Google I/O 2014 oder die Vision von Android auf jedem Display

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Vergangenen Woche war das Highlight der Technikwelt zweifellos die Google I/O 2014. Im Zuge von Googles hauseigener Entwicklerkonferenz wurden zwei Dinge mehr als deutlich: Zum einen will der Internetriese seine erfolgreiche Android-Plattform in absehbarer Zeit auf wirklich jedes nur denkbare Computer-Display bringen. Zum anderen dürfte der Kampf der mobilen Ökosysteme um die Gunst der Konsumenten in den kommenden Monaten sich nochmals deutlich intensivieren. Google stellte in seiner knapp dreistündigen Keynote zahlreiche neue Produkte vor, mit der das eigene Portfolio runderneuert sowie ergänzt wird und zugleich entschieden auf die Konkurrenz entschieden reagiert. Über die kurz- und mittelfristig wohl wichtigsten Neuheiten, das brandneue Material Design, die neue Android-Version Android L, die Wohnzimmer-Plattform Android TV sowie der Ableger für Wearable-Geräte Android Wear, haben wir bereits ausführlich berichtet. Es gibt allerdings noch einige weitere Ankündigungen, die für das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Mountain View ebenfalls große Bedeutung haben.

Android One

Googles Sundar Pichai, der Hauptverantwortliche für die Entwicklung von Android und Chrome, eröffnete die Google I/O 2014 mit der eindrucksvollen Aussage, es gebe aktuell rund 1 Milliarde aktive Android-Nutzer. Doch auch das ändert nichts an der Tatsache, dass es weiterhin zahllose Menschen auf dieser Erde gibt, die bislang keine Möglichkeit haben, sich ein Smartphone zu leisten. Google will dies auf absehbare Zeit ändern und ruft daher das Programm Android One ins Leben. Der Erfolg Androids beruht zwar schon heute auf der Vielzahl an kostengünstigen Geräten am Markt, doch mit der neuen Initiative will Google nicht nur gute, günstige Geräte verfügbar machen, sondern auch die Kontrolle über den Wilden Westen des Billig-Smartphone-Marktes zurückgewinnen.

Gelingen soll das alles, indem Google innerhalb des Android-One-Programms mehrere Referenz-Modelle produziert, auf deren Grundlage Hardware-Partner ihre Smartphones entwickeln können. Die Referenz-Modelle sollen aus kostengünstigen, weitläufig verfügbaren Standard-Komponenten bestehen und eine gute Basis dafür bieten, wie ein gewisses Mindestmaß an Qualität eingehalten werden kann. Außerdem wird auf den Geräten eine unmodifizierte Standard-Android-Version laufen, die schnell und ohne Umwege Updates direkt von Google bekommt. Das oft genannte Problem der Android-Fragmentierung soll damit im Laufe der Zeit auf ein Minimum reduziert werden.

Google will mit dem Programm noch in diesem Jahr vorerst in Indien starten. Ohnehin konzentriert das Unternehmen seine Bemühungen mit Android One verstärkt auf sich entwickelnde Märkte.

Android Auto

Das neu vorgestellte Android L wird künftig nicht nur Mobilgeräte antreiben oder das Fundament für die Android-TV-Plattform bilden, sondern auch in Autos zu finden sein. Erste Anzeichen für ein solches Google-Projekt gab es schon Anfang dieses Jahres, doch erst zur Google I/O kündigte das Unternehmen Android Auto offiziell an. Android Auto soll alle für Autofahrer relevante Funktionen eines Android-Smartphones direkt auf das Display des Infotainmentsystems moderner Fahrzeuge bringen. Google will sich vor allem auf die Anwendungsbereiche Navigation, Kommunikation und Musik konzentrieren. Der Homescreen von Android Auto erinnert nicht zufällig an Google Now und präsentiert wichtige, aktuelle Informationen übersichtlich an zentraler Stelle. Darüber hinaus wird Android Auto diverse Sprachbefehle unterstützen, um beispielsweise Google Maps aufzurufen, eine Textnachricht zu versenden oder einen Musiktitel abzuspielen.

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Mit den offiziellen Ankündigung von Android Auto hinkt Google Apple und Microsoft etwas hinterher. Die beiden Konkurrenten haben in diesem Jahr bereits ihre entsprechenden Initiativen präsentiert. Alle drei Unternehmen arbeiten jetzt eifrig daran, möglichst viele Automobilhersteller zu überzeugen, auf proprietäre Infotainmentlösungen in kommenden Autos zu verzichten und stattdessen das jeweilige Plattform-Angebot zu unterstützen.

