Age of Empires: Definitive Edition – wie früher, nur besser

Age of Empires: Definitive Edition – wie früher, nur besser

Endlich ist es soweit, die überarbeitete Version von Age of Empires erscheint am 20.02.2018 offiziell und exklusiv im Windows Store. Nachdem das Remake ursprünglich zum 20-jährigen Jubiläum im Oktober 2017 veröffentlicht werden sollte, mussten sich Fans nun etwas länger gedulden, um in den Genuss der restaurierten Version des beliebten Klassikers zu kommen. Ob sich die lange Wartezeit tatsächlich gelohnt hat und der Preis von 19,99 € für die erhoffte Qualität des Originals in aktueller Grafik angemessen ist, erfahrt ihr nachfolgend in unserem Test.

Der Fokus des Remakes besteht hauptsächlich darin, die Grafik auf ein für heutige Umstände akzeptables Level zu heben. Das Spielgefühl soll wie beim Original erhalten bleiben, damit sich Veteranen und Vertraute ohne lange Eingewöhnungsphase sofort wieder ins Getümmel stürzen können. Neulinge sollen dank einiger neuer Komfortfunktionen jedoch auch nicht den Überblick verlieren.

Neues Design und Classic Mode

Bei der Grafik hat sich natürlich einiges in positiver Hinsicht getan. Neben den höheren Auflösungen wurden die Einheiten, Gebäude und Landschaften komplett überarbeitet und machen optisch und in 3D jetzt deutlich mehr her als im Original. Die Animationen der Einheiten wirken flüssig, Gebäude stürzen krachend zusammen und Fußsoldaten fallen authentisch um und erzeugen eine Blutlache. Im Vergleich zum Vorgänger ist das Ganze natürlich deutlich ansehnlicher und realistischer.

Für das Jahr 2018 könnte man sich allerdings auch noch mehr Detailreichtum wünschen. Ich denke hier beispielsweise an (das auch schon betagte) Age of Empires III, in dem Kanonen einzelne Teile von Gebäuden abschießen konnten oder diese Stück für Stück auseinandergefallen sind. Möglicherweise wollte man sich hier aber auch nicht so weit vom Original entfernen.

Wer großartige Anpassungen an den Grafikeinstellungen vornehmen will, wird allerdings enttäuscht, da diese sehr „übersichtlich“ gestaltet wurden. Untergebracht bei den Spieleinstellungen könnt ihr leider nur Bloom, Cloud-Effekte, Anti-Aliasing (Kantenglättung) und Schwarzen Nebel aktivieren bzw. deaktivieren. Auch, wenn man zusätzlich das Detaillevel beim Zoom ändern kann, ist es nicht sinnvoll, hier einen anderen Wert als X2 einzustellen. Sonst leidet nämlich die Übersicht und man kann nur noch beschränkt zoomen. Das Spiel übernimmt ansonsten automatisch die eingestellte Windows-Auflösung. Cooles Feature: Ihr könnt bei benutzerdefinierten Gefechten den Spielmodus auswählen, also ob ihr im klassischen Modus mit Originalgrafik oder im neuen Gewand der Definitive Edition spielen wollt.

Aktuelle Grafik mit aktuellen Anforderungen

Glücklicherweise hat uns Microsoft schon vor dem Release zwei Keys zur Verfügung gestellt, damit wir das Spiel neben dem Gameplay auch hinsichtlich der Anforderungen auf Herz und Nieren testen konnten. Wir haben die Definitive Edition für den Test auf einem Razer Blade Pro mit Core i7-7700HQ, GTX 1060 und 16 GB RAM laufen lassen. Unser Testgerät übertrifft damit die empfohlenen Systemvoraussetzungen (Nvidia GTX 650/AMD HD 5850, Core i5 mit 2,4 GHz oder höher, 16 GB RAM) bis auf den Arbeitsspeicher deutlich.

Selbst im Gefecht gegen sieben Computergegner waren die Framerates bei Full HD stabil und das Match vom Anfang bis zum Ende flüssig spielbar. Auch eine im Editor generierte und im Spiel eher unmöglich anzutreffende Massenschlacht brachte den Razer nicht ins Stocken. Das erreichten wir lediglich, als wir den Gaming-Laptop an unseren 65 Zoll großen 4K-TV von Toshiba angeschlossen haben. Bei einer mittelgroßen Schlacht waren die FPS bei 2160p mit 25 Bildern schon teilweise spürbar im Keller, was ihr im folgenden Video hoffentlich etwas sehen könnt.

Eine weitere Möglichkeit, die FPS zu „verändern“, ist die neue Zoom-Funktion. Ihr könnt in der Age of Empires: Definitive Edition nämlich im Gegensatz zum Original mit der Kamera rein und raus zoomen. Dies ist insofern praktisch, da ihr in unübersichtlichem Gelände oder bei chaotischen Schlachten einfach herauszoomen könnt und so den vollen Durchblick erhaltet – leider geht das zu Lasten der FPS. Bei schwachen Rechnern (und Augen) solltet ihr also nur selten zu dieser Funktion greifen.

