HP OMEN X 900 im Test – Ein Würfel, sie alle zu knechten?

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Gaming ist mittlerweile mehr als nur salonfähig. Turniere füllen ganze Stadien und immer mehr Menschen finden Gefallen am Zocken, Streamen und Gaming ganz allgemein. Da ist es nur logisch, dass die großen Hersteller reagieren und entsprechend neue Hardware auf den Markt bringen. Mit dem HP OMEN 870 hatte ich mir schon die Mainstream-Gaming-Serie von HP angesehen, jetzt folgt mit dem HP OMEN X 900 die High-End und Design-Serie. Schon optisch ist der OMEN X ziemlich imposant, allein durch die schiere Größe des Gehäuses. Darin steckt letztlich aber auch ordentlich Hardware.

Mein Testgerät ist das aktuelle Einsteigsmodell der OMEN X 900 Serie, dennoch sind die technischen Daten alles andere als Low-End:

  • Intel Core i7-6700K 4x 4,00GHz (bis zu 4,20GHz mit Intel Turbo-Boost 2.0), 8MB Cache, 4 Kerne/8 Threads
  • 16 GB DDR4-2133 (max. 32GB)
  • NVIDIA GeForce GTX 1070 (8GB GDDR5)
  • Intel Z170 Chipsatz
  • 256GB SSD NVMe + 2TB HDD
  • SuperMulti DVD Brenner
  • 3-in-1 Kartenlesegerät
  • Gigabit LAN + Wlan 802.11 a/b/g/n/ac (2×2) + Bluetooth 4.2
  • 8x USB 3.0, 2x USB 3.0 Type-C, 1x DVI, 1x HDMI, 3x DisplayPort
  • Wasserkühlung
  • Front Kopfhörer- und Mikrofonanschluss
  • 600W Netzteil
  • Windows 10 Home 64bit

Alternativ gibt es den OMEN X 900 natürlich auch mit einer oder gleich zwei GeForce GTX 1080, sowie mit größerer SSD und mehr Arbeitsspeicher.

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Das Auspacken gestaltete sich erstmal schwierig, denn der PC bringt samt Verpackung schlanke 32kg auf die Waage. Doch hat man die Verpackung erstmal geöffnet findet man schnell die weitere Anleitung zum auspacken – die Verpackung wird einfach vom PC gezogen, sodass man den riesigen Würfel nicht aus dem Karton herausheben muss. Neben dem PC ist allerdings nicht viel im Karton: Ein Kaltgerätekabel zur Stromversorgung, ein Satz Schrauben für die Hot-Swap-Festplattenkäfige, eine Schnellstartanleitung und noch etwas Zettelkram zur Garantie etc., das wars dann auch schon.

Wie es mit modernen Geräten und dem Paketversand so ist, kann allerdings auch mal was kaputt gehen, sodass die Freude am Testgerät ziemlich schnell dahin war, als die Grafikkarte sich mit lautem Schnarren und Abstürzen bemerkbar machte. Kann vorkommen, davor ist keiner gefeilt, und auch ein Blick ins Innere des PCs hat eigentlich gezeigt, dass die Komponenten gut für den Transport gesichert waren. Nun, shit happens, weitermachen. Allerdings ist es natürlich auch für uns interessant zu erfahren, was in einem solchen Fall passiert und wie der HP-Service reagiert. Immerhin reden wir hier von einem Gerät für deutlich über 2000 Euro. Also über die HP Seite den Support kontaktiert, wo man zunächst die Details zum Gerät angibt, damit der Support-Mitarbeiter nicht alles händisch eintippen muss am Telefon. Im Anschluss angerufen, durch den etwas nervigen Telefoncomputer gehangelt und am Ende mit einem Kollegen dort das Problem besprochen. Nach knapp 15 Minuten – inklusive Online-Formular ausfüllen – war alles erledigt. Ergebnis? Man schickt eine neue Grafikkarte raus, die ich dann selbst austauschen kann. Natürlich gilt das nur, wenn man sich selbst den Austausch zutraut, alternativ kann das Gerät auch eingeschickt werden für den Austausch. Schneller geht’s natürlich selbst, also habe ich diese Option gewählt.

Nach 3 Tagen war die neue Karte da und konnte direkt ausgetauscht werden. Das ging problemlos, einfach die Seitenwand öffnen, die Transportsicherung und die Schrauben die die Grafikkarte halten lösen und schon kann sie herausgenommen werden. Im Anschluss die neue Karte samt Schrauben und Sicherung wieder rein, Deckel drauf, erledigt. Alles in allem also eine sehr positive Erfahrung mit dem Support, der schnell reagiert hat und eine Austausch-Karte geliefert hat. Gerade dass die Karte auch selbst ausgetauscht werden darf gefiel mir gut, schließlich ist das nur eine Sache von 5 Minuten.

