Honor 9 im Test – das „kleine“ Flaggschiff ohne große Schwächen

      Honor 9 im Test – das „kleine“ Flaggschiff ohne große Schwächen

      Honor hat vor Kurzem mit dem Honor 9 sein neues Flaggschiff präsentiert, das wir euch auch schon kurz vorgestellt haben. Das Gerät hat mich nun die vergangenen Wochen im Alltag begleitet, meine Erfahrungen damit habe ich nun endlich für euch zusammengefasst.

      Der Marktstart des Honor 9 verlief ziemlich gut, was Honor auch sehr gerne betont. Zwischenzeitlich war das Gerät sogar komplett vergriffen, weil man die riesige Nachfrage wohl nicht erwartet hatte. Die technischen Daten samt der guten UVP sprechen auf jeden Fall schon mal für das Honor 9:

      • SoC: Kirin 960, 4×2,45 und 4×1,8GHz
      • RAM: 4GB, 64GB interner Speicher
      • Display: 5,15″ Full HD Display
      • Kamera: 20MP monochrome und 12MP Farbsensor, F2.2, Dual LED Flash, 2x Hybrid Zoom, Pixelbinning, 8MP Frontcam
      • Akku: 3200mAh
      • Funkververbindungen: LTE Cat. 6, WiFi AC, Bluetooth 4.0
      • Software: Android 7.0, EMUI 5.1
      • Besonderheiten: 3D Audio, Fast Charge, 3D-Design

      Die technische Basis aus SoC, RAM und Kamera entspricht den aktuellen Huawei Flaggschiffen Mate 9 und P10, allerdings gibt es auch ein paar Einschränkungen. So hat Honor auf den OIS der Kamera verzichtet und bei der Kamera-Software die Leica-Filter weggelassen. Auch in Details wie der Standort-Dienste unterscheidet man sich vom großen Huawei-Bruder – so gibt es zwar GPS, GLONASS und Beidou, aber keine GALILEO-Unterstützung. Dafür bietet es wiederum den Infrarot-Sender, den sonst nur Mate 9 und P10 plus bieten.

      Ihr seht – die Unterschiede sind klein, aber vorhanden. Was es leider aber mit allen Verwandten gemeinsam hat: Der USB Type C Anschluss setzt auch weiterhin nur auf eine USB 2.0 Basis.

      Beim Lieferumfang gibt es auch keine großen Überraschungen: Enthalten ist ein Schnellladegerät, ein dazugehöriges USB Type C Kabel und ein transparentes Kunststoff-Case. Daneben gibt es dann natürlich auch noch die üblichen Unterlagen und den SIM-Tray-Öffner.

      Designtechnisch macht es einen Spagat zwischen seinem direkten Vorgänger – dem Honor 8 – und ebenfalls dem P10. Vom Honor 8 kommt das Gehäuse aus Glas, vom P10 der Finderprint-Reader auf der Vorderseite. Gänzlich neu sind hingegen die Navigationstasten links und rechts vom Homebutton. Der Homebutton ist zudem in einen silbernen Rahmen eingefasst und sitzt auf dem Glas, statt wie beim P10 rahmenlos in das Glas eingelassen zu sein.

      Die Rückseite ist beim Design das Highlight des Honor 9, denn insgesamt 9 Lagen Glas sorgen für Lichtbrechungen und Reflexionen, die das Gerät je nach Lichteinfall anders aussehen lassen. Ein wenig ist es vergleichbar mit der Rückseite HTC U11, vor allem haben sie die Anfälligkeit für Fingerabdrücke gemeinsam. Die Glaselemente sind eingefasst von einem Aluminium-Rahmen, der abgeschrägte Kanten hat, dadurch liegt das Honor 9 wirklich angenehm in der Hand.

      Weniger schön sind die recht breiten Ränder des Honor 9. Das wirkt ein wenig altbacken, gerade mit Blick auf die Konkurrenz von Samsung und LG – aber auch mit Blick auf das mittlerweile 9 Monate alte Mate 9.

