Angespielt: Diablo III – Reaper of Souls. Neuer Höllenspaß im Action-Rollenspiel

Diablo III

Holpriges Balancing, unpassender Loot, fragwürdiges Auktionshaus: Das einst so heiß ersehnte Diablo III, aktueller Platzhirsch der Action-Rollenspiele, enttäuschte bei Erscheinen viele Fans. Doch jetzt hauchen der umfassende Patch 2.0.1 und das Add-on Reaper of Souls dem Höllenspaß von Blizzard ein zweites Leben ein. Grund genug, nochmal reinzuschauen.

Heldenalltag in der Diablo-Reihe: Schnetzeln, Sammeln, Aufleveln

Das ebenso einfache wie zugkräftige Spielprinzip der Diablo-Reihe hat seit 1997 viele Millionen Fans gefunden und etliche Nachahmertitel hervorgebracht. In dem Action-Rollenspiel führt man aus der Vogelperspektive einen Fantasyhelden in Echtzeitkämpfe gegen Horden von Dämonen und Untoten. Mit Schwert und Magie schnetzeln sich beispielsweise Mönch, Barbar oder Zauberer durch die Gegner und bekommen dafür Beute und Erfahrungspunkte. Dank gesteigerter Fähigkeiten und verbesserter Ausrüstung geht es gegen immer neue, stärkere Monster, bis am Ende der Höllenfürst Diablo persönlich vor einem steht. Stimmige Atmosphäre, flüssiges Gameplay und ein gut austariertes Loot-System erzeugen auch heute noch bei Diablo und Diablo II die archaische Sammelwut und den berühmten Suchtfaktor.

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Tagesgeschäft in Diablo III: Töten, Sammeln, Aufleveln.

 

Diablo-III-Release: Heute bleibt die Hölle kalt

2012 gehörte ich zu zahllosen Fans, die dem Release von Diablo III, dem aktuellen Teil der Reihe, entgegenfieberten. Meine Erwartungen waren angesichts von 11 Jahren Entwicklungszeit und dem Budget eines Hollywood-Blockbusters so groß wie der Mount Everest. Umso enttäuschender der Serverstart zur Mitternachtsstunde des 15. Mai. Ich erlebte ihn bei enthusiastischen Diablo-Spielern, die eigens Urlaub genommen hatten, um sich tagelang im Multiplayer durch die Gegnerhorden zu prügeln. Schlag zwölf erfolgte der ekstatische Klick auf den „Start“-Button. Doch statt des Spiels erschien die berüchtigte Meldung „Fehler 37“: Verbindungen kamen wegen hoher Serverauslastung nicht zustande. Erst hunderte Login-Versuche, viele Stunden und einige durchgekaute Mauskabel später gelang der Zutritt. Immerhin: Der legendäre Fehler 37 hat die Fans zu Rants und kreativen Sketches animiert.

Der unglückliche Start ist nicht der einzige Grund, warum etliche Spieler Diablo III schief ansehen. Sicherlich, die Atmosphäre ist dicht, die Dungeon-Welten sind schön anzusehen und die Kämpfe fetzen. Aber Online-Zwang, das vereinfachte Skill-System und eine geringe Droprate passender Ausrüstung enttäuschten viele Gamer. Hinzu kam ein Auktionshaus, in dem sich Spielerfolge mit Echtgeld kaufen ließen. Blizzard wurde Bevormundung, Gier und Verzerrung des Spielerlebnisses vorgeworfen. User-Bewertungen von Diablo III sprechen auch heute noch eine deutliche Sprache.

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Eine der meistgehassten Bildschirmanzeigen aller Zeiten: Fehler 37. (Quelle: Buffed.de)

 

Patch 2.0.1: Mehr als ein großer Flicken

Blizzard hat sein Action-Rollenspiel nicht aufgegeben, lange gefeilt und schließlich mit dem Doppelpack von Patch 2.0.1 und dem Add-on Reaper of Souls den Durchbruch geschafft: Ab sofort gibt es Dämonengeschnetzeltes in Premium-Qualität. Nach wie vor schön: Diablo III hat nur einen milden 3D-Hardwarehunger und läuft auch auf Mittelklasse-PCs und älteren Systemen anstandslos.

