Huawei Watch Fit im Test: Fitnesstracker auf Steroiden

      Huawei Watch Fit im Test: Fitnesstracker auf Steroiden

      Mit schlankem Design, kleinem Preis und guter Akkulaufzeit macht die Huawei Watch Fit viel richtig. Worauf sie dafür verzichtet, zeigt der Test.

      Das gefällt uns

      • Preis
      • OLED-Display
      • 10 Tage Akkulaufzeit

      Das gefällt uns nicht

      • Limitierte Software

      Für diesen Beitrag habe ich die Huawei Watch Fit zusammen mit der Apple Watch SE getragen. Zwei Wearables zur selben Zeit zu tragen, gibt ein paar interessante Einblicke, wie verschiedene Ökosysteme bestimmte Aufgaben im Alltag handhaben. Die ganz kurze Version lautet – wenn du auf kabelloses Laden und sehr hochwertige Materialien wie Saphirglas und Titan verzichten kannst, erfüllt die Huawei Watch Fit alle wichtigen Ansprüche an eine moderne Smartwatch – für weniger als 100€*.

      Lieferumfang ist spartanisch

      In der weißen Box der Huawei Watch Fit befindet sich neben der Uhr noch etwas Papierkram und ein proprietäres Ladegerät. Ein Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang. Käufer verwenden also ihr eigenes oder greifen am besten gleich zu einem Multi-Lader.

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      Verarbeitung und Design sind gelungen

      Adressieren wir direkt den Elefanten im Raum: Ja, die Huawei Watch Fit sieht aus wie eine langgestreckte Apple Watch. Damit sticht die Smartwatch nicht aus der Masse der Wearables heraus. Persönlich bin ich ein Freund von größeren Smartwatches, die ein Statement vermitteln. Ich kann aber auch dem Design der Huawei Watch Fit viel abgewinnen. Allein schon deswegen, weil ich nicht ständig mit der Jacke oder dem Pullover an der Smartwatch hängen bleibe.

      Der einzige Knopf der Huawei Watch Fit ist an der rechten Seite und sehr dezent in das Design der Uhr eingearbeitet. Der Tastenhub ist kurz und so steht der Knopf nicht weit über das Gehäuse über. Auf der Unterseite befinden sich mittig alle nötigen Sensoren, die für die Messung der Herzfrequenz, der Sauerstoffsättigung und des Stresslevels zuständig sind. Darüber sind die beiden Metallkontakte zum Laden positioniert. Hier befinden sich auch die beiden Klemmen, um die Armbänder zu lösen.

      Die Huawei Watch Fit besteht aus einer „haltbaren Polymerfaser“ – also Kunststoff. Der fühlt sich gut an und bereitet mir auch keine Sorgen, dass er einen Kontakt mit dem Türrahmen nicht übersteht. Weiterer Pluspunkt der Materialwahl ist das geringe Gewicht. Nur 34g bringt die Huawei Watch Fit auf die Waage (21g ohne Armbänder). Dementsprechend habe ich gerne mal vergessen, dass ich die Uhr überhaupt trage. Zum Glück ist sie bis 5 ATM (50 Meter) wasserdicht, da ich des Öfteren erst unter der Dusche bemerkt habe, dass ich sie noch am Handgelenk trage.

      Etwas anders sieht es mit der Aufnahme der Silikonarmbänder auf der Unterseite aus. Die kleinen Silikonkappen müssen mit einem kleinen und flachen Schraubendreher herausgehebelt werden, bevor sich die Bänder tauschen lassen. Allerdings sollten Käufer der Huawei Watch Fit genau auf die kleinen Stöpsel aufpassen, da sie zum Verschwinden neigen. Die meisten Armbänder von Drittanbietern legen diese Stöpsel inzwischen mit bei – wahrscheinlich auch, weil die kleinen Teile fragil wirken.

