Gastbeitrag: Netbolympics – Ein Testbericht der Acer Aspire One Netbooks Intel vs. AMD

Vor einiger Zeit hatte unser Leser Manuel O. an unserem Gewinnspiel im Blog teilgenommen und bekam die Aufgabe, zwei Acer Netbooks zu testen. Als Dank dafür, durfte er eins der beiden behalten, welches es geworden ist, lest ihr hier in seinem Testbericht. Danke Dir für die Einsendung und kreative Umsetzung.

Der Akku lädt. Die Spiele sind geöffnet. Ins Finale der diesjährigen Netbolympics haben es gleich zwei Kontrahenten aus dem Hause Acer geschafft. Viel Gepäck bringen die zwei Leichtgewichte nicht mit: Ein wenig Lektüre in allen erdenklichen Sprachen, den obligatorischen Energielader zur Regeneration der Kräfte, sowie ein zu 85% aus Polyester und 15% aus Nylon bestehendes Reinigungsutensil. Mehr braucht der fokussierte Athlet von heute offensichtlich nicht. Sowohl das Aspire One 725 (l.), als auch das Aspire One 756 (r.) des taiwanischen Herstellers ringen bei den unterschiedlichsten Herausforderungen um die Führung. Doch bevor Gemaukel entsteht, sei eindringlich versichert, dass zumindest diese beiden chinesischen Gegenspieler jederzeit ihr Bestes geben, wenn sie hier um den Platz auf dem Podium kämpfen.

I. Disziplin: Check-Up

Netbook Vergleich Acer Spire One AMD vs INTEL

Liegen die Netbooks preislich auf einem Level, lohnt ein erster Blick auf die inneren Werte, welcher zumindest erahnen lässt, dass der blaue Winzling mit Intel Herz in vielen Kategorien überlegen sein könnte. Interessant wird es bei der Grafikleistung, inwiefern Direct X 11 und der separate dedizierte Speicher des Nebenbuhlers sich in direkter Konkurrenz vorteilig auswirken. Da beide eine gleichmächtige Energiequelle nutzen, wäre durchaus von Interesse, wie es um deren Ausdauer bestellt ist. Doch dazu später mehr. Beide Netbooks scheinen äußerst extrovertiert und scheuen keinerlei Kontakt. So bringen sie beispielsweise Bluetooth in der Version 4, eine HD fähige Webcam, HDMI und selbstredend auch WLAN des Draft-N Standards mit. Positiv fällt dabei auch der USB 3.0 Port des schwarzgekleideten Aspire One auf, in dessen Gehäuse ein AMD der C-Serie seine Arbeit verrichtet. Weniger verständlich aber ist die dortige Verwendung des in die Tage gekommenen Realtek Chipsatzes, der zumindest bei einem Kabelnetzwerk eine mittlerweile untypische Anbindung von maximal 100 Mbit/s erlaubt. Trotzdem eigentlich ausreichend für die meisten Einsatzszenarien eines Netbooks. Dafür wiederrum großzügig bemessen ist die Speicherkapazität der Festplatte – es bleibt also durchaus spannend in diesem vorweihnachtlichen Kopf an Kopf Siebenkampf:

II. Disziplin: Sprinten
In unserer ersten netbolympischen Disziplin dürfen die Kontrahenten beweisen, wie es um ihre Aufwachrituale bestellt ist. Ob gemächlicher Eulen-Typ oder doch eher Lerche zeigt ein Kaltstart (unter Herausnahme des Akkus und Entladung der Kondensatoren) – ein durchaus unerwartetes Ergebnis.

Bei einem Kaltstart startet das vorinstallierte Windows 7 Home Premium (64 bit) auf dem AMD Netbook innerhalb von knapp 41,9 Sekunden. Das Intel Netbook lässt sich da deutlich mehr Zeit und geht es eher gemütlich an – hier sind es stolze 56,7 Sekunden, ehe der Benutzer angemeldet werden kann. Somit ist Modell 725 um etwa 26,1 % flotter am Start. Doch da ein klassischer Kaltstart nicht erst seit Windows 7 einer Trendwende unterliegt und bei Windows 8 erst recht eine eher sekundäre Rolle einnimmt, wohl spätestens in ein paar Jahren äußerst selten praktiziert wird, dürfen die Netbooks nach erstmaligem Aufwärmen beweisen, wie schnell sie denn aus dem Ruhezustand zur Aktion bereit sind.

