Die Samsung Galaxy Camera angetestet mit Erfahrungsbereicht und Hands On

Endlich ist sie da, die neue Samsung Galaxy Camera. Ich habe diese aber nicht nur einfach ins Büro geliefert bekommen, Samsung hat mich zu einem Event eingeladen, bei dem ich die Kamera auf Herz und Nieren testen konnte. So ging es nach Köln Hürth zur Action Concept GmbH, das sind die, die unter anderem bei Alarm für Cobra 11 für die Stunts und Special Effekte zuständig sind. Also perfekte Voraussetzungen für die Kamera, bei der ich Anfangs doch sehr skeptisch war, denn mit Android auf Smartphone Basis eine voll funktionsfähige Kamera auf den Markt zu bringen hielt ich für gewagt.

Die Kamera
Die Android Kamera hatte ich euch ja bereits während der IFA kurz vorgestellt, so kann ich also auf eine ausführliche Vorstellung der technischen Details verzichten. Also fasse ich das Wichtigste kurz zusammen:
Die Kamera hat eine Auflösung von 16,3 Megapixeln und einen 21-fachen optischen Zoom. Die Brennweite beginnt bei 23mm im Weitwinkelbereich, so dass auch recht Nahe Objekte ordentlich auf dem Foto abgelichtet werden können. Mit einem ISO Wert von 3.200 sollen auch noch bei schwierigen Lichtverhältnissen einigermaßen gute Fotos gelingen, leider empfand ich das Bildrauschen als etwas zu hoch. Die Kamera lässt sich fast ausschließlich über den 4,8-Zoll Touchscreen bedienen, denn es gibt nur wenige Tasten an der Kamera. Genauer gesagt, es gibt 3 Tasten, davon ist eine die mechanische Auslösung für den Blitz, der Ein-Ausschalter und den Kameraauslöser sowie die Zoom-Wippe. Alle anderen Einstellungen und die Bedienung sind dann direkt in der speziellen Kamera App zu finden. Als Basis für die Kamera dient Android 4.1.1, bei dem die Telefoniefunktion entfernt wurde. Durch die Anbindung zum Google Play Store hat man Zugriff auf den gesamten Produktkatalog. Facebook, Twitter und andere Social Networks sind bereits vorinstalliert. Via Dropbox lassen sich geschossene Fotos direkt ins Web laden, denn die Galaxy Camera unterstützt sowohl WLAN als auch UMTS, die Kamera besitzt ein integriertes UMTS Modul und unterstützt MicroSIM Karten.

Wir haben ein Vergleichsfoto von ISO 200 und ISO 3.200 gemacht, um das Bildrauschen bei hohen ISO Werten zu verdeutlichen.

Mit 305 Gramm Gewicht liegt die Kamera gerade noch gut in der Hand, für eine Kompaktkamera finde ich sie aber schon etwas zu schwer. Für den Betrieb mit nur einer Hand ist sie eher bedingt geeignet. Richtig Spaß bereitet der 4,8-Zoll große Touchscreen, denn mit wirklich sehr brillanten Farben kann man seine Fotos direkt an der Kamera betrachten und gleich, wie von einem Android Smartphone gewöhnt, mit dem Fingern die Fotos vergrößern oder sich durchs Fotoalbum blättern. Auch dient der Display als Monitor für die Kamera beim Fotomodus, es gibt keinen extra Sucher, alle Motive werden über das Display betrachtet. Das hat Vor- und Nachteile, der größte Nachteil für mich ist die Akkulaufzeit, denn das große Display verbraucht recht viel Strom bei einem Dauerbetrieb der Kamera. Vorteilhaft finde ich die Möglichkeiten, Motive direkt auf dem Display mit einem Tipp auf das Objekt fokussieren zu können. Auch die Menüführung der Kamera ist sehr gut auf die Touch-Steuerung abgestimmt, meistens lassen sich mit wenigen Klicks die Einstellung direkt anpassen.