      Haptisch ist das Honor 9 wirklich gelungen – es gibt keine scharfen Kanten, an denen man sich stören könnte, Lautstärke- und Powerbutton sind gut erreichbar, und der Homebutton mit integriertem Fingerprint-Reader lässt sich auch problemlos treffen. Hier gibt es auch wie beim Huawei P10 zwei Arten der Bedienung: Entweder mit den daneben liegenden Sensortasten, oder per Gesten auf dem Homebutton. Die Anordnung der Sensortasten kann auch selbst gewählt werden, je nachdem wie man es eben gewohnt ist. Die Bedienung per Wischgesten auf dem Homebutton ist für mich bis Heute nicht wirklich angenehm, ich konnte mich einfach nicht daran gewöhnen. Andere Tester mit denen ich mich schon beim Huawei P10 darüber unterhalten hatte kommen hingegen super damit klar. Wohl alles Gewöhnungssache. Da man die Wahl hat, sollte es für jeden die passende Einstellung geben. Der Fingerprint Sensor reagiert insgesamt aber wie man es von Huawei und Honor kennt: Extrem schnell. Kaum liegt der Finger drauf, ist das Gerät auch schon entsperrt. Ich hab darüber schon ganz vergessen, wie mein Lockscreen eigentlich aussieht…

      Honor 9 Menü

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      Allerdings hat die Haptik auch einen Nachteil – für mich sogar einen der größten Nachteile des Honor 9 insgesamt. Es ist glatt. Aalglatt. Ohne ein Case – beispielsweise das beiliegende Kunststoff-Case – ist die Rückseite einfach extrem rutschig. Ich weiß gar nicht, wie oft es mir beinahe auf den Boden gekracht wäre, weil die Rückseite eben so rutschig ist. Auch beim Ablegen auf nicht ganz ebenem Untergrund sollte man darauf achten, dass es nicht einfach vom Tisch rutscht. Legt man es eben auf den Tisch, rutscht es sogar auf dem Tisch herum, wenn man es antippt. Wie auch immer Honor das geschafft hat: Eindrucksvoll ist es, eine so glatte Rückseite hinzubekommen, in der Praxis kann das aber auch schon mal nervig sein.

      Neben der Anfälligkeit für Fingerabdrücke ist die Rückseite leider auch für Kratzer empfänglich, dass ich bereits zwei größere Kratzer im Glas sehen kann. Das Display ist dagegen noch immer komplett kratzerfrei.

      Das Display misst 5,2“ und löst mit FullHD Auflösung, also 1080×1920 Pixeln auf. Da die Tasten im Gehäuse sitzen, geht keine Displayfläche für die Bedienelemente verloren. Die Auflösung mag im Vergleich auch schon fast altbacken wirken, reicht aber noch locker aus für die Diagonale. Einzelne Pixel sind nicht auszumachen, außer man legt es wirklich darauf an. Mir sind die Farben etwas übersättigt, aber das ist ja wie so oft Geschmackssache. Ich mag eher eine neutrale Abstimmung wie im Mate 9, aber knallige Farben haben ja auch ihre Liebhaber.

      Der Kontrast ist dadurch allerdings auch angenehm hoch, die Schwarzwerte gut und die Blickwinkel sehr großzügig. Da gibt es also nichts zu meckern. Auch die Lesbarkeit im Sonnenlicht ist gut bis sehr gut, erst bei direkter Mittagssonne kommt das Display an seine Grenzen. Per Software lässt sich das Display auch noch ein wenig anpassen, dreht man die Einstellung auf eine eher kalte Darstellung, sind die Farben weniger übersättigt, als in der warmen Voreinstellung.

      EMUI 5.1

      Softwareseitig gibt es wenig Überraschungen. Auf dem Honor 9 läuft das bekannte EMUI 5.1 auf Android 7.0 Basis. Dem entsprechend geht es auch in den Einstellungen und den vorinstallierten Tools und Apps zu. Zwar ist relativ viel Bloatware vorhanden – egal ob nun irgendwelche Gameloft spiele, Booking.com oder ähnliches – sie lässt sich aber einfach vollständig deinstallieren. Wer noch frühere Versionen der EMUI Oberfläche kennt und (zurecht) seine Probleme damit hatte kann aufatmen: EMUI 5.1 ist weit weniger radikal im Speicher- und Akkumanagement als noch EMUI 4. Apps werden nicht ständig abgeschossen oder deaktiviert um Akku oder RAM zu sparen. Wo früher die Apps, die nicht geschlossen werden sollten manuell ausgewählt werden mussten, läuft es nun umgekehrt. Apps die man automatisch – beispielsweise beim Ausschalten des Displays – beenden will, kann man manuell festlegen.

      Dadurch läuft das System deutlich flüssiger als noch bei früheren Versionen, gerade App-Wechsel profitieren deutlich davon.

