Hinweise, Tipps und Empfehlungen für den Kauf eines PC-Netzteils

      Hinweise, Tipps und Empfehlungen für den Kauf eines PC-Netzteils

      Leistung, Formfaktor, Lüfter, Effizienz oder Anschlüsse: Bei der Auswahl des richtigen Netzteils gibt es einige Punkte zu beachten. Zumal Hersteller wie be quiet!, Seasonic, Thermaltake, Corsair und Co. mit unterschiedlichsten PSUs um die Gunst der Käufer*innen buhlen. Worauf es im Jahr 2022 wirklich ankommt, erfährst du in unserem Kaufberater für Netzteile.

      Das Netzteil (PSU – Power Supply Unit) ist nicht gerade das Hardware-Bauteil, das bei der Zusammenstellung des neuen PCs die größten Emotionen auslöst. Die Anforderungen sind daher häufig ernüchternd. „Es darf nicht teurer als 50 Euro sein, sonst überschreite ich mein festgelegtes Budget und alles andere habe ich schon herausgesucht. Achso, und die Watt-Anzahl muss für meine neue Grafikkarte und CPU natürlich ausreichen.“ Höhere Anforderungen stellen Durchschnittsbastler*innen häufig nicht an das Bauteil, das bei vielen Rechnern deshalb die Achillesferse darstellt. Warum das ein Fehler ist, klären wir in diesem Beitrag.

      Der richtige Formfaktor muss es sein

      Noch bevor es überhaupt um die Leistung oder andere Merkmale des neuen Netzteils geht, solltest du zuerst den richtigen Netzteil-Standard auswählen. Netzteile kommen nämlich in unterschiedlichen Größen daher. Das genaue Format wird von deinem Gehäuse vorgegeben, du findest es in der Auflistung der Gehäuse-Spezifikationen:

      • ATX: Die gängigste Bauform, die bei Midi-Towern und Co. benötigt wird.
      • SFX: Netzteile im SFX-Format sind deutlich kleiner, da sie für kleinere Gehäuse im Mini-ITX-Format gedacht sind. Mit dazu zählen bspw. auch das Razer Tomahawk Mini-ITX (Test) oder Fractal Era ITX (Test).
      • EPS/Rackmount: Diese Formfaktoren sind für viele Privatanwender eher nebensächlich, da es sich um besonders kompakte Standards vorwiegend für Server und Workstations handelt.

      Interessant zu wissen: Trotz gleichem Format müssen die Netzteile nicht zwangsweise identische Abmessungen besitzen. Entscheidend sind die Bohrungen für die Schrauben, mit denen das Netzteil am Gehäuse befestigt wird. Diese müssen sich natürlich immer an der gleichen Stelle befinden. Durch den kleinen Spielraum können Hersteller aber bspw. trotzdem unterschiedlich große Lüfter verbauen.

      Empfehlenswerte Beispiele für SFX-Netzteile sind zum Beispiel das winzige Corsair SF600 (Shop). Trotz der kompakten Größe kommt das SF600 sogar mit Platinum-Effizienz, vollmodularem Kabelmanagement und 7 Jahren Garantie daher. Das Seasonic Focus SGX Gold 650W (Shop) ist ebenfalls ein SFX-Netzteil, ist durch den 120mm-Lüfter aber deutlich größer. Was diese Features dir im Alltag genau bringen, erfährst du in den folgenden Kapiteln. Es sei nur soviel gesagt: Beide Netzteile sind eine sehr gute Wahl für effiziente, schicke und langlebige ITX-Systeme.

      Netzteile: Eine Leistungsgesellschaft

      Kommen wir zu dem Punkt, der für die meisten Bastler*innen die größte Aufmerksamkeit bekommt: Die Leistung in Watt. Dabei geht es in erster Linie darum, dass das Netzteil ausreichend Leistung für die Komponenten zur Verfügung stellen können muss. Bedeutet im Umkehrschluss: Du solltest wissen, was deine Komponenten typischerweise verbrauchen, die Leistungsaufnahme aller Komponenten addieren und zusätzlich noch etwas Sicherheitsmarge sowie Freiraum für Upgrades einplanen.

