Großer Filmer: Nokia 8.3 5G im Test

      Großer Filmer: Nokia 8.3 5G im Test

      HMD Global bewirbt das Nokia 8.3 5G ziemlich vollmundig mit „Upgrade deine Kreativität“ und „das einzige Gadget, das du jemals brauchen wirst“. Es bietet in der Tat ein paar ziemlich coole Features im Videobereich, die es für kreative User interessant macht. Ob es auch in anderen Bereichen den Slogans gerecht wird, klären wir im Test.

      Das Nokia 8.3 legt den Fokus bei der Kamera nicht so sehr auf Fotos, sondern auf Video. Das hebt es aus der Masse der aktuellen Smartphones eindeutig hervor. Verschiedene Filter und eine Reihe von Berbeitungsmöglichkeiten machen es als mobiles Filmstudio interessant.

      Die genauen technischen Daten findet ihr in der Aufklapp-Tabelle auf einen Blick.

      Technische Daten Nokia 8.3 5G
      Software Android 10 (Android One)
      Prozessor Snapdragon 765G, Octa Core (8 Kerne)
      Arbeitsspeicher 8 GB LPDDR4X
      Speicher 128 GB UFS 2.1
      per microSD-Karte um bis zu 512 GB erweiterbar
      Display 17,30 cm ( 6,81 Zoll ) IPS LCD mit 2.400 Pixel x 1.080 Pixel (Full HD+), 386ppi
      Kamera Hauptkamera
      64 Megapixel , f/1.9 Weitwinkel
      12 Megapixel , f/2.2 Ultra-Weitwinkel
      2 Megapixel Makro
      2 Megapixel Bokeh
      Video max. mit 4K/30 fps
      Frontkamera
      24 Megapixel , f 2.0 Weitwinkel
      Video max. Full HD/30 fps
      Akku 4.500 mAh
      Besonderheiten 802.11ac (Wi-Fi 5), Bluetooth 5, NFC, USB-C, 3,5mm Klinkenanschluss
      SIM-Karte Dual SIM: Nano-SIM + Nano-SIM oder MicroSD (Hybrid)
      Abmessungen, Gewicht und Farben 779 mm x 172 mm x 9 mm / 220 Gramm / Polarnacht
      Preis ab 602 €*

      Design und Lieferumfang

      Der Lieferumfang ist nicht weiter überraschend. Ihr bekommt das Nokia 8.3 5G, Ladegerät samt USB-C-Kabel und ein paar In-Ear-Kopfhörer. Dazu gibt es noch ein wenig Zettelkram.

      Direkt beim Auspacken fällt die Größe des Nokia 8.3 auf. Das 6,81“ ist nicht nur groß. Es wirkt auch so. Die Displaykanten sind flach, die Ränder der Rückseite leicht gebogen.

      nokia 8.3 5g im test

      Die Kameras sind mittig angebracht und ragen deutlich sichtbar aus der Rückseite heraus. Da sie aber mittig montiert sind, lässt sich das Nokia 8.3 auch auf dem Tisch liegend gut bedienen, ohne dass es rutscht oder wackelt.

      Auf der linken Seite ist der Google Assistant Button angebracht. Die Taste lässt sich leider nicht deaktivieren. Da ihr den Assistant auch über einen Swipe nach oben aufrufen könnt, ist der Button nicht zwingend notwendig. Während meines Tests kam es des Öfteren vor, dass ich aus Versehen den Assistant über den Button ausgelöst habe.

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      Rechts sind die Lautstärkewippe und der Powerbutton. Beide Tasten bieten einen guten Druckpunkt und reagieren präzise. In den Powerbutton ist auch der Fingerprintreader integriert. Der reagiert fix und es kommt nur selten zu Fehleingaben.

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      Den SIM-Karten-Schacht findet ihr an der Oberseite des Nokia 8.3. Es ist ein Hybrid-Schacht. Das heißt, dass ihr entweder zwei unterschiedliche Nano-SIM oder eine Nano-SIM und eine microSD-Karte einlegen könnt.

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      Die Unterseite bietet euch neben dem Lautsprecher und dem USB-C-Port zum Laden auch noch einen immer seltener werdenden Port, nämlich den 3,5mm-Klinkenanschluss.

