Intel Skylake: Neue CPU-Generation pirscht sich an [Update IFA 2015: Details zu Desktop-CPUs]

Intel-LogoMit Intel Broadwell läuft es nicht so gut: Vor einem Jahr veröffentlichte Intel die Stromspar-CPUs Intel Core M, im Januar 2015 folgten die Broadwell-Prozessoren für Notebooks. Ein breites Angebot an Desktop-CPUs fehlt immer noch. Trotzdem schiebt Intel schon jetzt die nächste Generation an. Erste Prozessoren der sechsten Core-i-Generation Skylake sind bereits erhältlich, weitere sollen im Herbst folgen. Wir haben Details zu den neuen Prozessoren, der Grafikeinheit sowie dem Chipsatz.

Intel Core i7-6600K und Core i5-6700K: Freier Turbo und Effizienz

Als erste Prozessoren der Skylake-Reihe haben Intel Core i7-6600K und Core i5-6700K den Handel erreicht. Beide CPUs sind für Desktop-PCs ausgelegt und mit einem freien Multiplikator ausgestattet. Damit sind sie für Enthusiasten geeignet, die ihren PC übertakten wollen. Beim Wechsel auf die neuen CPUs benötigt man ein neues Mainboard mit passender CPU-Aufnahme. Der Sockel LGA 1151 ist mit versetzten Nasen ausgestattet, die nur zu Skylake-Prozessoren kompatibel sind. Im Gegensatz dazu bleiben die Bohrungen für Kühler unverändert. Somit lassen sich bereits vorhandene Kühlkörper verwenden oder man erwirbt effiziente Kühlaggregate aus dem Zubehörhandel. Da Intel die Overclocking-CPUs ohne Boxed-Lüfter verkauft, ist ein zusätzlicher Kühler Pflicht. Wie die Broadwell-Prozessoren sind auch die Skylake-CPUs im 14-nm-Verfahren gefertigt, vermutlich aber mit einer stark überarbeiteten Architektur. Genaue Spezifikationen hat Intel noch nicht veröffentlicht. Bekannt sind bisher nur grobe Eckdaten: Beide CPUs verfügen über vier Prozessorkerne, der Core i7 noch zusätzlich über vier weitere, mit Hyper-Threading virtualisierte Cores.

Beide Prozessoren verfügen wie ihre Vorgänger über eine automatische Anhebung der Taktrate mittels Turbo Boost 2.0. Laut Datenblatt agiert der Turbo Boost bei beiden CPUs gemächlicher als bei den Broadwell- und Haswell-CPUs. Der Core i7-6600K hebt den Takt nur bei Single-Core-Anwendungen marginal um 200 MHz von 4 GHz auf 4,2 GHz an. Liegt Rechenlast auf mehreren CPU-Kernen, verweilt die Taktrate im Basistakt von 4 GHz. Der Core i5-6700K darf sich über eine stärkere Taktanhebung freuen. Der Basistakt liegt bei 3,5 GHz, unter Single-Core-Last steigt der Takt auf bis zu 3,9 GHz. Sind alle CPU-Cores zur Berechnung aktiv, erreicht der Turbo immerhin noch 3,6 GHz, solange Temperatur und Stromverbrauch nicht zu stark ansteigen. Nutzer, die mit der Leistung ihres Core i7-6600K oder Core i5-6700K hadern, können diese übertakten. Belässt man es beim Original-Takt, verspricht Intel mit dem Core i7-6600K eine Leistungssteigerung von 10 % gegenüber der Vorgänger-CPU Core i7-4790K (4 – 4,4 GHz) und sogar 30 % mehr Performance als ein drei Jahre alter Core i7-3770K (3,5 – 3,9 GHz). Skylake-CPUs für Notebooks und Tablets erhalten einen aggressiveren Turbo und werden schneller ihre Taktrate ändern können als ihre Vorgänger.

Spezifiakationen zu Skylake-Prozessoren [UPDATE 02.09.2015]

Am 2. September hat Intel weitere Desktop-Prozessoren der neuen Skylake-Generation vorgestellt. Leistungstechnisch den beiden bereits bekannten Overclocker-CPUs am nächsten sind die Quad-Core-CPUs mit einer TDP von 65 W. Wie erwartet sind sie mit einem offensiveren Turbo Boost ausgestattet, müssen aber im Vergleich beim Basistakt Federn lassen. Die neuen Vierkern-Prozessoren mit einer TDP von 35 W (erkennbar am „T“ hinter der vierstelligen Modellnummer) können mit einem noch aggressiverem Turbo Boost aufwarten, ausgehend von einem niedrigeren Basistakt. Intel hält sich bei den Angaben zum Turbo Boost weiterhin bedeckt und kommuniziert nur die Taktraten bei Auslastung eines Prozessorkerns. Wie stark der Turbo Boost bei Multi-Core-Last ausfällt, werden erste Testberichte zeigen.

