Gastbeitrag: Nvidia Shield TV Pro – Ein kleines Stück Streaming-Luxus

Gastbeitrag: Nvidia Shield TV Pro – Ein kleines Stück Streaming-Luxus

Mit Shield TV Pro haben wir dir vor Kurzem Nvidias Allround-Streaming-Talent vorgestellt, jetzt hat sie unser Leser André getestet. Wie schnell die Einrichtung gelingt, ob Android TV als OS flüssig läuft, welche Vorteile die Box sonst noch mit sich bringt und wie sie sich im Alltag schlägt: Darüber gibt der nachfolgende Erfahrungsbericht von André Aufschluss.

Normalerweise bitten wir die Gewinner*innen unserer Verlosungen nur im eine kurze und faire, aber auch ehrliche Bewertung des jeweiligen Produktes bei uns im Shop. Mitunter kommt es dabei vor, dass das Tester-Herzblut mit einem durchgeht und am Ende über 1700 Wörter auf dem Papier stehen. So erging es auch unserem Leser André, dessen Produktbewertung allein für unseren Shop viel zu schade gewesen wäre. In Abstimmung mit ihm haben wir uns deshalb dazu entschieden, seine Praxiserfahrung mit der Nvidia Shield TV Pro bei uns im Blog als Gastbeitrag zu veröffentlichen.

Inhaltsverzeichnis

Für den Inhalt des Tests ist allein André verantwortlich. Da er bei sich daheim jedoch keine Möglichkeit hatte, ansprechende Fotos aufzunehmen, kommen an dieser Stelle wieder einige der Fotos aus unserer Produktvorstellung zum Einsatz.

Technische Daten: Nvidia Shield TV Pro
Modell Shield TV Pro
OS Android 11 / Android TV
Prozessor Nvidia Tegra X1+
Speicher 16 GB
RAM 3 GB
Anschlüsse 1x LAN
1x HDMI 2.0 (HDCP2.2 / CEC)
2x USB 3.0
Konnektivität WiFi 802.11ac
Bluetooth 5.0 LE
Sprachsteuerung Google Assistant, Alexa
Dolby Vision ja
Dolby Atmos ja
KI-Hochskalierung ja
Plex-Unterstützung ja
Gaming GeForce Now (Cloud / Abo)
GameStream (PC)
Play Store (Android / 3GB RAM)
Abmessungen 15,9 x 9,8 x 2,6 cm
Gewicht 250g
Preis 199 Euro*
Shield TV bei uns im Shop

Design

Mit der Shield TV Pro verfolgt Nvidia das gleiche Design-Prinzip wie bereits beim Vorgänger und versucht dabei einen Ausgleich zwischen schlichter Streaming-Box und Spielkonsole zu schaffen. Das Gehäuse besteht hauptsächlich aus einem matten, schwarzen Kunststoff, der durch dreieckige Ein-und Ausbuchtungen sein markantes Aussehen erhält. Ein Teil dieser Applikationen ist in einem schwarzen Hochglanz-Kunststoff gehalten, das die kleine Box hochwertiger und moderner aussehen, aber auch äußerst anfällig für Kratzer werden lässt.

Eine LED-Leiste im typischen Nvidia-Grün fügt sich nahtlos in das Design ein und dient dazu auch als Indikator für den eingeschalteten Zustand. Der optionale Standfuß ist ebenfalls im dreieckigen Design der Konsolen-Oberfläche gehalten und sorgt für einen stabilen Stand. Wer über wenig Platz am Fernseher verfügt, kann davon zwar durchaus profitieren, aber durch die geringen Abmaße der Shield wird dies für die wenigsten wirklich relevant sein. Ob darüber hinaus auch eine höhere Kühlleistung durch besseres Freiliegen der Kühlschlitze gegeben ist, konnte ich bisher nicht feststellen.

Einrichtung/ Installation

Die Einrichtung der Box erfolgt wie bei jedem anderen Android-Gerät über eine Schritt-für-Schritt-Angabe von Sprache, Google-Konto und W-LAN und ist grundsätzlich unproblematisch. Danach stehen dem Nutzenden alle vorinstallierten Apps sowie der Google-Playstore direkt zur Verfügung. Man kann die Streaming-Box danach also einrichten, wie man möchte. Eigentlich wollte ich diesen Punkt der Rezension daher relativ kurzhalten, allerdings haben sich während der Einrichtung einige Probleme gezeigt, die leider mehr Zeit in Anspruch genommen haben, als es geduldigen Nutzer*innen lieb ist.