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      Die Kunststoff-Rückseite ist schlicht. Dort gibt es einen kleinen Nokia-Schriftzug als Zierelement.

      Das Display nimmt einen Großteil der Front ein. Die Ränder sind allerdings im Vergleich zu anderen aktuellen Smartphones breit. Das gilt insbesondere für das Kinn an der Unterseite, denn es wirkt nicht mehr zeitgemäß. Da sollte Nokia bei den nächsten Modellen sein Design überdenken. Die Frontkamera sitzt in der linken oberen Ecke in einem Punchhole.

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      Das Design wirkt insgesamt schlicht und wie aus einem Guss. Die Farbe Polarnacht steht dem Nokia 8.3 ausgesprochen gut, allerdings sieht man auf ihr jeden Fingerabdruck. Die lassen sich aber schnell und einfach wegwischen.
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      Sehr großes und scharfes Display

      6,81“ sind eine Ansage. Das Display des Nokia 8.3 gehört mit zu den größten Displays, die es derzeit auf dem Markt gibt. Die Finnen verbauen beim 8.3 5G ein IPS LCD. Das bedeutet, dass die Farben nicht ganz so knallig wie bei einem OLED-Display sind, was allerdings nur im direkten Vergleich auffällt. Im Alltag bemerkt ihr das kaum. Die Farben wirken insgesamt sehr natürlich und kräftig. Da es sich um ein IPS-Display handelt, habt ihr große Blickwinkel ohne allzu starkes Abdunkeln. Mit 386 ppi ist das Display auch so scharf, dass ihr keine einzelnen Pixel erkennen werdet.

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      Über die maximale Helligkeit gibt es von Nokia keine Angaben. Derzeit kann ich sie leider auch nicht messen. Das Nokia-8.3-Display ist allerdings für den Alltag ausreichend hell. Ihr könnt eure Inhalte in den allermeisten Umgebungen ohne Probleme erkennen. Nur bei direkter Sonneneinstrahlung wurde es ab und an kniffelig.

      Während es bei vielen Smartphones ausgefeilte Möglichkeiten zur Farbeinstellung gibt, besteht diese Möglichkeit beim Nokia 8.3 nur eingeschränkt. Ihr könnt nur die Farbtemperatur einstellen. Das reicht meiner Meinung nach auch vollkommen aus. Ich kann mich persönlich nicht entsinnen, wann ich diese Optionen ausgiebiger genutzt hätte.
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      Gute Performance und ein starker Akku

      Im Alltag habt ihr keine Performance-Probleme. Apps starten zügig und auch der Wechsel zwischen ihnen klappt reibungslos. Bei grafikintensiven Spielen wie CSR Racing solltet ihr allerdings die Detailstufe herunterdrehen. Anderenfalls kann es zu kleineren Rucklern kommen.

      Mehr gibt es im Grunde nicht zu sagen. Moderne Smartphones sind so ausgereift, dass selbst Mittelklasse-CPUs wie der im Nokia 8.3 verbaute Snapdragon 765G mehr als genügend Leistung für den Alltag bieten. Lediglich in Spezialfällen wie komplexer Videobearbeitung mit vielen Effekten oder grafisch hoch anspruchsvollen Spielen werdet ihr an die Grenzen des Prozessors kommen.

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      Der 4500-mAh-Akku sorgt dafür, dass ihr im normalen Betrieb zwei Tage ohne Probleme über die Runden kommt. Selbst wenn ihr das Nokia 8.3 intensiv nutzt, werdet ihr aber kaum Probleme haben, über den Tag zu kommen. Eines ist allerdings schade: Nokia hat nach wie vor kein Schnellladesystem, so dass es relativ lange dauert, bis der Akku geladen ist. Angesichts der guten Performance und der Tatsache, dass die meisten Menschen ihr Telefon nachts laden, fällt das nicht so sehr ins Gewicht. Ihr solltet aber im Hinterkopf behalten, dass der kurze Boxenstop an der Steckdose nicht so viel bringt.

