Augenschmaus: Futter für 4K/UHD-Fernseher

Futter für 4K-TVs
Hat man sich einen teuren 4K/UHD-Fernseher zugelegt, dann möchte man darauf auch Serien und Filme in bestmöglicher Auflösung ansehen. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn hochauflösende 4K-Videos sind derzeit noch Mangelware. Wir haben uns umgesehen und zeigen, wo man hochauflösende Videos bekommt und wie man sie auf den 4K-Fernseher bringt.

Keine Frage des Contents

Die Produktion von 4K-Content ist längst kein Problem mehr: Hollywood dreht seine Filme und Serien meist in noch höherer Auflösung und selbst TV-Billigproduktionen werden in mindestens 4K-Auflösung aufgenommen. Auch Privatanwender müssen nicht gleich Haus und Hof verpfänden, um für das 4K-Heimkino passende Video-Clips zu drehen, denn einige Smartphones wie das Samsung Galaxy S6 oder Apple iPhone 6s und 6s Plus können hochauflösende Filmaufnahmen in hervorragender Qualität aufzeichnen. Trotzdem ist 4K-Content nur schwierig auf den UHD-Fernseher zu bringen, weil passende externe Abspielgeräte noch Mangelware sind wie bei der Ultra HD Blu-ray oder die Übertragungswege noch nicht massentauglich sind wie etwa bei der Ausstrahlung von TV-Programmen.

TV über Satellit und Kabel

So sorgt ein Blick in das deutsche Fernsehprogramm für erste Ernüchterung, denn einen Regelbetrieb eines TV-Senders in 4K gibt es derzeit nicht. Lediglich Demo-Programme laufen über Satellit wie etwa das des Privatsenders HD Plus, einer Tochterfirma von Astra. Um den UHD-TV-Demokanal zu empfangen, benötigt man eine passende Satellitenschüssel, die über Astra 19,2 Grad Ost empfängt sowie ein 4K-TV mit DVB-S2-Tuner, das die notwendige CI-Smartcard aufnimmt und einen Decoder für High Efficiency Video Coding (HEVC) besitzt. Ältere 4K-Fernseher und selbst einige „Neuheiten“ kommen noch ohne diesen Decoder daher und können deshalb jetzt und auch in Zukunft kein 4K-Fernsehprogramm wiedergeben, das mit dem effizienten HEVC-Videokompressionsverfahren übertragen wird. Solche Fernseher benötigen dafür einen zusätzlichen UHD-Receiver. Besonders spannend ist der UHD-TV-Demokanal von HD Plus aber ohnehin nicht: Außer ein paar Landschafts- und Tieraufnahmen sowie Stadtimpressionen gibt es nichts zu sehen.

Der Privatsender Sky ist einer der wenigen Sender, für die 4K überhaupt ein Thema ist. So wurden bereits ein paar Sportveranstaltungen in 4K übertragen, hier dürfte dann in Zukunft der Schwerpunkt auf die Ausstrahlung von Fußballspielen liegen. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben nichts mit 4K in Planung. Dort will man erstmal abwarten, wie sich die Verbreitung von UHD-Fernsehern entwickelt.

In deutschen Kabelnetzen gibt es derzeit noch keinen UHD-Kanal. Sollte das der Fall sein, dann muss man sich aber kein neues TV anschaffen, denn die jetzigen DVB-C-Tuner in 4K-Fernsehern sind dafür bereits ausgelegt. Sie müssen aber ebenfalls HEVC-Decoding unterstützen. Bis 4K-Kanäle über Satellit oder Kabel auf Sendung gehen, dürften noch einige Monate ins Land gehen.

Fernseher

Ultra HD Blu-ray

Physische Datenträger bieten mit der Ultra HD Blu-ray einen Ausweg, um wenigstens in absehbarer Zeit UHD-Filme und -Serien auf den hochauflösenden Bildschirm zu zaubern. Die Scheiben haben die Größe einer herkömmlichen Blu-ray, können aber bis zu 100 GB an Audio- und Videodaten speichern. Das reicht aus, um 4K-Videos in 3840 x 2160 Auflösung mit hohen Bildwiederholraten von mindestens 60 Bildern pro Sekunde und in kontrastreicher HDR-Darstellung zu speichern. Möglich macht das der HEVC-Codec, der bereits bei der 4K-Fersehausstrahlung zum Einsatz kommt und bis zu 50 Prozent effizienter komprimiert als der H.264-Codec, der bei vielen herkömmlichen Blu-rays zum Einsatz kommt.

