Intel Dragon Canyon NUC Extreme im Test: Ist das noch ein Mini-PC?

      Intel Dragon Canyon NUC Extreme im Test: Ist das noch ein Mini-PC?

      Die kleinen Intel NUC waren schon immer spannend. Kleiner Formfaktor, trotzdem viel Leistung und viel Anschlüsse. In der Extreme Edition sollen sie maximale Power in einen minimalen Formfaktor bringen. Wir haben getestet, ob das gelingt.

      Testmodell:

      Intel baut den Formfaktor auch immer weiter aus – wie mit dem gar nicht mehr so winzigen „Dragon Canyon“-NUC auf Alder-Lake-Basis. Der ist nicht mehr so kompakt, bietet dafür aber einiges.

      Technische Daten Intel Dragon Canyon NUC 12 Extreme Kit
      Betriebssystem Windows 11 kompatibel
      Sockel LGA 1200
      Fertigungsprozess Intel 7 (10nm)
      Board-Form-Faktor Compute-Element
      Laufwerkunterstützung 3x PCIe-4.0-NVMe-SSD-Steckplatz
      TDP 65W
      Prozessoren – 12th Gen. Core™ i9-12900 processor
      Bis zu 5.1 GHz Turbo Boost Max, 8P+8E Kerne,
      24 Threads, 30MB L3 Cache
      – 12th Gen. Core™ i7-12700 processor
      Bis zu 4.9 GHz Turbo Boost Max, 8P+4E Kerne,
      20 Threads, 25MB L3 Cache
      Maximale RAM-Größe 64 GB ( 2 Steckplätze verfügbar)
      RAM-Typ keiner vorinstalliert (Crucial Ballistix DDR4-3200 zu Testzwecken verbaut)
       verbautGrafik Intel UHD 770 (integriert)

      Nvidia GeForce RTX 3080 Ti 11GB GDDR6 VRAM (nur mit Modifizierungen möglich)

      Videoausgänge 1x HDMI 2.0b, 2x USB-C (Thunderbolt 4) – max. 3 Monitore parallel (ohne Grafikkarte)
      Mini DisplayPort 1.4
      Erweiterungsmöglichkeiten 1x PCI-Express Gen.4 mit PCIe 16x Lanes
      1x SDXC-Memory-Card-Steckplatz mit UHS-II-Unterstützung
      Anschlüsse 6 x USB 3.2 Gen2 Type-A,  2x USB 2.0 mit internen Anschlüssen möglich, 2 x USB 3.1 mit internen Anschlüssen möglich, Klinkenanschluss, Digitalaudio
      Abmessungen 117 x 112 x 38mm/51mm (BxTxH)
      Weitere Features/Anschlüsse Ethernet-LAN, WIFI-6-Modul, 7.1 Digitalaudio und Mikrofonanschluss über 3,5mm-Klinke und HDMI mDP, Vierfache Fernfeldmikrofone an der Vorderseite (Kompatibel zu Sprachassistenten), Infrarotempfänger an der Front
      Preis ca. 1500€* (Kit ohne GPU, RAM, SSD)

      Um nicht lange drumherum zu reden: Zum Test gab es das Topmodell mit Intel Core i9-12900 ohne K. Alternativ gibt es noch eine Version mit Core i7-12700, die für die meisten von euch sicher ausreichen dürfte. Da das Dragon Canyon NUC ein Barebone-System ist, kommt es ohne Speicher und RAM daher, auch eine Version mit GPU gibt es diesmal nicht.


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      Für den Test habe ich unser Testgerät mit 32GB-Arbeitsspeicher vom Typ Crucial Ballistix DDR4-3200 und einer Crucial P5 Plus SSD ausgestattet. Bis zu 64GB RAM und drei M.2 PCIe SSDs sind insgesamt möglich. Und wie ihr im Video seht, ist der Zusammenbau auch wirklich nicht kompliziert. Man sollte aber mit einem Schraubendreher umgehen können und vielleicht schon mal an einem PC gearbeitet haben.