Der im Februar erschienene Patch verändert das Loot-System tiefgreifend. „Smartdrop“ war Blizzards Zauberwort, am sinnvollsten beschrieben mit „Klasse statt Masse“: Die Gegner lassen zwar weniger Beute fallen, aber endlich passt der Großteil des Gefundenen auch zum gespielten Charakter. Außerdem schließt Blizzard das vielkritisierte Auktionshaus. Ab sofort wird Beute selbst gesammelt und nicht mehr vorrangig aus dem Handel mit anderen Spielern erworben. Gut so, denn der Sammelerfolg wird zur Leistung des Spielers und man verbringt mehr Zeit mit dem eigentlichen Spiel statt mit einer eBay-Simulation. Nebenbei wird die Handwerkerfigur des Schmieds endlich nützlich. Dieser Helfer des Helden kann gegen Geld mächtige Waffen und Rüstungen fertigen. Das war allerdings witzlos, so lange man sich im Auktionshaus sein Ausrüstungspaket genau nach Wunsch zusammenkaufen konnte.

Neue Klassenfertigkeiten, überarbeitete Schwierigkeitsgrade und eine von 60 auf 70 erhöhte Maximalstufe reizen zur weiteren Charakterentwicklung und zum Experimentieren. Jenseits der Maximalstufe sind noch beliebig viele sogenannte Paragonlevel erreichbar, die Boni in vier wählbaren Kategorien gewähren. Etliche Detailänderungen machen das Spiel flüssiger, bieten schnelle Erfolgserlebnisse und motivieren zum Dranbleiben: Ab zum nächsten Dungeon, zum nächsten Bossgegner, zur nächsten Stufe mit neuen Fertigkeiten.

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Neue Klasse in Diablo III – Reaper of Souls: Der Kreuzritter.

Reaper of Souls: Mit dem Kreuzritter durch die Westmark

Ohne den Fehler 37, dafür mit ärgerlichen DDoS-Attacken startete Reaper of Souls im März. Das Add-on setzt mit neuem Content noch einen drauf. Mit dem Kreuzritter steht nach Barbar, Dämonenjäger, Hexendoktor, Mönch und Zauberer eine sechste spielbare Klasse zur Verfügung. Der gepanzerte Nahkämpfer verdrischt Feinde mit geweihten Waffen und erhöht die Widerstandskraft von Verbündeten. Aus heiligem Zorn, seinem Punktepool für Spezialangriffe, räumt er die Gegner mit wuchtigen Schildstößen ab und lässt Blitzsäulen vom Himmel fahren.

Die Kampagne von Diablo III wird in einem neuen, fünften Akt weitererzählt. Malthael, der für das Add-on namensgebende Engel des Todes, hat sich in den Kopf gesetzt, den „Schwarzen Seelenstein“ an sich zu reißen. Mit ihm will er nicht nur die verfeindeten Dämonen vernichten, sondern die Menschen gleich mit, da er sie als Abkömmlinge der Hölle ansieht. Aufhalten kann ihn nur der Spieler. In der düsteren, mittelalterlichen Westmark und in den verstörenden Ebenen des Wahnsinns wirft man sich in den Kampf gegen übellaunige Todesmaiden und Wiedergänger.

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Akt V in Diablo III – Reaper of Souls: Die Westmark.

Eine neue Handwerkerfigur, die Mystikerin, kann vom Helden aufgesucht werden, um das Inventar zu verbessern. Durch das Verzaubern erhalten Ausrüstungsstücke neue magische Eigenschaften. Ein Gegenstandslifting, auch bekannt unter dem Wortungetüm Transmogrifikation, verändert das Aussehen des Objekts. Freie Bahn für einen stilvollen Auftritt der Spielfigur.

Schon mit der Kampagne durch? Kein Problem, Blizzard hat auch das Endgame ordentlich ausgefüttert. Im Abenteuermodus verschwinden alle lästigen Storyelemente und man kann jeden Wegpunkt nach Belieben ansteuern. Kopfgeld-Quests regen zum Erlegen eines bestimmten Obermonsters an und bringen Blutsplitter ein. Diese neue Währung kann man bei der Händlerin Kadala mit etwas Glück gegen mächtige Gegenstände eintauschen. Sogenannte Nephalemportale führen in komplett zufallsgenerierte Mini-Level, in denen alles lauern kann – inklusive legendärer Beute.

