Honor 6X im Test: Großes Display und viel dahinter

Honor Smartphones stehen bislang eigentlich fast ausnahmslos für günstige und dabei sehr gute Geräte. Mit dem Honor 6X hat man die Reihe Anfang des Jahres um ein größeres Modell erweitert, das zudem auf eine Dual-Kamera setzt. Preislich bleibt man sich aber treu und bietet das Gerät für unter 250 Euro an. Ob es so gut ist wie seine nahen Verwandten wollten wir uns im Test ansehen.

Fangen wir erstmal bei den reinen technischen Daten an:

  • Android 6 + EMUI 4.1
  • 13,97cm (5.5″) Full-HD-Display (1080p)
  • Kirin 655 Octa-Core SoC mit 2,1 GHz
  • 3GB RAM
  • 12+2 Megapixel Dual Kamera, 1,25 μM Pixel, PDAF Autofokus
  • 8 MP Frontkamera
  • LTE, Dual-SIM, Fingerabdrucksensor
  • 32GB interner Speicher, erweiterbar per MicroSD Karte
  • Hybrid-Slot: Wahlweise Dual-SIM oder SIM + MicroSD
  • Bluetooth 4.1, WiFi nach 802.11 b/g/n, USB 2.0 (Micro USB)
  • 3340mAh Akku, Schnellladetechnologie, Energiesparmodus

Soweit liest sich das schon gut. Technisch spielt es damit schon recht weit oben mit für die Preisklasse.

Beim Design hat man sich am größten Bruder orientiert: Dem HUAWEI Mate 9. Die beiden Geräte sind sich sehr ähnlich, man könnte beim Honor 6X fast von einem Mate 9 Mini sprechen. Sieht man genauer hin, entdeckt man aber die Unterschiede.

Huawei Mate 9 und Honor 6X

Bei der Geburt getrennt: HUAWEI Mate 9 und Honor 6X

Statt einem Alu-Unibody gibt es zwar eine Rückseite aus dünnem Aluminium, das restliche Smartphone besteht allerdings aus Kunststoff bzw. Glas auf der Front. Dennoch fühlt es sich gut an, nicht billig oder fragil. Das macht sich auch in einem geringeren Gewicht bemerkbar.

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Wo wir schon beim Äußerlichen sind, kommen wir zur Verarbeitung und der Haptik. Die Verarbeitung ist gut, einzig der Übergang zwischen den Kunststoffabdeckungen und der Alu-Rückseite könnte etwas smoother sein. Nicht wirklich gravierend, meist steckt das Gerät ja eh in einer Hülle. Ansonsten gibt es eigentlich keine Schwächen. Die Tasten haben einen guten Druckpunkt und sitzen fest im Gehäuse ohne zu wackeln. Das Honor 6X liegt durch die Abgerundeten Kanten insgesamt sehr gut in der Hand. Von der Größe her ist es für mich noch bequem einhändig bedienbar, auch wenn die Display-Ränder bzw. der Rahmen insgesamt etwas breiter ausfällt als bei anderen Geräten. Wirklich breit würde ich sie dennoch nicht nennen – verglichen mit einem iPhone 7 wirken sie geradezu winzig.

Bleiben wir beim Display. Es misst 5,5“ und löst mit FullHD Auflösung auf. Der Kontrast ist ok, die Farben sind gut, könnten aber etwas kräftiger sein. Die Blickwinkel sind großzügig, bei steilem Winkel wird das Display lediglich etwas dunkler, Farbinvertierungen oder Verschiebungen gibt es keine. Die Maximale Helligkeit gibt Honor mit bis zu 450nit an. Auch an sonnigen Tagen ist es damit kein Problem, den Display-Inhalt gut zu erkennen. Meist habe ich die Helligkeit auf etwa 40% gestellt gelassen, für den üblichen trüben Wintertag mehr als ausreichend, bei sonnigem Wetter musste dann entsprechend hochgeschraubt werden. Außerdem schaltet sich bei starker Sonneneinstrahlung auch ein High-Contrast-Mode dazu, der die Lesbarkeit noch erhöht. Soweit so gut, doch einen Nachteil hat das Display: Das verwendete Glas bzw. dessen Beschichtung. Fingerabdrücke bleiben sofort zurück und lassen sich auch nicht so leicht entfernen, wie es beispielsweise beim HUAWEI Mate 9 der Fall ist. Regelmäßiges Putzen gehört also zum Alltag.