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Zurück zum PC selbst. Die Verarbeitung ist sehr gut, das Gehäuse besteht komplett aus Metall, mit ein paar Applikationen aus Kunststoff. Gewöhnungsbedürftig ist der fixe Standfuß, eine andere Option den PC aufzustellen gibt es nicht. Das Design ist insgesamt eigenwillig, aber genau das macht die OMEN X Serie letztlich aus. Dabei ist es aber auch durchdacht, denn die Bauweise optimiert die Luftzufuhr zu den Komponenten. Ob er an die gewünschte Stelle passt, sollte man daher aber vorher ausmessen.

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Dadurch ist der Zugriff auf die inneren Komponenten auch sehr einfach und nahezu komplett ohne Werkzeug nötig. Nahezu deshalb, weil zuerst eine Sicherungsschraube an der Verriegelung gelöst werden muss. Aber auch daran hat HP gedacht: An der Front hinter dem OMEN Logo befindet sich ein kleiner „Werkzeugkasten“ mit Kreuz- und Torx-Schraubenzieher, einem Satz Schrauben für beispielsweise Lüfter und eine Art Opening-Tool für die Abdeckungen über dem Netzteil und dem HDD-Lüfter.

Nach Lösen der Sicherungsschraube kann die seitliche Abdeckung einfach abgenommen werden und der Innenraum ist frei zugänglich. Der Innenraum ist aufgeräumt und übersichtlich. Mit wenigen Handgriffen lässt sich so der RAM aufrüsten, die SSD oder auch die Grafikkarte tauschen oder auch eine andere Erweiterungskarte nachrüsten. Für mehr Speicherplatz gibt es insgesamt vier Hot-Swap fähige Schnellwechsel-Slots an der Front, in die jeweils eine 3,5“ HDD, oder eine 2,5“ SSD mit Adapter eingesetzt werden kann. Einer dieser Slots ist in meinem Testgerät bereits mit einer 2TB HDD belegt. Die Slots sind allerdings etwas hakelig beim Öffnen, die Frontklappe besteht lediglich aus Kunststoff.

Wo wir schon beim Speicher sind, machen wir doch am besten gleich mit der SSD weiter. Verbaut ist eine Samsung SM951 NVMe PCIe SSD. Es sollte also ordentlich flott zur Sache gehen, was anfangs allerdings nicht ganz zutraf. Erste Benchmarks benötigten sehr lange und die Testergebnisse waren entsprechend schlecht. Das Problem war ein unter Windows 10 altbekanntes: Der von Windows 10 verwendete NVMe-Treiber ist nicht der aktuellste und bremst dadurch die SSD aus. Also den offiziellen Samsung Treiber installiert und schon passten die Werte eher zur SSD. Insbesondere die Reaktionszeiten und lesende Zugriffe können sich sehen lassen, zum Flaschenhals sollte die SSD also so schnell nicht werden.

Auch ansonsten kann sich die Leistung des OMEN X sehen lassen. Die Komponenten sprechen ja bereits dafür, dass die Leistung stimmt, in der Praxis kann es bei einer unpassenden Zusammenstellung aber trotzdem zu Einschränkungen kommen. HP hat aber scheinbar alles richtig gemacht, denn die Leistung entspricht dem, was ich erwarten würde.

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In den synthetischen Benchmarks liegt der OMEN X Im Mittelfeld der VR-Ready-Desktops, gemessen an der Hardware ein gutes Ergebnis. Auch im Cinebench gibt es daher kaum Überraschungen, ebenso wie in den getesteten Spielen. Aber der Reihe nach. Im Firestrike Ultra erreicht er gute 4170 Punkte, im neuen Time Spy Benchmark für DirectX 12 Karten 5369 Punkte. Diese Werte liegen wie erwähnt im guten Mittelfeld, sofern nicht übertaktet wurde.

Ähnlich sieht es bei Cinebench aus – wenig überraschend liegt der Core i7-6700K hinter den Hexacore-Modellen von Intel, während die GTX 1070 im OpenGL Benchmark deutlich vor dem Vergleichsfeld liegt.

Für den Gaming-Benchmark sind unsere üblichen Test-Spiele an den Start gegangen, jeweils in Full HD und 2k Auflösung. In beiden Fällen zeigten sich häufig noch Reserven nach oben, interessanterweise konnte allerdings Risen 3 bei höherer Auflösung stärker von der Grafikkarte profitieren und lief flüssiger, als in 1080p Auflösung.

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Metro 2033 und Rise of the Tomb Raider hatten sogar in 2k Auflösung noch mehr als genug Reserven, trotz maximaler Details. Kritisch wurde es überraschenderweise allerdings bei World of Warcraft Legion. Im stark belebten Ogrimmar sank die Framerate bei 2k Auflösung teilweise auf 37 FPS ab, in Raids mit vielen Spielern und Effekten könnte es daher schon eng werden.

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Overclocking?

Wasserkühlung, Intel Core i7-6700K Prozessor, jede Menge RAM Slots – alles spricht eigentlich für eine optimale Basis zum Übertakten. Werksseitig hat HP allerdings keine OC-Optionen integriert. Das BIOS bietet lediglich die Standardoptionen zum Systemstart, der Bootreihenfolge, etc.