      Wie sich das Nokia 8.3 5G unter 5G-Bedingungen verhält, konnte ich mangels geeignetem Netz leider nicht testen.
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      Gutes Kamera-Setup und spannende Video-Funktionen

      Das Kamera-Setup mit vier Linsen findet sich mittlerweile bei vielen Smartphones. Allerdings hat das Nokia 8.3 5G ein paar Features, die es deutlich von der Masse abheben.

      nokia 8.3 5g im test

      Bevor ich euch die besonderen Features näher erkläre, gibt es noch einen kurzen Überblick, was die Kamera im Allgemeinen leistet. Die Smartphone-Fotos sind wie immer nicht bearbeitet und wurden, sofern nicht anders angegeben, im Automatikmodus aufgenommen.

      Bei Tageslicht macht das Nokia 8.3 5G gute Fotos. Sie haben einen hohen Dynamikumfang und tolle, natürliche Farben. Auch beim Autofokus gibt es keinen Grund zur Klage, denn er leistet gute Dienste. Im Automatikmodus bekommt ihr kein Foto mit 64 MP. Hier werden, wie es mittlerweile Standard ist, mehrere Pixel zu einem zusammengefasst. Das kommt der Qualität der Fotos zugute, weil es Rauschen reduziert.

      Die 64 MP bringen euch nur dann einen Vorteil, wenn ihr Makroaufnahmen machen wollt. Ihr kommt zwar mit der 64 MP-Linse nicht so nah an Objekte heran wie mit der Makrolinse. Letztere löst allerdings nur mit 2 MP auf. Das reicht für die Betrachtung am Smartphone aus. Auf größeren Bildschirmen sehen die Fotos suboptimal aus. Nutzt also lieber die 64-MP-Linse und schneidet euch das Bild dann auf den gewünschten Ausschnitt zurecht. Die Ergebnisse sind besser. Wer mag, nutzt den Pro-Modus und kann alle Parameter selber beeinflussen. Die maximale Belichtungszeit beträgt 20 Sekunden.

      Im Makro-Modus liegt die Auflösung bei gerade 2 MP

      Bei schlechten Lichtverhältnissen solltet ihr ein Stativ für die besten Ergebnisse einsetzen. Der Nachtmodus leistet zwar auch gute Arbeit, ist aber noch ausbaufähig. Vor allem die natürliche Lichtstimmung wird nicht optimal eingefangen. Aber gegenüber früheren Nokia-Modellen ist es ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung.

      Der Nachtmodus

      Aber nun zu den besonderen Features: Die betreffen nämlich das Filmen mit dem Nokia 8.3. HMD Global spendiert dem Smartphone den sogenannten Kino-Modus. Gegenüber dem normalen Video-Modus gibt es einige Unterschiede. Zum einen filmt ihr nicht mehr im 16:9-Format, sondern im 21:9-Format. Schmal und breit. Wie im Kino eben. Und zum anderen könnt ihr H-Log bei der Aufnahme nutzen. Das bedeutet, dass ihr de facto eine Aufnahme im RAW-Format filmt und später im Editor das Video mit verschiedenen Presets belegen könnt. Die wiederum speichert ihr separat. So habt ihr immer die Originaldatei zur Verfügung. Für solche Dinge wie Stabilisierung müsst ihr die bearbeitete Datei noch einmal durch den Editor von Google Fotos jagen.

      Ihr könnt im Kino-Editor bei Videos, die nicht mit H-Log aufgenommen wurden, auch noch Lens-Flare-Effekte hinzufügen. Hier sollte Nokia nachbessern. Wenn ich ein Video in H-Log aufnehme, muss ich es einmal bearbeiten und exportieren, um bspw. den Rec.-709-Farbraum anzuwenden. Dann muss ich es nochmal bearbeiten und exportieren, um die Flare-Effekte anzuwenden. Und wenn ich es dann noch stabilisieren möchte, muss ich es ein drittes Mal bearbeiten und exportieren. Das Nokia 8.3 ist also ein echter Exportschlager. Ich bin mir jedoch sicher, dass sich das auch einfacher lösen lässt.

      Die Ergebnisse können sich allerdings sehen lassen. Wer gerne kreativ ist, sollte sich den Kino-Editor also definitiv genauer ansehen. Einen Vergleich zwischen der Aufnahme mit H-Log (rechts) und der fertig bearbeiteten Datei mit Rec. 709 (links) seht ihr im Video.

