Bye, bye OLED: Quantum Dots im TV

Quantum Dots

OLED-Displays in Fernsehern gelten bei TV-Freunden als unangefochtenes Nonplusultra, denn nur sie bieten einen riesigen Farbraum und hochkontrastreiche Bilder. Dumm nur, dass OLED-TVs mit 55 und mehr Zoll Größe problemlos ein paar tausend Euro kosten können: zu viel für viele Haushalte. Nun sollen es Displays mit Quantum Dots richten, die auf dem guten Weg sind, eine ähnliche Qualität wie OLEDs zu erreichen, aber deutlich günstiger zu produzieren sind. Wir haben uns die Technik genauer angeschaut und verraten, wohin die (TV-)Reise geht.

Warum OLED? Warum Quantum Dots?

Ein gutes Fernsehbild zeichnet sich durch einen großen Farbraum, eine gleichmäßige Beleuchtung sowie hohe Kontraste aus. Übliche LCD-Techniken erreichen das nur mit Einschränkungen. Deshalb setzen einige TV-Hersteller auf OLED-Displays. Sie zu produzieren, ist jedoch teuer. Grund dafür ist der aufwendige Fertigungsprozess für fehlerfreie OLED-Displays im Großformat. OLEDs werden daher vorerst nicht im Massenmarkt ankommen.

Genau das möchten aber Content- und Streaming-Anbieter, die ihren Kunden ein möglichst brillantes Filmerlebnis bieten wollen, um sie langfristig bei der Stange zu halten. Videos mit einer hohen 4K/UHD-Auflösung allein reichen dafür längst nicht mehr aus. Die neuen Ultra HD Blu-rays und die Streaming-Angebote von Netflix & Co. setzen künftig auf kontraststarke Videos im HDR-Format. Damit sollen die Filmwelten noch besser erlebbar sein. Dafür braucht es aber auch Fernsehdisplays mit OLEDs oder für den breiteren Markt mit Quantum Dots, die den hohen Kontrastumfang zusammen mit passenden Decodern dynamisch in Echtzeit umsetzen können.

Nanotechnik Quantum Dots

Ein TV-Bild wird aus den Grundfarben Rot, Grün und Blau gemischt. Die unterschiedlichen Displaytechniken benutzen dazu unterschiedliche Verfahren, um entsprechend farbige Subpixel zu generieren, die ein möglichst großes Farbspektrum bei hoher Helligkeit und hohem Kontrast erzielen.

Bei der Quantum-Dot-Technik kommt eine blaue LED-Hintergrundbeleuchtung zum Einsatz, die das Licht durch eine Folie abgibt, die mit Nanokristallen durchsetzt ist. Diese Kristalle besitzen zwei unterschiedliche Größen. Die „größeren“ 10-Nanometer-Kristalle geben bei auftreffendem blauen Licht rotes Licht ab, die kleineren 2-Nanometer-Kristalle grünes Licht. Zusammen mit der blauen Hintergrundbeleuchtung ergeben sich daraus die drei Grundfarben aus jeweils sehr intensivem und reinem farbigen Licht. Die unterschiedlichen Farb- und Helligkeitsnuancen werden dann über eine Filterschicht erreicht, die von intelligenten Bildprozessoren angesteuert wird.

Neben einer brillanten Farbdarstellung kann die Quantum-Dot-Technik eine hohe Leuchtdichte und damit ein besonders helles Bild generieren. Außerdem führt sie zu einem besseren Schwarzwert, weil kein weißes Licht verwendet wird, wie es bei der herkömmlichen LCD-Technik der Fall ist. Den Schwarzwert eines OLED-Displays und dessen Kontraste können Quantum-Dot-Displays bisher aber noch nicht erreichen.

Entwarnung kann man bei der Umweltverträglichkeit geben: Bei frühen Modellen wurde giftiges Kadmium in den Nanokristallfolien eingesetzt. Das hat sich mittlerweile geändert. Samsung & Co. haben angekündigt, nur kadmiumfreie Folien einzusetzen.

Quantum Dots und nun?

Eigentlich ist die Quantum-Dot-Technologie gar nicht besonders neu. In einigen Geräten wie beispielsweise Notebooks und Tablets wird sie bereits seit einigen Jahren eingesetzt. Und auch einige TV-Hersteller wenden sie bereits seit einiger Zeit in ihren Fernsehgeräten an. Ein früher Pionier der Quantum-Dot-Technik ist Sony. Seit etwa 2013 peppt das Unternehmen die Farbdarstellung seiner Fernseher mit der Nanotechnik auf. Der Anwender kennt diese Displays eher unter der Marketing-Bezeichnung Triluminos.

Samsung hat auf der CES 2016 angekündigt, künftig verstärkt auf Quantum Dots statt auf OLEDs zu setzen. Ein Grund, warum es vorerst weniger OLED-TV-Neuheiten von Samsung geben dürfte. LG hält an OLED fest und hat in den letzten Monaten die Preise für seine großformatigen TVs mit organischen Displays drastisch gesenkt. Wie viel LG draufzahlt, um diese TVs in den Markt zu drücken, bleibt ein Geheimnis. Teurer als herkömmliche LCD-TVs sind LGs OLED-TVs trotzdem noch und damit keine Alternative zu den preisgünstigen Fernsehern mit Liquid-Crystal-Technik. Ganz ohne Quantum Dots will aber auch LG nicht auskommen und hat angekündigt, ebenfalls Quantum-Dot-TVs anbieten zu wollen.

Einer der großen TV-Hersteller dagegen hält sich noch etwas zurück: Panasonic. Das japanische Unternehmen verfeinert die LCD-Technik über verbesserte Backlight-LEDs, die höhere Kontraste und eine bessere Farbwiedergabe über spezielle rote und grüne Phosphorbeschichtungen erzielen sollen. Ob das so bleibt und Panasonic nicht auch auf Quantum-Dot-Technik umschwenkt, ist offen. Dass Quantum-Dot-Displays stärker kommen werden, ist aber sicher.

Im Shop von notebooksbilliger.de gibt es eine Vielzahl an TVs in verschiedenen Größen und mit verschiedenen Display-Techniken.

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Über Oliver Bünte

Als Journalist, Historiker und bekennender Technikfreund beschäftige ich mich seit über 30 Jahren mit Computern und habe die Entwicklung mobiler Technik von Handys und PDAs bis hin zu Smartphones und Tablets von Anfang an kritisch begleitet. Ich vermittele tagtäglich als Journalist und aktiver Blogger auf notebooksbilliger.de, notebookjournal.de, applebrain.de und vivacities.de alles, was den Anwender wirklich interessiert. Du findest mich auf Facebook, Twitter, Google+, LinkedIn und XING.
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