Google Pixel 4 im Test: Prinzipiell ein tolles Smartphone
  • Display
  • Speicher / RAM
  • Gewicht
  • 5,7'' / 2280x1080px
  • 6 GB / 64 GB
  • 193 g

Google Pixel 4 im Test: Prinzipiell ein tolles Smartphone

Das Pixel 4 ist eine sinnvolle Weiterentwicklung des Vorgängers. Die Kamera hat eine zweite Linse bekommen, was sich auch deutlich in der Bildqualität niederschlägt. Allerdings gibt es auch ein paar – zum Teil eklatante – Schwächen bei Googles neuem Flaggschiff.

Die offensichtlichste Änderung: Google setzt beim Pixel 4 nicht mehr auf den zweigeteilten Look der Rückseite. Alle Modelle sind einfarbig und in zwei der Farbvarianten sieht es meiner Meinung nach richtig klasse aus. Die Orange-Weiß-Kombi ist der absolute Hingucker. In Schwarz ist die Oberfläche leider Glossy und von daher schneller mit Fingerabdrücken übersät als man putzen kann.

Besonders beeindruckend ist allerdings die Performance und die Kameraleistung. Bevor ich euch dazu mehr erzähle, gibt es noch die nackten Specs im Überblick.

Technische Daten Google Pixel 4 Google Pixel 4 XL
Display 5,7″
90Hz-AMOLED-Display
2280 x 1080px (444ppi)
6,3″
90Hz-AMOLED-Display
3040 x 1440px (537ppi)
Prozessor Snapdragon 855
Octa-Core-CPU
2x 2.8 GHz
2x 2.4 GHz
4x 1.7 GHz
Arbeitsspeicher 6 GB 6 GB
Speicher 64 GB oder 128, nicht erweiterbar 64 GB oder 128, nicht erweiterbar
Anschlüsse USB Type C
Hauptkamera Dual Kamera:
12 MP Dual Pixel ,
ƒ/1.7
16 MP Tele
ƒ/2.4
1080p bis 120 fps, 4K bei 30 fps
Dual Kamera:
12 MP Dual Pixel ,
ƒ/1.7
16 MP Tele
ƒ/2.4
1080p bis 120 fps, 4K bei 30 fps
Frontkamera 8 Megapixel (1,22 μm Pixelgröße, Blende: ƒ/2.0, Fixfokus)
Akku 2.800 mAh 3.700 mAh
Betriebssystem Android 10
Konnektivität WiFi 6 (2,4/5 GHz)
Bluetooth: 5.0
NFC
Sensoren Spektral- und Flickersensor, Active Edge™, Näherungs-/Umgebungslichtsensor, Beschleunigungsmesser/Gyrometer, Magnetometer, Barometer,
Sicherheit Radarsensor
wasser- und staubdicht (nach IP68)
Abmessungen 147.1 x 68.8 x 8.2 mm 160,4 x 75,1 x 8,2 mm
Gewicht ca. 162 Gramm 193g
Farben Schwarz, Weiß, Orange Schwarz, Weiß
Preis (UVP) 749€* (64GB)
849€* (128GB)
899€* (64GB)
999€* (128GB)

Lieferumfang und Design

Das Pixel 4 wird mit einem Netzteil, einem USB-C-Kabel, einem USB-A auf USB-C-Adapter und etwas Papierkram ausgeliefert. Es ist also alles dabei, was ihr braucht.

Das Design unterschiedet sich deutlich von der Mehrheit der aktuellen Smartphones. Ihr habt hier ein flaches Display ohne abgerundete Kanten. Das Pixel 4 liegt sehr gut in der Hand und fühlt sich wertig an.

Die Seiten sind mattschwarz, die Rückseite ist einfarbig gestaltet. An der rechten Seite befindet sich der farblich abgesetzte Powerbutton und darunter die Lautstärkewippe. Beide funktionieren präzise und reagieren flott auf eure Eingaben.

