IFA 2014: Smartograph – Sony DSC-QX30 im Hands-on

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Sony stellt auf der IFA zwei neue Versionen seiner displaylosen Kamera-Module aus der QX-Reihe vor, die sich über WLAN mit einem Smartphone oder Tablet verbinden lassen. Man nutzt dann einfach den Bildschirm des kabellos angeschlossenen Gerätes. Wir nutzten die Gelegenheit, uns die DSC-QX30 mit 30fach-Zoom in die Hand zu nehmen.

Die ILCE-QX1 weicht ein wenig von der Linie ab, denn eigentlich besteht das Modul nur aus der Smartphone-Halterung, einem großen APS-C-Sensor mit 20 Megapixeln, der aus der aktuellen Alpha-Serie stammt, einem Blitz und einem E-Mount-Wechselbajonett. Das Smartphone wird also sozusagen zur Systemkamera. Ein Objektiv besitzt die Sony QX1 nicht.

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Die Sony QX1 verwandelt ein Smartphone in eine Alpha-Systemkamera, die Objektive mit E-Mount aufnimmt.

Bei der Sony DSC-QX30 ist hingegen ein Objektiv fest integriert. Wie die Bezeichnung es schon andeutet: Während die QX10 einen 10fach Zoom bietet, ist es bei der QX30 ein 30fach-Zoom mit dem beeindruckenden Brennweitenbereich von 24mm bis 720 mm. Der Zoom besitzt eine optisch Bildstabilisierung, sodass man auch längere Brennweiten noch gut aus der Hand schießen kann. Geblieben ist der kleine 1/2,3″ Sensor, wie er in klassischen Kompaktkameras zu finden ist. Er löst mit hohen 20,4 Megapixeln auf. Das bedeutet in der Praxis: gute Bilder bei viel Licht, bei schummrigen LIchtverhältnissen nimmt die Bildqualität schnell ab. Das hat die QX30 mit Smartphone-Kameras gemeinsam. Wobei diese in besseren Modellen wenigstens einen Blitz an Bord haben, der QX30 fehlt nicht nur dieser, sondern auch ein Blitzschuh. In Nah-Situationen wird man also in kritischen Lichtsituationen dann wohl doch häufiger zur Smartphone-Kamera greifen. Tatsächlich bleibt also der QX30 gegenüber einer guten Smartphonekamera hauptsächlich der Vorteil des optischen Zooms. Eine Änderung gibt es noch bei Videoaufnahmen: Die QX30 nimmt Full HD Videos bis 60 Bildern pro Sekunde auf. Das hat sie sogar der QX1 voraus, die „nur“ 30 Bilder schafft.

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Der erste Eindruck von der QX30: Sie ist größer und mit 193 g fast doppelt so schwer wie die QX10. Der Größenunterschied betrifft weniger den Durchmesser, der mit rund 65 bis 68 mm fast unverändert bleibt, sondern die Tiefe. Irgendwo musste ja Raum für das Telezoom her und so trägt das Kameramodul deutlich mehr auf. Man muss Sony dazu gratulieren, die Abmessungen im eingefahrenen Zustand trotzdem noch so kompakt halten zu können.

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Auf Smartphone- oder Tablet-Seite steuert man die QX30 wie alle anderen Modelle der Serie mit der App PlayMemories Mobile von Sony für iOS und Android. Die Verbindung mit einem Smartphone mit NFC-Chip funktioniert ziemlich unproblematisch, man hält das Kamera-Modul lediglich an das Mobiltelefon. Auf iOS muss man hingegen (derzeit) erst in die Systemeinstellungen, das Kamera-WLAN auswählen und dann zur App wechseln, um dort die Verbindung herzustellen. Für schnellere Schnappschüsse ist dieses Verfahren unbrauchbar: Bis man eine der QX-Kameras über die auszieh- und klappbare Halterung an das Smartphone geklippt und startbereit hat, dauert es einfach zu lange.

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Mit der App PlayMemories Mobile lässt sich die QX30 fast komplett fernsteuern: Der Fokuspunkt lässt sich festlegen, zoomen und einstellen, ob man mit Blenden- oder Verschlusszeit-Priorität aufnehmen will. Außerdem lässt sich auf Wunsch die ISO-Automatik abschalten und mit einem fixen ISO-Wert aufnehmen. Bei der QX30 geht die ISO bis 3200 herauf.

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Ein großes konzeptbedingtes Problem der QX-Reihe ist die Verzögerung der Bildschirmdarstellung, da das Modul „seine“ Sicht der Dinge über WLAN sendet. Offensichtlich hat Sony hier nachgebessert – nicht am WLAN, das unterstützt weiter lediglich die Standards IEEE 802.11 b/g/n. Aber der Lag fällt sowohl unter Android, als auch unter iOS wesentlich weniger auf. Vorhanden ist er dennoch und macht es schwierig, den exakt richtigen Auslösezeitpunkt über das Display zu finden.

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Sonys App PlayMemories Mobile bietet in der aktuellen Version 5 einige neue Funktionen, die allen QX-Modellen zu Gute kommen.

Trotz aller Kritikpunkte: Die QX-Reihe erhält mit der QX30 eine gute Erweiterung. Die Hardware ist der QX10 sehr ähnlich, der 30fach Zoom eine willkommene Neuerung, die noch mehr Einsatzmöglichkeiten zulässt. Besonders gefällt mir an der QX, dass man sie völlig „entfesselt“ einsetzen und beim Fotografieren die verrücktesten Blickwinkel realisieren kann. Die QX30 wie die QX10 ersetzen keine Kompaktkamera, sind für aufgeschlossene Anwender, die ihr fotografisches Toolset um kreative Möglichkeiten erweitern wollen, eine interessante Ergänzung. Die QX30 soll noch im September auf den Markt kommen und wird rund 300 Euro kosten.

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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