HUAWEI Matebook 16s im Test – Intel Core i9 im Schafspelz

HUAWEI Matebook 16s im Test – Intel Core i9 im Schafspelz

HUAWEI Matebooks sind eine Konstante hier im Blog und wenn es neue Modelle gibt, testen wir die selbstverständlich auch. Mit dem Matebook 16s hat HUAWEI nicht nur jede Menge Leistung in ein 16“ Gehäuse gepresst, sondern auch einige spannende Features für den Büroalltag.

Aber fangen wir vorne, oder besser gesagt außen an. Der Lieferumfang ist schnell abgehakt: Notebook und 135W USB-C-Netzteil sind dabei und das wars. Etwas schade: Das USB-C-Kabel ist fest mit dem Netzteil verbunden, sollte hier etwas kaputt gehen, muss also das ganze Netzteil getauscht werden.

Anschlüsse, Verarbeitung und Haptik

Anschlussseitig gibt es einiges an Auswahl, allerdings fehlen für meine Nutzung ein Ethernet-Port und ein SD-Card-Slot. Beides hätte sicher Platz gehabt. Ansonsten gibt es zweimal USB-A und zweimal USB-C sowie HDMI- und einen Klinkenanschluss.

Das größere Gehäuse hat HUAWEI vor allem dazu genutzt, Tastatur und Touchpad zu vergrößern. Die Lautsprecher sitzen zudem auf der Front links und rechts der Tastatur. Das „HUAWEI Sound“ Logo vom Matebook 16 ist allerdings verschwunden. Erfreulich: Die Webcam ist aus der Tastatur in den Displayrahmen gewandert. In der Tastatur sitzt dafür nun eine dedizierte WiFi-Taste die keine F-Funktion hat. Etwas ungewöhnlich, die Reihenfolge von F-Tasten zu unterbrechen für eine dedizierte WiFi Taste – aber vermutlich war es hier einfacher, das Keyboard-PCB nicht neu zu entwerfen, sondern nur zu erweitern.

Die Tastatur schreibt sich ansonsten sehr gut und das haptische Feedback ist hervorragend. Die Tasten und auch Tastatur insgesamt sind sehr groß und Fehleingaben lassen sich dadurch vermeiden. Kommt man von kleineren Notebooks kann es aber erstmal ungewohnt sein. Ein paar Tasten fehlen mir im Alltag allerdings: Pos1 und Ende nutze ich relativ häufig, beide sind aber nicht vorhanden.

Das Touchpad ist sehr groß ausgefallen und lässt sich auch sehr gut bedienen. Die Oberfläche ist schön glatt und gleitet angenehm unter den Fingern. Eingaben werden präzise erkannt, Klicks sind leichtgängig, aber auch nicht so leicht, dass man versehentlich klickt. Die Verarbeitung ist ansonsten wieder HUAWEI-typisch sehr gut. Nicht knarzt oder wackelt, alles fühlt sich hochwertig an und das Alugehäuse wirkt sehr wertig. Trotz der Größe verwindet es sich kaum.

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Display

Das Display ist das Herzstück jeden Notebooks, so natürlich auch beim Matebook 16s. Wie der Name schon sagt, beträgt die Diagonal 16 Zoll. Mit 2520×1680 Pixeln liegt die Auflösung irgendwo zwischen 1440p und 4K. Auf jeden Fall mehr als ausreichend für die Diagonale und damit alles richtig scharf ist. Generell ist die Darstellung subjektiv sehr gut und die Farben gefallen auf Anhieb. Auch in hellen Umgebungen wird der Bildschirm trotz der spiegelnden Oberfläche hell genug, damit alles gut ablesbar bleibt.

Laut HUAWEI soll das Display auch für anspruchsvolle Anwender bereit und zudem TÜV-Zertifiziert sein. Dafür gibt man ein DeltaE <1 an, die Farben auf dem Display sollten also nicht vom Original zu unterscheiden sein – zumindest nicht mit bloßem Auge. Dazu soll es den sRGB Farbraum zu 100% abdecken. Weitere Angaben zur Farbraumabdeckung macht HUAWEI allerfings nicht, hier muss dann unser SPYDER X Elite ran.

