Im Test: Lenovo ThinkPad X1 Carbon

Ultrabooks gibt es mittlerweile ja jede Menge, von nahezu allen Herstellern. Sich hier noch mit einem Gerät von der Masse abzusetzen ist daher natürlich entsprechend schwierig. Lenovo versucht es mit dem X1 Carbon, sich von der Masse abzuheben und ein echtes Business-Ultrabook zu etablieren. Ob das gelungen ist, wollten wir uns natürlich mal etwas genauer anschauen und so haben wir uns das Carbon mal für einen ausgiebigen Test geschnappt.

Fangen wir mal bei den Äußerlichkeiten an.

Optik/Verarbeitung/Haptik

Rein optisch erkennt man sofort, dass es sich nur um ein ThinkPad handeln kann. Das Gehäuse kommt im gewohnten „ThinkPad-Schwarz“ daher und ist wie üblich mit einer speziellen Beschichtung versehen, die es griffiger machen soll. Die Lenovo-Embleme sind daher eigentlich recht überflüssig, gehören aber einfach dazu. Mich stören sie auch nicht weiter.

An der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen. Das Gehäuse gibt selbst bei starkem Druck nur punktuell und minimal nach, die Base-Unit lässt sich auch mit größerem Kraftaufwand kaum verwinden. Das Display bzw. die Displayrückseite sind ebenfalls sehr stabil geworden, trotz der dünnen Bauform. Man kann das gesamte Ultrabook sogar problemlos ein einer Ecke des Displays Waagerecht in die Luft halten – ohne Gefahr zu laufen, dass das Display bricht.

Haptisch ist es für meinen Geschmack auch gut gelungen. Durch die Beschichtung des Gehäuses liegt es gut und sicher in der Hand, selbst mit verschwitzten Händen. Die Tastatur ist – kurz gesagt – wieder einmal perfekt geworden. Es macht einfach Spaß, damit zu schreiben, der Druckpunkt ist klar definiert und man spürt sofort ob eine Taste richtige getroffen wurde. Vielschreiber kommen also auf Ihre Kosten – selbst im dunkeln, dank der Hintergrundbeleuchtung.

Natürlich kann nicht alles perfekt sein – beispielsweise das Touchpad. Bei mir reagierte es vergleichsweise träge, die Beschichtung der Oberfläche gleitet nicht optimal und dadurch ist es nicht allzu gut zu bedienen. Auch gibt es etwas zu schnell nach und löst damit einen ungewollten Klickt aus. Nach knapp einem Tag mit dem Touchpad habe ich es daher deaktiviert und nur noch den Trackpoint genutzt – meiner Meinung nach sowieso das beste Eingabegerät nach der Maus 🙂 Ansonsten unterstützt das Touchpad aber natürlich alle gängigen Gesten und Multitouch.

Die Zusatztasten für Mikrofon, Lautstärke und „ThinkVantage“ sind recht praktisch, man muss also nicht immer die Fn Kombination suchen, um nur mal eben den Ton Leiser oder lauter zu machen. Insgesamt also sehr gute Eingabegeräte, nur für das Touchpad gibt es Abzüge in der B-Note.

Videos sagen bekanntlich mehr als Fotos oder Worte, daher hier auch noch einmal unser Hands-On zum X1 Carbon:

 

Display

Einer der wichtigsten Punkte für viele Nutzer. Da es sich um ein Business-Gerät handelt und nicht auf Multimedia abzielt, begnügt sich Lenovo mit 1600×900 Pixeln als Auflösung. Bei 14″ reicht das meiner Meinung nach aus. Schade ist allerdings, dass kein IPS Panel verbaut wurde, dadurch sieht man ein leichtes Gitternetz bei genauem hinsehen.
Dafür sind die Farben und der Kontrast wirklich sehr gut, trotz der matten Oberfläche.  Das zeugt für eine ausgewogene Kalibrierung des Displays. Die Schwarzwerte sind gut für ein LED Panel, setzen aber vermutlich keine Bestwerte. Die Blickwinkelstabilität könnte auch besser sein, es reicht aber aus, um z.B. zu zweit davor zu sitzen. Farbinvertierungen treten dabei nur bei horizontaler Verschiebung auf, in der vertikalen wird das Bild einfach nur dunkler.

Software

Zum Betriebssystem Windows 7 Professional braucht man denke ich nicht allzu viel erzählen. Vielmehr geht es um die vorinstallierte Software. Was sofort ins Auge springt und um die Aktivierung bettelt ist die Norton Internet Security. Kann man mögen oder nicht – wer sie nicht will, schmeißt sie runter. Ansonsten ist fast ausschließlich Lenovo Software vorinstalliert, allem voran die Lenovo Simple Tab Software. Darin ist alles zusammengefasst, wie das System Update (Automatische Treiber und Software Aktualisierung), Recovery-Software, Energiemanagement usw. Sprich keine 40 einzelnen Tools, sondern ein großes das alles zusammenfasst.

Hinzu kommen noch Tools wie Evernote, das Intel AppUP Center und die Intel WiDi Software. Sämtliche Tools lassen sich natürlich deinstallieren.

Leistung

Ich bin kein Freund synthetischer Benchmarks, daher bekommt ihr hier keine Zahlenorgie von mir. Da aber oft danach gefragt wird, hier der Windows Leistungsindex:

Insgesamt kann man sagen, dass die Leistung für alltägliche Aufgaben mehr als ausreicht. Aus dem Standby ist es in einer Sekunde aufgeweckt, ein kompletter Neustart dauert nur wenige Sekunden – nicht zuletzt dank der schnellen SSD.
HD-Videos, Office, Internet Surfen, kleine Spiele – alles kein Problem. Bisher habe ich es nicht geschafft, das X1 Carbon wirklich in die Knie zu zwingen. Sicher schafft man das mit anspruchsvollen Anwendungen wie Photoshop oder ähnlichem, aber dafür ist ein Ultrabook schließlich auch nicht entworfen worden.