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Neue Gugel, neuer Style: Transmogrifizieren bei der Mystikerin.

 

Fazit zu Diablo III – Reaper of Souls

Alles richtig gemacht, Blizzard: Der Kreuzritter als wuchtige Schlachtfeldwalze bereitet viel Vergnügen. Der fünfte Akt ist angenehm düster und ist eine schöne Abwechslung zu den bunteren vorherigen Akten. Wer bislang wegen schlechter Kritiken Diablo III links liegen ließ, kann nun bedenkenlos zugreifen. Und für alle zuvor Enttäuschten lohnt ein zweiter Blick. Sowohl im Grundspiel als auch zusammen mit dem Add-on Reaper of Souls ist Diablo III endlich das geworden, was es von Anfang an versprochen hatte: Ein höchst unterhaltsames Action-Rollenspiel mit großem Spaß beim Monster vermöbeln und Beute sammeln. Der Suchtfaktor erreicht wieder angenehme Dimensionen und gefährdet durch stundenlanges Daddeln das Sozialleben. Man kann kritisieren, dass Reaper of Souls fürs Geld vergleichsweise wenige Neuerungen bringt. Ich folge hingegen lieber der Lesart, dass es Blizzard sehr gut zu Gesicht steht, die wichtigsten Spielverbesserungen als kostenlosen Patch 2.0.1 allen Diablo-III-Spielern zugänglich zu machen. Darüber habe ich den verunglückten Start schon fast wieder verziehen.

 

Diablo III – Reaper of Souls

  • Genre: Action-Rollenspiel
  • Spielmodi: Single Player, 4-Personen-Multiplayer Koop
  • Im Shop: Diablo III, Diablo III – Reaper of Souls
  • Minimale Systemvoraussetzungen: Windows XP/Vista/7/8 (neueste Servicepacks), DirectX 9.0c, Intel Pentium D oder AMD Athlon 64 X2, NVIDIA GeForce 7800 GT oder ATI Radeon X1950 Pro, 2 GB RAM
  • Empfohlene Systemvoraussetzungen: Windows 7/8 (neueste Servicepacks), Intel Core 2 Duo 2,4 GHz oder AMD Athlon 64 X2 5600+ 2,8 GHz, NVIDIA GeForce 260 oder ATI Radeon HD4870, 4 GB RAM
  • Weitere Voraussetzungen: 12 GB verfügbarer Festplattenspeicher, Breitband-Internetverbindung, DVD-Laufwerk (nur für Retail-Version benötigt), minimale Bildschirmauflösung 1024 x 768
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Über Anton Weste

Ich bin Redakteur, Autor und Game Designer und habe an Fantasy-Rollenspielen wie "Das Schwarze Auge: Drakensang" mitgewirkt. Wenn ich nicht gerade tippe, philosophiere ich über Hollywood-Filme, zocke am PC oder ertüchtige mich beim Hockey, Fußball und Wandern.
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4 Kommentare auf "Angespielt: Diablo III – Reaper of Souls. Neuer Höllenspaß im Action-Rollenspiel"

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Gast

Klasse Game! Ich habe mit Diablo 1 vor mittlerweile gut 18 Jahren begonnen, damals noch auf meinem alten 486er … heute bevorzuge ich meinen Gaming Laptop! Mal hoffen dass das Addon darauf läuft, ist leider nichtmehr der schnellste ;(

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Gast

Endlich wird aus Diablo 3 ein richtiger ARPG Titel! Das Addon mit dem vorab release von „Loot 2.0“ macht das ganze wesentlich spannender und bringt mal wieder Leben ins Spiel.

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[…] und düsteren Elementen nicht mangelt. Spiele-Reihen wie Dragon Age, The Witcher, Diablo und Dark Souls machen es erfolgreich vor. Da hebt sich das familienfreundliche und kindgerechte […]

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Gast

Ich bin vom Diablo 3 pvp ziemlich enttäuscht. Klar, dass Diablo noch nie ein PvP Spiel war aber ein wenig mehr hätten sie schon bieten können. Ist auch schon ne Weile her, dass ich es gespielt hab. An sich ist es ja echt klasse.

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