HTC VIVE Part 2: So viel Spaß machen Spiele in VR

HTC Vive - So spielt es sich in VR

Im ersten Teil unseres HTC VIVE Tests haben wir uns die Hardware und den Aufbau angesehen. Jetzt kommen wir zum eigentlichen Review, in dem es ausschließlich um die Spiele und die Spielerfahrung mit der HTC VIVE gehen soll. Natürlich zählen dazu auch die Bedienung und der Tragekomfort etc.

Mit dem Tragekomfort wollen wir auch direkt anfangen, denn der entscheidet am Ende auch darüber, wie immersiv die Wahrnehmung ist und ob man das VIVE Headset länger als nur ein paar Minuten tragen kann. Einstellbar ist der Sitz durch insgesamt drei Klettverschlüsse, die das flexible Kopfband an den Kopf anpassen. So richtig sicher sitzt die VIVE allerdings auch nach zig versuchten Einstellungen nicht. Sie rutscht auf die Dauer einfach nach oben vom Kopf und man muss sie gerade bei bewegungsintensiven Spielen öfter wieder zurechtrücken. Allerdings ist das auch stark vom Träger abhängig – bei manchen Kollegen saß die VIVE bombenfest und wie angegossen. Probleme gab es primär bei großen Köpfen und langen Haaren. Was gefehlt hat war auch ein Crashkurs zur Anpassung des Kopfbands, es lief also auf Trial and Error hinaus.

HTC Vive Headset

 

Der Tragekomfort ist daher noch ausbaufähig. Das Kopfband rutscht einfach zu stark und eine Verschiebung der Brille sorgt am Ende für ein unscharfes Bild. Unter der Brille wird es auch recht warm, lange kann man sie also eh nicht tragen – da sie aber komplett lichtdicht sitzen muss, lässt sich das wohl auch nicht vermeiden. Unschön ist es dennoch, denn das Schaumstoffband, dass zur lichtdichten Abschirmung zwischen Kopf und Brille dient nimmt den zwangsläufig entstehenden Schweiß auf und ist schon nach relativ kurzer Zeit nicht mehr so appetitlich. Zwar kann man dieses Gesichtspolster nachkaufen, mit derzeit rund 30 Euro und überschaubarer Verfügbarkeit ist das aber eher suboptimal. Optional kann auch ein separat erhältlicher Wasser- (und Schweiß-) dichter Kunstleder-Überzug gekauft werden. Dieser liegt ebenfalls bei 30 Euro und ist ebenso begrenzt verfügbar.

Optik, Immersion, Raumgefühl

Hat man die Brille dann erstmal auf, landet man im SteamVR Interface. Die Bedienung ist intuitiv durch Zeigen möglich, ein virtueller Laserpointer am Controller hilft bei der Auswahl.

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Was auffällt, ist, dass die Auflösung noch zu niedrig ist, wodurch ein Gitternetz erkennbar ist. Das schmälert den ersten Eindruck ein wenig, im Spiel allerdings nimmt man es überhaupt nicht mehr wahr. Dafür ist die Umgebung und das Gefühl sich darin zu bewegen zu intensiv – auch bei nicht fotorealistischer Umgebung.

vive zocken

 

Das Gefühl kommt auch trotz der schwarzen Balken links und rechts im Blickfeld auf. Hier verhält es sich ähnlich zur Auflösung – achtet man darauf sieht man die Balken, konzentriert man sich auf das Spiel, vergisst man sie aber ganz schnell.

Das Gefühl, sich direkt im Raum zu bewegen ist dabei durchaus merkwürdig am Anfang, man gewöhnt sich aber schnell daran.

Spiele finden

Bevor es losgehen kann, muss man erstmal Spiele ausfindig machen, die zur HTC VIVE kompatibel sind. Steam bietet dazu diverse Optionen, beispielsweise lassen sich die Spiele über diverse Tags filtern – darunter auch VR und HTC VIVE. Wichtig ist dann noch zu prüfen, ob das Spiel auch vollständig unterstützt wird, denn manche aufgeführten Titel sind lediglich VR-Videosequenzen zum Spiel oder nicht per Motion-Controller spielbar.

Auch ist nicht jedes Spiel, das mit VIVE Unterstützung angeboten wird auch damit spielbar. Dota 2 zum Beispiel bietet „volle“ Unterstützung für die HTC VIVE, allerdings lediglich für einen Spectator Mode. Man kann sich also andere Spiele ansehen und sich dabei auch frei über die Map bewegen, aber nicht selbst spielen. Die Steuerung wäre wohl auch etwas kompliziert.

