HP Pavilion Wave: Stylischer Wohnzimmer-PC im Test

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Wer die Ankündigungen der großen Hersteller in den letzten Monaten verfolgt hat, wird eins festgestellt haben: Der PC soll ins Wohnzimmer ziehen und wird entsprechend aufgerüstet und ansprechend hergerichtet. HP hat zur diesjährigen IFA mit dem HP Pavilion Wave eines der interessantesten Konzepte vorgestellt, das nun auch im Handel gelandet ist. Was der kleine, etwas ungewöhnliche Entertainment-PC so kann, habe ich mir mal angesehen.

Der offensichtlichste Unterschied zum herkömmlichen PC ist das Design. Es erinnert auf den ersten Blick ein wenig an den Apple Mac Pro oder den MSI Vortex. Allerdings ist der HP Pavilion Wave nicht rund, sondern dreieckig mit abgerundeten Ecken. Anstelle von Kunststoff ist der Wave in Stoff eingefasst, was ihn ziemlich unscheinbar macht. Das Grau dürfte auf jeden Fall in fast jedes Wohnzimmer passen.

Zusätzlich gibt es an der Oberseite eine rundherum verlaufende Öffnung, die nicht nur als Luftauslass für das Kühlsystem dient, sondern auch das integrierte Audiosystem enthält. Das Design ist dabei so gewählt, damit der Klang in 360 Grad um den PC herum abgegeben wird. So soll überall im Raum optimaler Klang gewährleistet sein.

Schauen wir aber erstmal die technischen Daten meines Testgeräts an:

  • Intel Core i5-6400T
  • 8GB DDR4 RAM
  • AMD Radeon R9 M470
  • 128GB SSD (M.2) + 1000GB HDD
  • Bang & Olufsen Play Lautsprechersystem
  • Bluetooth 4.2, WLAN a/b/g/n/ac
  • GBit LAN
  • 3x USB 3.0, 1x USB 3.1 (Type-C), SD-Card-Reader, HDMI, DisplayPort, 3,5mm Klinke

Soweit ist also alles dabei, was man brauchen könnte, lediglich ein Laufwerk könnte dem einen oder anderen eventuell fehlen. Die Anschlüsse sitzen nahezu alle auf der Rückseite, abgesehen von einem der USB 3.0 Anschlüsse und dem Klinkenanschluss. Dadurch wirkt das Gehäuse sehr aufgeräumt und richtig aufgestellt sind die Kabel kaum sichtbar.

Lieferumfang

Natürlich ist nicht nur der PC im Karton, sondern auch Zubehör. Neben dem obligatorischen externen Netzteil liegt noch diverses Zettelwerk bei. Dazu kommt noch ein Bluetooth-Set bestehend aus Maus und Tastatur.

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Beide Teile können sich sehen lassen. Die Tastatur macht einen sehr guten Eindruck – schlank, guter Druckpunkt, kabellos, mit integriertem Akku und Micro-USB Ladekabel. Das Ladekabel wirkt etwas billig und durch die Farbe scheint es aus den 80er Jahren zu stammen – aber hey, es ist nur ein Kabel. Die Tastatur hingegen kann man auch im Wohnzimmer liegen lassen, ohne dass sie stören würde. Bei der Maus ist es ähnlich, allerdings ist der Eindruck nicht ganz so hochwertig wie bei der Tastatur. Statt integriertem Akku gibt es zwei AAA Batterien, sind diese leer müssen sie eben ersetzt werden.

Insgesamt aber gut, was HP da gratis beilegt. Beide Teile waren auch nach dem Einschalten sofort mit dem PC verbunden.

Verarbeitung & Haptik

Die Verarbeitung ist sehr gut, die wenigen vorhandenen Spaltmaße sind gleichmäßig. Der Stoffüberzug außen am Gehäuse besteht aus einem Stück, nur durch die Anschlussleiste auf der Rückseite unterbrochen. Die obere Abdeckung besteht allerdings aus Kunststoff, was man sieht und fühlt. Aluminium wäre hier schöner gewesen, wirklich stören tut es am Ende aber auch nicht.

Ansonsten fühlt er sich durch den Stoff sehr hochwertig an und auf den ersten Blick meint man gar nicht, dass in dem kleinen Gehäuse ein PC steckt.

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Da die Anschlüsse auf der Rückseite liegen stören sie die Optik nicht, durch die geringe Größe kann man den Wave auch kurzerhand umdrehen um einfacher an die Anschlüsse heranzukommen. Nur der ebenfalls hinten liegende Powerbutton ist etwas ungünstig platziert.