      Ein weiteres Problem aus den älteren Versionen wurde ebenfalls behoben: Die Benachrichtigungen. Bis EMUI 4 hat Honor auf ein eigenes System gesetzt, seit EMUI 5.0/5.1 nutzt EMUI das Android 7 Benachrichtigungssystem. Probleme mit ausbleibenden Benachrichtigungen gibt es dadurch nicht mehr. Allerdings wichtig für Umsteiger: Installiert die Apps neu, nicht über ein Backup, sonst kann es insbesondere bei Whatsapp noch Probleme geben.

      Auf Seiten der Software läuft ansonsten alles butterweich, Apps starten schnell und es gibt selbst bei anspruchsvollen Apps oder Spielen keine Probleme mit zu wenig Leistung. Einzige Ausnahme: Die Kamera-App hing bei mir hin und wieder und brauchte recht lange zum Starten. Woran das lag, ist aber schwer zu beurteilen. Vor anderen Testern habe ich bislang kein derartiges Problem gehört.

      Wichtig ist vielleicht noch die Dual-SIM-Verwaltung zu erwähnen, denn die ist wirklich einfach gelöst. Sobald zwei Karten eingesetzt sind, kann über die Einstellungen einfach festgelegt werden, welche primär für die Datenverbindung und welche für Telefonie und SMS genutzt werden soll. Das kann auch einfach im laufenden Betrieb geändert werden – beispielsweise, weil das Volumen verbraucht ist.

      Ansonsten ist Android ja nach belieben anpassbar, sei es nun bei den Standardapps oder dem Launcher. Der Standardlauncher bietet übrigens die Möglichkeit, zwischen App-Drawer und keinem App-Drawer zu wählen.

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      Kamera

      Schauen wir uns die Kamera an. Die Kamera-UI ist wie von den Vorgängern gewohnt recht einfach und übersichtlich gehalten. Einstellungen und verschiedene Kameramodi gibt mit einem Wisch nach links oder rechts, dort finden sich dann auch der Pro-Modus, HDR, Nachtmodus, usw. Schade ist hier nur, dass der Pro-Modus nicht mit einem Wisch erreichbar ist, wie es bei den Huawei-Flaggschiffen der Fall ist.

      Denn die Kamera kann, gerade im Pro-Modus, so einiges. Aber erstmal zur Automatik. Aufgenommen werden Fotos standardmäßig mit beiden Kameras, in der Bildverarbeitung werden dann beide Aufnahmen übereinandergelegt und dadurch die Schärfe und die Details erhöht. Farbaufnahmen werden in der Regel mit 12 Megapixeln gemacht, die Schwarz-Weiß-Aufnahmen mit 20 Megapixeln. Dadurch ist es auch möglich, die Farbaufnahmen auf 20MP hoch zu rechnen – wenn man das möchte. Im Automatik-Modus ist die Kamera bereits gut, allerdings bemerkt man den fehlenden OIS beim Filmen und sobald es dunkler wird. Hier sind dann ruhige Hände gefragt. Ansonsten gelingen meist auf Anhieb gute Fotos. Mit den größten Rivalen wie dem Samsung Galaxy S8 oder gar dem iPhone kann die Automatik es allerdings nicht aufnehmen. Die Kompaktkamera kann man aber bedenkenlos daheim lassen, wenn man ein Honor 9 dabei hat.

      Hier hilft dann der Pro-Modus, in dem Belichtungszeit, ISO, Fokus, Belichtungskorrektur und Weißabgleich manuell gesetzt werden können. Wer sich die Mühe macht, wird auch belohnt, denn setzt man die Parameter manuell ist so einiges möglich. Auch lange Belichtungszeiten sind damit problemlos umsetzbar, sofern man ein Stativ nutzt. Die Möglichkeiten durch den manuellen Modus sind für mich die größte Stärke der Honor 9 Kamera. Wer sich gerne ausprobiert und kreativ ist, kann damit die kleinen Schwächen des Automatik-Modus locker ausgleichen und großartige Aufnahmen mit dem Honor 9 kreieren. Wer im Dunklen fotografieren möchte, sollte aber mit Farbstichen rechnen. Bei meinem Streifzug über die Museumsinsel in Berlin hatten alle Bilder einen Grünstich. Der lässt sich aber problemlos per Bildbearbeitung korrigieren. Auch der Autofokus hat in sehr dunkler Umgebung ein wenig zu kämpfen.

