Fractal North – Skandinavisches Design trifft Airflow

      Fractal North – Skandinavisches Design trifft Airflow

      PC-Gehäuse hatten in den letzten Jahren meistens eins gemeinsam: Mesh-Front, jede Menge RGB und ansonsten entweder weiß oder schwarz. Fractal ist dann hin und wieder der Ausreißer aus der Norm, so jetzt auch mit den neuen „North“ getauften Gehäusen. Zwar erfinden sie das Gehäuse nicht neu, optisch richten sie sich aber mehr an Fans von schlichtem Design ohne flashy RGB-Effekte oder „Gaming“-Allüren.

      Gerade die Front ist eine willkommene Abwechselung: Statt Kunststoff oder Glas gibt es echtes Holz. Wer jetzt ein Deja-Vu hat: Das Fractal Era hatte zuletzt versucht, mehr Understatement in den PC-Markt zu bringen, für High-End-Systeme war die Version mit Holz-Oberseite aber nicht unbedingt geeignet. Beim North ist das anders: hinter dem Holz-Grill verbirgt sich eine große Öffnung für bis zu drei 140mm Lüfter mit Staubfilter. Airflow sollte also kein Problem sein.

      Auch die Oberseite besteht komplett aus Mesh und die Rückseite ist offen für Airflow. Vorinstalliert sind zudem zwei Fractal GP-14 140mm Lüfter in der Front, die für die meisten Systeme fast schon ausreichen dürften. Es gibt zudem verschiedene Versionen: Die Front besteht wahlweise aus Walnuss oder Eiche, die Seitenwand aus Mesh oder Tempered Glass. Etwas schade: Welches Holz verwendet wird hängt von der Gehäusefarbe ab, also beim schwarzen Modell gibt es Walnuss und beim weißen Modell Eiche. Dabei sehen sie mit getauschten Frontblenden auch ziemlich gut aus.

      Und wo wir schon bei beiden Modellen sind: Fractal hat uns direkt zwei Gehäuse geschickt, um euch die möglichen Kombinationen zu zeigen und auch zu testen ob es einen Unterschied in der Kühlleistung gibt zwischen Mesh- und Glas-Seitenwand. Außerdem konnte ich so wie erwähnt ausprobieren, welche Version mir optisch am besten gefällt. Überraschenderweise gefällt mir die weiße Version mit TG Seitenpanel und Walnuss-Grill am besten. Aber auch klassisch schwarz sieht ziemlich gut aus.

      Dass Fractal das Design wichtig war sieht man auch an vielen kleinen Details, wie dem Pull-Tab des Top-Covers aus echtem Leder und den entweder silbernen oder goldenen Frontpanel-Anschlüssen und Power-Button. Der Rest ist dann skandinavisch-schlicht gehalten.

      Alle Lüfteröffnungen sind natürlich mit herausnehmbaren Staubfiltern versehen, die ohne Werkzeug entnommen und gereinigt werden können.

      Unser Testsystem:

      Der erste Eindruck des Fractal North-Lineups ist dann auch ziemlich gut. Die Verarbeitung ist hervorragend, es gibt keine scharfen Kanten und nichts klappert oder wackelt. Ein paar Kleinigkeiten sind mir beim Layout aber aufgefallen. Das Topcover könnte eine oder auch zwei Thumbscrews vertragen, um es gegen versehentliches Öffnen zu sichern. Bei mir hat es sich des Öfteren beim Bauen oder Bewegen des Systems gelöst, was ziemlich irritierend sein kann.

      Dann ist da das fehlende Cutout auf Höhe der CPU Fan Header, was Kabelmanagement schwieriger als nötig macht. Dafür bietet es generell genug Platz für einen 240mm Radiator oben, ein 280mm dürfte aber sehr knapp werden – wenn er überhaupt passt. Und wo wir schon bei der Oberseite sind: Der Lüfter- bzw. Radiator-Tray auf der Oberseite lässt sich nicht herausnehmen wie es bei anderen, ähnlichen Cases von Fractal der Fall war. Der Einbau meines 240mm Fractal Lumen S24 Radiators samt Lüfters war dennoch kein Problem. Allerdings war es schon ziemlich knapp, eine 280mm AIO hätte definitiv nicht mehr gepasst.

      Ebenfalls knapp war es an der Unterkante mit dem Front USB 3.2-Header. Das hängt natürlich stark vom verwendeten Mainboard ab, in meinem Fall passt es gerade so. Dafür ist das Kabel direkt halbwegs versteckt, was sonst nicht immer funktioniert. Dank der flachen Kabel war der knappe Biegewinkel auch kein Problem – Runde Kabel hätten hier nicht funktioniert.

      Und wo wir bei dem Punkt „Das war knapp“ sind: Die Mesh-Version hat ein extra Bracket, um zwei zusätzliche Lüfter seitlich unterzubringen und die Grafikkarte oder CPU zusätzlich zu belüften. Ein Staubfilter ist allerdings für dieses Bracket nicht enthalten. Außerdem mussten die GPU-Kabel hier sehr stark gebogen werden, damit das Bracket noch gerade so neben die GPU passt. An eine andere Position – drei Möglichkeiten gibt es insgesamt – passte es allerdings auch nicht, da entweder immer die GPU-Kabel oder der Radiator im Weg war. Inwieweit diese Extralüfter überhaupt etwas bringen, erfahrt ihr später im Beitrag. Nicht getestet habe ich die Version mit extra 120 und/oder 80mm Lüfter in der Rückseite. Je nach Grafikkarte passt nämlich sogar noch ein 80mm Lüfter auf die PCIe-Slotblenden. Interessante Idee auf jeden Fall.

