Die neuen Betriebssysteme: Facebook & Google

Soziale Netzwerke. Der Hype aktuell. Und das, obwohl die ersten bereits gestorben sind und die Nutzer in Scharen fliehen. Lange war nur Facebook, nun kommt auch Google+ dazu. Doch ich behaupte: Das, was Google und Facebook da bauen, das sind keine sozialen Netzwerk – das sind Betriebssysteme!

Lange Zeit drehte sich alles um den Desktop, das Desktop-Betriebssystem. Ich will gar nicht zurückgehen bis zum Amiga, von dem viele immer noch sagen, dass er sich mit seinen Multimedia-Leistungen noch immer die Krone für das beste Betriebssystem verdient hat. Oder BeOS wieder herauskramen, das zwar innovativ war, aber sich dennoch nicht wirklich durchsetzen konnte (ich oute mich: ich mochte es!). Windows war immer stärker und beherrscht auch heute noch den Markt. Noch. Denn auch wenn man Linux (als Desktop-Betriebssystem!) hinter sich lassen konnte und den Apple-Atem erst mittlerweile spürt, interessiert in meinen Augen der Desktop nicht mehr.
Der Trend geht aktuell zu Tablets, die mit iOS, Android, webOS oder zukünftig Windows 8 bestückt sind. Aber auch das ist in meinen Augen nur ein Übergang.

Wenn wir einmal schauen, was wir die meiste Zeit am PC machen – wozu brauchen wir das Betriebssystem dann noch? Spiele?  Ist es Spielen nicht relativ egal, wofür sie programmiert sind? Briefe? Kann ich im Web schreiben. Tabellen? Web!Präsentationen? Web!Chat? Web!Mails? Web!Musik? Wandert grade eh in die Cloud! Im täglichen Arbeitsleben benutze viele doch bereits kleine Thin Clients und arbeiten per Remote Desktop auf dem Server, nutzen den „eigenen Rechner“ also schon gar nicht mehr.

Fast alles von dem, was wir tun, passiert doch grade ohnehin schon im Web. Und es ist weitesgehend egal, was darunter für ein Betriebssystem läuft – hauptsache der Browser ist aktuell und unterstützt die neuesten Funktionen.
Die Hersteller, die großen Player, seien es Google, Microsoft oder auch Apple (die allerdings wie immer einen etwas anderen Ansatz verfolgen), merken das auch, fördern es sogar.
Microsoft strukturiert für Office 365 und die Cloud komplett um. Google macht mit den Google Docs schon lange gute Arbeit, von Googlemail ganz zu schweigen!
Und – besonders Google und Microsoft – haben im Web nahezu alles an Tools, die die Programme auf dem eigenen Rechner überflüssig machen. Während dies bei Microsoft noch recht unstrukturiert im Netz herumflackt, sortiert sich Google dieser Tage und bringt, nicht nur durch Google+, seine diversen Tools näher zusammen. Picasa für Bilder, Chat, Videotelefonie, Google Docs, Reader, Mail, News, Kalender. Da ist doch bereits alles, was ich brauche! Das versucht Google ja auch nicht zuletzt mit seinem Chromebook zu zeigen, auf dem – praktisch gesehen – auch nichts weiter läuft, als ein Browser als „Betriebssystem“. Alles andere bietet man ja eben „in der Cloud“, im Web.
Facebook geht grob gesehen einen ähnlichen Weg. Ich kann intern chatten, im Newsstream verfolgen, was in meinem sozialen Umfeld passiert, ich kann intern und extern eMails schreiben, die Inbox fasst alles für mich zusammen. Ich kann meine Bilder speichern und zeigen. Seit Mitte der Woche kann ich sogar (Video)telefonieren. Aktuell noch nur intern. Noch. Doch Marc Zuckerberg hat bereits gesagt, dass die Skype-Integration nur der Anfang ist. Es gibt viele tolle Tools da draußen, die man in Facebook einbinden könnte. Könnte, kann, wird. Da ist zwar ein Unterschied zu Google, die derzeit alle Tools „inhouse“ anbieten, doch wo ist denn da der Unterschied zu unserem bisherigen Betriebssystem? Es gibt tolle Programme (Web Applikationen), die ich mir installiere (in Facebook einbinde).
Microsoft und Apple, die aus dem alteingesessenen Hardware und damit auch Desktop-Bereich kommen, haben es hier zugegeben etwas schwerer. Der Weg ins Netz kann nur mit Zwischenschritten erfolgen. Die Alten Zöpfe können nur langsam abgeschnitten werden. Bei Apple ist dies die Syncronisation von Fotos, Kontakten und Musik über die iCloud, bei Microsoft wird dies sicherlich mit Windows 8 die stärkere Integration seiner durchaus erfolgreichen Live Dienste – allen voran Hotmail – und Office 365 (allein schon aus dem selbst auferlegten Erfolgsdruck) sein.
Der Weg allerdings ist vorgegeben und wenn wir über Betriebssysteme sprechen, dann sprechen wir schon lange nicht mehr über den Kampf zwischen Windows, OS X und Linux, wahrscheinlich nur kurzfristig über iOS, Android und webOS und mittelfristig über Google, Facebook und das, was sich Apple und Microsoft noch schnellstmöglich einfallen lassen sollten. Denn unser neues Betriebssystem ist unsere Startseite im Internet und nicht das, was da im Hintergrund läuft – das ist nur das notwendige Übel.