Dies betrifft insbesondere diejenigen, die eine eher unterdurchschnittlich schnelle Internetverbindung haben, denn nach der Ersteinrichtung müssen alle vorinstallierten Apps einmal auf den neuesten Stand aktualisiert werden. Das ist nicht weiter verwunderlich und sollte jeder/m klar sein. Problematisch hingegen ist, dass sich relativ viele der vorinstallierten Apps deinstallieren lassen, jedoch ohne weiteres automatisch wieder installiert werden. Für Nutzer*innen mit einer schwachen Bandbreite kann dies einige Zeit in Anspruch nehmen. Insbesondere auch deshalb, weil sich durch die Vielzahl gleichzeitig (und automatisch) gestarteter Aktualisierungen der Playstore regelmäßig aufhängt. Ein Löschen des Cache und ein gelegentlicher Neustart beheben das Problem allerdings. Zwar wird dieses Problem voraussichtlich nicht jeder haben, aber für einige könnte ein Schnellstart der Box daher schwierig werden.

Android TV und UX

Auf der Nvidia Shield TV Pro läuft die aktuelle Android-TV-Version. In der Home-Ansicht bietet sie eine Übersicht der App-Favoriten sowie „Neuigkeiten“ über aktuelle Serien und Filme der Standard-Streaming-Anbieter. Auch wenn diese Anzeigen manchmal eher wie Werbung als wie ein Feature wirken, lassen sich diese größtenteils über die Systemsteuerung ausschalten und füllen darüber hinaus den sonst relativ leeren Home-Screen.

Eine Google-Suche und ein Discover-Modus sind ebenfalls verfügbar, wurden von mir aber nie wirklich genutzt, da nahezu alle notwendigen Apps und Funktionen zusätzlich installiert werden können. Dazu zählen sämtliche bekannten Streaming-Dienste wie Netflix, Prime Video, Disney +, aber auch Musik-Streaming-Anwendungen wie Spotify und Amazon Music. Ebenso lassen sich eine Vielzahl von Android-Games aus dem Playstore installieren und direkt spielen, sofern ihr über einen Bluetooth-Controller verfügt (da ein Spielen über Fernbedienung eher lästig wird). Das Cloud-Gaming-Feature verdient hingegen einen eigenen Punkt, auf den ich später eingehen werde.

Streaming, Apps

Eines der wichtigsten Features der Shield TV Pro ist wohl die Möglichkeit, auf die Dienste diverser Streaming-Anbieter zugreifen zu können und damit auf jedem noch so alten Fernseher die Annehmlichkeiten eines Smart-TVs zu bieten. Über den Playstore sind die entsprechenden Apps schnell installiert und dann sofort verfügbar. Die Navigation über die beigefügte Fernbedienung oder einen angeschlossenen Controller läuft dabei flüssig und lässt für diese Anwendungen eigentlich keine Wünsche offen.

Ein kleines Feature, welches zwar kaum wirklich auffällt, aber einen Hauch von Luxus erkennen lässt, ist das sofortige Hin- und Herschalten zwischen den einzelnen Anwendungen. Während bei Konsolen wie der Playstation 4 die Anwendungen bei einem Wechsel teilweise neu gestartet werden oder gerade laufende Videos unterbrochen werden, ist dies bei der Shield nicht der Fall.

Neben den klassischen Streaming-Diensten lassen sich auch eine äußerst große Anzahl an Apps aus dem Google Play Store installieren und direkt an der Shield spielen. Dafür notwendige Peripherie-Geräte können entweder über Bluetooth oder USB an den zwei USB-3.0-Schnittstellen angeschlossen werden. Innerhalb meiner kurzen Testzeit konnte ich leider nur einige wenige Spiele antesten. Die funktionierten zwar größtenteils problemlos und ebenso intuitiv wie an anderen Geräten, allerdings kann ich nicht sicher sagen, ob tatsächlich die gleiche Spielerfahrung wie an typischen Android-Geräten gemacht wird. Ein größeres Augenmerk wollte ich eher auf der Möglichkeit des Cloud-Gaming legen, dazu aber später mehr.

Die Shield als Media-Center

Ein nicht so klassischer Anwendungsbereich wird für die meisten der Nutzer*innen die Funktion der Shield TV Pro als Media-Center sein. So lassen sich über den Plex-Media-Server sämtliche Audio-und Videodateien anzeigen und organisieren, die auf der Shield selbst gespeichert sind, über einen der USB-Ports angeschlossen werden (z.B. externe Festplatten) oder über Heimnetzwerk/Heimserver verbunden sind.