      Damit das nicht in eine wilde Rechenorgie ausartet, bieten Hersteller wie be quiet! oder Seasonic auf ihren Webseiten passende Netzteilrechner an. Du solltest die Netzteil-Leistung jedoch nicht auf Kante nähen und mit deiner Hardware möglichst unter 90 Prozent Auslastung liegen. Wenn bspw. 600 Watt herauskommen, dann nimm besser ein 700- oder 750- statt eines 650-Watt-Netzteils.

      Kleiner Exkurs: Bis vor einigen Jahren ließ sich der Verbrauch von Prozessoren anhand der vom Hersteller angegebenen TDP (Thermal Design Power / PL1) – also einer zeitlich gewichteten und im Durchschnitt nicht zu überschreitenden Verlustleistung – relativ gut einschätzen. Das Problem? Es handelt sich um einen gewichteten Mittelwert. Kurzfristig durften die Komponenten nämlich deutlich mehr Leistung aufnehmen (PL2). Der Core i9-11900K ist bspw. mit 125 Watt angegeben, kann aber bis zu 250 Watt verbrauchen. Intel hat sich daher mit der zwölften Core-i-Generation von der TDP verabschiedet und ist zur PBP (Processor Base Power) und MBP (Maximum Turbo Power) gewechselt. Der erste Wert steht für den dauerhaften Verbrauch, wenn kein Turbo-Modus benötigt wird. Der zweite Wert für den maximalen Verbrauch während (meist) kurzzeitiger Leistungsspitzen bei hohen Taktzahlen. Gerade für letzteren sollte das Netzteil also genügend Reserven bieten.

      Auch aktuelle Grafikkarten langen bei der Leistungsaufnahme ordentlich zu. So verbraucht eine GeForce RTX 3080 FE stolze 322 Watt im Durchschnitt beim Zocken. Ihr Verbrauch wird aktuell mit der TGP (Total Graphics Power) angegeben. In Kombination mit einer starken CPU solltest du dementsprechend zu einem Netzteil mit mindestens 650 bis 750 Watt greifen. Für die meisten Office-PCs reichen 300-400 Watt hingegen locker aus.

      Einige Netzteile zeigen den aktuellen Verbrauch sogar via integriertem OLED-Display an.

      Du merkst also: Lieber zu viel Leistung als zu wenig. Probleme gibt es gerade bei Netzteilherstellern im niedrigen bis mittleren Preisbereich. Sie geben die Gesamtleistung über alle Spannungen hinweg an, auf der für leistungshungrige Komponenten wie CPU und GPU wichtigen 12V-Schiene kann dann aber deutlich weniger Leistung anliegen.

      Effizienz-Zertifizierung der PSU ist manchmal mit Vorsicht zu genießen

      Bei der Effizienz von Netzteilen geht es grob gesagt darum, dass Netzteile mit einem besseren Wirkungsgrad weniger „Leistung verschwenden“. Wie effizient Netzteile arbeiten, wird durch das 80-Plus-Siegel und die verschiedenen „Medaillen“ deutlich. Die grundlegende 80-Plus-Zertifizierung gibt es bei Netzteilen ab etwa 35 Euro. Sie versichert dir, dass bei einer Belastung von 20, 50 und 100 Prozent jeweils mindestens 80 Prozent Wirkungsgrad erreicht werden.

      Die 80-Plus-Effizienz-Label befinden sich immer gut sichtbar auf der Verpackung und dem Netzteil selbst.

      Die Anhänge Bronze, Silber, Gold, Platinum und Titanium werden für besonders hohe Wirkungsgrade verliehen. Je hochwertiger das Metall klingt, desto höher ist der Wirkungsgrad des Netzteils:

      Label bei 20% Last bei 50% Last bei 100% Last
      80 Plus 82% 85% 82%
      Bronze 85% 88% 85%
      Silber 87% 90% 87%
      Gold 90% 92% 89%
      Platinum 92% 94% 90%
      Titanium 94% 96% 94%

      Ein einfaches Beispiel: Wenn man spielt, benötigt ein PC mit Ryzen 7 3700X oder Core i7-9700K und RTX 2080 Super insgesamt 340 Watt Leistung (70W + 250W + Rest des Systems). Ein 80-Plus-Netzteil zieht dafür etwa 415 Watt aus der Steckdose, ein Titan-Netzteil schafft die gleiche Leistung mit 362 Watt. Das sind 53 Watt Differenz. Nehmen wir an, du versenkst in einem Jahr 300 Stunden in fesselnde Spiele wie The Witcher 3 oder Cyberpunk 2077, dann kommst du auf etwa 16 KWh Ersparnis, die dich bei 30 Cent Strompreis 4,80 Euro kosten. Nach 3 Jahren sind das 14,40 Euro, nach 8 Jahren 38,40 Euro.