Steuerung der Spiele

Hier war ich sehr gespannt, wie die Bewegung in den Spielen umgesetzt wird. Mit den Motion Controllern kann man zwar die Hände frei bewegen und im Spiel umsetzen, begrenzter Platz und das Kabel schränken Bewegungen im Raum allerdings ein. Umso gespannter war ich daher, wie die Entwickler damit umgehen.

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Ausprobiert haben wir wie im ersten Teil des Tests aufgeführt die folgenden Titel:

  • Serious Sam VR: The last Hope
  • Abode
  • Portal 2 – Portal Stories: VR (Community Mod)
  • Hot Dogs, Horseshoes & Hand Grenades
  • Keep talking and nobody explodes

Hinzu gekommen sind seitdem noch:

  • Orc Hunter

Herausgeflogen ist iRacing, da es zur Steuerung noch eine Tastatur oder Gamepad voraussetzt.

Die erste Ernüchterung brachte dann Serious Sam VR: Eine Bewegung ist gar nicht erst vorgesehen, sondern man steht auf der Stelle und wehrt sich dort gegen die heranstürmenden Monster-Horden. Spaß macht es allerdings trotzdem, selbst beim Zugucken. Nachdem dieser Test quasi schon fertig war stellten wir allerdings fest, dass Serious Sam VR: The First Encounter eine Steuerung per Touchpad beinhaltet. Mist.

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Orc Hunter hat ein ähnliches Konzept, nur, dass hier die Gegner nicht ausschließlich von Vorne kommen. Das führt zu einigen Schockmomenten, trotz der recht groben Auflösung und ziemlich einseitigen Spielweise – es laufen eben langsam Orcs auf einen zu, die man mit Schwert, Schild, Bogen und Keule vermöbelt. Minimale Bewegungen sind ebenfalls möglich, aber eigentlich nicht der Rede wert. Dennoch verleitet das Spiel dazu, auszuweichen, um im Anschluss schwungvoll auszuholen. Genug Platz sollte also vorhanden sein.

Portal 2 mit der Community Mod Portal Stories: VR und Abode zeigen die für mich beste Umsetzung. Die Bewegung im Raum ist, soweit es der verfügbare Platz zulässt, direkt durch Laufen möglich. An weiter entfernte Ziele kommt man dann durch Point-and-Klick: Man visiert den gewünschten Ort an und „beamt“ sich dort hin. Das funktioniert nach kurzer Eingewöhnung erstaunlich gut und gerade in Portal 2 ist der Eindruck, man bewege sich tatsächlich durch das Aperture Science Laboratorium, ziemlich plastisch. Über eine Kante läuft man nicht, ohne sich mehrfach selbst eingeredet zu haben, dass sie nicht echt ist. Definitiv beeindruckend, zumal die Mod kostenfrei ist. Leider ist sie dafür aber auch ziemlich schnell vorbei. Wer eine HTC VIVE ausprobieren will, sollte aber definitiv auch Portal Stories VR spielen.

In Abode ist die Immersion trotz der eher comichaften Grafik ebenfalls vorhanden. Mangels Abgründen, in die man fallen könnte, ist es aber nicht ganz so stark ausgeprägt. Ich habe mich trotzdem mehrfach dabei erwischt, wie ich mich z.B. auf einem virtuellen Tisch aufstützen wollte. Sich nach Gegenständen auf dem Boden bücken, strecken oder gar springen um an höhergelegene Objekte zu kommen verstärken den Eindruck noch.

Hot Dogs, Horseshoes & Hand Grenades fehlt noch. Ich hab allerdings ehrlich gesagt keinen Schimmer, was ich da gespielt habe. Die Steuerung war meist ziemlich katastrophal, Sinn hat das Spiel auch nicht ergeben und ich weiß es doch auch nicht… Spart euch das Geld am besten.

Oh, „Keep talking and nobody explodes“ hätte ich beinahe vergessen. Relativ simples Konzept, viel zu steuern gibt es nicht. Man sitzt letztlich vor einer Bombe, die man mithilfe von Außenstehenden, die nicht sehen was ich sehe, entschärfen muss. Macht auf jeden Fall Spaß, ob man dafür nun ein VR-Headset braucht sei mal dahingestellt.

Highlights der Steuerung sind für mich aber eindeutig die Controller. Die Form erscheint auf den ersten Blick merkwürdig, die Seitentasten sind anfangs schwierig zu erreichen, doch hat man sich einmal daran gewöhnt, sind die Controller einfach nur großartig. Bewegungen werden genau erkannt, die Tasten bieten ein ausgezeichnetes Feedback und lassen sich auch blind problemlos treffen. Die Akkulaufzeit ist mehr als ausreichend – wir konnten knapp eine Woche lang täglich locker zwei bis drei Stunden spielen, erst dann meckerten die Controller über zu geringe Akkuladung.

