Gaming, Videobearbeitung, Office: Diese CPU benötigst du

      Gaming, Videobearbeitung, Office: Diese CPU benötigst du

      Intel Core i oder AMD Ryzen? Welche CPU-Generation? Was kostet ein Prozessor? Diese Fragen und mehr beantworten wir im CPU-Guide. Zudem empfehlen wir dir konkrete Modelle für jeden Preisbereich.

      Stand: Mai 2020

      Prozessoren gehören zu den wichtigtuerischen Komponenten bei PC-Bau. Die Frage, welche CPU es sein soll, nimmt sehr viel Raum ein und stiehlt die Aufmerksamkeit der stiefmütterlich behandelten Teile. Trotzdem muss man sich natürlich mit dem Prozessor beschäftigen. Im folgenden Guide zeigen wir auf, worauf es bei einer CPU ankommt, wie man im Gewirr von Kernen und Taktraten zurechtkommt und die geeignete CPU für den PC oder das Notebook findet.

      Wir erklären dir erstmal, wie man grundlegend zu einer Einschätzung bezüglich der Leistung kommt und liefern im zweiten Teil dann verschiedene Szenarien mit unterschiedlicher CPU-Belastung. Was braucht es für Büroanwendungen, Videoschnitt und Gaming?

      Performance ist Verlustleistung

      Leicht kann man sich in den Generationen und Modellbezeichnungen von Intel und AMD verlieren, den beiden großen Prozessorherstellern. Beide bieten mehrere Leistungsklassen und CPU-Generationen gleichzeitig auf dem Markt an. Nicht immer passen alle in den gleichen Mainboard-Sockel wie bei AM4, manchmal ist auch ein aktueller Core i7 so schnell wie ein Core i9 vom letzten Jahr. Muss es überhaupt eine aktuelle CPU sein?

      Kurz gesagt: Nein. Prozessoren (und oft einhergehend das Mainboard) wechselt man zwar häufiger als Netzteile oder Gehäuse, sie können aber auch locker mehrere Grafikkarten überdauern, ohne den Flaschenhals zu bilden. Dadurch steigt die Vielfalt an Optionen für Notebooks und PCs gleichermaßen. Daher hilft eine einfache Faustregel: Eine CPU ist meist so leistungsfähig, wie es die Verlustleistung angibt.

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      Die Heatpipes leiten die Wärme von CPU und GPU zu den Kühlkörpern

      In schlanken Notebooks sitzen Vier- bis maximal Sechskern-CPUs mit einer TDP von 15 Watt. So viel Wärme darf abgegeben werden. Größere Formfaktoren wie 15- oder 17-Zoller erlauben dem Prozessor schon 35 bis 45 Watt, in einem Desktop-PC können leistungsfähigere Kühler auch 65 Watt, 95 Watt bis hin zu 300 Watt schultern. Ein 15-Watt-Prozessor wie der Core-i7-8650U ist einem 45-Watt-Prozessor wie dem Core i7-9750H oder gar dem i7-9700K mit 95 Watt TDP unterlegen. In dieser Rechnung skaliert die Leistung allerdings auch nicht 1:1 proportional. Doppelter Verbrauch heißt nicht doppelte Leistung. Diese ist abhängig von:

      • Der Anzahl der CPU-Kerne
      • Dem Takt der CPU
      • Der Leistung pro Takt
      • Hyper-Threading-Unterstützung
      • Dem Fertigungsprozess/der Effizienz und einhergehend
      • Der Abwärme, Leistung pro Watt
      • Der Kühlung

      Die im Beispiel genannten CPUs haben 4, 6 und 8 Kerne. Sie takten maximal bis 4,2, 4,5 und 4,9 GHz. Im Cinebench R11.5 Multicore-Benchmark von Notebookcheck erreicht die Stromspar-Notebook-CPU 6,82 Punkte, die „vollwertige“ Notebook-CPU kommt auf 13,11 Punkte und die Desktop-CPU erreicht 15,83 Punkte. Hier wird erkennbar, dass es gar keinen so großen Unterschied mehr gibt zwischen leistungsfähigen Notebooks und Desktops. Diese sortier- und filterbare Datenbank ist generell empfehlenswert für eine Leistungsvergleich von CPUs. Pro Generation steigt die Leistung um etwa 10 bis 20 Prozent, sofern die Kernanzahl einer CPU gleich bleibt. Das wird erreicht durch eine verbesserte Mikroarchitektur, einen effizienteren Fertigungsprozess und höhere Taktraten.

