HDR-Monitore: Was können sie und was brauche ich?

      HDR-Monitore: Was können sie und was brauche ich?

      HDR ist der neue heiße Scheiß. Nicht alle Displays mit HDR sind aber gleich. Was sie können, worin sich HDR-Monitore unterscheiden und welche Begriffe ihr kennen müsst, hab ich hier mal für euch zusammengeschrieben.

      Selbst die aktuellen Spiele-Konsolen von Microsoft und Sony unterstützen inzwischen HDR. Voraussetzung ist natürlich, dass der Fernseher da mitmacht. Bei Monitoren ist es dagegen etwas komplizierter, ein passendes Display mit HDR zu finden. Bevor wir uns aber die Unterschiede im Detail ansehen, klären wir erstmal was HDR eigentlich bedeutet.

      Was ist HDR?

      Das Kürzel steht für „High Dynamic Range“ und bezeichnet damit Inhalte mit einem hohen Dynamikumfang. Gemeint sind damit vor allem Unterschiede bei verschiedenen Lichtquellen. Das heißt, bei dunkleren Bildern seht ihr mehr Übergangsstufen und Details. Aber auch bei sehr hellen Bildern könnt ihr einfacher Details ausmachen. Zusätzlich sorgt HDR für höhere Kontraste und mehr Schärfe.

      Inhalte mit HDR können entweder künstlich geschaffen werden oder schon beim Aufnehmen von Bildern und Videos direkt erzeugt werden. Aktuelle Smartphones bieten euch oftmals bereits die Möglichkeit eure Bilder direkt in HDR aufzunehmen. Bei den folgenden Bildern erkennt man die einzelnen Lampen des Schwibbogens und die feinen Details der Lampe dank HDR wesentlich besser.

      Adobe Lightroom bietet eine einfache Funktion mehrere Bilder mit unterschiedlichen Belichtungszeiten einfach zu einer Aufnahme mit HDR zusammenzufügen. Das Ganze funktioniert übrigens auch mit Panorama-Aufnahmen. Hier wird aus einem normal belichteten, einem unterbelichteten und einem Überbelichteten Bild eine Aufnahme mit einem hohen dynamischen Umfang. Das sieht schon richtig gut aus.

      Mit HDR bekommt ihr ein hübscheres und helleres Bild, welches stärkere Farben und mehr Kontrast bietet. Derzeit gibt es verschiedene Standards bei HDR-Monitoren. So kommt ein Standard von Nvidia und einer von AMD. Ein dritter Standard kommt von VESA und stellt im Moment die beste Orientierung für Käufer dar.

      HDR 400, 600 und 1000

      Diese Bezeichnungen finden sich häufig auf der Verpackung von HDR-Monitoren und bezeichnen die drei unterschiedlichen Stufen laut VESA.

      Namensgebend ist dabei die zumindest kurzzeitig erreichbare maximale Leuchtdichte des Panels. Angegeben wir diese in Candela je Quadratmeter [cd/m²]. Eine alternative Bezeichnung ist „nit“. Beides meint dabei die Leuchtstärke einer Kerze. Klar, was auch sonst bei einem Hightech-Monitor.

      1nit = 1cd/m² = Leuchtdichte einer Kerze

      Ein Monitor mit HDR 400 muss als Spitzenleistung mindestens 400cd/m² schaffen. Das konstante Minimum liegt dann bei 320cd/m². Die nächste Stufe HDR 600 muss als maximale Leuchtdichte 600cd/m² erreichen. Die minimale dauerhafte Leuchtdichte liegt aber nur bei 350cd/m². Ein Monitor der Stufe HDR 1000 braucht dann als maximale Leuchtdichte 1000cd/m². Dauerhaft müssen mindestens 600 cd/m² erreicht werden.

      Kurzversion: desto höher die Zahl, umso schöner und heller werden die Bilder auf eurem Monitor.

      Nvidia, AMD und Gaming

      AMD und Nvidia haben beide ihren eigenen Standards. Bei Nvidia heißt das dann „G-SYNC HDR“ und AMD nennt es „Freesync 2 HDR“. Beide geben aber keine konkreten Aussagen über die technischen Spezifikationen an. Ein Monitor verdient sich das Prädikat „Freesync 2 HDR“, wenn bestimmte Werte erreicht, welche irgendwo zwischen HDR 400 und 600 liegen. AMD ist an dieser Stelle aber auch nicht präziser. Zusätzlich muss Freesync und „Low Framerate Compensation“ gegeben sein. Nvidias Aussagen sind ebenfalls etwas schwammig. Nvidia beschreibt, dass man die 200nit von SDR-Monitoren übertreffen muss und bis zu 1000 nit erreichen soll. Danke für die Info. Sowohl AMD als auch Nvidia sollten hier nochmal mehr Klarheit schaffen.