HDR Aufnahme

Mobil dank Android
Unter Android kann sich jeder etwas vorstellen, die Kamera hat kein properitäres System, sondern ist vollkommen in Android integriert – im Grunde ist es nur eine App. Somit hat die Kamera einen gravierenden Vorteil gegenüber allen anderen Kameras auf dem Markt: Sie kann immer und überall online sein und alle Daten lassen sich problemlos mit der ganzen Welt oder einfach nur den wichtigsten Freunden teilen. Okay, dieses Feature ist für viele Hobby-Fotografen vielleicht kein echter Vorteil, aber zumindest für Blogger auf einer Messe, für Fotografen, die schnell Schnappschüsse ins Büro senden müssen oder während des Familienurlaubs im Hotel W-LAN der Verwandtschaft daheim die Erinnerungsbilder schicken. Natürlich sind dem System kaum Grenzen gesetzt. Es lässt sich einstellen, dass die Fotos automatisch per W-LAN in seine Dropbox oder in anderen Speicher geladen werden sollen, die Fotos können ebenfalls mit Facebook, Twitter, Instagram, Google + und jedem beliebigen anderem Programm geteilt werden. Im 3G-Betrieb sollte man hier aber auf sein Datenvolumen achten, denn mehrere GB im Monat sind bei ständigem Upload schnell erreicht. Eine integrierte Fotoalbum- und Fotobearbeitungs-App lassen direkt an der Kamera Motive betrachten bzw. auch bearbeiten.

Telefonieren lässt sich mit dieser Kamera auch, jedoch ist man dort auf Software von Drittanbietern gebunden. Skype funktioniert problemlos und auch mit VoIP-Programmen wie Sipdroid war es mir möglich, mit der Kamera zu telefonieren. Jedoch wird dafür der Lautsprecher und das Mikrofon der Kamera verwendet.

Actionszene Motivprogramm „Momentaufnahme“ – ISO 200 / F3.4 / 1/800

Die Handhabung
Kamera in die Hand nehmen und kurz auf den Auslöser drücken, dann startet in der Regel die Kamera-App und kann loslegen zu Fotografieren. Für einen Schnappschuss ist es aber etwas langsam, denn es vergehen schon ein paar Sekunden. Vereinzelt kann es vorkommen, dass die Kamera nicht richtig im Stand-By Modus ist sondern sich ganz heruntergefahren hat, also vor der Fototour prüfen, ob die Kamera eingeschaltet ist und gegebenenfalls starten. Der Touchscreen reagiert meiner Meinung nach im Experten-Modus der Kamera etwas zu empfindlich, so finde ich, dass sich das Auswahlfeld öfter mal  etwas weiter verstellt, als es eingestellt werden sollte.

Innenaufnahme bei schlechten Lichtverhältnissen ohne Blitz – ISO 250 / F2.8 / 1/30

Die Bilder
Ein Kameratest ist ja immer sehr subjektiv, sofern man keine Messgeräte und Testausrüstung hat, um die Fotos nach Labormessmethoden auszuwerten. Ich habe die Kamera aber im Alltag getestet und darauf kommt es auch an. Auch hat die Kamera mich zwei Wochen begleitet und ich bin mit den Bildern zufrieden. An meine digitale Spiegelreflex kommt sie natürlich nicht heran, aber diese beiden Kameratypen kann man auch nicht miteinander vergleichen.

Aufnahme kurz vor Sonnenuntergang – ISO 100 / F4 / 1/320

Bei der Samsung Galaxy Camera geht es in erster Linie um eine gute Kompaktkamera mit besonderen Features. Die Kamera verfügt über mehrere Bildmodi, zum einem der vollautomatische Modus, dann der intelligente Modus, dahinter verbergen sich Motivprogramme. Als Motivprogramme stehen folgende Optionen zur Verfügung:

  • Gesichtstönung -> korrigiert Hautunreinheiten bei Portraitfotos automatisch
  • Bildempfehlung -> lässt das beste Bild aus einer Serie auswählen
  • Serienaufnahme -> Serienbildaufnahme mit 4 Bilder in der Sekunde
  • Bestes Gesicht -> aus fünf Bildern die besten Gesichter zusammenstellen
  • Landschaft -> Farboptimierung bei Landschaftsaufnahmen
  • Makro -> nahe Objekte oder Text aufnehmen
  • Momentaufnahme -> Fotos bei schnellen Bewegungen aufnehmen
  • Farbfülle -> HDR Aufnahmemodus
  • Panorama -> Panoramafunktion aus bis zu 8 Einzelbildern
  • Wasserfall -> fließendes Wasser durch längere Belichtungszeit aufnehmen
  • Silhouette ->Silhouettenprogramm mit Hintergrundbeleuchtung
  • Sonnenuntergang -> intensivere Farben bei Sonnenuntergang
  • Nachtmodus -> mehrere dunkle Bilder werden zu einem hellen zusammengesetzt
  • Feuerwerk -> Aufnahmemodus ohne Blitz mit langer Belichtungszeit
  • Leuchtspuren -> Aufnahmemodus bei Nacht mit längerer Belichtungszeit

