IFA 2015: Kaspersky geht unter die Haut. Implantierter Chip vernetzt Menschen.

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Etliche verschiedene Schlüssel, Passwörter und Chipkarten bestimmen unseren Alltag und regeln den Zugang zum Haus, Smartphone und Bankkonto. Dabei wäre es möglich, all diese Zugangsmechanismen durch einen einfachen Chip unter der Haut zu ersetzen – so sehen es jedenfalls die Sicherheitsexperten von Kaspersky und die schwedischen Bio-Hacking-Aktivisten des Vereins BioNyfiken. Auf der IFA in Berlin haben sie demonstrativ einem Freiwilligen vor versammelten Pressevertretern einen NFC-Chip implantiert.

Kommt nach dem Internet of things das Internet of us?

Herzschrittmacher, Insulinpumpen, Hörhilfen – Elektronik im menschlichen Körper ist nichts Neues. Doch mit dem Einsetzen von kommunikationsfähigen RFID-Chips macht sich der Mensch selbst zum Teil der vernetzten Welt und zum elektronischen Datenträger. Unter dem Titel „Chipping Humans – The Internet of Things becomes the Internet of Us“ hat sich Kaspersky-Mitarbeiter Rainer Bock einen Chip in den linken Handrücken implantieren lassen. Gut zugesprochen wurde ihm von Hannes Sjoblad, dem Gründer von BioNyfiken, und dem Blogger Evgeny Chereshnev, die beide selbst schon länger einen Chip im Fleisch sitzen haben.

Geht unter die Haut: Biochip mit NFC-Funktion

Geht unter die Haut: Biochip mit NFC-Funktion

Der gechippte Mensch: Auto starten mit einer Handbewegung

Neu-Implantierter Rainer Bock hat jetzt 880 Byte Speicherkapazität mehr.

Neu-Implantierter Rainer Bock hat jetzt 880 Byte Speicherkapazität mehr.

Der stabförmige NFC-Chip ist 2 x 12 Millimeter groß und wird mit einer drei Millimeter dicken Nadel eingesetzt. Die Prozedur dauert nur einige Sekunden, der Schmerz hält sich Grenzen. Die Umhüllung des Chips besteht aus biokompatiblem, bruchsicherem Glas. Im Innern sitzen ein Speicherblock, der einige hundert Bytes fassen kann, und ein Schreib-/Leseblock. Der passive RFID-Empfänger wird bei Annäherung an Geräte mit RFID-Sender aktivert.

Der Chip in der Hand ermöglicht es, per Handbewegung Notebooks zu entsperren, an der Kasse zu bezahlen, das Auto zu starten oder für einen Flug einzuchecken – wenn die entsprechende Infrastruktur besteht. Auf Basis der NFC-Technologie, die Nahfeldkommunikation im 10-Zentimeter-Bereich ermöglicht, ist vieles davon schon jetzt Realität.

Freiwillig zum Cyborg

BioNyfiken und Kaspersky haben bereits hunderte Freiwillige gechippt, die im „Epicenter“ in Stockholm arbeiten, einem innovativen Bürohaus für Start-Ups, in dem sich mit den Chips Türen öffnen und Kopierer starten lassen. Die Chipträger nennen sich stolz „Smart Humans“ oder „Cyborgs“. Evgeny Chereshnev bloggt seit Anfang 2015 unter dem Pseudonym #BionicManDiary über sein Leben mit dem Chip.

Datensicherheit im menschlichen Körper

In diesem Modellversuch wollen BioNyfiken und Kaspersky ergründen, welche Möglichkeiten sich durch den vernetzten Menschen ergeben und welche Risiken es gibt. Gerade Fragen der Datensicherheit stehen im Vordergrund, wenn sich Passwörter, Kontozugang und Patientenakte auf einem einzelnen elektronischen Bauteil konzentrieren.

Der auf der IFA eingesetzte Chip ist unverschlüsselt, seine Daten könnten also von jedem kompatiblen Gerät aus der Nähe abgegriffen werden. Eine Verschlüsselung würde bedeuten, dass ein Prozessor und eine Stromquelle nötig wird, nur möchte derzeit niemand Batterien in einen menschlichen Körper setzen.

Noch Science-Fiction: Zusammenspiel mehrerer Chips im Handrücken

Noch Science-Fiction: Zusammenspiel mehrerer Chips im Handrücken

Kaspersky betont: Die Technologie kommt so oder so – und damit auch jemand, der sie umsetzen wird. Man möchte lieber schon jetzt die anwenderspezifischen und sicherheitsrelevanten Fragen klären, als später von der Entwicklung überrollt zu werden.

Für Neu-Cyborg Rainer Bock hat das im Moment keine Dringlichkeit: „Ich speichere sowieso keine sensiblen Daten darauf“, sagt er. Von seinen Mitimplantierten wird Bock mit den Worten „You’re one of us now!“ und „Happy new birthday!“ zur gelungenen Implantation beglückwünscht.

Im Shop: Sicherheitssoftware von Kaspersky

 

Bilder: Kaspersky
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Über Anton Weste

Ich bin Redakteur, Autor und Game Designer und habe an Fantasy-Rollenspielen wie "Das Schwarze Auge: Drakensang" mitgewirkt. Wenn ich nicht gerade tippe, philosophiere ich über Hollywood-Filme, zocke am PC oder ertüchtige mich beim Hockey, Fußball und Wandern.
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