Software

Genug der Äußerlichkeiten, ab zum Innenleben, genauer gesagt der Software. Zum Einsatz kommt (noch) Android in Version 6.0 samt EMUI 4. Ein Update auf Android 7 samt EMUI 5 hat Honor bereits in Aussicht gestellt, lange soll es auch nicht mehr dauern. Genaueres dazu kommt aber erst in den nächsten Tagen oder Wochen.

Doch auch unter der leicht veralteten Android-Version läuft es soweit problemlos. Apps starten schnell und bislang hatte ich keine ernsthaften Probleme mit Inkompatibilitäten oder ähnlichem. Schön ist, dass Honor wieder recht wenig Bloatware vorinstalliert und die vorhandene sich einfach deinstallieren lässt. So sind nur ein paar Spiele, ein Office-Programm und ein paar kleinere Tools vorinstalliert. Dazu gibt es die üblichen Google Apps.

Einige nützliche Features wurden auch integriert, so gibt es zum Beispiel das „Schnellzugriff“ getaufte Feature, um die wichtigsten Funktionen mit einem Wisch vom Displayrand ausführen zu können. Platzieren lässt sich das Widget an einer beliebigen Stelle. Auch die WiFi+ Funktion getaufte WLAN-Optimierung ist eine nette Sache: So wird das WLAN automatisch deaktiviert, wenn man sich von einem bekannten Netzwerk entfernt und wieder aktiviert, wenn man sich einem bekannten Netzwerk nähert. Auch ein sehr praktisches Feature ist die WiFi Bridge: Damit lässt sich das verbundene WLAN-Netzwerk an weitere Teilnehmer freigeben, ohne den Netzwerkschlüssel des ursprünglichen Netzwerks preiszugeben. Braucht man nicht immer, aber wenn, kann es die Rettung sein.

Schade ist weiterhin, dass EMUI in Version 4.1 keinen App-Drawer hat, sondern alle Apps einzeln oder in Ordnern sortiert auf dem oder den Homescreen/s liegen. Mit EMUI 5.0 wird dieser jedoch nachgerüstet, alternativ kann man natürlich auch zu Lösungen wie dem Nova Launcher greifen.

Die Performance im Alltag war jederzeit gut und es gab keine ungewöhnlichen Wartenzeiten. Apps starten schnell und auch Multitasking geht flott von der Hand. Was allerdings, wie auch schon bei anderen Geräten mit EMUI 4.1 erwähnt, nervt ist die rigorose Akku- und RAM-Politik des Systems. Apps werden sehr schnell aus dem RAM entfernt, obwohl mit 3GB jede Menge davon vorhanden ist. Auch werden Apps mit Ausschalten des Displays komplett beendet, sofern man sie nicht manuell von diesem Verfahren ausklammert. Zwar hat man hier die Schrauben etwas gelockert, sodass als wichtig erachtete Apps automatisch freigegeben werden, doch gerade bei Widgets oder Messenger-Apps kann es stören, wenn plötzlich keine neuen Daten angezeigt werden oder Benachrichtigungen erst erscheinen, wenn die App geöffnet oder das Display eingeschaltet wird.

Performance

Wie schon erwähnt lief das Honor 6X während meines Tests problemlos und flüssig. Apps starteten schnell, generell konnte ich keine Probleme mit der Performance feststellen. Das sollte in der Preisklasse mittlerweile aber auch Standard sein.

Neben der gefühlten Performance im Alltag hier natürlich auch ein paar Benchmarks. Wie immer mit Vorsicht zu genießen, entscheiden tut ja immer die Alltagsleistung. Große Überraschungen gibt es hier auch nicht, das System schlägt sich, wie man es erwartet – im guten Mittelfeld ohne große Ausreißer.