So kann auf all diese Daten von einem Gerät zugegriffen werden, ohne dass es aufwendiger Programme oder Vorbereitung bedarf. Eine Einbindung von Smart-Home-Lösungen, Alexa-Steuerung und ähnlichen Anwendungsmöglichkeiten sind via Nvidia Shield TV möglich, wurden von mir allerdings nicht hinreichend getestet, um ein aussagekräftiges Statement abgeben zu können.

Cloud-Gaming

Kommen wir zum wohl wichtigsten Feature, das die Shield gegenüber anderen Streaming- oder Android-Boxen bietet: Cloud-Gaming. Über GeForce Now ist es möglich, auf Spiele zuzugreifen, die der Nutzer auf bekannten Plattformen wie Steam, Epic-Games, GOG etc. erworben hat. Über die Shield-Box können diese Spiele dann in der Cloud selbst gespielt werden, sodass es auf die Rechenleistung der Shield nicht ankommt, sondern eher die Internetverbindung vom Spielvergnügen abhängt. Selbst aufwendigere und aktuellere Spiele kann man so direkt auf dem TV spielen, ohne auf die neueste Hardware upgraden zu müssen.

Da dies zu schön klingt, um wahr zu sein, gibt es aber auch einige Haken. So ist der Dienst zwar grundsätzlich kostenlos nutzbar, allerdings beschränkt sich die Nutzungsdauer einer Session auf eine Stunde. Der Zugriff ist zudem nur innerhalb einer Warteschlange möglich, während die teureren Modelle schnelleren und längeren Zugriff sowie höhere Grafikqualität und FPS versprechen. Wer nur zwischendurch für eine kurze Zeit spielen möchte, kann auf die kostenlose Version zurückgreifen. Größere Spiele, die unter einer Stunde kaum angefasst werden, lassen sich damit allerdings kaum vernünftig spielen.

Ein größeres Problem stellte für mich die Internetverbindung selbst dar. Während dies für Nutzer mit schneller Internetverbindung unwichtig ist, können Personen mit langsamer Internetverbindung kaum in den Genuss hoher Auflösungen und FPS kommen – unabhängig davon, welches Abo-Modell sie wählen. Getestet wurde das Spielen bei einer Verbindung von etwa 24 Mbit/s (allerdings schwankt die Verbindung im Haus beträchtlich, sodass eine absolut korrekte Angabe nicht möglich ist). Während dies bei RTS-Spielen oder einfachen RPGs noch verschmerzbar ist, lassen sich insb. Spiele wie Shooter, die auf eine schnellere Reaktionszeit angewiesen sind, nur bedingt spielen.

Da ein kostenloses Modell von GeForce Now vorhanden ist, kann sich jeder Nutzer selbst ein Bild davon machen, wie gut ein Spiel funktioniert. Wer die Box allerdings ausschließlich für dieses Feature kaufen möchte, sollte sicherstellen, dass dies mit der vorhandenen Internetverbindung möglich ist. Dafür bietet Nvidia via GeForce Now am PC und anderen Systemen nach der Installation die Option an, eine Test-Verbindung zum Nvidia-Server herzustellen. Nutzer*innen bekommen anhand der Ergebnisse eine Einschätzung, welche Spielerfahrung erwartet werden kann. Zum Abgleichen der Testergebnisse gibt Nvidia folgende Voraussetzungen für GeForce Now auf der dazugehörigen Website an: 15 Mbit/s für 720p, 25 Mbit/s für 1080p und 35 Mbit/s für 1440p. Meine Spielerfahrung ist somit weitestgehendzu erwarten gewesen.

KI-Upscaling und Dolby Atmos

Kommen wir zu den Features für Personen, die ein perfektes Streaming- oder audiovisuelles Erlebnis haben wollen. Das von Nvidia entwickelte KI-Upscaling ist eine in den Einstellungen separat zu findende Möglichkeit, Bildinhalte künstlich zu verbessern. HD-Inhalte lassen sich so auf 4K-Auflösung hochrechnen und geben dabei ein klareres Bild wieder als es ohne Upscaling bestehen würde. Zum Testen konnte ich leider nur auf einen 4K-PC-Monitor zurückgreifen. Der hat allerdings schon gezeigt, was dieses Feature drauf hat. Das Bild wird schärfer, insgesamt stimmiger und schafft es dabei relativ nah an eine native 4K-Auflösung heranzukommen. Über einen dafür vorgesehenen Schalter lässt sich ein Vorher-Nachher Effekt auf den Bildschirm legen, der dies noch einmal deutlich macht.