Ohne passenden Ultra HD Blu-ray Player geht aber nichts. Bisher hat Samsung für März 2016 einen entsprechenden Player angekündigt, Panasonic den UBZ1, der im November 2015 erhältlich sein soll – allerdings nur im Heimatmarkt Japan. Die Player dürften anfangs recht teuer sein und jenseits der 1000 Euro kosten. Um sie überhaupt betreiben zu können, muss der HDMI-Anschluss des UHD-Fernsehers den Kopierschutz HDCP 2.2 unterstützen, denn sonst bleibt der hochauflösende Bildschirm des 4K-TVs schwarz.

YouTube und Vimeo über Smart-TV-Apps

Möchte man ohne große Investitionen in den Genuss von 4K-Filmen kommen, dann funktioniert das am einfachsten über Apps für das Smart TV. Der 4K-Fernseher muss dazu allerdings auch wirklich smart sein und über ein Betriebssystem wie beispielsweise Tizen oder WebOS verfügen, die eine Installation von Video-Apps für YouTube oder Vimeo ermöglichen. Der Vorteil der Nutzung der Smart-TV-Apps besteht darin, dass man dafür keinen externen Player benötigt und auch nichts für den Content bezahlen muss. Es wird lediglich eine schnelle Internet-Verbindung benötigt, die einen kontinuierlichen Daten-Stream von etwa 25 Mbit/s liefern sollte. Wir verwendeten einen 50-Mbit-DSL-Anschluss von 1&1, der fast immer ausreichte.

YouTube 4K-Video

Bei YouTube findet man 4K-Videos in Hülle und Fülle.

Sowohl YouTube als auch Vimeo liefern Massen an kurzen oder längeren Videos in 4K. Es reicht aus, in die Suche der App 4K oder UHD einzugeben, und man ist ein paar Abende mit hochauflösenden Videos beschäftigt. Die Qualität des 4K-Materials variiert, denn einige Videos sind stark komprimiert, sodass sie den möglichen Detailreichtum der 4K-Auflösung gar nicht ausspielen können. Die meisten Clips können sich aber sehen lassen. Besonders Demo-Videos von TV-Herstellern beeindrucken mit hohen Details. Trailer von Filmen und auch mit Smartphone-Kameras gedrehte 4K-Clips gefallen. Bei Vimeo ist die Auswahl an UHD-Videos nicht ganz so reichhaltig wie bei YouTube. In vielen Fällen hakelten Vimeos Clips beim Abspielen. Anscheinend wurde kein besonders effizienter Videocodec eingesetzt, sodass die Bandbreite des Internet-Anschlusses überstrapaziert wird.

Videostreaming: Netflix und Amazon Prime Video

Aktuelle Filme und Serien in 4K gelangen über Videostreaming-Services auf das TV-Gerät. Das funktioniert per Smart-TV-App oder mit einem passenden Abspielgerät wie beispielsweise dem neuesten Fire TV mit 4K-Wiedergabefunktion. Wie schon bei den Utra HD Blu-ray Playern muss der HDMI-Eingang des TV-Geräts den Kopierschutz HDCP 2.2 unterstützen, damit ein Bild ankommt. Ein solcher Player lohnt sich dann, wenn man ein 4K-TV ohne Smart-TV-Funktionen besitzt.

Derzeit bieten nur Netflix und Amazon Prime Video eine nennenswerte Anzahl an Filmen und Serien in 4K-Auflösung an. Die anderen Video-on-Demand-Anbieter wie Maxdome oder Watchever warten derzeit noch ab. Es ist unklar, wann sie 4K-Titel anbieten werden.

Kunden von Netflix kommen im teuersten Abo in Höhe 12,99 Euro auf ihre 4K-Kosten, denn nur in diesem Paket sind UHD-Videos enthalten. In der Netflix-App erscheinen sie ausschließlich auf einem 4K-Fernseher in einer eigenen Kategorie. Die ist allerdings recht flott durchstöbert, denn die Anzahl der UHD-Titel ist noch übersichtlich. Neben ein paar Filmen sind es vor allem Netflix-Eigenproduktionen in Form von Serien, die hochauflösend vorliegen.

