bild der Hauptkamera kombiniert. So lassen sich später über die Kamera-App der Fokus auf ein gewünschtes Objekt stellen oder 3D-Effekte erzielen. Statt moderater Erhöhung der Auflösung setzt HTC bei der Hauptkamera weiterhin auf 4,1 Megapixel. Die Kamera liefert Bilder mit einer Auflösung von 2688 x 1520 Bildpunkten, im Videomodus Full HD (1080p).

HTC One (M8) - UltraPixel Kamera, Blitz

Durch die geringe Anzahl an Pixeln bekommt HTC größere Pixel auf der begrenzten Fläche des Bildsensors unter, sodass sich die Lichtempfindlichkeit erhöht. Auch bei dunklen Lichtverhältnissen gelingen so ohne Blitz weniger verrauschte Fotos als beispielsweise beim iPhone 5s mit einer 8-Megapixel-Kamera (oben HTC One (M8), unten iPhone 5s).

Nachtaufnahme HTC One M8

Nachtaufnahme iPhone 5s

Weniger Bildrauschen erkauft man sich allerdings mit einem entscheidenden Nachteil: Details, wie sie eine hochauflösende Kamera liefert, fehlen. Das fällt bei der Darstellung auf einem Smartphone-Display nicht auf. Erst wenn man die Fotos am Rechner auf einem größeren Monitor oder TV betrachtet, sieht man einen Unterschied in der Detailfülle bei der Anzeige in Originalgröße. Durch die geringe Auflösung kann man nachträglich keine Ausschnitte auswählen, sodass die Weiterverwendung der Fotos eingeschränkt ist. Um das zu verdeutlichen, seht ihr einen gleich großen Fotoausschnitt in jeweils 1:1-Originalgröße vom HTC One (M8) und einem iPhone 5s.

Kameravergleich HTC One M8 iPhone 5s

Doch zurück zu den neuen Effekten, die mit den beiden Kameras erzielt werden können. Die Kamera erlaubt die nachträgliche Fokussierung auf einzelne Bildobjekte mit UFocus. Damit das funktioniert, muss das Foto ausreichend hell und gleichmäßig scharf vom Vorder- bis zum Hintergrund aufgenommen worden sein. Die nachträgliche Fokussierung hört sich unglaublich an und ist es auch. Denn die Kamera fokussiert nicht nachträglich einzelne Objekte, sondern ermittelt aus den Entfernungsdaten lediglich grob ein einzelnes Objekt, das dann scharf dargestellt wird. Der Rest des Bildes wird mit einer künstlichen Unschärfe überzogen. Das soll für einen besonderen Tiefenschärfe-Effekt und ansprechende Bildkompositionen sorgen. Das funktioniert auch ganz gut, solange die Objekte klar voneinander und vom Hintergrund abgegrenzt sind. Außerdem müssen sie unterschiedlich tief im Raum positioniert sein. In der Praxis ist das aber oft nicht der Fall, sodass nicht nur das gewünschte Fokusobjekt, sondern auch andere Teile des Bildes scharf dargestellt werden. Das nachstehende Beispiel macht es deutlich: Der Fokus liegt auf dem Busch im Vordergrund, trotzdem werden auch Teile des Hintergrundes scharf dargestellt.

Falsche Schärfesetzung HTC One M8

Wenn man ein wenig rumexperimentiert, kann man mit UFocus aber tolle Wirkungen erzielen.

Gelungener Einsatz von Unschärfe HTC One M8

Im Vorfeld wurde spekuliert, dass die zweite Kamera auf der Rückseite des HTC One für 3D-Aufnahmen gut sein soll. Das stimmt nur indirekt, denn mit den Entfernungsangaben, die die kleine Kamera ermittelt, können nachträglich 3D-Effekte einfacher berechnet werden. Echtes 3D ist das nicht, sondern eher ein Parallaxe-Effekt wie er bei Wackelbildern erzeugt wird. Auch wenn es dabei mitunter zu skurrilen Bildverzerrungen wie auf dem Foto kommt, ist der Effekt bei manchen Fotos sehr schön. Leider sind die 3D-Wackelbilder-Aufnahmen nur auf dem HTC One in der Foto App zu bewundern.

-Virtualisierung HTC One M8

In den meisten Fällen hält man mit einer Smartphone-Kamera einfach drauf und die Automatik erledigt den Rest, in der Hoffnung, es kommt ein gutes Foto dabei heraus. Wem das nicht reicht, der kann beim HTC One (M8) viele Einstellungen manuell vornehmen. Ist man mit manuellen Kameraeistellungen etwas vertraut, dann lässt sich noch einiges herausholen. Ob man dann allerdings zu einer 4,1-Megapixel-Kamera greift? Vermutlich nicht. Wer mehr machen möchte, greift zu einer guten Systemkamera oder Spiegelreflex.