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      Im Desktop ist AMD Ryzen 3000 klar attraktiver

      In den letzten Jahren ist AMD als Konkurrent auf dem Prozessormarkt wieder auferstanden und dominiert mittlerweile den Desktop-Markt. Für Notebooks bahnt sich ein ähnlicher Siegeszug an. Das Geheimrezept von AMD ist ein modularer Aufbau, der es günstigeren CPUs trotzdem ermöglicht, mehr Kerne zu bieten. Dazu kommt noch ein Vorsprung bei der Fertigungstechnologie. Intel hat mit der Einführung des 10nm-Prozesses zu kämpfen. AMD ist mit Ryzen 3000 für den Desktop und Ryzen 4000 für Notebooks mittlerweile bei 7nm. Der effizientere Fertigungsprozess und mehr Kerne sorgen in vielen Bereichen für einen Leistungsvorsprung und oft auch für niedrigere Preise. Intels Achtkerner Core i7-9700K liegt bei 400 Euro (Stand: April 2020), AMDs ähnlich schneller Ryzen 7 3700X liegt bei 300 Euro. Bei deutlich geringerem Stromverbrauch. Hinkte AMD mit Ryzen 3000 im Notebook noch leicht hinterher, so wird Ryzen 4000 auch da hinsichtlich Leistung und Effizienz mindestens konkurrenzfähig.

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      Wofür brauche ich die Leistung?

      Für den Einsatz des Prozessors gibt es eine Vielzahl an Anwendungen. Einige sind sehr anspruchsvoll, während andere im Grunde kaum Leistung benötigen. Zu letzteren zählt beispielsweise:

      • Browsing
      • Textverarbeitung
      • einfache Tabellenkalkulation
      • Bildbearbeitung (Einzelne JPEGs)
      • Emails

      Für diese Anwendungen braucht es keine Monster-CPUs, es reichen schon moderne Zweikerner wie ein Pentium Gold oder auch Vierkerner wie ein Core i3. Geht es um einfaches Office, sind auch ältere PCs gut in der Lage, die Last zu bewältigen.

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      Spezialfall Videoschnitt-Workstation

      Beim Video-Editing begegnen wir einem weit verbreiteten Missverständnis: Oft werden Grafikkarten als die Arbeitstiere für diesen Anwendungsfall genannt, aber das stimmt nur bedingt. Ja, bestimmte Effekte wie Rauschreduzierung, Weichzeichnung oder Green Screens können in bestimmten Programmen von der GPU übernommen werden. Sowohl in der Timeline, also während man das Video bearbeitet, als auch beim Export, wenn man das fertige Video encodiert ausgibt.

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      Für diese Ausgabe erlaubt die gängige Software wie Adobe Premiere oder Davinci Resolve die Wahl des Renderers. „CUDA“ heißen die Kerne, die Nvidia-Grafikkarten dafür bereitstellten. AMD und integrierte Intel-Grafikeinheiten nutzen eine Schnittstelle wie OpenCL. „Software“ überlässt diese Arbeit der CPU, die zwar oft deutlich länger braucht, aber auch wesentlich genauer vorgeht und weniger Artefakte im Bild produziert.

      Aus diesen Gründen braucht ihr für Videoschnitt eine starke CPU, je mehr Kerne, desto besser. Geht es um 4K-Footage und gesteigerte Bandbreiten, macht sich auch der RAM zunehmend bemerkbar. High-End-CPUs bieten nicht nur Dual-Channel, sondern gleich Quad-Channel. Hier hat Intel gegenüber den CPU-Kern-Monstern der 3000er Ryzen-Familie noch einen kleinen Vorteil. Allerdings liegt der Preis pro Kern bei AMD deutlich niedriger, auch Intels 10. Generation Comet-Lake ändert das nicht. AMDs 12-Kerner Ryzen 9 3900X liegt mit 450 Euro schon 150 Euro unter dem angesetzten Preis für den Intel Core i9-10900K mit 10 Kernen. Mit der 7nm-Fertigung bei TSMC liegt AMD auch hinsichtlich der Packdichte auf dem Niveau von Intels 10nm-Prozess.

      Gaming: Auf die Grafikkarte kommt es an. Meistens.

      Während die GPU beim Videoschnitt meist überschätzt wird, ist der Prozessor beim Gaming nicht so wichtig. Es gibt natürlich auch Ausnahmen, bei denen sich das Verhältnis umkehrt. In den meisten Spielen wird die Grafikkarte wesentlich stärker gefordert und es ist relativ egal, welche CPU man nutzt. Es sei denn, es geht um die Berechnung sehr vieler Objekte wie im Endgame eines Strategiespiels wie Anno oder Civilization. Das bedeutet nicht, dass nicht auch Shooter ordentlich zulangen, was den Prozessor angeht. Battlefield V verlangt zum Beispiel auch einiges an CPU-Power.