Software

Als Betriebssystem kommt Windows 10 zum Einsatz – Ich denke, dazu brauche ich nichts mehr groß erläutern. Interessant ist eher, was HP so alles vorinstalliert und was davon am Ende auch nützlich ist. Installiert ist eine ganze Menge, angefangen bei HP Tools wie dem Support Assistant, Registrierungs-Service oder der „JumpStart Bridge“ – ein extra Tool, dass euch nach dem ersten Systemstart durch die diversen Personalisierungsmöglichkeiten führt.

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Dazu kommen zusätzliche Programme wie der Dropbox Client, über den man nach der Registrierung 25GB Gratis Speicher für ein Jahr erhält. Auch McAfee ist natürlich mit dabei und nervt ab dem ersten Start. Mindestens genauso nervig wie McAfee ist die „WildTangent Games App für HP“ – eine Ansammlung von Free-to-Play Spielen eher fragwürdiger Qualität, die oft stark auf Ingame-Käufen basieren. Nützlicher ist da schon die vorinstallierte CyberLink Software, denn der Power Media Player ist ein interessantes Tool zur Wiedergabe von Fotos, Videos und Musik sowie zur Verwaltung der eigenen Bibliothek. Mit dem ebenfalls vorinstallierten PowerDirector 14 lassen sich die eigenen Videos auf die Schnelle bearbeiten.

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Schön wäre noch eine Lösung gewesen, mit der das System beispielsweise einfach per Smartphone gesteuert werden kann. Mancher Konkurrent hat ähnliches schon im Einsatz, sodass das Smartphone als Maus und Tastatur dienen kann.

Leistung

Die darf natürlich auch nicht zu kurz kommen. Mit einem Intel Core i5 samt 8GB sollten die meisten Anwendungen auch kein Problem sein, alternativ stehen aber auch Modelle mit Intel Core i3 oder i7 und 4 oder 8GB RAM zur Auswahl. Der Core i5-6400T in meinem Modell macht eine gute Figur und liefert ordentliche Ergebnisse. Gamer werden ob der verbauten Grafik zwar eher nicht auf ihre Kosten kommen, aber ein kleineres Spiel hier und da ist kein Problem.

Schauen wir uns erstmal die synthetischen Benchmarks an. Die System-SSD, eine Samsung M.2 NVMe-SSD, liefert eine ordentliche Performance mit zeitweise über 1500MB/s Leseleistung. Allerdings handelt es sich noch um ein Modell der ersten Generation, im Benchmark bricht die Leistung daher zum Schutz vor Überhitzung ab einer gewissen Dauer ein. Für den Praxiseinsatz ist das nicht wirklich relevant, denn man belastet eine SSD im Alltag selten so, wie in einem Stresstest. Auch die 1TB große HDD liefert ordentliche Leistung.

In PCMark, 3D Mark und Cinebench liegen die Werte dort, wo man sie erwarten würde. Flüssiges Arbeiten dürfte damit überhaupt kein Problem sein. Programme starten auch entsprechend schnell und laufen flüssig. Soweit also keine Überraschungen.

Beim Gaming sieht es schon anders aus. Die verbaute AMD Radeon R9 M470 ist allenfalls für Gelegenheitsspieler gedacht. Rise of the Tomb Raider ist bei 1920×1080 Pixeln und minimalen Details nicht mehr spielbar, ähnlich sieht es auch bei anderen Titeln aus. Einfache Spiele wie Diablo III laufen dagegen mit 60FPS flüssig, auch mit hohen Details.

Audio

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Eines der Key-Features im HP Pavilion Wave ist ja der verbaute Bang&Olufsen Sound. Genauer gesagt wurde der PC um das Audiosystem herum gebaut, durch die spezielle Form des Gehäuses wird der Klang dann im 360° Winkel abgestrahlt. Das funktioniert erstaunlich gut. Der HP Pavilion Wave stand im Büro nicht mittig, sondern schlicht dort, wo eben gerade Platz für ihn war. Hingestellt, eingeschaltet, erstmal Musik an. Danach kann man sich frei im Raum bewegen, die eigene Position hat kaum einen Einfluss auf den Klang. Klar – wenn ich mich hinter einem Schrank verstecke gilt das nicht mehr, aber sofern man keine Schrankwände als Raumtrenner rumstehen hat, hat man wirklich im gesamten Raum die gleiche Akustik.

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Klanglich ist der Wave ansonsten recht ausgeglichen. Die Höhen sind klar, die Mitten kommen sauber und differenziert rüber. Was allerdings fehlt sind die Tiefen, wirklich Bass gibt es kaum. Bei Filmen, gerade eher actionlastigen Titeln, fehlt daher ein bisschen was – echt kracht nicht so schön, wie man es vielleicht gewohnt ist. Auch bei Musik geht dadurch ein guter Teil verloren. Dennoch ist die Performance insgesamt gut, man kann problemlos auch mehrere Stunden darüber Musik hören, ohne die Lust zu verlieren. Auch werden Stimmen differenziert wiedergegeben, Dialogen in Filmen kann man also problemlos folgen, ohne die Lautstärke extra aufdrehen zu müssen. Besser als kleine Aktivlautsprecher wie sie oft genutzt werden ist das Audiosystem definitiv, allein durch die Klarheit und das enorm große und gleichmäßige Klangfeld stechen sie aus der Masse heraus.