Auch softwareseitig ist nichts dergleichen vorinstalliert, die OMEN Control Software steuert lediglich die Farben der LEDs am Gehäuse. Wer übertakten will kann das aber natürlich dennoch mittels Tools wie dem Intel Extreme Tuning Utility und Afterburner. Schöner wäre natürlich eine Werksseitige Option, die auf genau dieses System abgestimmt ist, aber vielleicht liefert HP diese ja noch nach.

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Auf- und Umrüsten

Wie eingangs schon erwähnt macht HP es einem sehr einfach, an das Innere des PCs zu kommen. Über die große Seitenklappe, die einfach per Knopfdruck geöffnet werden kann, kommt man an das Mainboard und somit alle wichtigen Komponenten heran. Das Innere ist außerdem sehr aufgeräumt, sodass man beispielsweise den RAM oder die Grafikkarte ohne große Verrenkungen aufrüsten oder austauschen kann. Die CPU ist gesockelt, also auch hier kann mühelos getauscht werden, wenn man das möchte.

Die Lüfter sind ebenso erreichbar und können einfach gereinigt werden bei Bedarf. Der Einlass-Lüfter ist allerdings durch einen groben Filter geschützt, sodass nicht allzu viel Staub ins Innere gelangen dürfte.

Einziger Negativpunkt: An das Netzteil kommt man nicht ohne weiteres heran, benötigt man also einen zusätzlichen Stromanschluss für eine Erweiterung, ist der Umbau direkt etwas umständlicher.

Hitze- und Geräuschentwicklung

Leistung will natürlich auch gekühlt werden, bei der CPU setzt HP daher auf eine Wasserkühlung, während die Grafikkarte im Referenzdesign daherkommt. Schlimm ist das nicht, denn die Geräuschentwicklung hält sich trotzdem in Grenzen.

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Bei moderater Last, also einfachem Surfen und Video-Streaming ist nahezu nichts zu hören. Die Lüfter laufen zwar, deren Rauschen ist aber schon aus geringer Entfernung kaum noch zu hören. Auch bei hoher Last, beispielsweise bei anspruchsvollen Spielen, bleibt der OMEN X angenehm ruhig. Ein leichtes Rauschen stellt sich ein, steht der PC aber unter dem Tisch ist davon nicht mehr viel zu hören. Steht er auf dem Tisch in geringer Entfernung kann man noch ein leichtes Hintergrundrauschen hören, das geht aber schnell in der üblichen Geräuschkulisse aus Tastenanschlägen und Musik unter.

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Extreme Last steckt der OMEN X ebenso gut weg. Zwar sind beide Lüfter jetzt deutlicher zu hören, auch wenn er unter dem Tisch steht ist das Rauschen hörbar, doch es entwickeln sich keine hochfrequenten Töne oder ähnliche störende Elemente. Der Basistakt von 4GHz pro Kern wird dabei nicht unterschritten.

Ein Blick auf die Temperaturen zeigt, dass HP sich beim Kühlsystem eher auf geringe Geräuschentwicklung als auf besonders niedrige Temperaturen konzentriert hat. Im Stresstest konnte ich Temperaturen von bis zu 85°C erreichen, höher stieg es allerdings zu keinem Zeitpunkt. Da die Lüfter auch weiterhin ruhig blieben, sollte es hier noch genügend Spielraum nach oben geben. Wirklich aus der Ruhe bringen konnte ich das Kühlsystem nicht, trotz diverser Versuche mit einer Kombination aus Prime95 und Furmark im Burn-In Modus.

Fazit

Abgesehen von seiner Größe bietet der OMEN X 900 kaum Anlass zur Kritik. Die Verarbeitung ist sehr gut, man kommt gut an alle Komponenten heran, die Leistung stimmt mit den Erwartungen an die Hardware überein und das Kühlsystem leistet ganze Arbeit – ohne dass man davon etwas mitbekommt. Bonus: Der Service hat schnell auf meine Anfrage reagiert und die Grafikkarte kurzerhand durch eine neue ersetzt. Auch die schnelle Erweiterbarkeit um bis zu drei weitere Festplatten oder SSDs kann durchaus nützlich sein.

Negativ bleiben daher nur die schlechte Erreichbarkeit des Netzteils und gegebnenfalls die Größe des Gehäuses. Der Preis ist gemessen an der Leistung etwas hoch, allerdings setzt die OMEN X Serie vor allem auf das außergewöhnliche Design des Gehäuses und einfache Upgrade-Möglichkeiten.

Empfehlen kann ich den HP OMEN X daher vor allem jenen, die ein etwas außergewöhnliches Design suchen und dabei nicht auf die Leistung verzichten wollen.

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Eine Antwort auf HP OMEN X 900 im Test – Ein Würfel, sie alle zu knechten?

  1. avatar Potrimpo sagt:

    Schöner Test, cooles Teil – leider aktuell finanziell nicht stemmbar.

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