Im Test: HGST Deskstar NAS – 4TB NAS HDD mit 7200rpm

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Wer viele und eventuell auch wichtige Daten speichern muss setzt zumeist auf ein NAS – ein „Network Attached Storage“. Die kleinen Server mit dem Hauptziel Daten innerhalb eines Netzwerks zur Verfügung zu stellen sind mittlerweile kleine Alleskönner. Welche HDDs man nutzt will aber gut überlegt sein, denn nicht jede Festplatte eignet sich für den Dauereinsatz in einem Netzwerkspeicher. Die HGST Deskstar NAS Serie ist speziell auf den Einsatz in NAS-Systemen ausgelegt und möchte mit 7200 statt 5400 Umdrehungen pro Minute gegenüber der Konkurrenz punkten. Ob das funktioniert haben wir uns für Euch angeschaut.

Das Auspacken ist erstmal wenig spektakulär – irgendwie zu erwarten bei Festplatten, oder? Enthalten ist neben der oder den Festplatten noch Befestigungsmaterial in Form von Schrauben. Etwas Zettelwerk mit Garantie- und Sicherheitshinweisen ist natürlich auch noch dabei. Wer Angst hat sich Festplatten per Paketdienst liefern zu lassen: Die Verpackung von HGST ist sehr robust und die Festplatten sind sicher verpackt. Hier dürfte so schnell nichts passieren, auch wenn das Paket mal herunterfällt.

Sicher verpackt

Sicher verpackt

Auch zum Anschluss und Haptik brauch ich nicht viele Worte verlieren: Es sind halt ganz normale 3,5“ SATA-Festplatten. Einmal eingebaut sieht man sie dann auch sowieso nicht mehr. Zwei Besonderheiten haben die HGST NAS HDDs allerdings: Zum Einen setzen sie auf 7200rpm, üblich sind im NAS-Bereich eher 5400rpm. Außerdem wurde eine Vibrationserkennung verbaut, die verhindert, dass die Festplatten sich gegenseitig durch ihre Vibrationen stören oder gar beschädigen. Bei 5 oder mehr Festplatten in einem Gehäuse kann es sonst schnell zu Interferenzen unter den Platten kommen was im schlimmsten Fall zum Defekt führen kann. Hier siedeln sich die HGST Deskstar NAS Platten also zwischen herkömmlichen NAS- und Enterprise-Level-Festplatten an.

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Kommen wir daher direkt zum Wichtigsten, der Performance.

Zum Test habe ich ein 2x4TB Bundle der HGST Deskstar NAS, die ich einmal gemeinsam in einem RAID 1 sowie einzeln getestet habe. Als Testplattform dient ein PC anstelle eines NAS-Systems, um mögliche Flaschenhälse durch ein zu schwaches NAS zu vermeiden.

Ich habe eine breite Palette an Tests laufen lassen, die alle mehr oder weniger auf das gleiche Ergebnis kommen. Man darf hier aber natürlich nicht vergessen, dass es dennoch größtenteils synthetische Benchmarks sind und die Ergebnisse in der Praxis anders ausfallen können.

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ATTO Disk Benchmark

ATTO ist wohl der Klassiker unter den Tests. Ein relativ einfacher Read/Write Test einer eigens angelegten Test-Datei. Die Ergebnisse sind daher aber in der Regel recht realitätsnah.

Crystal Disk Mark

Eigentlich primär bei SSDs eingesetzt, dennoch auch praktisch bei klassischen Magnetscheiben. Die Werte geben vor allem die Random- und Sequenziellen Zugriffe an und damit einen guten Überblick über die Gesamtperformance.

HDTune Pro

Der Alleskönner. Hier lief die ganze Palette an Tests durch, um einen möglichst tiefen Einblick zu geben. Getestet werden hier unter anderem die Lese- und Schreibzugriffe auf die gesamte HDD verteilt – naturgemäß sind die äußeren Bereiche der Disk etwas langsamer zugänglich als die inneren Bereiche. Auch der zufällige Zugriff auf einzelne Sektoren verteilt über die gesamte Festplatte wird simuliert und hierbei die Reaktionszeiten und IOPS (Input/Output operations Per Second) gemessen.