Auf der linken Seite findet ihr den SIM-Karten-Schacht. Das ist ein Single-Tray. Das Pixel 4 unterstützt aber e-SIM. Falls das euer Provider anbietet, könnt ihr darüber also eine zweite SIM betreiben. Auf der Unterseite findet ihr zwei Speaker und den USB-C-Port zum Laden.

Die meisten aktuellen Smartphones haben an der Unterseite ein „Kinn“. Das gibt es hier nicht. Dafür ist der obere Rahmen deutlich breiter als an den anderen drei Seiten. Der Grund für dieses Design sind die Sensoren für den Face Unlock. Es ist gewöhnungsbedürftig. Ich war anfangs immer ein wenig irritiert über den oberen Rahmen. Das legt sich aber schnell.

Obwohl das Pixel auf der Rückseite einen ziemlich großen Kamerabuckel hat, liegt es stabil auf dem Tisch. Optisch ist es sicherlich nicht die beste Lösung. Aber zumindest mir persönlich ist das relativ egal, denn die Rückseite meines Smartphones interessiert mich eher weniger.

Alles in allem ist das Design des Pixel 4 unaufgeregt und funktional.
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Display

Das 5,7“ Display löst mit 2280x1080px auf. Die Darstellung ist knackscharf. Da es ein AMOLED-Display ist, stellt es Farben schön satt dar. Die Helligkeit ist mit etwas über 400 cd/m² auch in Ordnung.

Google verbaut hier zum ersten Mal ein 90-Hz-Display. Das ist eine total tolle Sache. Geht aber leider ziemlich auf den Akku. Da der Akku des Pixel 4 nicht zu den Stärken des Telefons gehört, hat Google hier eingegriffen. Die 90 Hz werden nur bei ausgewählten Apps aktiviert. Braucht ihr sie nicht, dreht das Pixel 4 automatisch auf 60 Hz herunter. Die Feinabstimmung zwischen den beiden Modi ist meiner Meinung noch nicht ganz flüssig.
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Performance

Hier gibt es nichts zu meckern. Die Leistung der verbauten Hardware sorgt dafür, dass alle Anwendungen schnell und flüssig laufen. Ich habe an keiner Stelle feststellen können, dass es ruckelt oder sich das Pixel 4 Denkpausen gönnt.

Neu ist Motion Sense. Hinter diesem Marketing-Buzzword verbirgt sich schlicht und ergreifend, dass ihr das Pixel 4 mit Gesten steuern könnt. Bspw. könnt ihr in Spotify von links nach rechts wischen und skippt damit einen Song. Oder ihr beendet damit Anrufe. Im Moment ist das Feature noch nicht wirklich nutzbringend, weil es die meisten Apps noch nicht unterstützen. Aber es hat durchaus Potential. Dahinter steckt im Gegensatz zu Apple aber keine Infrarot-Technik, sondern Radar.

Motion Sense wird auch genutzt, um den Face Unlock anzutreiben. Wenn sich eure Hand dem Pixel 4 nähert, dann wird sofort der Sensor aktiviert und sobald euer Gesicht in Reichweite ist, ist das Gerät entsperrt. Das geht wirklich extrem fix und funktioniert reibungslos.

Allerdings ist der Face Unlock auch ein Grund für meine größte Kritik. Er funktioniert nämlich auch, wenn die Augen geschlossen sind. Heißt im Klartext, dass ihr schlafen könnt und falls jemand euer Pixel 4 in die Hand bekommt, kann er es vor euer Gesicht halten und es entsperren. Hier muss Google eindeutig nachbessern. Bei Apple ist standardmäßig aktiviert, dass beim Face Unlock Augenkontakt bestehen muss. Und auch Huawei bietet diese Option, allerdings ist sie beim Mate 20 Pro per default deaktiviert. Nach diversen Medienberichten soll Google aber daran arbeiten, dass Augenkontakt Voraussetzung zum Entsperren wird. Wer den Face Unlock bis dahin nicht nutzen will, muss die Freigabe per PIN in den Einstellungen aktivieren. Die findet ihr unter Einstellungen/Display/Erweitert/Sperrbildschirmanzeige. Dort müsst ihr die „Option zum Sperren anzeigen“ aktivieren. Einen Fingerprint-Reader hat das Pixel 4 nicht.