      Die Relevanz bzw. das Sparpotential des Wirkungsgrads ist also vor allem von zwei Faktoren abhängig:

      • der Leistungshunger deines Systems
      • die Zeit, die du (insbesondere zockend) vor deinem PC verbringst

      Es spielen aber gleichzeitig noch weitere Rahmenbedingungen eine Rolle, die den Einsatz eines effizienten Netzteils befürworten: Aktuelle Umweltdebatten und steigende Strompreise. Die Investition lohnt sich aber auch, weil das Netzteil häufig mehrere CPU- und Grafikkarten-Generationen überlebt und 10 Jahre Nutzungsdauer keine Seltenheit sind.

      Es gibt jedoch auch Schattenseiten: Wie die meisten Zertifizierungen kostet sie den Hersteller Geld. Es kann also auch Netzteile mit einer Effizienz von 80% und mehr ohne Zertifizierung geben, wenn der Hersteller sich die Investition gespart hat. Es gab zudem schon Vorfälle, bei denen ein Netzteil mit einem Zertifikat geschmückt wurde, obwohl es nie offiziell und unabhängig getestet wurde.

      Aufklärung bietet die Webseite clearresult.com, auf der alle geprüften Netzteile zu finden sind. Problematisch bleibt es hingegen, wenn Hersteller für den Test „Golden Samples“ einsenden, die Qualität des Netzteils in späteren Chargen jedoch bewusst vom Anbieter oder Fertiger verändert wird. Ein gewisses Vertrauen in den Hersteller ist daher unabdingbar, aber letztendlich keine Garantie. Die bekommt man nur bei bekannten Herstellern oder mehrfach unabhängig und professionell getesteten Geräten.

      Große Lüfter sind nicht alles

      Eine hohe Effizienz hat mehr Vorteile als nur einen geringeren Stromverbrauch. Je weniger Leistung ein Netzteil benötigt, desto weniger Wärme entwickelt es. Das bedeutet auch, dass das Kühlsystem nicht so hart ackern muss. Das spielt im Alltag nämlich eine wichtige Rolle, denn wer will schon einen leisen PC, bei dem der Lüfter des Netzteils hörbar ist oder einen Gaming-PC, bei dem die PSU noch unnötig zusätzliche Lautstärke produziert?

      Je teurer das Netzteil, desto besser ist meistens auch das Kühlkonzept.

      Viele Marken-Netzteile setzen bei der Kühlung daher mittlerweile auf große Lüfter mit bspw. 135mm-Durchmesser. Große Lüfter bieten bei geringeren Umdrehungen den gleichen Luftdurchsatz wie kleine Lüfter und können deshalb mit niedrigeren Umdrehungen laufen. Die Größe des Lüfters ist jedoch nicht alles, denn das Kühlsystem muss insgesamt stimmig und durchdacht sein. Ein guter Airflow ist damit beim Netzteil wie auch im Gehäuse essentiell für einen leisen Betrieb.

      Semi-passiv, passiv oder weder noch

      Mitunter werben Hersteller mit semi-passiven oder komplett passiven Netzteilen. Dabei handelt es sich um Netzteile, die ihren Lüfter bei niedriger Last komplett abschalten (semi-passiv) oder erst gar nicht über einen Lüfter verfügen (passiv). Manche semi-passive Netzteile haben auf der Rückseite einen Schalter, mit dem du den Modus de-/aktivieren kannst. Sie können sinnvoll sein, allerdings auch unter bestimmten Kinderkrankheiten leiden. Dazu zählen bspw.:

      • Das Anlaufgeräusch des Lüfters kann lauter sein als der durchgängige Betrieb eines Lüfters. Das macht sich insbesondere dann bemerkbar, wenn die Last häufig um den Schwellenbereich von 40-50% Auslastung pendelt und der Lüfter immer aktiviert und deaktiviert wird.
      • Selbst ein Netzteil ohne Lüfter muss nicht komplett lautlos sein, da elektronische Nebengeräusche durch Lastwechsel oder Spulenfiepen entstehen können.
      • Netzteile ohne aktive Kühlung erfahren generell höherere Temperaturen im Niedriglastbereich durch den fehlenden Luftstrom, was die Laufzeit der Bauteile wiederum verringern kann.