      Solltet ihr den Leg-Day nicht vergessen haben und keine allzu wilde Paarung fahren, wie etwa eine Nvidia GeForce RTX 2080 Ti mit einem Core i3, dann ist eure Grafikkarte meistens der Flaschenhals. Sinnvolle Auflösung und Details vorausgesetzt. Ihr solltet eure Grafikkarten schon ans Limit bringen, sofern ihr nicht auf einem Notebook zockt und Strom sparen wollt. Die 90 bis 100 Prozent Auslastung erreicht ihr in modernen Titeln oft sehr schnell mit höherer Auflösung, Detailstufe und Post-Processing. Tools wie der MSI Afterburner können euch die Auslastung eurer Komponenten im Spiel einblenden. Manchmal gibt es auch CPU-Limitierungen, obwohl laut Auslastung noch Luft nach oben ist. Mit einer Übertaktung könnt ihr das herausfinden.

      Grundsätzlich können wir euch natürlich auch ein paar ausgewählte CPUs empfehlen:

      Günstige vier Kerne von Intel fürs Office. Achtung: Es ist keine Grafikeinheit an Bord, euer PC braucht also eine dedizierte Grafikkarte. Falls dafür kein Platz oder Geld da ist, ist der AMD Ryzen 3 3200G eine gute Alternative.

      Ein Preis-Leistungsknaller für Budget-Gamer. Der Modellnummer nach ist es zwar ein Ryzen 1000 der ersten Generation, die Technik des Sechskerners aber entspricht der Ryzen-2000-Familie: 12nm-Prozess und Zen+.

      Zwei Generationen weiter und etwas teurer, aber immer noch ein Preis-Leistungstipp! Der Ryzen 5 3600 trägt sechs schnelle Zen-2-Kerne, hat mehr Takt und unterstützt schnelleren RAM. Der Großteil der CPU-Käufer greift zu diesem Prozessor.

      Für 300 beziehungsweise 450 Euro gibt es die nächsten Ryzen-3000-Ausbaustufen mit 8 und 12 Kernen. Damit deckt ihr so ziemlich alle Games ab, Videoschnitt ist auch kein Problem und die CPUs sollten für die nächsten Jahre ausreichen. Der 3700X kommt mit seinem beiliegenden Wraith-Kühler noch gut klar, für den 3900X wäre eine All-in-One-Wasserkühlung angebracht.

      Falls ihr ausschließlich auf Spieleleistung setzt und Geld keine Rolle spielt, dann holt euch einen Intel Core i9-9900K. Der Achtkerner erreicht dank der hohen Single-Core-Performance von 5 GHz Maximaltakt sehr hohe FPS in den meisten Spielen.

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      Ausblick: Intel 10. Generation Comet-Lake S und Ryzen 4000

      Noch in diesem Jahr erscheinen die nächsten Prozessorgenerationen von Intel und AMD. Intel wird das Preisniveau seiner derzeit im Verkauf befindlichen CPUs gezwungenermaßen halten, womit sich an der Attraktivität von Ryzen 3000 für den Desktop nicht sehr viel ändert. Das Preis-Leistungsniveau besteht auch im Vergleich mit den neuen Intel-CPUs. Im Herbst 2020 werden von Ryzen 4000 Leistungsteigerungen von 17 Prozent pro Takt erwartet, vermutlich werden sich größere Kern-Cluster mit 8 statt bisher 4 Cores noch kosteneffizienter fertigen lassen.

      Ryzen 4000 wird die letzte Generation mit AM4-Sockel sein, Comet-Lake die erste mit LGA 1200. Die Kühler für Intels Sockel 1151 auf den Z390er Boards sollen weiterhin kompatibel sein.

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      Für das Notebook-Segment ergibt sich mit dem aktuellen Rollout der Ryzen-4000-Familie und Intels anstehender Tiger-Lake-Chip-Generation eine spannendere Perspektive. Die neuen AMD-Notebooks sind bereits verfügbar und bieten viel Leistung bei einem sparsamen Betrieb sowohl für Ultrabooks als auch für Gaming-Notebooks. Preislich sind die Notebooks mit AMD Ryzen gemessen an der Ausstattung nach wie vor sehr attraktiv.

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      Robert schaut am liebsten auf OLED-Panels und bastelt in seiner Freizeit häufig an Wasserkühlungen. Er zockt am PC sowie der PS4 Pro und fliegt mit seiner Drohne gerne tropische Strände ab.

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