Android Auto soll zusammen mit Android L später in diesem Jahr fertiggestellt werden und noch vor Jahresende auf den Markt kommen. Diverse Automobilhersteller, darunter Audi, Bentley und Chrysler, haben bereits zugesagt, passende Lösungen anzubieten. Außerdem sucht Google nach Entwicklern, die ihre Apps speziell für Android Auto anpassen. Hier haben bislang beispielsweise Spotify und Pocket Casts entsprechende Anwendungen angekündigt.

Google Fit

Auch Google will den Gesundheits- und und Fitness-Trend im Mobilgeräte-Markt nicht verschlafen und stellt daher Google Fit vor. Genau wie der von Apple zur WWDC 2014 zusammen mit iOS 8 vorgestellte HealthKit-Service soll Google Fit eine Plattform zum Sammeln sämtlicher Daten sein, die durch Apps, Herzfrequenz- und Blutdruckmesser oder andere Sensoren auf Mobilgeräten erfasst werden können. Google will mit Google Fit jedem Nutzer ein individuelles Gesundheitsprofil zuordnen, auf das App-Entwickler zugreifen können – das Einverständnis des Nutzers vorausgesetzt. Unter anderem haben die Hersteller Nike, Adidas und RunKeeper ihre Unterstützung für Google Fit zugesagt.

Android Apps für Chrome OS

Um den Desktop in gewisser Weise mit Android zu unterwandern und um die Attraktivität seiner Chromebooks weiter zu steigern, wird Google später in diesem Jahr ausgewählte Android-Apps auf Chrome OS bringen. Zur I/O zeigte das Unternehmen unter anderem Evernote und Flipboard, die sich unter Chrome OS allerdings nicht via Touch-Eingabe bedienen lassen. In Zukunft wird sich das möglicherweise noch ändern und es sollen laut Google im Laufe der Zeit diverse weitere Apps auf Chrome OS portiert werden.

Die wichtigsten Ankündigungen der Google I/O 2014 bleiben auch nach genauerer Betrachtung aller Neuheiten Android L sowie der neue Designansatz. Google erschafft sich damit eine Plattform, die auf jedem Display zuhause ist und überall eine konsistente Benutzererfahrung abliefern soll.

Spannend wird in Zukunft aber sein, wie gut es Google gelingt, die Fragmentierung seines Betriebssystems in den Griff zu bekommen. Dass dies wichtig ist, zeigt eine der Neuvorstellungen: Android-Wear-Geräte werden nur mit Smartphones zusammenarbeiten, auf denen mindestens die Android-Version 4.3 läuft. Derzeit sind allerdings noch immer nur rund 24 Prozent aller Android-Geräte mit Android 4.3 oder Android 4.4 im Einsatz, wie Googles eigene Statistiken belegen.

Eine sehr wichtige Stellung in den weiterführenden Planungen Googles dürfte angesichts dieser Problematik Android One einnehmen. Außerdem wollen die Kollegen von Arstechnica passend dazu erfahren haben, dass der Internetriese bei Android Wear, Android TV und Android Auto von Beginn an keine Hersteller-spezifischen Anpassungen der Benutzeroberfläche zulassen will. Das kann im Grunde nur eines bedeuten: Goolge will nicht länger der Willkür der zahllosen Hersteller tatenlos zusehen und Inkompatibilitäten oder andere Probleme in Kauf nehmen, sondern möglichst rasch selbst klarere Vorgaben machen, wohin die Reise für seine populäre Software-Plattform gehen soll.

Fotos: Google
Quellen: Google, Arstechnica

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Über Johannes Schaller

Ich bin freier Journalist, Computer-Technik-Freak, Videospiel-Guru und Freizeit-Poet. In den letzten Jahren war ich unter anderem für notebookjournal.de tätig und habe als IT-Fachmann gearbeitet. Wenn ich nicht gerade an einem Text feile oder ein Stück Hardware auseinandernehme, dann widme ich meine Zeit gerne Filmen, Literatur, Videospielen oder schlicht und einfach der Natur.
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[…] hat zur hauseigenen Entwicklerkonferenz Google I/O 2014 vergangene Woche unter anderem die Wearable-Plattform Android Wear vorgestellt. Erste […]

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[…] und Bestreben nach ist dies allerdings nur der Anfang. Mit einer neuen Initiative namens Android One, die erstmals auf der Google I/O im vergangenen Juni vorgestellt worden war, will es das […]

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