      Da der ATX-Formfaktor die Abmessungen vorgibt, sind komplett passive Netzteile nur bis zu einer bestimmten Leistungsgrenze überhaupt realisierbar. Schließlich bleibt nur ein begrenztes Volumen für einen passiven Kühlkörper. Aktuell liegt diese Leistungsgrenze bei 700 Watt und wird vom Seasonic PRIME Fanless TX-700 (Shop) geboten. Das Netzteil ist mit über 200 Euro* zwar nicht günstig, dafür kannst du dich aber auf eine einwandfreie Verarbeitung, 80-Plus-Platinum-Zertifizierung und absolute Geräuschlosigkeit freuen. Mit satten 12 Jahren Herstellergarantie bist du zudem auf der sicheren Seite und hast einen treuen Begleiter für mehrere Hardware-Generationen.

      Andere Hersteller hochwertiger Netzteile wie be Quiet! haben sich aufgrund der genannten Nachteile und der Leistungsgrenze komplett von semi-passiven oder passiven Lösungen verabschiedet. Man setzt stattdessen auf hauseigene hochwertige und größe Lüfter, die einen beständigen Abtransport der Wärme (vor allem unter hoher Last) gewährleisten können und potentielle Hitzestaus verhindern.

      Insgesamt bleiben die Vorteile im Vergleich zu einem durchgehend aktiv gekühlten Markennetzteil für die meisten Nutzer*innen im Alltag also kaum spürbar. Semi-passive Lösungen lohnen sich nur dann, wenn es sich um wirklich hochwertige Netzteile mit einer sehr hohen maximalen Leistung (>1000 Watt) handelt und der passive Betrieb häufig zum Tragen kommt. Dann bieten sie im Niedriglastszenario einen minimalen Geräuschvorteil im Vergleich zu normalen Netzteilen. Passive PSUs sehe ich persönlich eher in den folgenden, eher speziellen Szenarien:

      • kleine, semi-passive Multimedia-Systeme mit einem großen Lüfter, der mit niedrigen Umdrehungen läuft
      • komplette passive Systeme, bei denen die Konvektion die Kühlung übernimmt und das Netzteil dementsprechend richtig positioniert sein muss
      • Gaming-Systeme mit sehr vielen und großen Gehäuse-Lüftern, die einen beständigen Luftaustausch im Netzteil gewährleisten

      Sowohl semi-passive als auch passive Systeme profitieren letztendlich von einem durchdachten Kühlmanagement des gesamten PCs. Bedeutet: Ein passives Netzteil in einem Fractal Torrent (Shop) ist deutlich verträglicher als in einem 0815-Gehäuse mit nur ein oder zwei internen Lüftern. Ob sich der Geräuschvorteil eines passiven Netzteils bei vielen anderen vorhandenen Lüftern lohnt, bleibt aber diskutabel.

      Aktive, semi-passive und passive Netzteile im Vergleich.

      Qualität verlängert Lebenszeit

      Die Lebenszeit eines Netzteils hängt vor allem von den verwendeten Materialien ab, dabei geht es insbesondere um die Kondensatoren. Das wissen auch die Hersteller und werben deshalb unter anderem mit besonders hochwertigen japanischen 105-Grad-Primärkondensatoren. Die sollen höhere Temperaturschwankungen aushalten, länger durchhalten und eine geringere Anfälligkeit für Spulenfiepen aufweisen.

      Das kann durchaus stimmen, ist allerdings nur hilfreich, wenn wirklich alle Kondensatoren in dem Netzteil die gleiche Qualität vorweisen können. Der kleine, aber feine Unterschied liegt bei dem Wort „Primär“. Das deutet nämlich darauf hin, dass es sich bei den restlichen Kondensatoren um anfälligere Derivate handelt. Geben diese schon früher den Geist auf, bringt auch der hochwertige Primärkondensator keine Rettung und das Netzteil ist hin. Wer auf Nummer sicher gehen will, achtet also auf „hochwertige japanische Kondensatoren“ – am besten mit dem Zusatz ausschließlich, wie es bspw. bei der Straight-Power-Serie (Shop) von be Quiet! der Fall ist. Selbst bei Markenherstellern bieten die günstigeren Serien dieses Qualitätsmerkmal nicht immer.