Android-Games lassen sich via Shield TV am Fernseher in hoher Auflösung zocken

Android-Games lassen sich via Shield TV am Fernseher in hoher Auflösung zocken

Allerdings muss berücksichtigt werden, dass dieser Effekt auch seinen Preis hat. Die notwendige Rechenleistung kann die Nvidia Shield TV Pro zwar aufbringen, es führt allerdings auch dazu, dass diese deutlich mehr Kühlung benötigt. Der sonst nicht zu hörende Lüfter wird auf Dauer das erste Mal lauter, bleibt dabei aber auch noch immer in einem sehr angenehmen Bereich. Teilweise sollte zudem berücksichtigt werden, dass die verbesserte Bildqualität im Vergleich zwar zu sehen, im Alltag aber nur bedingt wahrnehmbar ist. Teilweise habe ich Inhalte angeschaut und vergessen, ob das Upscaling nun eingeschaltet ist oder nicht. Erst nach Aktivierung/Deaktivierung habe ich den Unterschied dann wahrnehmen können. Dies ist also eher ein Feature für Personen, die auch das letzte bisschen Bildqualität herausholen wollen.

Außerdem unterstützt die Shield Dolby Atmos, was auf einer guten Anlage einen deutlichen Klangunterschied macht. Wer einmal wirklich gutes Atmos gehört hat, wird darauf nicht mehr verzichten wollen.

Anschlüsse, Bedienbarkeit, Performance

Etwaige Peripheriegeräte lassen sich über die zwei USB-3.0-Schnittstellen oder Bluetooth problemlos verbinden. Auch ein LAN-Anschluss ist gegeben, der insbesondere für Cloud-Gaming äußerst sinnvoll ist. Verbunden mit dem Fernseher wird die Box über ein Standard-HDMI-Kabel. Bedient wird die Shield hauptsächlich über die beigelegte Fernbedienung, welche alle notwendigen Funktionen aufweist. Lediglich der Netflix- sowie der Power-Button sind zu leicht auslösbar. So kann versehentlich die Box in den Ruhemodus gehen und den Fernseher dabei ausschalten, auch wenn dies nicht gewollt ist.

An der Performance kann ich eigentlich nichts bemängeln. Die Shield läuft durchgehend leise, schnell und zuverlässig. Nur im Upscaling-Modus ist der Lüfter zu hören.

Fazit

Die Nvidia Shield TV Pro ist eine durchweg durchdachte und schnelle Konsole, die an vielen kleinen Stellen einen Hauch Luxus bietet. Dazu gehören das Wechseln zwischen den Anwendungen ohne Zeitverlust, der schnelle Zugriff auf die Streaming-Dienste oder das Upscaling mit der Atmos-Unterstützung.

Allerdings ist auch dieses Gerät nicht fehlerfrei. Die gerade für Personen mit schlechtem Internet eher unschöne Einrichtung, die nur bedingte Verwendbarkeit des Cloud-Gaming und die noch verbesserungswürdige UX sind ein kleiner Wermutstropfen, der allerdings absolut verkraftbar ist. Vielmehr sollten sich die potentiellen Käufer*innen überlegen, ob die vielen kleinen Features tatsächlich einen so hohen Stellenwert haben.

Die Shield gehört leider zu den teureren Streaming-Boxen, sodass ein potentieller Kauf gut durchdacht werden sollte. Das Upscaling ist ein nettes Feature, aber wohl nur für wirkliche Enthusiasten der hohen Auflösung ausschlaggebend. Auch Cloud-Gaming ist zwar ein starker Pluspunkt, aber auch nur mit einem kostensplichtigen Modell wirklich nutzbar und mit 10€ bzw. 20€ im Monat dann nicht gerade günstig. Wer allerdings genau nach so etwas sucht, dürfte mit der Shield glücklich werden.

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*Stand: 04/2022

Text: Leser André Mionso; Fotos: Notebooksbilliger.de Blog

Veröffentlicht von

Die Leidenschaft fürs Zocken wurde bereits in den frühen 90ern mit Bubble Bobble am Sega Master System II geweckt. Spielt mittlerweile hauptsächlich am PC und hätte gerne viel mehr Zeit, um sich seinem ständig wachsenden Pile of Shame zu widmen.

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