Instagram: Testlauf mit NFTs als „digitale Collectibles“ in den USA

      Instagram: Testlauf mit NFTs als „digitale Collectibles“ in den USA

      „Wir alle kennen sie, wir alle wollen sie, wir alle lieben sie.“ So oder so ähnlich scheinen es zumindest die verantwortlichen Personen zu sehen, die das Internet nach und nach mit den allseits belächelten NFTs fluten wollen. Instagram darf da natürlich nicht fehlen und testet den Handel mit den kleinen Crypto-Bildchen jetzt in den USA im kleinen Rahmen.

      NFTs sind eindeutig, unteilbar, unersetzbar, überprüfbar und überflüssig

      Falls du nicht genau weißt, worum es sich bei einem NFT genau handelt, dann geht es dir vermutlich wie den meisten Leuten. Ein „Non-Fungible Token“ ist einem normalen Jpg nämlich zum Verwechseln ähnlich, will jedoch viel mehr sein. Schaut man sich die Definition bei Wikipedia an, dann schwingen eine Menge toller Buzzwords mit, die sich bei vielen Anleger*innen sicherlich schwer nach dem Klingeln von Kassen anhören.

      „kryptografisch eindeutiges, unteilbares, unersetzbares und überprüfbares Token, das einen bestimmten Gegenstand, sei er digital oder physisch, in einer Blockchain repräsentiert“

      „kryptografisch“, „Blockchain“ – Das hört sich erstmal ziemlich faszinierend und verlockend ($$$) an, so richtig verständlich ist es aber nicht. Steigt man noch tiefer in die Materie ein, wird es aber nicht unbedingt besser. NFTs basieren nämlich unter anderem auf der Ethereum-Blockchain und programmierten Verträgen, die so etwas wie digitale Besitzzertifikate sind. In denen ist z.B. das Erstelldatum, der/die Besitzer*in und der Verdienst mit dem NFT vermerkt. Außerdem ist dort der Link zum eigentlichen „Kunstwerk“ zu finden. Unterm Strich geht es also um digitale Grafiken, die genau einer/m Eigentümer*in zugeordnet werden können.

      „Digitale Collectibles“ als risikoreiche Geldanlage und Spekulationsobjekt

      Das Bild als solches kann aber – genau wie Geschwisterchen .jpg – mit zwei Mausklicks kopiert werden. Das kleine Wörtchen „Verdienst“ lässt aber schon erahnen, worum es eigentlich geht: Als digitale, einzigartige Sammelkarten eignen sich NFTs nämlich vor allem als nebulöses Spekulationsobjekt und Geldanlage für Investor*innen und Angeber*innen. Da kaum nachvollziehbar ist, welcher Wert (abgesehen von Hype) eigentlich dahinter steht, kann man sehr schnell viel Geld entwerten. Der kreative Anspruch der mysteriösen Kunstwerke hält sich meistens ebenfalls in Grenzen, außerdem verschlingen Erstellung und Speicherung des NFTs eine Menge Energie. Kritik ist also nicht nur berechtigt, sondern auch angebracht.

      In einigen Metaversen werden pixelige Ländereien, Häuser und Schiffe schon wie realer Besitz gehandelt

      Das soll große Unternehmen aber nicht davon abhalten, Geld zu verdienen: NFTs werden daher jetzt als „digitale Collectibles“ auf Instagram für eine kleine Gruppe von Content-Creators in den USA freigeschaltet. Instagram will das Angebot und den Handel mit den NFTs beobachten und entscheiden, ob man der Spielerei mehr Spielraum einräumt. Je nachdem, wieviel Umsatz generiert wird, könnte uns der Unfug also erhalten bleiben und auf die gesamte Plattform übergreifen. Meta verzichtet zudem generös auf Handelsbarrieren: Es soll vorerst nichts kosten, NFTs zu posten oder zu teilen.

      Prophezeiter Mehrwert für Nutzende analog zu Ubisoft

      Neben der Instagram-App benötigen die Content-Creator-Versuchskaninchen noch Digital Wallets, die sie mit ihrem Account und der App für den Handel verknüpfen müssen. Momentan werden Rainbow, MetaMask und Trust Wallet unterstützt, Coinbase, Dapper und Phantom sollen laut Meta aber noch folgen. Ähnlich sieht es bei den NFTs aus. Zum Start funktionieren die auf Basis der Blockchains Ethereum und Polygon, Flow und Solana werden in Aussicht gestellt. Natürlich hebt Meta die „Digitale Collectibles“ auf der Plattform mit einem speziellen Effekt hervor.

      Hoffen wir, dass es ähnlich laufen wird wie bei Ubisoft. Der Spieleentwickler hatte NFTs mit der Plattform „Ubisoft Quartz“ ebenfalls unter den Spielenden etablieren wollen. Da die Begeisterung völlig überraschend ausgeblieben ist, viel den Köpfen hinter der Idee allerdings erstmal nichts Besseres ein, als der Community die Schuld zu geben. „Sie verstünde nicht, wie toll NFTs doch sind.“ Trotz Kritik will sich der Konzern daher nicht von der Plattform verabschieden. „Immerhin können ja alle damit Geld verdienen.“ Eine Behauptung, die vollends zur allseits bekannten, altruistischen Haltung und Kernkompetenz von Ubisoft passt.

      IG-Chef Adam Mosseri stimmt berechnend schon vorab in die Lobgesänge mit ein: Es geht darum, dass sich die Nutzer*innen mit Hilfe von NFTs eigene Geschäfte aufbauen können und für ihre Arbeit entlohnt werden. Neben Instagram will Meta die „digitalen Sammelbilder“ auch auf Facebook einführen. Man möchte zudem den Austausch der Inhalte zwischen den Plattformen in Form von AR-Stickern ermöglichen. Noch mehr kann man den Nutzer*innen eigentlich nicht mehr entgegenkommen.

      Was sagst du dazu? Hast du schon deine ersten NFTs bei Instagram vorbestellt oder gehörst du eher zur Kategorie „ich kaufe sie später im Sale“?

      Smartphones im Shop

      via heise.de, caschys blog, Adam Mosseri/Twitter, Mark Zuckerberg/Facebook
      Aufmacher: Pixabay

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      Die Leidenschaft fürs Zocken wurde bereits in den frühen 90ern mit Bubble Bobble am Sega Master System II geweckt. Spielt mittlerweile hauptsächlich am PC und hätte gerne viel mehr Zeit, um sich seinem ständig wachsenden Pile of Shame zu widmen.

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