Zweiter großer Kritikpunkt ist der Speicherplatz. Mein Testgerät hat 64 GB, von denen knapp 50 GB im Auslieferungszustand noch frei sind. 64 GB bekommt man mit ein paar Apps, Fotos und Videos ziemlich schnell voll. Da Google sich seit den Pixel 3a-Modellen von dem kostenlosen Speicherplatz in voller Auflösung bei Fotos verabschiedet hat, steht ihr vor der Wahl, entweder zu zahlen, die geringere Auflösung hinzunehmen oder immer wieder eure Fotos manuell auf den Rechner zu übertragen.

Nicht erweiterbare 64 GB sind meiner Meinung nach mittlerweile nicht mehr zeitgemäß und sollten gerade bei den aufgerufenen Preisen der Vergangenheit angehören.

Die Akkulaufzeit ist natürlich ein sehr wichtiger Aspekt. In Zeiten von 5.000-mAh-Akkus wirken die im Pixel 4 eingebauten 2.800 mAh geradezu mickrig. Allerdings schlagen sie sich besser als vermutet. Ich hatte das Pixel 4 ein paar Tage als daily driver genutzt und kam mit dem Akku über den Tag. Abends waren dann noch zwischen 10 und 30 Prozent Ladung möglich. Dabei hatte ich allerdings auf stromfressende Aktivitäten wie umfangreiche Bildbearbeitung oder längere Gaming-Sessions verzichtet. Wenn ihr ein moderater User seid, dann kommt ihr wahrscheinlich gut über den Tag. Nutzt ihr euer Smartphone intensiv, solltet ihr euch nach einem anderen Gerät umsehen.

Daneben gibt es noch ein paar Features, die euch den Alltag leichter machen sollen. Da ist zum einen Live-Transcription. In der Rekorder-App könnt ihr eure Sprachaufnahmen in Echtzeit in Text umwandeln lassen. Das Feature funktioniert im Moment nur auf Englisch. Ich habe mir das Pixel 4 deshalb entsprechend eingerichtet.

Das Feature hat wirklich Potential. Die gesprochenen Texte werden zwar nicht fehlerfrei erkannt, aber die Fehlerquote liegt im akzeptablen Rahmen. Wenn Google da noch ein wenig am Feintuning schraubt, dann können die Live-Transcriptions ein wirklich nützliches Feature werden.

Eine der Funktionen, auf die ich am meisten gespannt war, sind die Live Captions. Dabei unterlegt Google automatisch eure Videos mit Untertiteln. Auch das funktioniert derzeit nur auf Englisch. Auch da sind die Ergebnisse gar nicht mal so schlecht und die Fehlerquote liegt in einem akzeptablen Bereich.

Sowohl bei den Transcriptions als auch bei den Live Captions findet die komplette Bearbeitung auf dem Smartphone statt. Daten werden nicht zu den Google-Servern übertragen und das Feature funktioniert selbst dann, wenn ihr kein Internet habt. Wann sie auf Deutsch verfügbar sein werden, ist leider noch nicht klar.
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Kamera

Bei der Kamera punktet das Pixel 4 richtig. Die bisherigen Pixel-Modelle hatten immer eine Top-Kamera am Start, hier hat Google noch einmal nachgelegt. Zum ersten Mal gibt es eine Dual-Kamera. Und das macht sich deutlich bemerkbar.

Fangen wir mit der App an. Die hat sich im Kern nicht verändert. Heißt: Den weit verbreiteten Pro-Modus, bei dem ihr die Einstellungen selber bestimmen könnt, gibt es auch weiterhin nicht. Schade eigentlich. Allerdings gibt es ein ziemlich cooles Feature, das euren Spielraum erheblich erweitert: Live HDR+.