      Auch beim Video bekommt ihr einen Makromodus. Die Aufnahmen werden wie bei den Fotos allerdings nur mit 2 MP aufgelöst. Reicht für das Smartphone. Ich würde euch aber grundsätzlich empfehlen, in 4K zu filmen und die bearbeiteten Videos in Full HD auszugeben. Dann steht euch de facto ein verlustfreier 4facher Zoom zur Verfügung.

      Der Action-Modus ist für schnelle Szenen gut geeignet. Und natürlich gibt es auch den Bothie-Modus von Nokia. Dann nehmen Front- und Hauptkamera gleichzeitig auf und fassen das Ergebnis in einer Datei zusammen.

      Ihr solltet beim Filmen aber darauf achten, dass ihr ausreichend Licht habt. Bei wenig Licht rauschen die Aufnahmen unerträglich. Das gilt für die Frontkamera noch stärker als für die Hauptkamera. Aber vielleicht kann Nokia hier per Software-Update noch ein wenig nachjustieren.

      Das Nokia 8.3 5G überzeugt insgesamt mit der Kamera. Sie ist flexibel und bietet gerade im Videobereich ein paar Optionen, die ihr sonst nur sehr selten findet. Zudem können sich die Ergebnisse in den allermeisten Fällen sehen lassen.
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      Leider nur ein Monospeaker

      Das Nokia 8.3 5G reiht sich in die lange Reihe der Smartphones ein, die beim Sound nicht so richtig punkten können. Das liegt unter anderem am verbauten Mono-Lautsprecher. Gerade dann, wenn ihr das Smartphone in der rechten Hand im Querformat haltet, ist die Gefahr groß, dass ihr den Speaker abdeckt. Und dann hört ihr so gut wie gar nichts mehr.

      nokia 8.3 5g im test

      Bei halber Lautstärke bietet das Nokia 8.3 ein solides Klangbild. Wie bei den meisten Smartphones ist der Klang etwas flach. Die Tiefen sind zwar zu erkennen, kommen aber nicht richtig herüber. Sie gehen im Vergleich mit den Mitten und vor allem den Höhen unter. Positiv: Die Höhen sind dabei nicht klirrend.

      Wer mag, kann die Lautstärke voll aufreißen. Damit ihr das nicht machen müsst, habe ich es für euch getan. Bei voller Lautstärke bekommen die Höhen eine noch stärkere Dominanz. Sie gehen dabei auch ins Schrille über. Das mag bei Stimmen vielleicht noch gehen, bei Musik ist es allerdings kein Vergnügen.

      Erfreulicherweise müsst ihr die Lautstärke aber gar nicht voll aufdrehen, sondern könnt euch mit halber Lautstärke begnügen. Das ist für den Alltag vollkommen ausreichend.
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      Fazit: Nokia 8.3 5G

      Das einzige Gadget? Nein. Das ist das Nokia 8.3 5G sicherlich nicht. Aber es ist für derzeit* 602 Euro ein wirklich interessantes Smartphone. Das Display ist scharf, hell und glänzt mit tollen Farben. Es gibt ausreichend Speicher, der sich auch noch erweitern lässt. Dazu ein SoC, der euch für die nächsten Jahre genug Leistung bietet.

      nokia 8.3 5g im test

      Das Highlight sind aber definitiv die Videofunktionen. Die findet ihr in dieser Preisklasse in der Form nicht. Nokia geht damit einen neuen Weg und die ersten Schritte machen Lust auf mehr. Es gibt ein paar Dinge, die ich mir wünschen würde. Bspw. mehr Optionen für den Editor im Kino-Modus. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Wer also gerne und viel filmt, sollte sich das Nokia 8.3 5G genauer ansehen.

      nokia 8.3 5g im test

      Wirkliche Schwächen habe ich nicht gefunden. Die größte Hürde dürfte die Größe des Nokia 8.3 5G sein. Mit kleinen Händen lässt es sich nur schwierig bedienen.

      Nokia 8.3 5G bei uns im Shop

      *Stand: Oktober 2020

      Veröffentlicht von

      Hat seine ersten Gehversuche auf dem Amiga 500 und aus Guybrush Threepwood einen mächtigen Piraten gemacht. Mittlerweile ein Fan von richtig guter Smartphone-Fotografie und demensprechend viel auf Instagram unterwegs.

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