Auf einen Bildstabilisator hat HTC beim neuen One im Vergleich zum Vorgängermodell gleich ganz verzichtet. Stattdessen verweist HTC auf den schnelleren Fokus, der tatsächlich sehr schnell arbeitet. HTC gibt 300 ms an. Allerdings hat ein schnellerer Fokus nichts mit einer Bildstabilisierung zu tun. Verwackelte Aufnahmen können also unter Umständen auftreten.

Auch wenn die Kamera bei schummriger Beleuchtung dank Ultrapixel ordentliche Fotos macht, kommt man ohne Blitz nicht aus. HTC hat dem neuen One gleich zwei Blitz-LEDs mit unterschiedlicher Farbtemperatur zur Seite gestellt. Je nach Farbtemperatur des Umgebungslichtes wird die passende Blitzfarbe zusammengemischt. Das sorgt für natürlichere Farben. So werden beispielsweise bei Portraitaufnahmen mit Blitz die typischen kalkweißen Gesichter vermieden.

The Sixth Sense und BlinkFeed

Über Android 4.2.2 KitKat stülpt HTC die sechste Version seiner HTC-Sense-Oberfläche. Sie ist einfacher, moderner und übersichtlicher geworden. Das kommt der Bedienung zu Gute. Unter der Oberfläche verbergen sich weitgehend die bekannten Funktionen von Android 4.2.2 KitKat.

BlinkFeed ist ebenfalls wieder mit an Bord. Der News-Client hat an Übersichtlichkeit gewonnen. Über eine Suchfunktion können jetzt eigene Nachrichten-Feeds erstellt werden. Ansonsten ist man weiterhin auf die integrierten Feeds der Content Partner von HTC angewiesen. Die selbst generierten Feeds aus Facebook, Twitter & Co. sind nicht immer besonders ansprechend, da keine Fotos aus den verlinkten Artikeln berücksichtigt werden. Das scheint den Content-Partnern vorbehalten zu sein.

Custom BlinkFeed HTC One M8

Sportlich mit Fitbit

Dem Sport-Hype kann auch HTC sich nicht entziehen und baut einen Schrittzähler in sein Smartphone ein, der ständig aufzeichnet. Dabei kooperiert HTC mit Fitbit und bindet deren App standardmäßig ein. Voraussetzung für die Nutzung ist ein kostenfreies Fitbit-Konto. Darüber kann man nicht nur seine Schritte anzeigen, sondern auch sein Essverhalten dokumentieren. Wer schon einen separaten Fitbit One Fitness-Tracker besitzt, gleicht ihn über Bluetooth 4.0 mit dem HTC One und der Fitbit App ab. Fitbit bietet seine App aber auch separat im Google PlayStore sowie in Apples AppStore an, sodass man jedes aktuellere Smartphone oder iPhone damit nachrüsten kann.

Fitbit HTC One M8

Energiesparmaßnahmen

Das HTC One braucht eine Menge Strom. Der Akku ist zwar im Vergleich zum Vorgänger mit 2600 mAh etwas leistungsstärker geworden, kann den zusätzlichen Strombedarf, der unter anderem durch das größere Display verursacht wird, aber bestenfalls kompensieren. Zwar hält das neue One im Schnitt mehr als einen Tag durch, sehr viel mehr aber nur dann, wenn man Verzicht übt. Dabei „hilft“ der Extreme Powersave Modus. Der lässt sich manuell oder bei Akkuladezuständen von 20, 10 oder 5 Prozent automatisch zuschalten. Bei 5 Prozent Ladezustand sollen so noch 15 Stunden Nutzungszeit rausgeholt werden. Es bleiben dann allerdings nur noch die wichtigsten Funktionen aktiv. So kommen beispielsweise Anrufe und SMS durch. E-Mails müssen in diesem Modus aber manuell abgerufen werden. Nur noch fünf Apps stehen dann zur Verfügung: Telefon, Nachrichten, Mail, Kalender und Rechner. Der extreme Stromsparmodus macht das Smartphone also dümmer. Man sollte den Modus deshalb nur in Notfallsituationen einsetzen. Ansonsten muss man mit einem gedrosseltem Prozessor, stark gedimmten Display, deaktivierten Datenfunkverbindungen, ausgeschaltetem Vibrationsalarm und fehlendem Schrittzähler Vorlieb nehmen. Praktisch ist das HTC One dann kaum mehr zu gebrauchen. Um das zu vermeiden, sollte man es besser zeitig ans Ladegerät hängen. Der Ladevorgang geht sehr flott. Bereits nach rund zwei Stunden ist der Akku wieder vollständig geladen.