Eine fast ebenso deutliche Retourkutsche landet das Intel Netbook bei diesem Test. Was vorher eingebüßt wurde, macht es hier wieder wett. Nur 21,6 Sekunden braucht es, bis erneut Arbeit verrichtet werden kann. Sieben Sekunden später ist auch das AMD Netbook wieder einsatzbereit.

III. Disziplin: Ausdauer
Angespannt säuseln die Lüfter. Noch lange rückt keine Entscheidung in die Nähe. In diesem Abschnitt zeigen die Beiden noch einmal, wie es um ihr Durchhaltevermögen bestellt ist. Doch damit die beiden Widersacher nicht einem langwierigem Leerlauf ausgesetzt sind, sondern stets unter durchaus üblichen Bedingungen beschäftigt werden, erforderte diese Disziplin eine musikalische Dauerbeschallung und ferner einen Internetbrowser mit zwei geöffneten Tabs. Selbstredend bei verbundenem WLAN, dauerhaft aktiviertem Display mit 70 % Helligkeit, einer Textverarbeitung und obendrein einer geöffneten PDF. Durchaus ein gängiges Setting für den alltäglichen Arbeitseinsatz eines Netbooks. Die Sekunden vergehen, verlaufen zu Minuten und entwickeln sich zu Stunden. Keiner will zur eigenen Pein resignierend in den Ruhezustand wechseln. Doch nach 3,75 Stunden macht das AMD Netbook als erstes schlapp. Eine gute halbe Stunde später (nach 4,25 Stunden) legt auch der blaue Koloss seine Arbeit nieder. Hier liegt der kleine Bläuling eine Nasenlänge vorn. Mit 2500mAh und einer vom Hersteller angegebenen Maximallaufzeit von 5 Stunden reicht es leider nicht ganz für einen Arbeitstag. Dennoch – vor allem, wenn man den günstigen Preis berücksichtigt – ein durchaus gutes Ergebnis.

Akkulaufzeit: AMD: 3,75 Stunden Intel: 4,25 Stunden (+ 13,3 % länger)

IV. Disziplin: Spin my head right round
Im Punkte Speicherkapazität gehen die Lorbeeren eindeutig an den AMDler mit einer üppigen Ausstattung von 500 GB. Wobei 13 GB gleich wieder für die Wiederherstellungspartition verschwinden. Es bleiben netto immerhin 452,66 GB für Betriebssystem und Daten. Beim Intel sind es immerhin noch 281,99 GB bei Wiederherstellungsdaten in Höhe von 16 GB. Wer darauf verzichten kann und lieber selbst sein Betriebssystem extern sichert, darf sich somit auf ein wenig mehr Speicher freuen. Doch Speicherplatz ist ja nicht alles – wichtiger sind nicht ganz zu Unrecht die Zugriffszeiten und da zeigen sich doch teils deutliche Unterschiede. Immerhin erreicht die HDD des gleichen Herstellers im Intel Netbook bei der mittleren Leserate ganze 10,6 MB/s mehr. Auch beim Test, welcher zufällige Daten von der Festplatte liest, zeigt sich eine deutliche Diskrepanz. Hier sind es mehr als 19 MB/s. Doch insgesamt bekleckern sich beide Prüflinge nicht mit sonderlich viel Ruhm, wenn es um den Lesezugriff geht. Der durchschnittliche Zugriff erfolgte im Test mit 18,47 ms (AMD) und 19,93 ms (Intel), was recht langsam ist. Eindeutiger Sieger bleibt trotz etwas langsameren Lesezugriffszeiten das blaue Intel Netbook.