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      Display ist gut, aber etwas gewöhnungsbedürftig

      Das 1,65″-OLED-Panel der Huawei Watch Fit ist minimal gebogen. Mit einer Auflösung von 456×280 Pixeln (326ppi) werden Inhalte mit einer guten Schärfe dargestellt. Farben sind satt und die Blickwinkel groß. Dazu kommen ab Werk zwölf vorinstallierte Ziffernblätter und weitere können in der Huawei Health App heruntergeladen werden. Es gibt sogar sechs Always-On-Ziffernblätter, deren Verwendung die Akkulaufzeit der Huawei Watch Fit allerdings etwa halbieren. Trotzdem bin ich froh, dass Huawei mir hier die Wahl lässt, ob ich ein AoD möchte. Gerade bei günstigen Modellen wird diese Funktion gerne gestrichen.

      Das leicht gebogene Display sorgt für eine minimale Lichtbrechung am Rand. Das ist nicht störend, aber solche Sachen passieren bei einem „planen“ Display nicht. Die Displayhelligkeit ist für den Außeneinsatz absolut ausreichend, obwohl die großen Smartwatch-Brüder der Huawei Watch Fit heller werden. Die Steuerung via Berührungs- und Wischgesten wurde nicht durch das leicht gebogene Display beeinflusst.

      Für das „langgezogene“ Display der Huawei Watch Fit musste Huawei allerdings die Software für Wearables anpassen. Es werden die gleichen Informationen wie bei kreisrunden Smartwatches angezeigt, aber Inhalte fühlen sich etwas gestaucht an. Das ist besonders in den Apps zur Herzfrequenz oder Stressmessung sichtbar, da Zeilenumbrüche einfach etwas seltsam aussehen bzw. Text kleiner dargestellt wird, damit er noch in die Zeile passt. Nach knapp einer Woche hatte ich mich daran gewöhnt.

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      Performance

      Die Huawei Watch Fit wird vom „DK3.5 + ST“-Chipsatz angetrieben und nicht etwa wie die großen Brüder vom Kirin A1. Ich gehe davon aus, dass es sich um einen günstigeren Chipsatz als den A1 handelt, gerade wenn ich mir den Preis der Watch Fit ansehe. Die Navigation durch die Menüs und das Scrollen durch lange Listen lief problemlos. Ich hatte schon Smartwatches, die sich flotter angefühlt haben, aber für den geringen Preis ist die gebotene Leistung absolut in Ordnung.

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      Einrichtung

      Die Einrichtung ist in wenigen Minuten erledigt. Nachdem ihr die Smartwatch einmal komplett geladen habt, ladet ihr euch die offizielle Huawei Health App herunter. In der App könnt ihr dann über den Reiter „Devices“ ganz einfach die Huawei Watch Fit auswählen und koppeln – nachdem ihr zwangsweise eine Huawei ID angelegt habt.

      Huawei Health
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      Preis: Kostenlos
      ‎HUAWEI Health
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      Nach der Kopplung steht erstmal ein Software-Update an. Danach habt ihr in der App Zugriff auf alle wichtigen Funktionen und Auswertungen eurer Daten. Wie auch bei Smartwatches von anderen Herstellern ist es nicht möglich, die erhobenen Daten der Huawei Watch Fit in die Fitness-App des iPhones zu übertragen. Das ist nur mit einer Apple Watch möglich und eine ärgerliche Einschränkung seitens Apple.

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      Tägliche Nutzung

      Das Lite-OS-Software-Erlebnis auf der Watch Fit ist fast identisch zu anderen Huawei Smartwatches. Durch horizontales Wischen vom Homescreen werden Herzfrequenz, Stresslevel, Wetter, Musikwiedergabe und die Aktivitäten angezeigt. Es ist nicht möglich, Musik auf der Watch Fit zu speichern oder Bluetooth-Kopfhörer direkt mit ihr zu verbinden. Zum Joggen muss also das Smartphone mitgenommen werden, zumindest wenn Musik gehört werden will. Dank eingebautem GPS erfasst die Huawei Watch Fit euren Lauf aber auch allein und synchronisiert sich später mit eurem Phone.

      Du Huawei Watch Fit verzichtet auf ein Mikrofon und einen Lautsprecher. Entsprechend werdet ihr über Benachrichtigungen via Vibration informiert. Anrufe sind mit der Smartwatch nicht möglich – ihr werdet darüber nur auf dem Display informiert.