Die Messungen belegen dann auch ein sehr gutes Display: 95% sRGB, 70% AdobeRGB und DCI-P3 entsprechen HUAWEIs Angaben. Gamma ist ab Werk optimal, dazu ein Kontrast von bis zu 1050:1 statisch. Die Farb- bzw. Luminanz-Homogenität weicht lediglich 5% sowie 7% vom Soll ab. Das ist ebenfals sehr gut. Auch das DeltaE von <1 wird mit einem gemessenen Durchschnittswert von 0,97 erreicht. Verbesserungspotential gibt es nur beim Weißpunkt, der etwas zu kalt ist und der Helligkeit von maximal 330nit.

Das Display bietet zudem auch noch 10-Finger-Multi-Touch, Eingaben darüber werden auch korrekt erkannt. Selbst im teils noch immer fummeligen Windows 11 kann man so problemlos via Touch navigieren. Die üblichen Gesten funktionieren, um beispielsweise im Browser vor und zurück zu navigieren oder den Desktop zu wechseln.

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Software

Wo wir schon bei Windows 11 sind, ein paar Worte zur Software: Die kommt erfreulich Bloatware-Frei daher und neben dem üblichen Windows 11-Bloat gibt es lediglich noch den PC-Manager von HUAWEI, sonst keine weitere Software. Auch keine Scareware in Form irgendeiner Antivirenlösung. Was HUAWEI aber wie immer gemacht hat: Die System-SSD ist in Windows-System und -Daten partitioniert worden. Mehr störend als nützlich, aber zum Glück ja mit wenigen Handgriffen beseitigt.

Wo wir beim Thema sind – kurz zur SSD. Die hört auf den handlichen Namen „ymss1cb08b11mc“ und liefert keine Ergebnisse in Google, bis auf einen tschechischsprachigen Test des Matebook 16s. Immerhin setzt die SSD mit dem Silicon Motion SM2262 auf einen nNamhaften Controller, der allerdings auch schon gute 4 Jahre alt ist. Dazu gibt es 8GB Nanya-DRAM und Speichermodule ohne weitere Kennzeichnung. Die Beschriftung liefert jedenfalls keine Ergebnisse auf Google. Die Performance ist alles in allem solide und das, was ich erwartet hätte. Da kein PCIe 4.0 Interface verwendet wird, sind die Übertragungsraten auf PCIe 3.0 begrenzt.

Der PC-Manager bietet dann aber gleich einige nette Features. Neu im Matebook 16s ist nämlich die „Smart Conference“ Lösung, die die immer mehr werdenden Videomeetings verbessern soll. Darunter gibt es eine ganze Reihe von Features, so zum Beispiel Smart Tracking, das euch automatisch folgt bei Bewegungen. Bei Präsentationen vor dem Whiteboard hält euch die Kamera also automatisch im Fokus und im Bild. Über AI wird zudem das Bild so manipuliert, dass es immer aussieht, als guckt ihr direkt in die Kamera. Normal guckt man ja immer etwas nach unten für den Gegenüber, weil man dem ja wiederum in die (virtuellen) Augen gucken will. Via AI guckt ihr aber immer direkt in die Kamera, was für den Gegenüber angenehmer sein soll. Virtuelle Hintergründe sind zudem direkt integriert, unabhängig davon welche Konferenzlösung ihr nutzt.

Insgesamt funktionierte das auch ziemlich gut und schon die Demo war beeindruckend. Die Webcam selbst ist dann weniger eindrucksvoll. Die Qualität geht in Ordnung und bei gutem Licht liefert sie ein zufriedenstellendes Bild, mehr aber auch nicht. Sie rauscht deutlich weniger stark als ihre Vorgänger in der Tastatur und die Auflösung ist auf 1080p angestiegen, das Bild ist insgesamt daher schärfer – wenn es die Lichtverhältnisse zulassen. Mit abnehmendem Licht wird das Bild dann zunehmend matschiger und rauscht teils sehr stark. Seitliches und Gegenlicht mag sie ebenso wenig und die Belichtungsmessung ist nicht immer perfekt, sodass teilweise das Gesicht ausgebrannt war, während der Hintergrund ordentlich ausgeleuchtet schien.

Audio

 

Die Lautsprecher lassen zwar das „HUAWEI AUDIO“-Label vermissen, klanglich können sie dennoch überzeugen. Bei Videos und Filmen ist Sprache klar und gut verständlich, die Maximallautstärke reicht auch locker um beispielsweise im Büro als die einzigen Lautsprecher zu fungieren. Musik ist ebenfalls ziemlich gut, aber hat natürlich Einschränkungen.