Kamera

Also direkt weiter zu einem der Haupt-Features: Der Kamera. Zwei Sensoren hat man der Hauptkamera spendiert, einer löst mit 12 Megapixeln auf und sorgt für das eigentliche Bild, ein zweiter mit 2 Megapixeln auflösender Sensor trägt Tiefeninformationen bei. Dadurch soll ein schöneres Bokeh möglich sein, wie man es etwa von DSLR-Kameras kennt. Außerdem ermöglicht es das Zwei-Kamera-Design, den Fokuspunkt und die Tiefenschärfe nachträglich anzupassen – sofern man Fotos im dazugehörigen Modus aufnimmt. Das kennen wir schon aus dem Honor 8 sowie den HUAWEI P9 und Mate 9, nur das in den drei Modellen der Zweitsensor keine Farbaufnahmen macht und mit 12 bzw. 20 Megapixeln deutlich höher auflöst. Alle Fotos hier im Beitrag sind natürlich unbearbeitet, abgesehen von Zuschnitt oder Ausrichtung.

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Insgesamt liefert das Honor 6X eine solide Kamera-Performance. Der Start der Kamera-App und der Autofokus könnten etwas schneller sein, ansonsten gibt es wenig Raum für Kritik. Das Kamera-Interface ist aufgeräumt und auch im Querformat einhändig bedienbar. Alle wichtigen Einstellungen sind direkt erreichbar, weitere Einstellungen sowie die verschiedenen Kamera-Modi finden sich dann in Menüs, die per Wisch nach links bzw. rechts aufrufen lassen. Als Kamera-Modi finden wir den normalen Automatik-Modus für Foto und Video, je einen Pro-Modus für Foto und Video, einen HDR-, Nachtaufnahme-, Panorama-, Lichtmalerei-, Lebensmittel-, Zeitraffer- und Zeitlupen-Modus. Für Selfies oder Portraits gibt es noch den Verschönern-Modus, auch hier sowohl für Fotos als auch Videos.

Im Hauptinterface der Kamera lässt sich der „Große Blende“ Modus starten, der Blitz einstellen und es können diverse Filter aktiviert werden. Im Modus „Große Blende“ kommt die Zweitkamera ins Spiel. Das Honor 6X rechnet hier mehrere Aufnahmen zu einer zusammen, in dieser kann dann der Fokus beliebig neu gesetzt werden oder über einen Schieberegler die virtuelle Blende neu eingestellt werden. Dadurch lässt sich die Tiefenschärfe regulieren. Ganz perfekt sind die Ergebnisse nicht, je nach Einstellung und Objekt sind die Ränder und Übergänge teils unsauber, die besten Ergebnisse erzielt man mit Objekten, die nicht weiter als 2 Meter entfernt sind – diesen Tipp gibt auch die App selbst beim Start des Modus mit. Was bei weiter entfernten Objekten passieren kann, seht ihr zum Beispiel hier:

Aber so grobe Fehler sind eher die Ausnahme, in der Regel klappt die Berechnung der Tiefenschärfe schon ziemlich gut:

Im Automatik-Modus sind die Fotos bei guten Lichtverhältnissen gut bis sehr gut. Probleme hat das Honor 6X mit Gegenlicht und dunklen Umgebungen – damit ist es aber nicht allein unter den Smartphone-Kameras. Doch gerade bei sehr schlechtem Licht gemischt mit Gegenlicht gibt sich die Kamera dann komplett geschlagen. Konzertfotos sind zum Beispiel keine besonders gute Idee. Die Rauschunterdrückung arbeitet so aggressiv, dass Gesichter nicht mehr zu erkennen sind. Die Alternative dazu wäre eine längere Belichtungszeit – was dann zu unscharfen Aufnahmen führt.

Auf einen durch einen Wisch erreichbaren Pro-Modus hat Honor beim 6X allerdings verzichtet, diesen gibt es nur über das Modus-Auswahlmenü. Einstellen lassen sich hier dann die Messmethode, ISO, Verschlusszeit, Belichtungskorrektur, Auto- bzw. Manueller Fokus und der Weißabgleich. Damit lassen sich auch bei schlechtem Licht gute Aufnahmen erzielen, sofern man sich mit den Einstellungen auskennt. Am besten sollte hierbei auch ein Stativ oder zumindest eine glatte Oberfläche bereitstehen, um das Smartphone für die Fotos abzustützen.

