Hannspree Micro-PC im Test – kleiner PC ganz groß?

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Technik wird bekanntlich immer kleiner und so ist es wenig verwunderlich, dass es mittlerweile PCs gibt, die eher nach einem USB-Stick, als nach einem einem klassischen Desktop-PC aussehen.

Einen dieser Micro-PCs, den Hannspree Micro PC SNNPDI1B, haben wir uns einmal für einen Test geschnappt.

Die technischen Daten sehen erst einmal ganz gut aus:

  • Intel Atom Z3735F, 4 x 1.33GHz 
  • 2 GB DDR3 RAM
  • 32 GB Flash-Speicher
  • Intel HD Graphics (IGP)
  • HDMI, 1x USB 2.0 (Host), 1x Micro-USB (Host), Cardreader (microSDHC) 
  • WLAN 802.11b/g/n, Bluetooth 4.0 
  • Windows 8.1 32bit 
  • Abmessungen (BxHxT): 111 mm x 9.8 mm x 38mm

Dass keine Höchstleistungen zu erwarten sind, erkennt man zwar gleich an den technischen Daten, aber für normale Alltagsaufgaben wie Surfen, Videos schauen oder typische Office-Anwendungen sollte es doch reichen, oder? Ansonsten ähnelt die Hardware der aus den günstigen Windows-Tablets.

System

Verarbeitung und Lieferumfang

Die Verarbeitung ist durchaus gut, das Gehäuse besteht lediglich aus zwei Teilen, die nur zusammengesteckt sind. Dennoch knackt oder knarzt nichts. Im Lieferumfang enthalten ist neben dem PC, alles nötige: Eine HDMI-Verlängerung, Ladekabel (USB) und Netzteil. Einen ersten Eindruck vom Aussehen bekommt ihr auch in unserem Hands-On:

Anschluss/Inbetriebnahme

Einfacher geht es kaum: Stick in einen freien HDMI-Slot an TV, Monitor oder Beamer stecken, Strom über Micro-USB und dazu noch Maus und Tastatur per USB-Hub. Später können natürlich auch Bluetooth-Maus und/oder Tastatur verbunden werden, um möglichst wenig Kabel zu haben. An der Seite gibt es einen kleinen Einschaltknopf, der allerdings manchmal oft mehrmals gedrückt werden musste, um den MicroPC einzuschalten. Ansonsten ist es eben Windows 8.1: Durch die erste Einrichtung führt ein Assistent, anschließend findet man sich im gewohnten Windows-Umfeld wieder. Sehr schön ist dabei, dass keinerlei Bloatware installiert wurde – das übliche Aufräumen des Systems entfällt also.

Die Anschlüsse sind auch ausreichend. Über den USB-Anschluss kann ein Hub angeschlossen werden, an dem dann die restliche Peripherie seinen Platz findet.
Mir fehlt eigentlich nur ein Ethernet-Anschluss, aber auch den kann man ja problemlos per USB „nachrüsten“.

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Bedienung

Windows 8.1 dürften die meisten mittlerweile kennen, das will ich hier also nicht groß thematisieren.

Wichtiger ist: Wie bediene ich den PC wenn er hinter meinem Fernseher hängt? Letztlich gibt es hier mehrere Optionen. Am besten eignen sich natürlich kabellose Lösungen mit einem Dongle oder gleich über das integrierte Bluetooth ohne extra Dongle.

Mittels Smartphone kann der Micro-PC von Hannspree aber auch gesteuert werden: Wer Android einsetzt kann beispielsweise Google Chrome Remote nutzen, für Windows-Phone-Nutzer hingegen gibt es diverse PC-Remote-Apps, mit denen sich ein PC im Netzwerk steuern lässt. Beide Methoden würde ich aufgrund des erhöhten RAM- und Leistungsbedarf aber nur eingeschränkt empfehlen.

Leistung

Die Leistung ist der kritischste Punkt an so einem kleinen PC und daher stellt sich die Frage, kann ein derart kleiner PC eigentlich irgendwas? In Kurz: Ja. Standardaufgaben wie Surfen im Internet, Musik abspielen oder Dokumente öffnen ist gar kein Problem. Abgesehen natürlich von sehr Flash-lastigen Webseiten. Die zerren schon etwas an der Leistung und brauchen hier und da mal etwas länger bis sie aufgebaut sind. Da Flash aber generell sehr leistungshungrig ist, sollte das nicht wirklich überraschen. Tipp: Stellt in eurem Browser Flash-Inhalte auf „Click to Play“ – damit werden die Inhalte erst geladen wenn ihr sie aktiv anklickt. Der eingebaute Speicher schafft rund 170 MB/s beim sequenziellen Lesen und rund 45 MB/s beim sequenziellen Schreiben.

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Eine neue Art des mobilen Büros?

Kommen wir zu den Videos, denn so ein Micro-PC eignet sich ja eigentlich perfekt, um ihn als Multimedia-Player hinter den Fernseher zu hängen. Inhalte unter 1080P, also beispielsweise von DVDs oder normalen Online-Streams, spielt er ohne zu murren ab und das auch flüssig.