      Neben den Kondensatoren spielen die Lüfter ebenfalls eine wichtige Rolle. Hochpreisige Markennetzteile setzen oft auf hochwertige Lüfter, die nicht nur eine bessere Kühlleistung bieten, sondern auch seltener zu unerwünschten Nebengeräusche tendieren oder einen frühen Tod sterben.

      Bei günstigen Netzteilen ist für diese Qualität natürlich kein Spielraum vorhanden, weshalb eher günstige Lüfter, Kondensatoren und generell Materialien verbaut werden. Wer sich in 10 Jahren drei Noname-Netzteile für 50 Euro kaufen muss, hat gegenüber einer einmaligen Investition von 130 Euro in ein Markennetzteil mit langlebigen Komponenten also nichts gewonnen – letztendlich aber mehr Müll produziert.

      Budget- (oben), Mittel (links)- und Oberklasse (rechts) im Vergleich

      Modulares Kabelmanagement vereinfacht die Montage

      Ein weiteres wichtiges Wort im Netzteil-Universum ist die Modularität, die entweder gar nicht, teilweise oder vollständig vorhanden sein kann. Bei vielen günstigen und somit nicht modularen Netzteilen ragen einfach alle Stromanschlüsse an der Rückseite heraus. Unabhängig davon, ob du den Stromanschluss für deinen PC benötigst oder nicht, nimmt er trotzdem Platz im PC weg und behindert den Airflow – oder sieht einfach nur unansehnlich aus.

      Bei geschlossenen Gehäusen ist das zwar verkraftbar, allerdings gestaltet sich die Montage des PCs deutlich schwieriger, wenn alle Kabel in einem vereinten Knäuel zu einem ordentlichen Kabelmanagement transformiert werden müssen. Wie der Name schon verrät, sind bei teilmodularen Netzteilen einige Kabel fest installiert und einige können optional genutzt werden, wenn du sie brauchst. Gerade für Gaming-PCs mit Glasfenster, bei denen das Netzteil gut sichtbar ist, solltest du aber zu einem vollmodularen Netzteil greifen. Es sieht einfach aufgeräumter im PC aus und hinter dem Mainboard ist selbst bei hochpreisigen Gehäusen oft nicht viel Platz für unnötige Kabel.

      Dabei muss es gar nicht so teuer sein. Schon bei 70 bis 80 Euro beginnt der Preisbereich für vollmodulare Netzteile, die auch häufig mit schicken, vollummantelten Kabeln aufwarten können.

      Luxus-Features: RGB, OLED-Displays und Leistungsmessung

      Wenn du einen schick beleuchteten Gaming-PC mit Seiten aus getöntem Glas dein Eigen nennst, willst du vermutlich keine unscheinbare schwarze Box zu deinem Netzteil auf Lebenszeit (deiner Gaming-Karriere) küren. Hersteller wie Corsair, Thermaltake oder ASUS wissen das und bieten in ihrem Lineup daher auch Produktserien an, die mit besonderen Features punkten können. Mit dabei sind Design-Elemente wie Beleuchtungseffekte mit RGB-LEDs, die sich teilweise auch via AURA Sync mit den restlichen Komponenten synchronisieren lassen, aber auch Messungsmöglichkeiten und Apps.

      Ein Beispiel dafür ist das Corsair CX750F RGB 750W (Shop), das auf einen 120mm-Lüfter mit acht RGB-LEDs setzt, die entweder über eine Taste oder Corsairs hauseigene iCue-Software gesteuert werden können. Es ist sogar schon für 90 Euro* zu haben, bietet euch jedoch nur 80-Plus-Bronze und verzichtet auch auf andere Qualitätsmerkmale.