Netflix 4K-Rubrik

Nicht hübsch, aber Netflix sortiert 4K-Videos immerhin in einer eigenen Rubrik.

Netflix 4K-Video

4K-Videos erkennt man bei Netflix am Ultra HD Symbol.

Bei Amazon Prime Video sieht es ähnlich aus: Die App zeigt ausschließlich auf einem 4K-Fernseher die entsprechende Kategorie mit hochauflösenden Videos an. Einige davon sind im Prime-Abo von 49 Euro pro Jahr enthalten, andere kosten extra. Man kann sie sich für 48 Stunden virtuell ausleihen. Auch bei Amazon Prime Video dominieren eigenproduzierte Serien. Filme sind zwar vorhanden, deren Anzahl ist aber nicht besonders hoch.

Amazon Instant Video 4K-Rubrik

Bei Amazon Instant Video sind 4K-Filme übersichtlich in einer eigenen Rubrik zu finden.

Amazon Instant Video 4K-Video

Die Anzahl der 4K-Videos ist bei Amazon Instant Video noch recht übersichtlich.

Bei der Qualität unterscheiden sich die 4K-Videos beider Dienste kaum. Wir hatten den Eindruck, dass die Komprimierung etwas zu hoch ausgefallen ist. Jedenfalls stellte sich nicht der „Ah“-Effekt ein wie bei so manchem YouTube-Video oder einem selbstgedrehten Clip mit einem Apple iPhone 6s Plus. Unsere Internet-Verbindung brachte aber keiner der beiden Dienste ins Schwitzen. Alles lief an unserem 50-Mbit-Anschluss ruckelfrei. Ursächlich dürfte sein, dass beide VoD-Dienste auf HEVC setzen. Entsprechend muss der eigene UHD-Fernseher diesen Codec unterstützen, um die Videos decodieren und anzeigen zu können.

Eigenproduktionen über USB und Netzwerk zuspielen

Eine letzte Möglichkeit, das UHD-TV zu füttern, ist das Anfertigen von eigenen Clips mit einer 4K-fähigen Videokamera oder einem entsprechenden Smartphone. Die Videos spielt man über USB-Stick, USB-Festplatte oder einer Netzwerkfestplatte zu. Das funktioniert bei allen 4K-TVs, die gleichzeitig Smart TV sind. Allerdings steckt der Teufel im Detail, denn die TVs der unterschiedlichen Hersteller verlangen ein bestimmtes Video-Format. Grundsätzlich wollen alle von uns getesteten Fernseher MP4-Videos haben. Dabei handelt es sich aber nur um ein Container-Format, in dem unterschiedliche Video-Codierungen enthalten sein können. Falls also das Video als unbekannt erkannt und nicht abgespielt wird, muss man ein wenig rumprobieren und das Video neu kodieren.

Fazit

UHD-Fernseher sind eine tolle Sache. Doch der passende Content ist rar und nur mit einigem Aufwand auf den Fernseher zu bekommen. Über Satellit und Kabel dürfte es noch eine Weile dauern, bis 4K-Sender ihren Regelbetrieb aufnehmen. Die Ultra HD Blu-ray steht erst in den Startlöchern, die notwendigen Player wird es erst im nächsten Jahr geben und anfangs wahrscheinlich noch zu wenig erträglichen Preisen. Über Smart-TV-Apps kann man schon jetzt in den Genuss von 4K-Videos kommen, entweder kostenfrei über YouTube und Vimeo oder kostenpflichtig über Video-on-Demand-Dienste wie Netflix oder Amazon Instant Video. Bei beiden ist die Auswahl an Filmen und Serien aber noch begrenzt. Wer etwas Zeit und Muße hat, schnappt sich einfach sein Smartphone mit 4K-Kamera und dreht seine eigenen Videos. Selbstgemacht ist am Schönsten – sagt man ja.

Fotos: Samsung

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Über Oliver Bünte

Als Journalist, Historiker und bekennender Technikfreund beschäftige ich mich seit über 30 Jahren mit Computern und habe die Entwicklung mobiler Technik von Handys und PDAs bis hin zu Smartphones und Tablets von Anfang an kritisch begleitet. Ich vermittele tagtäglich als Journalist und aktiver Blogger auf notebooksbilliger.de, notebookjournal.de, applebrain.de und vivacities.de alles, was den Anwender wirklich interessiert. Du findest mich auf Facebook, Twitter, Google+, LinkedIn und XING.
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