      Wie schon erwähnt, könnt ihr selbst mit einer 200 Euro PlayStation 4 auf einem passenden Display HDR genießen. Für die volle Grafikpracht braucht es aber einen Gaming-PC. Gerade die Beleuchtung in Videospielen ist in den letzten Jahren sehr weit fortgeschritten. Dutzende angezündete Kerzen in Gräbern erleuchten so zum Beispiel eine Szenerie. Verschiedene Feuerschalen entlang des Weges weisen euch den Weg zur nächsten Quest. Auch wenn Inhalte mit einem hohen Dynamikumfang sehr schwer auf Nicht-HDR Monitoren zu zeigen sind, habe ich es mal versucht. Schaut euch nur die Szene aus Assassin´s Creed Odyssey an, welche ich mit einer Spiegelreflexkamera abfotografiert habe: einmal ohne HDR und einmal mit HDR.

      High Dynamic Range sorgt dafür, gerade bildgewaltige Spiele nochmal einen großen Sprung nach vorne machen und euch so noch tiefer in die Spielwelt reinziehen. Zumindest wenn ihr stehen bleibt, könnt ihr auch die kleinen Details entdecken, die sich jenseits der Helligkeit und der Schärfe verändert haben.

      Filme und HDR

      Filmliebhaber profitieren auch sehr von HDR. Schaut ihr einen Film, der viel im Untergrund spielt oder wo der Beleuchter allgemein ein paar Tage nicht am Set aufgetaucht ist, seht ihr dank High Dynamic Range einfach mehr. Die Ausleuchtung von Räumen und damit die Stimmung von Filmen können so noch packender werden, weil man sich nicht ständig fragt: „Wer ist der Typ?“

      Alternativ profitiert ihr natürlich auch bei YouTube-Videos mit entsprechenden HDR-Inhalten. Damit könnt ihr die Zeit überbrücken, bis ihr euch eine Bibliothek mit Ultra-HD Blu-rays aufgebaut habt.

      Gut aufgearbeitete Inhalte sehen in HDR einfach nochmal besser aus. Die stärkeren Farben und die höheren Kontraste machen viel Spaß beim zuschauen. Auch große Streaming-Anbieter wie Netflix unterstützen deshalb HDR bei ihren Inhalten.

      Egal ob also Gaming, Filme oder Streaming: Inhalte mit hohen dynamischen Umfang sind überall anzutreffen und leicht zu bekommen. Damit ihr aber auch das Maximum aus eurem neuen Monitor rausholen könnt, müsst ihr aber auch ein paar Dinge berücksichtigen. HDR funktioniert nur, wenn alle Teile eurer Übertragung darauf ausgelegt sind.

      Technische Voraussetzung

      Benutzt ihr einen Blu-ray-Player, muss der auch HDR unterstützen. Verschiedene Hersteller bieten solche Player an, darunter auch LG. Solche Player haben dann mindestens einen HDMI 2.0a-Anschluss. Ohne den bekommt ihr kein HDR auf euren Bildschirm. Für die Übertragung eurer Inhalte zu eurem Monitor braucht ihr aber auch ein passendes Kabel. Im Detail braucht ihr ein HDMI 2.0a/b-Kabel.

      Der Standards HDMI 2.1 soll dann diese ganze Chaos von HDMI 2.0a/b überflüssig machen. HDMI 2.1 kann dann Inhalte mit HDR und mit einer Auflösung von bis zu 8K bewältigen.

      Für die PC-Gamer gilt es mindestens den Standard DisplayPort 1.4 zu erfüllen, um eure Inhalte in voller Pracht auf dem Monitor genießen zu können.

      Nur wenn alle Teile eurer Übertragung auf HDR getrimmt sind, bekommt ihr ein Bild mit HDR. Passt nur ein Teil nicht: habt ihr kein HDR-Bild!

      Es gibt aber noch weitere Standards, von denen ihr zumindest mal gehört haben solltet.

      Merkmal Erklärung
      HLG Von der BBC & NHK entwickelter Standard. Besitzt ein deutlich kleineres Spektrum als HDR. Entsprechend gering ist die Verbreitung
      HDCP Ist ein hardwareseitiger Kopierschutz. Der Standard 2.2 ist schon ein paar Jahre auf dem Markt. Kein HDCP 2.2 = kein 4K – kein Ultra-HD Blu-ray – kein HDR.
      Dolby Vision Betrifft Fernseher und nicht Monitore. Soll mehr Farben als HDR darstellen können. Dynamische Einstellungen am TV sollen mit Algorithmus ständig optimal angepasst sein. Es gibt bis jetzt allerdings kaum Inhalte.

      Fazit

      Wenn ihr auf der Suche nach einem neuen Monitor seid und dabei gleich einen mit HDR kaufen möchte, solltet ihr einfach auf drei Dinge achten.

      • Je höher die Zahl hinter HDR, umso hübscher wird das Bild (HDR 1000)
      • Entweder können alle Teile eures Setups HDR oder ihr habt kein HDR
      • Nicht alle Angaben auf der Box sind gleichermaßen wichtig (HLG)

      Mit diesen drei Punkten bekommt ihr das tolle Bild, welches ihr unbedingt haben wollt. HDR bietet viel Potential: Die strahlenden Farben und die feinen Details – sowohl bei viel und wenig Licht – verändern tatsächlich die Stimmung in einigen Szene und bereichern dadurch das Geschehen auf eurem Monitor.

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