V. Disziplin: Sauna
Zugegeben eine eher finnische Disziplin, aber wer unter Extrembedingungen den kühleren Kopf bewahrt, mag hier durchaus relevant erscheinen. Auffällig war während des Testes, das die aktive Kühlung nur beim AMD ab und zu für einen kurzen Moment deutlich hörbar anläuft, aber nach nicht einmal drei Sekunden wieder leiser wird. Diese sonderlich wirkende Lüfterreglung tritt allerdings auch im normalen Betrieb in seltenen Fällen für einen kurzen Moment auf, wobei es dort dann eher störend wirkt. Abhilfe könnte hier mit geringer Wahrscheinlichkeit ein BIOS Update oder eine Software zur Lüfterreglung schaffen. Beim Intel blieb es im Test durchgängig angenehm leise. In allen Situationen war der AMD hörbar und somit ein wenig lauter während sein Intel Kumpane teils auch Stillarbeitsphasen einlegt und in einer normalen Umgebung unhörbar wird. Das AMD Netbook ist mit seiner in 40 nm gefertigten CPU ein ganz schöner Hitzkopf und erreicht unter starker Belastung gar nahezu die Siedetemperatur von Wasser. Einzig die Festplatte blieb vernachlässigbar kühler als beim Intel Netbook.

VI. Disziplin: 3D Leistung
Kein sonderlich gewichtiges Kriterium bei einem Netbook, doch darf eine Herausforderung der 3D Leistung dank HDMI Ausgang nicht gänzlich außer Acht gelassen werden. Beim populären Test 3D Mark 06 erreichte das Intel Netbook in diesem Segment durchaus sehenswerte 2510 Punkte, das AMD Netbook trotz Direct X 11 Unterstützung und dediziertem Speicher nur 1740 Punkte und hatte doch arg mit 3D Anwendungen zu kämpfen. In der Tropics Demo (v. 1.3) erreichte dieser bescheidene 3,2 fps, fern ab von flüssiger Darstellung. Auf immerhin 10,9 fps schaffte es der verbaute Intel HD Graphics 2000 Chip des blauen Netbooks.

VII. Disziplin: Web Performance
Als letzte Disziplin steht ein weiterer wichtiger Einsatzbereich des Netbooks im Fokus. Viele Webseiten sind durchaus aufwendig gestaltet (man denke an YouTube, Facebook und ähnliche Web 2.0 Plattformen) und benötigen entsprechend Leistung. Nach den bisherigen Ergebnissen bestätigen diese Resultate noch einmal den Gesamteindruck. Der Peacekeeper Test sahnte das Intel Netbook satte 2034 Punkte ein. Das AMD Netbook erreichte magere 825 Punkte. Beide Netbooks verwendeten den Google Chrome Browser in Version 23.

Beim SunSpider Web-Test 0.9.1 schnitt das Intel Netbook mit einer Gesamtberechnungsdauer von 383,6 ms ebenfalls deutlich besser ab als das AMD Netbook, welches 2,5x so lange benötigte und währenddessen somit 957,7 ms verstrichen. Die Unterschiede in den Ergebnissen der Einzeltests verdeutlicht folgende Grafik:

Fazit: Ob Web Performance, Extrembedingungen, Festplatten- oder 3D Leistung – das Acer Aspire One 756 behält nicht nur einen kühleren Kopf, sondern setzt sich bis auf wenige Schwachpunkte in allen Bereichen durch und triumphiert beim Vergleich zweier vom Kostenfaktor identischen Netbooks. Wer also auf die große Speicherkapazität verzichten kann oder das Aufrüsten nicht scheut und auch nicht unbedingt einen USB 3.0 Anschluss braucht, sollte in jedem Falle dem Intel Netbook seine Präferenz schenken. Nicht zuletzt wäre da noch ein eher gebrauchsorientiertes Kriterium: Das in Hochglanzoptik gehaltene Netbook in schwarz neigt sehr bereitwillig zur Demonstration von Fingerabdrücken und Staubpartikeln und wirkt durch die eher typische Farbe nicht besonders auffallend. Die Verarbeitungsqualität ist eigentlich bei beiden gleich, doch die physikalischen Maustasten des AMDs sind deutlich lauter als die in das Touchpad integrierten des blauen Abkömmlings. Für diesen Preis ein äußerst solides Netbook, was seinem Einsatzzweck mehr als gerecht wird.

Acer Aspire One

Der Sieger glänzte in den Herausforderungen und strahlt über seinen Sieg!

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