Die obigen Werte sind in der RAID1 Konfiguration gemessen und ergeben bis auf kleine Ausreißer bei den Zugriffszeiten ein stimmiges Bild. Die HGST Deskstar NAS liefert durchwegs eine hohe Performance, egal ob im Sequenziellen oder Random Read/Write. Zum Vergleich: Die bekanntere WD RED mit 4TB Kapazität liefert im Schnitt 106 bis 108MB/s lesend und schreibend.

Die durchschnittlichen Zugriffszeiten der HGST Deskstar NAS liegen teils sogar auf dem Niveau von deutlich teureren Enterprise Festplatten. Die Ausbrüche nach oben bei der HGST Deskstar NAS kann ich mir nicht so recht erklären, wobei hier auch der RAID Controller Schuld sein kann – im Einzelbetrieb blieben derartige Ausbrüche aus.

Single Disk

Im Einzelbetrieb ändern sich die Werte nur minimal.

Die Reaktionszeiten liegen minimal höher, allerdings bleiben Ausbrüche auf mehrere hundert Millisekunden aus.

Praxisergebnisse

Natürlich gibt es auch einen ganz simplen Kopier-Test. Dazu habe ich lediglich einmal einen Ordner mit vielen kleinen Dateien und Unterordnern auf den RAID-Verbund bzw. die Festplatte kopiert und anschließend gelesen. Im Anschluss habe ich den Vorgang mit einer einzigen, rund 20GB großen Testdatei wiederholt. Quell- und Ziel-Datenträger war eine Crucial MX200 SSD – ein Flaschenhals ist hier also ausgeschlossen.

Die Werte sind dabei sehr konstant, insbesondere natürlich bei einzelnen großen Dateien. Im Schnitt kam ich hier auf 160MB/s lesend und schreibend – ein guter Durchschnitt für eine magnetische Festplatte.

Bei vielen kleinen Dateien bricht die Übertragungsrate wenig überraschend ein – solche Übertragungen sind generell schwere Kost für Massenspeicher. Vereinzelt brach die Übertragungsrate dabei auf lediglich 40-50MB/s ein. Beim Schreiben von Daten macht sich anfangs der 64MB große Cache direkt bemerkbar, die Übertragungsraten schießen teils auf über 400MB/s hoch – im RAID Betrieb sogar auf über 500MB/s.

Geräusch- und Hitzeentwicklung

Wie bei jeder Festplatte, entstehen natürlich auch bei der HGST sowohl Geräusche als auch Abwärme. Ohne separate Kühlung erreichten die beiden Platten nach mehreren Stunden Betrieb Temperaturen von 45-50°C bei etwa 20°C Umgebungstemperatur. In einem geschlossenen NAS-System sollte daher auf jeden Fall ein Lüfter für ausreichend Frischluft sorgen.

Die Lautstärke ist, da es sich um Modelle mit 7200rpm handelt, etwas höher als bei der Konkurrenz. Entkoppelt und in einem NAS-Gehäuse samt Lüfter fällt diese Geräuschentwicklung aber nicht weiter ins Gewicht. Es entsteht lediglich ein auf kurze Distanz wahrnehmbares Rauschen, schon bei einem Meter Entfernung sind die Festplatten nicht mehr wahrnehmbar.

Fazit

Die HGST Deskstar NAS liefert problemlos die Performance einer Desktop-Festplatte, ist hierbei aber auch für den 24/7 Einsatz in NAS-System geeignet. Durch den Vibrationsausgleich kann sie auch in Rackmount- oder NAS-Systemen mit mehr als 5 HDDs eingesetzt werden. Auch auf die Lebenszeit sollte sich der Vibrationsausgleich positiv auswirken.

Mit der gezeigten Leistung kann HGST auf jeden Fall nicht nur im SOHO Bereich, sondern auch in mittleren Betrieben mühelos mitmischen. Hinsichtlich der Zugriffszeiten bei 4k oder 64k Blocks sticht sie alle NAS-Kontrahenten aus und kann im Enterprise Level mitspielen – jenen Festplatten, die in großen NAS oder Servern mit mehr als 8 HDDs zum Einsatz kommen. Preislich bewegen sich die HGST Modelle dabei aber im gleichen Rahmen wie ihre direkte Konkurrenz.

Wer noch weitere Informationen sucht findet bei den Profis von Storagereviews (Englisch) einen äußerst umfangreichen Test.

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