CPU Core i7-6700 Core i5-6600 Core i5-6500 Core i5-6400
Cores/Threads 4/8 4/4 4/4 4/4
Basistakt 3,4 Ghz 3,3 Ghz 3,2 Ghz 2,7 Ghz
Turbo SC 4,0 Ghz 3,9 Ghz 3,6 Ghz 3,3 GHz
Grafikchip HD Graphics 530 HD Graphics 530 HD Graphics 530 HD Graphics 530
Grafiktakt (max.) 1150 MHz 1150 MHz 1050 MHz 950 MHz
TDP 65 W 65 W 65 W 65 W
Cache 8 MB 6 MB 6 MB 6 MB
CPU Core i7-6700T Core i5-6600T Core i5-6500T Core i5-6400T
Cores/Threads 4/8 4/4 4/4 4/4
Basistakt 2,8 Ghz 2,7 Ghz 2,5 Ghz 2,2 Ghz
Turbo SC 3,6 Ghz 3,5 Ghz 3,1 Ghz 2,8 GHz
Grafikchip HD Graphics 530 HD Graphics 530 HD Graphics 530 HD Graphics 530
Grafiktakt (max.) 1100 MHz 1100 MHz 1100 MHz 950 MHz
TDP 35 W 35 W 35 W 35 W
Cache 8 MB 6 MB 6 MB 6 MB

Preislich interessanter fallen die Dual-Core-CPUs der Skylake-Serie aus. Ausgelegt für Office-PCs oder Multimedia-Rechner der Mittelklasse kann man von deutlich höherem Basistakt der Dual-Core-CPUs profitieren – solange Anwendungen nicht mehr als zwei Prozessorkerne benötigen. Auf Turbo Boost muss man bei den Zwei-Kern-Prozessoren verzichten.

CPU Core i3-6320 Core i3-6300 Core i3-6100
Cores/Threads 2/4 2/4 2/4
Basistakt 3,9 Ghz 3,8 Ghz 3,7 Ghz
Turbo Boost
Grafikchip HD Graphics 530 HD Graphics 530 HD Graphics 530
Grafiktakt (max.) 1150 MHz 1150 MHz 1050 MHz
TDP 65 W 65 W 65 W
Cache 4 MB 4 MB 3 MB
CPU G4520 G4500 G4400
Cores/Threads 2/2 2/2 2/2
Basistakt 3,6 Ghz 3,5 Ghz 3,3 Ghz
Turbo Boost
Grafikchip HD Graphics 530 HD Graphics 530 HD Graphics 510
Grafiktakt (max.) 1050 MHz 1050 MHz 1050 MHz
TDP 65 W 65 W 65 W
Cache 3 MB 3 MB 3 MB
CPU i3-6300T i3-6100T G4500T G4400T
Cores/Threads 2/4 2/4 2/2 2/2
Basistakt 3,3 Ghz 3,2 Ghz 3,0 Ghz 2,9 GHz
Turbo Boost
Grafikchip HD Graphics 530 HD Graphics 530 HD Graphics 530 HD Graphics 510
Grafiktakt (max.) 950 MHz 950 MHz 950 MHz 950 MHz
TDP 35 W 35 W 35 W 35 W
Cache 4 MB 3 MB 3 MB 3 MB

Intel HD Graphics 530

Auch die Skylake-CPUs verfügen wie ihre Vorgänger über eine integrierte Grafikeinheit. Neben technischen Neuerungen, von denen noch nicht viel bekannt ist, ist auch die Bezeichnung neu. Von einer vierstelligen Produktbezeichnung wechselt Intel mit der Skylake-Grafikeinheit Gen9 auf ein dreistelliges Nummernschema. In den beiden Übertaktungsprozessoren kommt eine Intel HD Graphics 530 zum Einsatz. Die Grafikchips verfügen über einen maximalen Takt von 1150 MHz und können dabei auf 24 Execution Units zurückgreifen. Damit scheint die HD Graphics 530 zu den schwächeren Grafikchips der Gen9 zu gehören. Später sollen Gen9-Versionen mit bis zu 72 Ausführungseinheiten sogar mit eigenem Speicher folgen. Mit überarbeiteten Rechenfunktionen und verbessertem Powermanagement soll die Effizienz gesteigert werden – vorrangig bei der Wiedergabe von Medieninhalten. Allerdings unterstützen Gen9-GPUs kein HDMI 2.0, sondern nur in der Version 1.4. Damit lassen sich 4K-TVs nur mit 30 Hz ansteuern. PC-Monitore mit DisplayPort 1.2 lassen sich in 4K mit 60 Hz betreiben.