Test der Panorama Funktion mit 270°

Die Programme sind recht gut abgestimmt auf die jeweiligen Gegebenheiten. So macht die Kamera in einigen Programmen mehrere Bilder nacheinander und lässt dann das jeweils beste Bild auswählen. Die Serienaufnahme schafft vier Bilder in der Sekunde und im Programm bestes Gesicht kann man bei den von der Kamera erkannten Gesichter die Fotoausschnitte durch anklicken und verschieben austauschen. Auch gibt es einen Experten-Modus, in diesem Modus kann der Fotograf die Kameraeigenschaften manuell steuern. Man erhält somit kompletten Einfluss auf die Blende, die Belichtungsdauer, den ISO Wert und die Helligkeit. Die Steuerung erfolgt hier auch ausschließlich über den Touch-Screen. Zusätzlich kann man wie in jeder Kamera, den Weißabgleich justieren, den Fokus-Bereich ändern, eine Gesichtserkennung aktivieren, per GPS seinen Standort auf das Bild speichern lassen und Belichtungseinstellungen vornehmen.

Im ganzen empfinde ich die Fotos der Galaxy Camera als ganz gut, jedoch muss ich hier ehrlich sagen: Die Kamera ist meiner Meinung nach eher für den Anfänger geeignet als für den Profi, denn bei Vergrößerung erkennt auch auch bei geringen ISO Werten schon ein leichtes Bildrauschen, dass aber nur auffällt, wenn man die Bilder am Computer bearbeitet und ins kleinste Detail heranzoomt. Bei einer normalen Betrachtung und auch beim Ausdruck der Bilder fällt dieses hingegen nicht auf. Auch beim Teilen der Bilder in soziale Netze fällt dies nicht auf.

Schneemaschine pustet Kunstschnee – ISO 800 / F4.5 / 1/250

Die Videos
Der Video-Modus bietet ebenfalls mehrere Varianten an, wobei diese sich eher in der Bildgröße unterschieden. Die Kamera unterstützt folgende Bildformate sowie eine High-Speed Aufnahmefunktion, mit der man die Videos wie in Zeitlupe betrachten kann. Dies ist vor allem dann interessant, wenn man eine schnelle Bewegung einfangen möchte, um sie eindrucksvoll darzustellen. Da das Video dadurch viermal so lang wird, macht es aber wenig Sinn auf diese Weise ein längeres Video mit Alltagsmotiven zu drehen, da dort auch kein Ton vorhanden ist.

  • FullHD 1080p mit 30 Bildern pro Sekunde
  • HD 720p mit 30 und 60 Bildern pro Sekunde
  • 768 x 512 Pixel mit 120 Bildern pro Sekunde – Highspeed Kamerafunktion
  • 640 x 480 mit 30 und 60 Bildern pro Sekunde
  • 320 x 240 Pixel mit 30 Bildern pro Sekunde

Luftaufnahme vom Kölner Dom durch Scheibe hindurch – Landschaftsmodus – ISO 160 / F4.8 / 1/640

Die Videos sind für eine Kompaktkamera recht gut geworden, auch bei Betrachtung auf einem Fernseher zeigen sie ein ordentliches Bild. Ein erwähnenswerter Punkt ist hier die maximale Aufnahmelänge von 25 Minuten, wobei in der Praxis kaum Videos von 25 Minuten Länge am Stück mit einer solchem Kamera gedreht werden. Ich habe hier ein Beispielvideo einer Actionszene in normalen Tempo und mit der High-Speed Funktion aufgenommen.