Bei aufwändigeren Streams oder Inhalten kann es vereinzelt aber Eng werden. Normale Full-HD Videos oder Streams z.B. von YouTube laufen problemlos, aber bei Dateien die in einer sehr hohen Bitrate daherkommen – beispielsweise BluRay Inhalte – ist die Intel HD Grafik mit dem Decodieren sichtlich überfordert. Artefaktbildung und stocken sind die Folge, teilweise hängt der Ton auch hinterher.

Also in kurz: Videos oder Streams in Full-HD sind kein Problem, alles darüber, egal ob nun 2K, 4K oder einfach mit sehr hoher Bitrate laufen nicht flüssig. Hier wird der Atom-Prozessor mitsamt der Intel-HD-Grafik zum Flaschenhals.

Spiele? Nein, vergesst es 😉 Also außer vielleicht Solitair, Minesweeper oder sehr alte Titel die keinerlei Ansprüche an die Hardware stellen. Selbst bei Flash-Spielen im Browser kann es durch die o.g. Probleme mit Flash manchmal eng werden.

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Übersichtliches Innenleben

Übrigens: Bei einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln ist Schluss. Meinen 21:9 Monitor mit 2560×1080 Pixeln konnte der Micro-PC nicht mehr korrekt ansteuern, von einem 4K Display ganz zu schweigen.

Eine Achilles‘ Ferse ist allerdings die passive Kühlung. Zwar kann der Atom Z3735 generell passiv gekühlt werden, aber bei längerer Last beispielsweise durch ein HD-Video, taktet die CPU ab 70 °C immer weiter herunter, um die Temperatur zu halten. Das macht sich dann natürlich auch in der Leistung bemerkbar. Im Stresstest sank der Takt teils auf nur noch knapp 300 MHz – von ursprünglichen 1333 MHz Basistakt.

Das ist einfach dem Ultra-Kompakten Gehäuse geschuldet. Bei Tablets, für die die CPU eigentlich gedacht ist, ist mehr Platz für einen entsprechenden Heat-Spreader.
Wirklich Abhilfe lässt sich hier nicht schaffen, außer man schneidet das Gehäuse auf und platziert einen größeren Heatspreader auf der CPU.

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Temperaturen und Taktung nach 60 Minuten Stresstest

 Emissionen

Hier gibt es nicht viel zu sagen – Das System wird komplett passiv gekühlt und da auch sonst keine mechanischen Bauteile vorhanden sind, gibt der PC keinerlei Geräusche von sich. Das Gehäuse erwärmt sich allerdings bei längerer Nutzung merklich, zeitweise konnte ich rund 50 °C messen. Da der Stick aber in der Regel irgendwo hinter einem Monitor oder TV hängt, spielt das keine große Rolle.

Fazit

Der Micro-PC von Hannspree ist wirklich sehr kompakt und ist eigentlich wie geschaffen, um ganz unauffällig hinter einem Fernseher oder kleiner Office-PC seinen Dienst zu verrichten. Allerdings ist er für knapp 180 Euro auch nicht gerade ein Schnäppchen. Die Leistung genügt um damit normale Alltagsaufgaben zu erledigen. Dauerhafte Last mag der kleine PC wegen der passiven Kühlung gar nicht und drosselt dann entsprechend den Takt um bis zu 1000 MHz. Wer aber immer nur mal fünf Minuten seine Mails checkt, bisschen Surfen will, Dokumente bearbeiten oder Filme mit nicht allzu großer Bitrate schaut, der wird davon nichts zu spüren bekommen. Alternativ bietet sich dafür aber auch ein Tablet, wie das One Xcellent 10, an. Hier sind zu einem vergleichbaren Preis bereits eine Tastatur und Office 365 Personal mit dabei. Außerdem benötigt man keine zusätzliche Hardware mehr.

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3 Kommentare auf "Hannspree Micro-PC im Test – kleiner PC ganz groß?"

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Hallo, ich besitze das Gegenstück aus Fernost MeegoPad. Da mein Fernseher kein Smart TV ist habe ich mir diesen Stick importiert. Für Videos, Fotos und Filme von bekannten Portalen ist das Super. Aber ich würde eher den Orbsmart empfehlen dieser ist günstiger http://www.myhdplayer.de/Orbsm.....-limitiert

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Gast

Ist dieser Micro-PC eine Art Klon des Intel Compute Stick? Die scheinen ja auch von den technischen Daten her ziemlich gleich zu sein: http://blog.lieske-elektronik......-windows-8

Würde mich mal interessieren, welcher der beiden besser ist…

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[…] hatten ja schon mehrere sehr kleine PCs im Test, beispielsweise den Micro-PC von Hannspree. So recht überzeugen konnten mich die meisten noch nicht: Oft wurden sie zu heiss, zu laut, zu […]

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