Tiefen sind etwas dünn, aber zumindest nicht matschig. Bass sollte man also nicht zu viel erwarten. Mitten und auch Höhen sind dafür laut und klar. Sitzt man gerade davor, stellt sich auch ein Stereo-Effekt ein, Instrumente sind differenziert und generell ist der Klang ausgewogen. Bei maximaler Lautstärke können Höhen aber übersteuern und dadurch unangenehm werden. Bislang musste das Maximum aber nie herhalten. Auch nicht, als ich beim Schreiben dieses Textes lediglich die Lautsprecher des Matebook 16s genutzt habe.

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Performance

Auf zum spannendsten Teil: Der Leistung. Das Matebook 16s ist das, laut HUAWEI, erste Notebook mit Intel EVO-Zertifizierung und Core i9-12900H CPU. Das bedeutet, dass es die Ansprüche an Leistung, Geräuschemissionen und Akkulaufzeit des Intel EVO Programms erfüllt, obwohl es eine der leistungsfähigsten CPUs auf dem Markt nutzt.

Dafür setzt HUAWEI auf ein großes Dual-Fan-Kühlsystem um den Core i9 im Zaum zu halten. Dazu gibt es wie bei den letzten Modellen einen „Ausgeglichen“-Modus sowie einen „Leistung“-Modus über den HUAWEI PC Manager. Der ausgeglichene Modus sorgt dann für die nötige Laufzeit und auch Laufruhe selbst bei hoher Last. In den Tests fiel auf, dass der Boost nur sehr kurz abgerufen wird, bevor der Prozessor auf den Standardtakt zurückfällt. Dadurch kann das Kühlsystem in den ersten synthetischen Benchmarks noch nicht ganz überzeugen. Im Vergleich zu anderen Systemen hängt es hinterher, um die geringen Geräuschemissionen beizubehalten.

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Gaming ist nicht der primäre Einsatzzweck, aber ein paar Basisspiele habe ich natürlich dennoch getestet, da die aktuellen iGPU mittlerweile ziemlich solide Leistung bieten können. Einfache E-Sports-Titel wie CS:GO laufen wenig überraschend problemlos in 1080p. Mit über 70FPS im Schnitt kommt man locker zurecht. Etwas anspruchsvollere Titel wie Shadow of the Tomb Raider laufen in 1080p bei minimalen Details oder in 720p bei mittleren Details noch flüssig spielbar. Für den „Gaming-Notfall“ unterwegs reicht es also. Das zieht sich so auch durch die weiteren Spiele. 1080p in niedrigsten Details laufen meist annehmbar, wenn auch nicht besonders schön. AMDs Fidelity FX kann hier oft noch unterstützen und die FPS in spielbare Bereiche hieven, ohne zu viele Details zu verlieren. ANNO 1800 kann so immerhin in 1080p mit mittleren Details bei rund 70FPS gespielt werden.

Auch in Produktiv-Benchmarks ist das auffällig. Sowohl in Photoshop als auch Davinci Resolve ist es langsamer als vergleichbare Geräte. Wobei der Vergleich auch immer mit etwas Vorsicht zu genießen ist, da wir bislang kein 1:1 vergleichbares Gerät im Test hatten. Dennoch zeigen Notebooks mit Intel Core i7-12700H teils bessere Ergebnisse, obwohl sie auf dem Papier langsamer sein sollten. Sogar HUAWEIs hauseigene Konkurrenz in Form des Matebook D16 ist in einigen Bereichen messbar schneller unterwegs. Immerhin das „alte“ Matebook 16 auf AMD Basis kann es hinter sich lassen.

Im Leistungsmodus sollten diese Beschränkungen aufgehoben werden. Dadurch wird es lauter und sollte den Boost Takt auch länger halten können. So zumindest die Theorie. In der Praxis hebt HUAWEI in diesem Modus das PL2-Limit auf 115W an, die maximale Boost-Dauer auf PL2 bleibt aber bei 28 Sekunden. Der PL2 Boost ist daher sogar knapp 200MHz höher, fällt dafür aber umso schneller wieder ab und der PL1 Takt liegt danach sogar unter dem Takt im Standard-Modus.