Selbst nach längerer Nutzung sind sie nicht rutschig – trotz verschwitzter Hände. Sollten sie doch mal aus der Hand gleiten, hält die Handgelenkschlaufe sie zumindest in der Nähe des Körpers, statt sie quer durch den Raum fliegen zu lassen. Aus unfreiwilliger Erfahrung können wir aber auch bestätigen, dass sie recht robust sind. Diverse Stöße gegen Wände, Tische oder sogar einen Monitor haben sie unbeeindruckt gelassen, nicht einmal Kratzer kann ich entdecken.

Hin und wieder wurde einer der beiden Controller nicht korrekt von den beiden Basisstationen erkannt. Dadurch schwebte er irgendwo im Raum oder Bewegungen wurden nicht umgesetzt. Hier half es aber in der Regel schon, sich etwas zu drehen. Das war aber auch schon das einzige Problem mit den Controllern.

Die Motion-Sickness, die einige Spieler beschreiben, trat weder bei mir, noch meinen Kollegen auf. Allerdings ist es auch immer vom jeweiligen Spiel abhängig – Spiele, in denen sich der Character bewegt, während man selbst still steht, führen eher zur Übelkeit.

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Performance

Da war ja noch was: Die Performance. Weniger abhängig von der VIVE, mehr von unserem HP OMEN X 900 Test-PC. Die Kombination aus Core i7-6700K und GeForce GTX 1070 samt 16GB RAM haben sich sehr gut geschlagen, Performance-Probleme haben wir zu keinem Zeitpunkt festgestellt. Die getesteten Spiele waren jedoch auch allesamt nicht besonders anspruchsvoll. In ihrer Nicht-VR-Version liefen die Titel – sofern vorhanden – auch auf deutlich schwächeren Systemen mühelos. Wirklich grafiklastige Titel konnten wir nicht ausmachen. Das könnte und sollte sich allerdings in Zukunft ändern.

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Auch die Ladezeiten fielen sehr kurz aus, abgesehen von leichten Problemen die Steam VR beim Wechsel zwischen zwei Titeln hier und da hatte. Das ist aber lediglich ein Software-Problem, das mittels Update behoben werden kann. Ein Neustart von Steam VR hat das Problem auch immer behoben.

Ein System mit mindestens einer GeForce GTX1060, wie es auch empfohlen wird, sollte also mühelos für das aktuelle Angebot von Spielen reichen. Wer auf Nummer sicher gehen will greift besser zur GTX 1070, die ein paar mehr Reserven bietet.

Finale Gedanken

Es lässt sich schwer in Worte fassen. Ich hatte bislang die VIVE wie auch andere VR-Headsets nur kurzzeitig auf, hier haben sie schon Spaß gemacht. Kann man sich etwas näher damit beschäftigen, zeigt das System zwar kleine Schwächen, die vergisst man aber schnell beim Spielen. Denn die Spiele machen definitiv Spaß, auch wenn deren Umfang noch immer begrenzt ist und die Auswahl größer sein könnte. Der Tragekomfort ist – zumindest bei mir – nicht optimal und sollte in einer Neuauflage der VIVE verbessert werden, auch ein wasserresistentes Gesichtspolster wäre schön.

Abzuwarten bleibt auch die Langzeitmotivation. Zwar waren alle Kollegen begeistert von der VIVE, zu einer zweiten oder dritten Runde kamen dann aber nur noch wenige vorbei. Für den Einsatz Zuhause ist zudem der Platzbedarf ein Problem, denn wer hat schon mal eben 2,5×1,5m oder mehr Spielfläche komplett frei? Drumherum sollte auch mit einigem Abstand nichts stehen, denn im Eifer des Gefechts holt man auch gerne mal etwas weiter aus, als es das Spielfeld eigentlich zulässt.

Ich bin daher noch zwiegespalten. Der Spaßfaktor ist hoch, die Spiele werden immer besser, die nötige Hardware erschwinglicher. Doch Platzbedarf, Langzeitmotivation und Anschaffungspreis sind alles Faktoren, die man nicht außer Acht lassen darf.

Ob ihr euch eine VIVE anschaffen solltet, hängt daher vom Platz und vom Geldbeutel ab. Ist beides erfüllt: Greift zu! Es macht wirklich Spaß und sicher werden die Spiele in der nächsten Zeit noch weit besser. Für den Alltagsgebrauch sehe ich die VIVE aber noch nicht als echten Konkurrenten zur klassischen Spielweise mit Tastatur/Maus oder Controller vor dem Bildschirm.

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