Emissionen

Die Lautstärke und Abwärme ist bei den Ultrabooks ja leider oft ein wunder Punkt – verlangt man zu viel, wirds schnell laut und auch das Gehäuse teils unangenehm warm.
Das X1 ist hier leider keine Ausnahme, allerdings nur, wenn es wirklich um Volllastbetrieb geht. Im Normalbetrieb mit Office, Websurfen etc. wird das Gerät nur handwarm und der Lüfter bleibt fast immer im nicht hörbaren Bereich. Wer gar nichts hören möchte, sollte sich TPFanControl installieren – denn damit wird das Gehäuse zwar etwas wärmer, der Lüfter bleibt aber selbst bei 3 Stunden FullHD Filmen komplett aus. Die Passivkühlung reicht da vollkommen aus.

Aber: Auch hier gibt es leider einen großen Negativpunkt. Der Lüft neigt unter hoher Drehzahl zu hochfrequentem pfeifen, was auf dauer sehr nervig und störend ist. TPFanControl kann ich daher wirklich jedem empfehlen, da dadurch das „Risiko“ minimiert wird und der Lüfter generell leiser arbeitet – wenn er denn arbeitet.

 Akkulaufzeit

Der entscheidende Punkt schlechthin für ein Ultrabook. Es ist natürlich schwierig hier einen allgemeinen Wert zu ermitteln, denn die Nutzung variiert ja bei jedem Nutzer. Zunächst die Synthetischen Ergebnisse vom Battery Eater Test. Im Classic Modus (volle Auslastung) macht der Akku bei knapp 1 Stunde 45 Minuten schlapp. Im Readers Test (geringe Auslastung, simuliertes Surfen) hält es 7 Stunden 35 Minuten durch – durchaus ein guter Wert. Im Praxiseinsatz kam ich in der Regel immer auf mindesten 6 Stunden bei mittlerer Displayhelligkeit und aktivem WLAN. Auf längeren Zugfahrten oder Flügen soll ja bestimmt auch mal ein Film geschaut werden – hier hängt es stark von der Videoqualität ab. Bei 1080p Filmen mit DTS Tonspur (BluRay Qualität) hielt das X1 Carbon knapp über 3 Stunden durch – also selbst Herr der Ringe ist damit kein Problem. Bei 720p Material waren es etwas über 4 Stunden. Das reicht zwar nicht für einen Transatlantischen Flug, aber zumindest für einen halben 😉

Das beste allerdings ist die Ladezeit. Lenovo bewirbt das X1 Carbon mit „Rapid Charge“ – also einer Schnellladetechnik – und die hat es in sich. Macht man den Akku restlos leer, lädt es binnen einer Stunde komplett auf. Die ersten 25% werden in unter 10 Minuten erreicht! Laut Lenovo soll das auch keinen Einfluss auf die Langlebigkeit haben, was ich in der kurzen Zeit aber nicht beurteilen kann. Ich war einfach begeistert, wie schnell der Akku wieder voll ist.

Mein Fazit

Für mich überwiegen die positiven Seiten die wenigen Kritikpunkte.
Das, hinsichtlich der Auflösung, eher durchschnittliche Display, der in hohen Drehzahlen hochfrequente Lüfter  und das Touchpad sind Punkte, die mich persönlich weniger stören. Der Trackpoint ist für mich besser als jedes Touchpad, das Display reicht für normale Officeanwendungen locker aus und bei normaler Nutzung läuft die Kühlung passiv. Für Vielreisende ist übrigens das UMTS Modul eine Empfehlung wert.

Für Nutzer, die leistungsintensive Anwendungen, wie Videoschnitt nutzen oder gar Spiele spielen möchten ist es aber nicht zu empfehlen – zu schnell wird der Lüfter unangenehm laut und das Gehäuse zu warm. Auch die Akkulaufzeit unter hoher Last ist nur durchschnitt – da gibt es bessere Alternativen.

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9 Kommentare auf "Im Test: Lenovo ThinkPad X1 Carbon"

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m3adow

Wie sieht es mit einem Dockingport aus? Der fehlt mir bei Ultrabooks immer. Und das, was ich bisher von USB 3.0 Docks gelesen habe, klang nicht überzeugend.

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Judith

Echt Mega schlank !!!
Aber was ist der unterschied zwischen normalen laptops?
Ich meine der Größst!

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Lenovo ThinkPad X1 Carbon Touch Ultrabook angefasst

[…] hatten ja bereits im vergangen Monat das Lenovo ThinkPad X1 Carbon hier im Blog vorgestellt und getestet. Das Ultrabook machte einen verdammten guten Eindruck bei uns. Das ThinkPad X1 Carbon Touch ist, […]

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Marcel

Hi,

ich hatte mal das „normale“ X1 ne zeitlang im Einsatz. Bei dem hat es mich immer gestört das der Lüfter so extrem laut war. Auch beim „nur surfen“ im Netz.
Du hast ja oben geschrieben das beim Carbon bei Normalbetrieb der Lüfter nicht hörbar ist. Find ich schon mal klasse.
Hast du vielleicht Erfahrungen wie das ganze aussieht wenn Linux auf dem X1 Carbon betrieben wird??

Viele Grüße
Marcel

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John

Hi,

Kann ich mit dem X1 Carbon (ggf. touch) und dem oben genannten USB 3.0 zwei Monitore mit Full HD betreiben?

Danke im Voraus.

Viele Grüße, John

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