      Das ASUS ROG Thor 850P (Shop) ist deutlich teurer, hat aber neben der AURA-Sync-fähigen RGB-Beleuchtung auch ein OLED-Display spendiert bekommen. Mit Hilfe des Displays kannst du den aktuellen Stromverbrauch direkt nachvollziehen. Das Display ist im Alltag sicherlich eher ein nettes Gimmick, so wie es bei anderen Komponenten wie der SteelSeries Apex Pro (Test) der Fall ist. Für Benchtables oder um den eigenen Verbrauch während unterschiedlicher Szenarien zu untersuchen, kann es aber durchaus nützlich sein. Zudem punktet ASUS‘ Premium-Serie mit Platinum-Effizienz, ausschließlich japanischen Kondensatoren, sehr leisen Wing-Blade-Lüftern und 10 Jahren Garantie.

      Es gibt auch Netzteile, die bei den Messungsmöglichkeiten noch einen Schritt weiter gehen. Das semi-passive Corsair HX1200i (Shop) bietet beispielsweise einen USB-Anschluss, über den eine Überwachung von Leistung und Effizienz sowie auch die direkte Lüftersteuerung per Software möglich ist. Wer auf der Suche nach einer App-Steuerung ist, wird bei Thermaltake fündig. Das Toughpower iRGB Plus (Shop) bietet neben Multi-Rail, RGB-Beleuchtung, 80-Plus-Titanium-Effizienz und Echtzeitüberwachung auch noch eine App, mit der die Daten aus der Cloud ausgelesen werden können. Du kannst die Funktionen sogar via Sprachbefehl steuern oder deinen PC aus der Ferne herunterfahren. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch das nachfolgende Toughpower PF1 ARGB (Shop).

      Unterm Strich sind diese Netzteile aber sicherlich eher für die Hardcore-User, Youtuber und Aussteller interessant.

      Das Netzteil, mehr als nur der Stromtransformator

      Für die meisten Nutzer*innen bleiben Netzteile sicherlich das ungeliebte Kind, das bei der PC-Zusammenstellung des neuen PCs wertvolles Prozessor- oder aktuell vor allem Grafikkarten-Budget abgräbt. Quasi wie der Tank oder die HR-Abteilung. Es trägt nichts aktiv zur Leistung bei, aber ohne funktionieren Auto, Unternehmen oder der neue Rechner einfach nicht.

      Die Beleuchtung des ASUS ROG Thor 850P lässt sich via AURA synchronisieren.

      Dabei musst du für ein effizientes Mittelklasse-Netzteil mit 70 bis 80 Euro* gar nicht so tief in die Tasche greifen. Die Mehrkosten zahlen sich auf Dauer hingegen durch geringere Stromkosten und eine deutlich längere Lebensdauer als bei billigen Noname-PSUs aus. Es lohnt sich also nicht nur finanziell, sondern auch ökologisch, bei der eigenen PC-Zusammenstellung etwas mehr Geld für ein Markennetzteil bereitzustellen. Eine Möglichkeit, die Käufer*innen eines Fertig-PCs verwehrt bleibt. Sie müssen mit den auf Kante genähten und „margenfreundlichen“ PSUs leben, die der OEM ausgewählt hat. Nicht umsonst sind sie deshalb häufig das erste Bauteil, das im Fertig-PC die Hufe hochreißt.

      Bei einem 400-Euro-Fertig-PC lässt sich das durchaus akzeptieren. Wer dem neuen und leistungsstarken Gaming-PC jedoch keine unnötige Achillesferse ans Bein binden und diesen zudem ausgiebig nutzen will, greift besser zu einem Markenprodukt. Das punktet zusätzlich mit leisen Lüftern und einem modularen Kabelmanagement, erleichtert also auch die Montage des PCs. Enthusiasten bekommen im hochpreisigen Segment mit besonderen Designs, sync-fähiger RGB-Beleuchtung, besten Effizienzwerten, langer Garantie und auf Wunsch auch interessanten Messmöglichkeiten das gewisse Extra geboten.

      Auf eine Lebenszeit von 10 Jahren und mehr gerechnet ist daher auch ein hoher Preis keine vergeudete Investition, zumal sich leistungsstarke Marken-Netzteile selbst im höheren Alter noch lukrativ verkaufen lassen.

      Netzteile bei uns im Shop

      *Stand: Januar 2022

      Veröffentlicht von

      Die Leidenschaft fürs Zocken wurde bereits in den frühen 90ern mit Bubble Bobble am Sega Master System II geweckt. Spielt mittlerweile hauptsächlich am PC und hätte gerne viel mehr Zeit, um sich seinem ständig wachsenden Pile of Shame zu widmen.

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