Okay, Batterielaufzeit ist immer die große Frage. Für mich völlig unverständlich ist die Tatsache, dass in der Samsung Galaxy Camera lediglich ein 1650 mAh großer Akku verbaut ist. Dieser ist baugleich mit dem Akku aus dem Samsung Galaxy S2. Da die Kamera aber WLAN, 3G, GPS und einen 4,8-Zoll großes Display hat, hält der Akku dementsprechend nicht lange. Mit eingeschalteter 3G-Verbindung und WLAN sowie dem Dropbox Upload hielt die Kamera knappe drei Stunden durch, während dieser Zeit wurde aber auch fleißig fotografiert und gefilmt. Natürlich wollte ich auch wissen, wie lange der Akku beim Filmen durchhält: Also Testaufbau eine Autobahnfahrt, WLAN und 3G ausgeschaltet nur GPS war aktiv. Die Bildschirmhelligkeit wurde herabgesetzt, da er trotz geringer Stufe eine ausreichende Helligkeit hatte. Ich kam auf eine Laufzeit von knapp 105 Minuten, bis der Akku die 5 Prozenthürde nahm und die Kamera abschaltete. Nutzt man die Kamera hingegen nur sporadisch und macht ein paar Fotos pro Tag, so hält der Akku dann doch schon eine Woche oder länger, sofern man die Funkverbindungen deaktiviert hat. Den meisten Strom verbraucht hier der Display, gefolgt von UMTS und WLAN, wollt ihr mit der Kamera eine längere Fototour machen, so nehmt euch sicherheitshalber einen zweiten Akku mit, aber auch ein mobiles Ladegerät lässt sich nutzen, da die Kamera über einen microUSB Anschluss verfügt und somit kompatibel mit den meisten Smartphone-Ladegeräten ist.

Markoaufnahme von Rost – Motivprogramm „Makro“ – ISO 100 / F2.9 / 1/100

Das Fazit
Nette Spielerei. Also für mich, der gerne auch mal Fotos macht, ist es eine nette Zweitkamera, ich finde die Online-Funktionen der Kamera sehr gelungen und auch die Umsetzung der Kamera-App bei Android. Da ich mich eh mit Android sehr gut auskenne, ist die Handhabung nicht sonderlich schwer. Die Kamera ist aber so aufgebaut, dass die Funktion selbsterklärend ist, somit haben auch Android-Neulinge keine Probleme die Kamera zu nutzen. Die Akkulaufzeit ist akzeptabel, ein Zweitakku aber schon fast Pflicht , um nicht plötzlich ohne Saft vor dem Motiv zu stehen und kein Bild mehr knipsen zu können. Kaufen? Jein. Ich habe mein Notebook bei Fototouren oft dabei, somit kann ich die Fotos auch kurze Zeit später teilen. Möchte ich aber nur eine Kamera mitnehmen, dann ist es wirklich praktisch unterwegs mit der Digitalkamera auch online sein zu können.

Zwei Bilder im Vergleich, die normale Version

Zwei Bilder im Vergleich, die HDR Version

Technische Details:

  • Linse: F2.8, 23 mm, 21x optischer Zoom
  • IS: OIS
  • Display: 121.2 mm (4.77″), 308 ppi, HD Super Clear Touch Display
  • ISO Bereich: Auto, 100, 200, 400, 800, 1600, 3200
  • Mobile Netze: 4G, 3G (HSPA+ 21Mbps): 850 / 900 / 1900 / 2100 MHz
  • Processor: 1.4GHz Quad-Core Prozessor
  • Betriebssystem: Android 4.1 (Jelly Bean)
  • Speicher: 8GB + Speicherkartenslot für Micro SDSC / SDHC / SDXC
  • Bildformate: JPEG format 16M, 14M, 12M Wide, 10M, 5M, 3M, 2M Wide, 1M
  • Videoformate: MP4 (Video: MPEG4, AVC/H.264, Audio: AAC), Full HD 1920×1080 30fps, Slow motion Movie 720×480 120fps
  • Videoausgang: HDMI 1.4
  • GPS: A-GPS, GLONASS
  • Konnektivität: WiFi a/b/g/n, WiFi HT40, GPS/GLONASS, Bluetooth® 4.0
  • Akku: 1,650 mAh
  • Abmessung (WxHxD): 128.7 x 70.8 x 19.1 mm
  • Gewicht: 305g

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1 Kommentar auf "Die Samsung Galaxy Camera angetestet mit Erfahrungsbereicht und Hands On"

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