Wenn ihr einmal auf das Display tippt, erscheinen drei Regler auf dem Display. Zum einen der Regler für den Zoom und zum anderen am rechten Rand zwei Regler für die Belichtung der Höhen und Tiefen. Die lassen sich dann nämlich getrennt steuern. Damit könnt ihr aus der jeweiligen Lichtsituation das Optimum herausholen und beide Bereiche bestmöglich belichten. Macht Spaß und geht einfach von der Hand.

google pixel 4 live hdr+

Der 2x optische Zoom liefert deutlich bessere Ergebnisse als die bisherige Einzellinse. Seht euch einfach das Beispielbild an. Die Zoomstufen liegen hier bei 2x, 4x und 8x.

google pixel 4 kamerazoom

Besonders bei Portraits merkt man, dass nicht nur die zweite Linse etwas bringt, sondern Google auch an der Software geschraubt hat. Selbst feine Strukturen werden gut erkannt. Das macht wirklich Spaß.

google pixel 4 kamera

Auf den überarbeiteten Nachtmodus ist Google besonders stolz. Während der Präsentation wies man auf Belichtungszeiten von bis zu vier Minuten hin, mit denen auch Astrofotografie möglich sein soll. Da es in einer Großstadt wie Berlin leider nicht dunkel genug wird, konnte ich das bisher nicht ausprobieren. Der Nachtmodus liefert aber auch so aus der Hand sehr gute Ergebnisse.

Etwas störend ist allerdings, dass die Bilder allesamt zu warm wirken und so die echte Lichtstimmung nicht korrekt einfangen wird. Aber das ist etwas, was sich mit Bildbearbeitung einfach korrigieren lässt.

google pixel 4 nachtmodus

Links: ohne Nachtmodus, rechts: frei Hand mit Nachtmodus

Insgesamt macht die Kamera einfach Spaß und ist definitiv eine der besten auf dem Markt.

Sound

Das Pixel 4 macht ordentlich krach – und klingt dabei noch ganz vernünftig. Tiefen sind naturgemäß so gut wie nicht vorhanden. Aber Höhen und Mitten sind ausgewogen. Erstere werden zwar bei voller Lautstärker stellenweise schrill, aber auch da habe ich schon eine Reihe von Smartphones in der Hand gehabt, die eine deutlich schlechtere Leistung bieten.

Der Sound wird über die beiden Speaker an der Unterseite und die Hörmuschel ausgegeben. Die Verteilung der Lautstärke liegt bei etwa 60:40 zu Gunsten der unteren Speaker. Ihr könnt also beim Halten die Speaker leicht abdecken, ohne dass der Sound komplett verschwindet.
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Fazit Google Pixel 4

Was bleibt als Fazit? Das Pixel 4 hat jede Menge Potential. Tolle Features, ein gutes Display, eine phantastische Kamera. Aber die Schwächen machen den guten Eindruck leider kaputt. Wenn Google die Schwächen beim Face Unlock behebt, dann ist dieses Feature eine tolle Sache. Bis dahin kann man aber nicht von einem Sicherheitsfeature sprechen.

google pixel 4 test

Die Akkulaufzeit wird Google nicht so ohne Weiteres verbessern können. Die ist ein echtes Manko. Und auch die 64 GB Speicher sind zu wenig. Vor allem, weil sie nicht erweiterbar sind.

Angesichts der aufgerufenen Preise denke ich, dass es dem Pixel 4 gehen wird wie dem Pixel 3: Das Smartphone wird es auf dem Markt sehr schwer haben, obwohl es im Kern ein sehr interessantes und leistungsfähiges Smartphone ist.

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*Stand: 22. Oktober 2019

Veröffentlicht von

Hat seine ersten Gehversuche auf dem Amiga 500 und aus Guybrush Threepwood einen mächtigen Piraten gemacht. Mittlerweile ein Fan von richtig guter Smartphone-Fotografie und demensprechend viel auf Instagram unterwegs.

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