Ein Blick auf Cinebench R23 zeigt auch ziemlich ernüchternde Ergebnisse: Der Start ist identisch und im Anschluss geht es auf unter 12000 Punkte herunter – sogar weniger als im „Ausgeglichen“-Modus. Immerhin: In Cinebench R20 und Produktivitäts-Tools wie Photoshop und Davinci Resolve gab es einen leichten Boost und beim Gaming blieb alles beim Alten.

Über Intels XTU lassen sich die PL1 und PL2 auch noch ein wenig anpassen, viel Effekt hat das allerdings nicht. Auch ein verlängerter Boost wird von der Werkseinstellung überschrieben und es wird deutlich früher heruntergetaktet. Temperaturseitig ginge noch mehr und auch die Lüfter klingen zumindest so, dass auch hier noch Reserven stecken. Leider bietet das System keine verwertbaren Lüfterinformationen.

Alles in allem ist die Leistung durchaus gut, aber für einen Core i9-12900H zu niedrig. Interessant wäre hier ein Vergleich mit dem Core i7-12700H-Modell. Andere Notebooks in unserem Vergleich können das Matebook 16s teils deutlich hinter sich lassen. Selbst Modelle mit Core i7-1280P schneiden zum Teil schneller ab. Da sollte mehr drin sein.

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Emissionen

Wie bei der Leistung schon angeschnitten: Das Matebook 16s ist im ausgeglichenen Modus angenehm leise und kaum auffällig. Auch die Temperaturen sind gut bis sehr gut: Im Schnitt liegen sie unter 70°C, nachdem der initiale Boost vorbei ist. Anfangs kann es aber deutlich heißer werden und auch mal an der 100°C Marke kratzen. An dem Punkt angekommen, drehen die Lüfter dann hoch und die Taktfrequenz und Leistungsaufnahme sinken. Das Konzept geht insofern auf, dass das Matebook 16s zu keinem Zeitpunkt störend war. Die Lüfter sind generell auf leise und möglichst unauffällig getrimmt. Wenn euch das wichtig ist, seid ihr hier also definitiv richtig.

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Akkulaufzeit

Weder HUAWEI noch Intels EVO-Zertifizierung machen Angaben zur Akkulaufzeit. Zwar listet Intel mindestens neun Stunden, das betrifft aber nur Geräte mit FullHD-Display. Alle anderen haben hier wohl keine Auflagen, außer in 30 Minuten Ladezeit vier Stunden Nutzung zu ermöglichen. Dafür sorgt im Falle des Core i9-Modells ein 135W-USB-Netzteil, das überraschend kompakt ausfällt. Dank GaN-Technologie sind Netzteile im letzten Jahr deutlich geschrumpft, so auch hier.

Die genaue Laufzeit ist wie immer schwierig zu messen, auf einen Arbeitstag bei normaler Nutzung – sprich ohne Video- oder Fotobearbeitung – kam ich im Test aber locker. Dabei waren dann zwei Browser-Fenster mit zig Tabs offen und hin und wieder ein Video oder auch Musik im Streaming an. Generell hatte ich kaum Energiesparoptionen aktiv, vom „Ausgeglichen“-Modus einmal abgesehen.

Auf acht Stunden unter Normalbedingungen könnt ihr euch also einstellen, in Kombination mit Videoschnitt und/oder Fotobearbeitung sinkt die Laufzeit natürlich deutlich. Zwischen drei und vier Stunden waren so noch möglich. In Ordnung, aber nicht überragend.

Aufrüstbarkeit

Wie so oft bei schlanken Notebooks nicht mehr als eine Randnotiz. Wie schon bei den Vorgängern gibt es – neben der SSD – keine Möglichkeiten das System zu erweitern, aber immerhin lässt sich das Matebook einfach öffnen, um es zu reinigen.

Fazit

Das Matebook 16s macht vieles richtig, hat aber auch einige Fallstricke. Haptik, Verarbeitung und gerade das Display sind großartig und machen  Spaß. Auch die Tastatur ist hervorragend und das Touchpad sehr gut. Dazu kommen noch gute Lautsprecher und eine angemessene Akkulaufzeit.

Nur bei der Leistung muss ich Huawei einige Punkte abziehen. Im Vergleich mit anderen Geräten muss sich das Matebook 16s immer geschlagen geben, selbst mit (auf dem Papier eigentlich langsameren) Systemen samt Core i7-12700H. Zumindest bei synthetischen Benchmarks. Im Alltag fiel das allerdings nicht so sehr ins Gewicht und es konnte in Sachen Produktivität mithalten.

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