Feintuning beim Gameplay

Kommen wir nun zu den wichtigsten Themen: dem Spielgefühl und -spaß. Obwohl mein letzter Ausflug in die historischen Welten vom originalen Age of Empires bereits mindestens 18 bis 19 Jahre her ist, konnte ich sehr schnell wieder ins Spielgeschehen finden. Zugegeben, mein erstes Spiel gegen sieben mittlere Computergegner in einem „Free for all“ Match war nicht von Erfolg gekrönt, nachdem die richtige Build Order jedoch wieder Stück für Stück in mein Gedächtnis zurückkam, lief es aber wie von selbst – jedenfalls auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad.

Die Entwicker Forgotten Empires – die unter anderem für die Age of Empires 2 HD Edition und die drei dazugehörigen Addons verantwortlich sind – haben das Spiel jedoch auch vom Gameplay her etwas aufpoliert. Neben der neuen Benutzeroberfläche gibt es zahlreiche Balancing-Änderungen, einen verbesserten Szenario-Editor und überarbeitete Soundeffekte bzw. einen neu abgemischten Soundtrack. Die Kampagnen wurden zudem komplett vertont. Im Spiel fällt mir im Vergleich zum Original insbesondere folgendes auf: Die Minimap ist detaillierter, der Technologiebaum ist im Spiel aufrufbar und bei den Produktionsgebäuden lassen sich Wegpunkte für die Einheiten setzen.

Eingefleischte Veteranen werden diese sinnvollen „Neuerungen“ vermutlich wie ich begrüßen und sich in der aufgehübschten Welt schnell zuhause fühlen. Glücklicherweise ist neben der Mehrspieler-Möglichkeit via Internet auch noch der gute alte LAN-Modus mit an Bord und selbst Winsett´s Z und BabyPrez sind wieder mit von der Partie. Wer Lust hat, kann sich zudem in die zehn anspruchsvollen Kampagnen stürzen und alle 16 Völker ausprobieren, die es bereits im Original und dem Addon Rise of Rome gab.

Was mir beim Gameplay negativ aufgefallen ist? Die Kollisionen der Einheiten unter anderem bei schmalen Durchgängen oder im Gefecht sind (immer noch) nervig. In einem Match wurden meine Fischerboote zum Beispiel von meinen Hopliten blockiert, die im seichten Gewässer standen. In großen Gefechten laufen Einheiten zudem wirr umher oder blockieren sich beim Umzingeln einzelner gegnerischer Einheiten gegenseitig.

Die Informationsfenster, die beim Scrollen über eine Einheit aufploppen, wirken bei der Einstellung ab Werk zudem etwas überladen und die Sicht beeinträchtigend. Hier solltet ihr im Menü die Mauszeigerhilfe entweder auf „Feststehend“ oder „Aus“ stellen. Alternativ könnt ihr die HUD-Größe skalieren, wobei sich auch die Infofenster dementsprechend anpassen.

Fazit

Die Age of Empires: Definitive Edition ist ein spielerisch gelungenes und auch optisch sehr ansprechendes Remake der Originalversion von Age of Empires. Kenner, die bereits das Original geliebt haben, werden sofort nostalgische Gefühlsausbrüche bei einem Rush mit Knüppelschlägern und Schleuderern erleiden. Aber auch Neulinge erwartet ein aktueller und grafisch anspruchsvoller Titel im Echtzeitstrategie-Genre. Für faire 20,- € könnt ihr hier zudem nichts falsch machen.

Was ist also das Problem? So richtig nichts, abgesehen davon, dass Age of Empires einfach nicht Age of Empires II ist. Mich zumindest hat der zweite Teil der Serie (ich denke mal nicht nur aufgrund meines damaligen Alters) deutlich mehr geprägt und auch in der Definitive Edition sind mir wieder viele Details aufgefallen, die ich vermisst habe und an die ich mich aus dem Age of Kings und dem Addon The Conquerors, die beide zuhause im meinem Schrank lungern, noch erinnere. Darunter fallen bspw. einfache Sachen wie Tore in den Mauern, eine Warteschleife für Felder, die Alarmglocken-Funktion oder auch eine automatische Formationsbildung bei größeren Truppenverbänden. Klar, im originalen AoE gab es dies noch nicht, aber mir hat es trotzdem gefehlt.

Es bleibt also nur zu hoffen, dass sich Forgotten Empires nach der HD-Edition des zweiten Teils jetzt auch an eine Portierung ins 3D-Zeitalter macht.

Quelle: forgottenempires

Veröffentlicht von

Die Leidenschaft fürs Zocken wurde bereits in den frühen 90ern mit Bubble Bobble am Sega Master System II geweckt. Spielt mittlerweile hauptsächlich am PC und hätte gerne viel mehr Zeit, um sich seinem ständig wachsenden Pile of Shame zu widmen.

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