      Ein letzter Punkt den ich nicht optimal fand: Die Standard-Position des Fan-Controllers ist so gewählt, dass die Kabel über die Aussparung des Mainboard-Trays hinausstehen. Den Controller kann man zwar auch in der Front montieren, die Position auf der Rückseite könnte trotzdem besser sein. Ihr seht: meine größten Kritikpunkte sind vor allem auch abhängig vom Mainboard, das verbaut wird. Und am Ende sind es auch Kleinigkeiten, die mir zwar auffallen, aber am Ende meistens keinen Einfluss auf die Funktion haben. Mal von dem Radiator-Platz oben abgesehen, der keine 280mm zulässt, auch wenn 140mm Lüfter passen.

      Oh und: Unsere RTX 3080Ti passte problemlos ins North, selbst große Karten sind also kein Problem. Je nach Modell dürfte auch die neue RTX 4090 passen, sofern man aufh die seitlichen Extra-Lüfter verzichtet. Und falls das nicht klar ist: Eine Montage wie hier auf dem Foto ist definitiv nicht für den Dauereinsatz zu empfehlen!

      Leistung

      Ok, aber genug vom Zusammenbau, schauen wir uns die Leistung an. Zum Vergleich stand in diesem Fall ein Fractal Meshify C bereit, das in etwas vergleichbar ist in Größe und Ausstattung. In der Grundkonfiguration stecken zwei 140mm Fractal GP-14 Lüfter, die gleichen wie auch im Meshify C. Als zweiten Testaufbau bekommt die Mesh-Version noch zwei zusätzliche GP-14 Lüfter in die Seite verbaut und als dritten noch einen Durchlauf mit Tempered Glass Seitenteil.

      Auf den ersten Blick hat sich überraschend wenig getan. Die Ergebnisse sind nahezu identisch, wobei das Fractal North – egal in welcher Konfiguration – ein wenig Kühler war als das Meshify C. Die Unterschiede liegen immerhin bei 4-5°C auf der GPU und 5-7°C auf der CPU. Nicht viel, aber genug, dass es außerhalb der Messtoleranz liegt. Diese Unterschiede sind aber auch nur beim Gaming messbar, alle synthetischen Benchmarks und Stresstests zeigen sonst quasi identische Werte an. Hier dürfte also einfach unsere Fractal Lumen S24 an ihre Grenzen stoßen. Bei der Hitzeentwicklung des 5800X3D kein Wunder.

      Abseits der CPU ist da natürlich noch die GPU und hier gibt es noch weniger Überraschungen. Zwischen North und Meshify gab es zwar den schon erwähnten Unterschied von etwa 4 bis 5°C, innerhalb der North-Modelle allerdings gibt es dann gar keinen Unterschied. Hier bin ich tatsächlich ein wenig überrascht, denn immerhin sind die Voraussetzungen auf den ersten Blick grundlegend andere. Einmal eine einfache Mesh Seitenwand, dann solides Glas und sogar zwei extra Lüfter, die die Frischluft direkt auf die GPU blasen, dennoch gibt es keinen messbaren Unterschied, der über die übliche Messtoleranz hinausgeht.

      Temperaturentwicklung Tempered Glass vs. Mesh vs. Mesh mit extra Lüftern

      Fazit Fractal North

      Grundlegend bleibt erstmal zu sagen: Die Leistung passt und ihr braucht euch keine Gedanken machen, welche Version eventuell besser für eure Nutzung ist – denn die Leistung ist in allen drei Variationen identisch. Wenn ihr mit dem North liebäugelt, greift also einfach zur Version, die euch optisch am besten gefällt.

      Eingangs hatte ich ja schon ein paar Dinge erwähnt, die mir nicht so gefallen haben. Wirkliche Probleme beim Bau oder im Betrieb gab es durch diese zwar nicht, aber es kann eben auch nicht alles perfekt sein. Am meisten hat mich tatsächlich das fehlende Cutout für die CPU-Lüfter-Kabel gestört – aber auch hier gilt: Abhängig von eurem Mainboard. Bei seitlicher Positionierung auf dem Board gibt es ein passendes Cutout dafür. Ansonsten war das Kabelmanagement ziemlich entspannt und schnell erledigt, weil die Kabelführungen und angebrachten Klettbänder gut verteilt sind. Noch ein paar Kabelbinder dazu und fertig.

      Und dann ist da das Design: Mir gefällt es richtig gut und ich hätte irgendwie Lust, mir ein dazu passendes Büro einzurichten, damit es richtig zur Geltung kommt. Es wäre zumindest das erste Gehäuse seit langem, das selbst ich mir auf statt unter den Tisch stellen würde.

      Am Ende bleibt aber natürlich der Preis: Die UVP liegt bei 159,99 Euro, unabhängig von der Version. Das ist nicht günstig und auch deutlich teurer als das Meshify C in meinem Vergleich, bietet dafür aber zumindest optisch deutlich mehr. Außerdem ist das Meshify natürlich schon etwas länger auf dem Markt und entsprechend etwas im Preis gesunken.

      Die UVP ist, gemessen an der Ausstattung und Verarbeitung, durchaus fair, auch wenn es damit schon zu den etwas teureren Mid-Towern gehört. Vergleichbare Gehäuse sind selten, was den Preis noch ein wenig mehr rechtfertigt.

      Fractal North bei uns im Shop

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