Insgesamt kann die Kamera, gemessen am Preis, überzeugen. Mehr Kamera bekommt man in dieser Preisklasse schlichtweg nicht.

Der direkte Vergleich zeigt die Unterschiede dann deutlicher. Beim Mate 9 arbeitet die Objektivkorrektur besser und die Farben wirken natürlicher. Zwischen den beiden Geräten liegen allerdings auch über 300 Euro Preisdifferenz – dafür schlägt sich das Honor 6X sehr gut.

Akku

Der verbaute Akku fasst 3340mAh, damit sollte er prinzipiell eine ganze Weile durchhalten. Dazu kommt die recht rigorose Akku- und RAM-Verwaltung, die zusätzlich für eine längere Laufzeit sorgen soll. Dieses Konzept geht auch auf: Das Honor 6X entwickelte sich in meinem Test zu einem echten Dauerläufer. Sechs Stunden Screen-on-Time waren bei gemischter Nutzung möglich – inklusive ein paar kleineren Spielen, Video-Wiedergabe, Kameranutzung, mehrerer Apps, die per Push aktualisiert werden und Mobilfunkverbindung statt WLAN. Angesichts der Displaygröße ein hervorragender Wert. Damit kam ich locker über den Tag, zwei Tage sollten bei moderater Nutzung ebenfalls problemlos möglich sein.

Sonstiges

Ein paar Dinge, die in keine der Kategorien passen. Der Fingerprint-Reader zum Beispiel. Er löst schnell aus, wenn der Finger erkannt wird. Hier gibt es hin und wieder eine Fehlerkennung, gerade wenn man feuchte Finger hat.

Schade ist natürlich auch, dass es noch mit Android 6.0 auf den Markt gekommen ist – das schmälert den guten ersten Eindruck ein wenig. Hier hat Honor aber wie schon erwähnt Besserung gelobt und will in Kürze das Update auf Android 7.0 Nougat nachreichen. Wenn es soweit ist, werden wir euch natürlich informieren. Am 15. Februar hat Honor bekanntgegeben, dass sie 150 Beta-Tester für Android 7 suchen. Hier erfahrt hier, wie ihr an dem Programm teilnehmen könnt.

Bei der Audio-Qualität halte ich es so, wie es mir schon meine Großmutter beibrachte: Wenn du nichts Gutes zu sagen hast, sag einfach mal nichts. Daher nur in kurz: Für gelegentlich mal etwas Musik hören reichts, mehr aber auch nicht. Musik-Enthusiasten sind hier auf jeden Fall an der falschen Adresse. Das gilt sowohl für die Lautsprecher als auch dann, wenn Kopfhörer angesteckt sind.

Fazit

Insgesamt überwiegen die positiven Eigenschaften. Klar: Wer High-End-Komponenten sucht ist beim Honor 6X falsch. Wer aber auf der Suche nach einem mehr als soliden Mittelklasse-Device mit Oberklasse-Ambitionen ist, der ist hier genau richtig. Für derzeit rund 250 Euro gibt es jede Menge Smartphone. Die Kamera kann die versammelte Konkurrenz in der Preisklasse hinter sich lassen, die Performance ist durchwegs gut, das Display braucht sich nicht zu verstecken und auch an Speicher und RAM mangelt es nicht. Wer mehr will, muss auch deutlich mehr investieren – Beispielsweise in das Honor 8, das seitens der Kamera noch mal eine ordentliche Schippe drauflegt.

Negativ bleibt die derzeit noch veraltete Software, die Audio-Performance und die etwas unsauberen Übergänge zwischen Kunststoff- und Aluminium-Rückseite. Auch dass das Display sich derart an die Fingerabdrücke klammert ist nicht so schön. Das Display dürfte für manchen Nutzer auch zu groß sein, das ist aber wie so oft Geschmackssache.

Wer aber mit den kleinen Schwächen leben kann, bekommt mit dem Honor 6X ein ausgezeichnetes Mittelklasse-Smartphone.

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