      Durch Drücken der Taste wird der Bildschirm aktiviert oder führt zurück zum Startbildschirm, wenn Nutzer im Menü oder einer App sind. Wird die Taste bei aktiviertem Startbildschirm gedrückt, erscheint eine Liste aller verfügbaren Apps, darunter Schlafinformationen, SpO2-Überwachung, Atemübungen, Timer, Alarme usw. Das Wischen von der linken Seite des Bildschirms fungiert als „Zurück“-Geste.

      Die restliche Steuerung der Huawei Watch Fit entspricht dem, was inzwischen bei allen Smartwatches Standard ist. So führt ein Wisch nach oben zu den Benachrichtigungen (max. zwei werden gleichzeitig angezeigt). Ein Wisch nach unten führt zu den Schnelleinstellungen. Hier finden Nutzer die genaue Batterieanzeige, aktivieren den Schlafmodus oder können das gekoppelte Smartphone klingeln lassen. Gerade letzteres ist pures Gold für Leute, die sich mehrfach am Tag fragen, wo sie diesmal ihr Telefon haben liegen lassen.

      Nettes Detail: Ist die Watch Fit mit einem Huawei Smartphone gekoppelt, kann sie als Fernauslöser für die Smartphone-Kamera verwendet werden. Durch die Verwendung eines eigenen Betriebssystems und das Fehlen jedweder Google-Dienste sind die meisten Dritt-Anbieter-Apps natürlich raus. Strava-Nutzer sind mit der Huawei Watch Fit an der falschen Adresse.

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      Fitness

      Die Huawei Watch Fit kann 96 verschiedene Arten von Aktivitäten tracken – inklusive automatischer Verfolgung von Gehen, Laufen, Crosstrainer und Rudern. Zusätzlich gibt es die üblichen Erinnerungs-Benachrichtigungen wie regelmäßig aufzustehen, wenn der Träger zu lange inaktiv war.

      Neben der automatischen Erkennung kann die Huawei Watch Fit auch noch andere Sportarten erfassen. Dazu gehören Indoor- und Outdoor-Laufen, Radfahren, Wandern, Laufkurse, Schwimmen und mehr. Über das „+ Hinzufügen“ Symbol am Ende der Liste können auch andere Profile wie Yoga, Boxen, Ballett, Kampfsport und mehr hinzugefügt werden.

      Die Sauerstoffsättigungsüberwachung ist nur bei Bedarf möglich und kann nicht wie die Herzfrequenz regelmäßig im Hintergrund überwacht werden. Dazu kommt, dass eine SpO2-Messung am Handgelenk alles andere als genau ist. Im medizinischen Sektor wird dieser Wert entweder am Ohrläppchen oder der Fingerkuppe gemessen. Huawei selbst sagt, dass es sich bei der Watch Fit nicht um ein medizinisches Gerät handelt und die Ergebnisse eher Richtwerte sind.

      Im Allgemeinen überzeugt die Huawei Watch Fit aber beim Thema Fitness. Egal ob beim Boxen, abendliche Spaziergänge oder anderen Aktivitäten – die Messungen waren fast identisch zur fast dreimal so teuren Apple Watch SE und mit dem geringen Gewicht punktet die Uhr gerade beim Sport nochmals.

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      Akkulaufzeit

      Huawei verspricht zehn Tage Akkulaufzeit mit der Watch Fit und diesen Wert erreicht die Smartwatch auch. Mit aktiviertem Always-On-Display sind es noch 5 Tage. Eure persönliche Akkulaufzeit ist natürlich davon abhängig, wie oft und lange die Sensoren an der Unterseite der Watch arbeiten müssen. Wenn ihr täglich eine Stunde Sport treibt und das Always-On-Display nutzt, werdet ihr schon nach drei Tagen laden müssen, während ein Couch-Potatoe, der am Tag zwei Push-Benachrichtigungen bekommt und auf das AoD verzichtet, wohl entspannt auf zehn Tage Laufzeit mit der Watch Fit kommt.

      Wenn der 180-mAh-Akku leer ist, kann er mit dem mitgelieferten Ladegerät innerhalb von 65-70 Minuten komplett vollgeladen werden. Drahtloses Laden gibt es bei der Huawei Watch Fit nicht.