Per Software, der B&O Play Audio Control, lässt sich die Akustik noch etwas anpassen und zwischen vorgefertigten Profilen für Audio, Filme und Sprache – beispielsweise für Telefonate – wählen.

Emissionen

Wie immer bei einem PC muss die entstehende Abwärme irgendwo hin. Der verwendete Core i5-6400T ist gegenüber dem normalen i5-6400 schon leicht im Takt reduziert, was zu einer geringeren TDP führt – kurz gesagt produziert er also weniger Abwärme. Der Unterschied beträgt beinahe 50%, denn die TDP des Core i5-6400T liegt bei lediglich 35W, während der 6400 bei 65W liegt. Auch die Grafikkarte muss Abwärme entsorgen. Wie gut das alles klappt, muss vor allem der Stresstest zeigen.

Unter normaler Nutzung, also mit einer Mischung aus Leerlauf, leichter Last wie Video-Streaming oder Musikwiedergabe ist der HP Pavilion Wave kaum zu hören. Die Temperaturen bewegen sich dabei auch im normalen Bereich, soweit also keine Auffälligkeiten.

Unter höherer Last, beispielsweise während der Benchmarks, hört man ein normales Lüfterrauschen bis zu einer Entfernung von einem Meter. Im normalen Büroalltag geht das Rauschen aber recht schnell unter. Hochfrequentes Pfeifen oder ähnliches blieb im Test aus.

2016-11-04

Worst Case nach 50 Minuten

Bei Volllast, also maximaler Belastung der CPU und GPU, ist das Kühlsystem zu hören, aber weiterhin nicht störend. Es gibt keine hochfrequenten Töne, die Lüfter rauschen ruhig vor sich hin. Allerdings fällt hier auf, dass HP das System auf minimale Geräuschentwicklung optimiert, was zu Lasten der Leistung und Temperaturen unter Volllast geht. CPU und GPU kratzen konstant an der 100°C Marke und die CPU drosselt auf rund 1,5GHz pro Kern. Bei einem Solchen System ist das allerdings auch verständlich, denn es soll vor allem leise und unauffällig seinen Dienst verrichten – wer stets Höchstleistung vom System abfordert sollte sich eher bei den klassischen Desktops umsehen. Die hier getestete Last ist auch weit entfernt von einer realistischen Alltagssituation, sondern soll das System gezielt aufs Maximum auslasten.

Aufrüsten

Wem die angebotenen Varianten nicht ausreichen, kommt eventuell auf den Gedanken, das System aufrüsten zu wollen. Ganz so einfach ist das aber nicht. Die äußere Stoffhülle lässt sich leicht lösen, dazu müssen lediglich drei Schrauben auf der Unterseite gelöst werden, danach können der Boden und die Außenhülle abgenommen werden. Danach herrscht aber Ernüchterung. Ohne größere Eingriffe ist durch das kompakte Design keine Änderung an der Hardware möglich. Alles ist recht komplex aufgebaut und die Hardware nicht ohne weiteres erreichbar. Definitiv nichts für Anfänger.

Fazit

Das Gesamtsystem ist in sich stimmig und die Hardware scheint gut aufeinander abgestimmt. Böse Überraschungen gibt es quasi nicht, die Negativpunkte halten sich in Grenzen. Wer keine extrem rechenintensiven Arbeiten damit erledigen will oder die neuesten AAA Titel in voller Auflösung und Details spielen will, wird so schnell nicht an die Grenzen des Systems stoßen. Alltagsaufgaben sind generell kein Problem.

Für wen eignet sich der PC denn nun? Der HP Pavilion Wave ist letztlich ein Allrounder, der im Büro wie im Wohnzimmer zuhause ist. Gerade wer Wert auf das Design und eine möglichst kompakte Bauform und leisen Betrieb legt macht mit dem Wave nichts falsch. Er fügt sich problemlos in die meisten Umgebungen ein und fällt kaum als PC auf.

Das kompakte Gehäuse hat aber auch seinen Preis: Mein Testgerät liegt aktuell bei 999 Euro. Nicht günstig, gemessen am Gesamtpaket aber durchaus in Ordnung.

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Eine Antwort auf HP Pavilion Wave: Stylischer Wohnzimmer-PC im Test

  1. avatar StefanR sagt:

    999€ sind ein stolzer Preis. Wer auf das Design verzichten kann, der bekommt auch ein sehr kompaktes und schickes Gehäuse mit entsprechender Hardware zu einem deutlich besseren Kurs. 🙂

    Muss es dann allerdings selber zusammenbauen.

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