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      Aufbau und Zusammenbau

      Spannend finde ich die Lösung mit einem zusätzlichen Lüftungs-Shroud für den CPU-Kühler. Frischluft wird also von außen ins System geleitet, statt die recycelte Luft der GPU einzuatmen. Ob das was bringt, schauen wir uns später an.

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      Außerdem gibt es natürlich noch einen PCI-Express x16 Slot, in dem eine Grafikkarte Platz finden soll. Wobei… hier kommen wir zum ersten Haken: Trotz seiner Größe bietet der NUC nur Platz für eine Dual-Slot-GPU. Und zwar wirklich maximal Dual-Slot-Gesamtbreite. Unsere AMD Radeon RX6700 XT passt schon nicht mehr ins Gehäuse, obwohl sie eigentlich eine Dual-Slot-Karte ist. Die Lüfterabdeckung an der Front steht aber ein paar Millimeter über und das reicht schon, damit sie zu breit ist. Einen oder zwei Zentimeter mehr in der Breite hätte man hier sicher noch wagen können, um etwas größere GPUs unterzubringen. In der Länge passen maximal 305 Millimeter, was ausreicht, um auch wirklich große Karten zu verbauen.

      Eine Angabe, die ich nirgendwo finden konnte: In der Höhe passen Karten mit maximal 110 bis 120 Millimetern. Hier kommt es auch darauf an, wo die Anschlüsse sitzen. Nach hinten gerichtet passen auch Karten mit 120mm, zeigen die Anschlüsse nach oben nur noch 110mm. Darauf solltet ihr also wirklich achten, denn mittlerweile sind viele Karten deutlich höher.

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      Immerhin: Intel hat auch an wirklich leistungshungrige Systeme gedacht und einen 8-Pin sowie zwei 6- plus 2-Pin-Anschlüsse vorbereitet. Achtet nur darauf, dass nur einer der Anschlüsse angewinkelt ist, warum auch immer. Zur Höhe eurer Karte kommt also noch der Stromanschluss dazu und dann wird es schnell eng. Am Ende war sogar unsere recht kompakte RX 6700XT zu groß für das NUC. Das Netzteil ist mit 650W nicht besonders üppig bemessen, ob das auch für aktuelle Top-Grafik reicht… ?

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      Äußerlich gibt es jetzt nicht so viel Besonderes. Eigentlich besteht das Gehäuse nur aus Mesh, das von ein wenig Gehäuse zusammengehalten wird. Oben sitzen drei 90-Millimeter-Lüfter, die die Abluft aus dem System ziehen. Einen Hitzestau sollte es damit auf jeden Fall nicht geben.

      Natürlich musste auch Intel auf den RGB-Zug aufspringen. So ist der Totenkopf an der Front jetzt beleuchtet und dazu gibt es eine „Unterbodenbeleuchtung“. Nicht meins, aber zum Glück kann man es auch einfach deaktivieren.

      Intel NUC Extreme Dragon Canyon Test

      Kurzer Blick noch auf die Rückseite, denn hier gibt es einige Anschlüsse. Neben einem 2.5-Gigabit-LAN-Port gibt es noch einen…. 10-Gigabit-Port! Braucht noch nicht jeder, aber schön zu sehen, dass es immer mehr Geräte damit gibt. Dann sind da noch zwei Thunderbolt 4-Ports, ein HDMI-Anschluss und vier USB-A-Anschlüsse.

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      Systemleistung

      Ok, jetzt aber zum eigentlichen Kern: der Leistung. Der Intel Core i9-12900 sollte davon mehr als genug haben mit seinen acht Performance- und acht Effizienz-Cores. Allerdings muss Intel die CPU ein wenig an die Leine legen und die Leistungsaufnahme (TDP) begrenzen. Statt über 240 Watt ist die CPU hier auf 65 Watt begrenzt. Kurzzeitig kann sie zwar deutlich mehr ziehen, aber nur für kurze Boost-Sequenzen – danach geht es schnell wieder runter auf 65 Watt.