      Telefonieren kann man mit dem Honor 9 natürlich auch. Probleme hatte ich hier keine, mein Gegenüber war immer gut zu verstehen und hat mich ebenfalls gut gehört. Auch per Lautsprecher lässt sich telefonieren, der Ton wird hier allerdings bei maximaler Lautstärke etwas blechern. Verständlich bleibt der Gesprächspartner aber weiterhin.

      Wo wir bei den Lautsprechern sind: Die sind ok um damit hin und wieder Musik zu hören, dauerhaft möchte man das aber eher nicht. Vom angekündigten „3D Audio“ hab ich zumindest nicht viel wahrgenommen, egal ob im Spiel oder beim Musik hören. Steckt man Kopfhörer an, wird es besser. Gegenüber dem Honor 8 hat man definitiv hörbar am DAC geschraubt. Zwar habe ich mir beim einen oder anderen Song mehr Druck gewünscht, das ist aber auch schon meckern auf hohem Niveau.

      Benchmarks

      Die Leistung sei natürlich noch erwähnt, angeschnitten hatte ich sie ja schon. Zu Bemängeln gibt es hier nichts, auch wenn es sich nicht die Leistungskrone schnappen kann. Die Hardware ist bereits erprobt und daher ist es wenig überraschend, dass sie reibungslos zusammenarbeitet und es eigentlich keine App oder Spiel gab, das den Kirin 960 in die Knie gezwungen hätte.

      Allerdings: Belastet man das Honor 9 mit Spielen oder anspruchsvollen Apps wird es recht schnell recht warm. Deutlich wärmer, als ich es von anderen Geräten kenne. Zwar ist es noch nicht unangenehm zu halten, aber die Rückseite erwärmt sich in der oberen Hälfte doch deutlich. Die Wärmeentwicklung macht sich auch bei den Benchmarks bemerkbar: Führt man sie mehrmals hintereinander aus, sinkt der erreichte Wert spätestens nach dem 3. Durchlauf.

      Akku

      Kommen wir zur Akkulaufzeit. Die ist grob zusammengefasst gut, könnte hier und da aber noch etwas besser sein. Einen normalen Arbeitstag hält es bei mir locker durch, viele Reserven bleiben am Ende des Tages aber nicht mehr über. Wer nach Feierabend noch etwas unternehmen will, sollte besser eine Powerbank oder das Ladegerät dabei haben. Zur Sicherheit. Realistisch hatte ich meist um die drei Stunden Display-on-Zeit, bevor ich das Honor 9 wieder an das Ladegerät hängen musste.

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      Im Benchmark allerdings schnitt es nicht so gut ab. Lediglich 6 Stunden 37 Minuten hielt es durch.

      Hat man das passende Ladegerät dabei ist der Akku dank Huawei Quick Charge schnell wieder gefüllt. Nur etwas mehr als eine Stunde dauert es, bis der Akku wieder gefüllt ist. Was mir nur noch fehlt: Eine Powerbank die zu Huawei bzw. Honor Quick Charge kompatibel ist… 😉

      Fazit

      Große Schwächen leistet sich das Honor 9 nicht – allerdings bietet es auch wenig Alleinstellungsmerkmale. Die reflektierende und Lichtbrechende Rückseite hat was für sich, so ganz reicht das aber nicht, sich aus der Masse abzuheben. Nimmt man das Honor 9 in die Hand und nutzt es eine Weile mag man es, legt man es wieder weg vermisst man es aber auch nicht.

      Ansonsten liefert es eine solide Vorstellung ab: Gutes Display, gute Kamera mit nur kleineren Schwächen, Top Verarbeitung und eine stabile Software.

      Auch preislich ist es ein interessantes Gesamtpaket, allerdings darf man auch die Konkurrenz nicht aus dem Blick lassen. Ein Galaxy S7, dessen Kamera eine bessere Automatik bietet, kostet nur unwesentlich mehr. Auch das LG G6 ist nur minimal teurer und damit eine direkte Konkurrenz. Rechnet man das Cashback mit ein, wird der Preis dann interessanter – unter 400 Euro gibt es kaum vergleichbare Konkurrenz.

      Ganz so leicht wie sein Vorgänger wird es das Honor 9 daher nicht haben – wobei die Zahlen zum Marktstart etwas anderes sagen, eventuell liege ich also einfach komplett falsch 😉

      Falsch macht ihr mit dem Honor 9 aber definitiv nichts, soviel steht fest.

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