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Muss ich völlig zustimmen — Leider ):

Erstmal: Sehr schöner Blog. Gut geschrieben.

Stimme dir da voll zu, allerdings sehe ich ein kleines Problem bei „Alles in der Cloud“, denn es geht einem nahezu komplett die Kontrolle über die eigenen Daten und Dateien verloren.
Sollte die Website auf der die Daten liegen down gehen oder einen (ungesicherten) Servercrash haben sind deine Daten weg. Also sehe ich das Desktop-Betriebssystem auch mittelfristig nicht als „notwendiges Übel“.

… 

[…] Kollege Matthias hat bei uns im Arbeitsblog einen Beitrag unter dem gleichnamigen Titel veröffentlicht. Ich finde den Beitrag sehr passend und konnte nur mir dem Kopf nicken. “Soziale Netzwerke. […]

Sehe ich ganz klar anders und finde die ENtwicklung erschreckend.

Wenn überhaupt sind Browser die neuen Betriebssysteme, denn DEN sehe ich fast immer. Aber ich werde niemals alle meine Daten in die Clud schieben. Zum einen sind es dafür zu viele zum anderen sind es meine Daten. Einen Teil, KLAR, aber halt nicht alles.

„Und es ist weitesgehend egal, was darunter für ein Betriebssystem läuft“

Es ist zwar vollkommen egal was für ein Betriebssystem läuft, ABER es MUSS numal eins laufen. Und Facebook und Co werden daran auch nichts ändern.

Warum kann den Facebook Video Telefonie ? Weil es selbst direkten Zugriff auf die Hardware hat ? Ja es gibt echt kein Unterschied zu einem „richtigen“ Betriebssystem 😉

… 

Für Laien, die ihren Desktop als „Betriebssystem“ betrachten, und zu der glücklichen Minderheit gehörten, die mit 16MBit+ ans Netz der Netze angeschlossen sind, mag das hier geschriebene vielleicht zutreffen. Korrekterweise sollte dann aber eben „Betriebssystem“ durch „Desktop“ oder „Benutzeroberfläche“ ersetzt werden.

Betriebssystem bleibt nach wie vor, das was hinter den Kulissen (nicht) zu sehen ist. Da wird auch kein Facebook, kein Google+ und keine iCloud auch nur das geringste ändern.

… 

Von mir aus können das alle so machen, ich nicht.

… 

And how extended should it be just before THREE DIMENSIONAL printers are able to use multiple elements and are also regarding ample tools to enable users in order to manufacture their own personal pistol…?? (it could oftimes be completed right now if someone would like to position the components together). I““m frightened often the dark side regarding THREE DIMENSIONAL publishing should be planned along with the tree-hugging, good-for-the-earth factors…