Fazit

Das HTC One (M8) macht vieles richtig und einiges sogar richtig gut: Die verwendeten Materialien, die Haptik und die Verarbeitung sind top, das Display hervorragend. Die Prozessor- und Grafikleistung passen und geben keinen Anlass zur Kritik.

HTC One (M8) - Frontansicht Display an  2

Der Sound ist spektakulär kräftig, aber nicht so dynamisch und differenziert, wie man es sich wünschen würde. Das gilt sowohl für die Lautsprecher- als auch die Headset-Wiedergabe. Die wackelnde Lautstärkewippe ist hoffentlich nur ein Problem der ersten Testsamples und tritt bei Geräten für den Verkauf nicht auf.

Die Kamera auf der Vorderseite ist mit ihrer 5-Megapixel-Auflösung ein Fortschritt. Die Generation „Selfie“ wird sich darüber freuen, endlich hochaufgelöstere Fotos von sich selbst schießen zu können. Die Ultrapixel-Kamera auf der Rückseite kämpft dagegen weiterhin mit der geringen Auflösung. Für Schnappschüsse reicht es, für mehr nicht. Die neuen Funktionen wie beispielsweise die manuellen Einstellungen und UFocus machen für ambitionierte Fotografen sicherlich einen Sinn. Für sie dürfte dann aber die Kameraauflösung des neuen One zu gering sein.

Weniger schmerzt dagegen der Verzicht auf Features wie einen Fingerabdruck-Scanner. Es ist eher erfrischend, dass HTC nicht jede denkbare Funktion einbaut, sondern eher darauf setzt, möglichst ein stimmiges Gesamtbild abzuliefern. Das ist gelungen, wenngleich nicht ganz so gut wie beim ersten One. Aber auch wenn noch Raum für Verbesserungen da ist: das HTC One (M8) ist ein sehr gutes Smartphone, das sich von den anderen High-End-Smartphones abgrenzt und einen eigenen Charakter hat. Ab dem 04. April ist das HTC One (M8) ohne Vertrag für 679 Euro in der 16-GB-Variante in Deutschland erhältlich.

Technische Daten HTC One (M8) im Überblick

Display: 5 Zoll, IPS, 1920 x 1080 Pixel, glänzend
Prozessor: Qualcomm Snapdragon 801, Quad-Core (2,3 GHz)
Grafik: Adreno 330
Betriebssystem: Android 4.4.2 KitKat
Arbeitsspeicher: 2 GB RAM
Massenspeicher: 16 GB (32-GB-Version voraussichtlich nicht in Deutschland)
Schnittstellen: Micro-USB, Headset Audio
Konnektivität: LTE (800, 900, 1800, 2600 MHz), 3G: HSPA+, HSUPA, WLAN (a/ac/b/g/n), Bluetooth 4.0, NFC
Sensoren: Kompass, Geschwindigkeitssensor, Gyroscope, Lagesensor, Lichtsensor, Barometer
Navigation: GPS, GLONASS
Abmessungen / Gewicht: 146,6 x 70,6 x 9,35 mm / 160 g
Kameras: 4,1-Megapixel-Kamera und 2,1-Megapixel-Kamera (hinten), 5-Megapixel-Kamera (vorne), 2 x Blitz (unterschiedliche Farbtemperatur)
Sonstige Ausstattung: Schrittzähler, DLNA, HTC Connect

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Über Oliver Bünte

Als Journalist, Historiker und bekennender Technikfreund beschäftige ich mich seit über 30 Jahren mit Computern und habe die Entwicklung mobiler Technik von Handys und PDAs bis hin zu Smartphones und Tablets von Anfang an kritisch begleitet. Ich vermittele tagtäglich als Journalist und aktiver Blogger auf notebooksbilliger.de, notebookjournal.de, applebrain.de und vivacities.de alles, was den Anwender wirklich interessiert. Du findest mich auf Facebook, Twitter, Google+, LinkedIn und XING.
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  14. avatar markus sagt:

    Echt interessanter Blogbeitrag. Ich habe mir das HTC One (M8) gekauft und habe mir die eine oder andere HTC ONE Hülle angeschaut. HTC Case DotView ist schon ein echter Hingucker. Besonders gefällt mir die Idee dahinter und natürlich das Design des Cases.

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