Neuer Chipsatz Z170 mit DDR4-Unterstützung und noch mehr 3.0

Nicht nur die CPUs mit ihrer integrierten Grafikeinheit erfahren eine Leistungssteigerung. Auch der Chipsatz arbeitet mit aktueller Technik und verspricht eine gesteigerte Systemleistung. Neu ist die Unterstützung des aktuellen Arbeitsspeicher-Standards DDR4. Das verspricht kürzere Latenzen bei geringerem Stromverbrauch. Aber auch DDR3L wird von Skylake unterstützt. Wer sich einen PC selbst zusammenstellen will, sollte darauf achten, dass das Mainboard mit den passenden DIMM-Slots ausgestattet ist. DDR4-Speicherriegel sind nicht kompatibel mit DDR3-Mainboards, genauso wie DDR4-Motherboards keine DDR3-Riegel aufnehmen können. Einige Hersteller bieten Mainboards mit beiden RAM-Standards an. Da sich aber die Preise für DDR4 und DDR3-Speicherriegel immer weiter angleichen, muss man nicht auf ein Hybrid-Mainboard zurückgreifen, um zukunftssicher investiert zu haben. Besser man erwirbt gleich ein Mainboard mit DDR4.


Ein weiteres Highlight der Skylake-Chipsätze ist die beschleunigte Anbindung von M.2-SSDs. Der kompakte Nachfolger von mSATA kommt bereits seit einigen Jahren in Notebooks und Ultrabooks mit PCIe-2.0-Anbindung zum Einsatz. Der neue Chipsatz Z170 reserviert drei PCIe-3.0-Lanes für die kompakten Massenspeicher M.2 oder SATAe. Außerdem unterstützt der neue Chipsatz bis zu zehn USB-3.0-Ports, der Vorgänger Z97 nur sechs.

Intel gibt den Herstellern von Mainboards und Notebooks mit 20 PCIe-3.0-Lanes, die vom Chipsatz unterstützt werden, viel Freiraum bei der Gestaltung ihrer Systeme. Wir sind gespannt, welche Lösungen in den Handel gelangen werden.

Fazit

Intel hält technische Details und Spezifikationen der neuen Chip-Generation Skylake noch hinterm Berg zurück. Die ersten verfügbaren Skylake-CPUs Intel Core i7-6600K und Core i5-6700K sind mit freiem Multiplikator ausgestattet und ermöglichen es dem Nutzer, die Taktrate zu erhöhen. Damit genießen sie einen Sonderstatus. Die meisten Skylake-Prozessoren werden wohl ohne Overclocking-Features in den Handel kommen. Trotzdem kann man einschätzen, wohin die Reise mit Skylake gehen wird.

Intel hat sich anscheinend stärker auf Effizienz konzentriert als auf ein deutliches Plus an Rechenleistung. Neue Schaltzyklen zum schnelleren Wechsel in den Idle-Takt und auf stromsparende Medienwiedergabe spezialisierte Grafikeinheiten sprechen PC-Spieler und Enthusiasten, die sich für die Overclocker-CPUs entscheiden, wohl kaum an. Sie wollen Rechenleistung, der Stromverbrauch spielt dabei kaum eine Rolle. Laut Intel bieten beide Overclocking-CPUs (nur) 10 Prozent mehr Leistung als die direkten Vorgänger. Dem Chipsatz Z170 hat Intel mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Für internen Speicher steht nun eine schnellere Anbindung bereit, auch externe Geräte profitieren von mehr USB-3.0-Ports, ohne dass Mainboard-Hersteller zusätzliche Chipsätze einbauen müssen. Falls die demnächst vorgestellten Skylake-CPUs ebenfalls eine bessere Effizienz bieten, dürften vor allem Otto-Normal-User von der neuen Generation und den überarbeiteten Chipsätzen profitieren. Weitere Details zu neuen Skylake-Prozessoren und Chipsätzen erwarten wir zur IFA 2015 Anfang September.

Link: Details zu Notebook-CPUs der Intel Skylake Generation

Bilder: Intel

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Über Robert Tischer

Aufgewachsen mit Lego und Nintendo Game Boy eroberte schon bald ein Laptop mit MS-DOS und Windows 3.1 mein Herz und meinen Schreibtisch im Jugendzimmer. Nach einer kurzen Technikrezession sind Schreibtisch und Spielplatz 20 Jahre später auf die Größe eines Wohnzimmers gewachsen, das inzwischen einen Anbau vertragen könnte.
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