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      Empfang und Konnektivität

      WLAN 2.4GHz WLAN
      Bluetooth Bluetooth 5.0 BLE
      NFC nein
      Ortung GPS

      Ein häufiges Problem beim iPhone mit allen Nicht-Apple-Watch-Smartwatches sind Verbindungsabbrüche. Das war auch der Hauptgrund, warum ich mich damals schweren Herzens von der Huawei Watch GT2 (Test) getrennt habe. Mit der Watch Fit in Verbindung mit einem iPhone hatte ich dagegen keine Probleme. Auch über mehrere Tage kamen zuverlässig Benachrichtigungen an.

      Dass die Huawei Watch Fit kein 5GHz-WLAN und kein NFC unterstützt, ist zwar ärgerlich, aber für meinen Alltag nicht so relevant und bei dem geringen Preis auch nicht wirklich überraschend. Das GPS ist nicht 100% präzise, aber sowohl die richtige Straße als auch die richtige Straßenseite werden erkannt.

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      Fazit zur Huawei Watch Fit

      Nach zwei Wochen mit der Huawei Watch Fit am Handgelenk muss ich sagen, dass es eine sehr gute Smartwatch bzw. ein Fitnesstracker ist. Sie beherrscht nicht alle Funktionen der Huawei Watch GT2 bzw. deren Pro-Version (Test), punktet aber voll bei den Grundlagen.

      Am besten funktioniert die Watch Fit natürlich in Verbindung mit einem Huawei Smartphone, aber auch jedes andere Android-Smartphone kann fast alle Funktionen der Smartwatch nutzen. Selbst als iPhone-Nutzer ist die Watch Fit eine Option –Käufer müssen sich aber im Klaren sein, welche Grenzen LiteOS hat.

      Für derzeit 75€* steht die Huawei Watch Fit etwas zwischen anderen Modellen. Reine Fitnesstracker wie das Xiaomi Mi Band 5 (Test) kosten mit 28€ deutlich weniger. Der Nachfolger spielt mit 50€ ebenfalls in einer anderen Liga. Am anderen Ende stehen günstige Versionen der großen Brüder der Huawei Watch Fit.

      Das Design der Huawei Watch Fit ist sehr gelungen, das OLED-Display überzeugt, die Performance ist gut und das Tracking von verschiedenen Sportarten funktioniert sogar sehr gut. Zusammen mit der guten Akku-Laufzeit ist die Huawei Watch Fit absolut empfehlenswert, wenn Nutzer für den nächsten Schritt nach einem 40€ Fitnesstracker bereit sind, aber nicht gleich 250-300€ für eine große und schwere Smartwatch ausgeben wollen.

      Zum Shop: Huawei Watch Fit

      Stand: 04/2021

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      Veröffentlicht von

      Gamer, Filmliebhaber & Hobby-Fotograf – also alles was eine gute Geschichte erzählt. Großer Fan von durchdachten Produkten und Privatsphäre. Nach zehn Jahren im Google-System derzeit im Apple-Kosmos unterwegs und soweit zufrieden.

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      1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

      1. Ich habe die Huawei Watch jetzt schon seit längerer Zeit und trage sie eigentlich ständig.
        Im großen und Ganzen bin ich zufrieden, auch wenn das eine oder andere nicht 100% zufriedenstellt. Eine Workout Erkennung gibt es zwar, bis dahin kann aber viel Zeit vergehen und die Strecke bis dahin wird nicht aufgezeichnet. Für Radfahren geht das leider gar nicht.
        Ideal wäre auch wenn Pausen (stehen an der Ampel, Wasser trinken usw.) nicht mitgezählt würden sondern als Pause erkannt würden.
        Das größte Problem ist aber wenn ich mit dem Kinderwagen unterwegs bin. Dann werde Schritte einfach nicht gezählt.

        Aber das ist wohl Jammern auf hohem Niveau. Die Apple Watch würde ich sofort kaufen – aber leider braucht man zwingend auch ein Apple Smartphone dazu. Das ganze ist dann nicht nur etwas, sondern viiiiiiel zu teuer.

        Stefan

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