      In Benchmarks sieht man das dann auch relativ schnell, denn weniger Leistung bedeutet natürlich auch geringere Performance. Die Single-Core Punkte ordnen sich dabei irgendwo zwischen Core i7-12700K und Ryzen 5950X ein. Deutlich mehr verliert er aber bei der Multi-Core-Performance, denn hier geht es ungefähr runter auf das Niveau des Core i5-12600K. Das ist immer noch nicht schlecht, der Namensvetter Core i9-12900K liegt, ohne die Limitierungen, aber bei fast doppelter Punktzahl.

      In mehr praxisorientierten Benchmarks ist der Unterschied dann nicht mehr so groß. Was auch wieder zeigt, wie viel Leistung man im Alltag wirklich braucht – oder eben nicht. In Photoshop sind die Unterschiede minimal, so minimal, dass sie auch einfach auf Messungenauigkeiten zurückzuführen sein können. Davinci Resolve liefert ein sehr vergleichbares Bild: Auch hier liegt die Differenz lediglich im Bereich von ein bis zwei Sekunden. Blender reiht sich hier ebenfalls ein, wobei es zumindest im Classroom Benchmark ein wenig zurückliegt.

      In Sachen Produktivität gibt es also kaum Unterschiede zu den deutlich größeren Geschwistern. Kommen wir daher zum Gaming. Mit ein wenig Diplomatie und Überzeugungsarbeit hat unsere RTX 3080 Ti dann doch mit dem Dragon Canyon kooperiert, auch wenn es nicht unbedingt schön aussieht. Aber das muss es ja auch nicht immer, oder? Wer Bedenken wegen der Temperaturen hat: Die waren zwar etwas höher, aber es gab kein Throttling der GPU. Die Ergebnisse sollten sich also kaum unterscheiden.

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      Und Überraschung: Sie unterscheiden sich wirklich kaum. Die meisten Titel schneiden mehr oder weniger identisch ab. CPU-lastige Spiele wie ANNO 1800 sind dann eher die Ausreißer. Auffällig ist generell, dass vor allem Full-HD betroffen ist, wenn es denn Unterschiede gibt. Denn hier limitiert die Grafikkarte nicht, sondern nur noch die CPU. Interessantester Ausreißer ist dabei CS:GO, denn es liegt deutlich über allen anderen Teilnehmern. Das kann mit den besseren RAM-Timings von DDR4 zusammenhängen, anders kann ich es mir zumindest nicht erklären.

      Ansonsten gibt es wirklich wenig Überraschungen. Control und Cyberpunk 2077 merkt man die geringere TDP des 12900 an, denn gerade in Full-HD-Auflösung bildet er hier das Schlusslicht. Allerdings: Schlecht sind die Ergebnisse dennoch bei Weitem nicht.

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      Wärmeentwicklung und Lautstärke

      Zockt man dann eine Weile auf dem NUC oder schneidet ein längeres Video, findet man dann aber schnell heraus, woher der Name kommt: Der „Dragon Canyon“ fängt nämlich irgendwann an Feuer zu spucken und macht sich auch akustisch bemerkbar. Der Bereich über dem Luftauslass der CPU ist wirklich heiß und die 90mm -Top-Lüfter müssen ordentlich arbeiten.

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      Mit einer leistungsfähigen GPU im System wird es so richtig warm. Wer im Winter unter kalten Füßen leidet, sollte sich den NUC am besten unter den Schreibtisch stellen.

      Die Komponenten bleiben aber alle im grünen Bereich. Die CPU pendelt sich bei etwa 70 Grad Celsius ein, die GPU liegt ein wenig darüber. Alles völlig normal und kein Grund zur Sorge. Dabei kann der Core i9-12900 sogar kurzzeitig fast 200W ziehen, kurze Boosts, um ein Programm zu starten, sind also gar kein Problem und im Alltag ohne Gaming sollte man damit auch keinen Unterschied zwischen dem 12900 und 12900K bemerken. Die Temperatur steigt bei diesen kurzen Boosts dann aber auch mal schnell auf 100 und mehr Grad an, bevor das Kühlsystem richtig loslegt und die CPU heruntertaktet.

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      Oh und noch kurz zum Netzteil, denn das hat gezeigt was ein gutes Netzteil ausmacht. Trotz nur 650W hatte es keine Probleme eine RTX 3080Ti samt aktuellem Intel Core i9-12900 zu betreiben.

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      Fazit: Einzigartigartigkeit birgt Einschränkungen

      Insgesamt ist das Dragon Canyon NUC eine interessante Weiterentwicklung des Formfaktors, wobei wir so langsam an die Grenze des wirklich kompakten stoßen. Frei verkäufliche Mini-ITX-Gehäuse können mittlerweile ähnlich klein sein, bieten dann aber beispielsweise noch Wasserkühlung und eine höhere Leistung durch mehr Raum für die Kühlung.

      Wer nicht selbst basteln will, ist hier dennoch gut aufgehoben und bekommt einiges geboten. Sollte Intel sogar mal ein CPU-Upgrade ohne neuen Sockel und Chipsatz anbieten, kann der NUC einfach aufgerüstet werden. Oder falls der Core i7-12700 im „Einstiegsmodell“ mal doch nicht mehr reicht und etwas Größeres her muss.

      Das Konzept mit dem Compute-Module im NUC finde ich immer noch spannend, mit dem großen Aber, dass es diese Module kaum zu kaufen gibt. Und wenn man eins findet, ist es meist kaum günstiger als ein komplett neues NUC zu kaufen. Zumindest wenn man das aktuelle Modell sucht. Den Vorgänger bekommt man aktuell hier und da recht günstig.

      Am Ende bleibt meine größte Kritik: Der eingeschränkte Platz für die GPU. Angesichts der aktuellen GPU-Entwicklung ist es schade, dass Intel das Gehäuse strikt auf Dual-Slot begrenzt hat. Selbst moderate, kompakte Karten passen nur selten noch hinein – auch wenn Dual Slot auf dem Datenblatt steht. Oft stehen Lüfter oder deren Abdeckung nämlich doch ein wenig über und schon passt es nicht mehr. Und dann darf sie auch nicht zu hoch sein….

      Nvidias Founders Edition dürften nahezu problemlos passen, aber das war es dann auch schon und die Suche beginnt. Denn seien wir ehrlich: Wer die knapp 1.500 Euro für so ein NUC ausgibt, baut dort keine GTX 1650 ein – oder? Daran hätte auch Intel denken und ein wenig mehr Platz für die GPU schaffen können.

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      Aber davon ab, ist es immer wieder beachtlich, was Intel in diese kleinen Compute Modules verpackt bekommt. Leistung und Erweiterungsoptionen gibt es so eigentlich nur hier und das macht sie besonders. Der Preis ist natürlich nicht jedermanns Sache, aber irgendwas ist ja immer.

      Was denkt Ihr vom Intel NUC Extreme? Wäre das was für euren Schreibtisch oder habt ihr dann doch lieber einen großen Desktop mit mehr Platz für die Grafikkarte?

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      *Stand: Mai 2022

      Veröffentlicht von

      Großer Film- und Serien-Fan, der von Antonioni bis Tarkowski (fast) alles gesehen hat, was Kino und Fernsehen hergeben. Durch Super Nintendo und PS1 fand er Mitte der 90er seine Leidenschaft für PC- und Konsolenspiele. Zockt mittlerweile vornehmlich am selbstgebauten Gaming-PC und gelegentlich auch auf der PlayStation.

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