Interne vs. externe Webcam: Wie stark unterscheiden sich Sprach- und Videoqualität?

      Interne vs. externe Webcam: Wie stark unterscheiden sich Sprach- und Videoqualität?

      Angesichts des neuen Home-Office-Alltags finden Meetings, Interviews oder die Einarbeitung des neuen Kollegen nur noch digital statt. Vielen Nutzern wird erst jetzt klar, wie schlecht die Videoqualität der im Notebook verbauten 720p-Webcam wirklich ist. Aber lohnt sich das Upgrade auf eine externe Webcam? Ich habe es getestet.

      Interne Webcams rücken in das Licht der Öffentlichkeit

      COVID-19 dürfte für viele zum Unwort des Jahres 2020 werden. Neben den vielen schlechten Seiten gibt es aber auch einige wenige Seiten, die zumindest nicht vollkommen schlecht sind. Unsere Redaktion sitzt bspw. seit März größtenteils im Home-Office. Wir sind allerdings sehr froh darüber, dass Video-Calls nicht zu unserem täglich Brot gehören. Warum? Sie zeigen, wozu die verbauten Webcams von 08/15-Notebooks eigentlich gedacht sind – nämlich, um nie ernsthaft benutzt zu werden.

      Mickrige Auflösung, schwache Kontraste, ausgebrannter Hintergrund: Im Bewerbungsgespräch rückt so nicht nur das schicke Hemd in den Hintergrund, einige Bewerber dürfen sich vor dem potentiellen neuen Vorgesetzten gar nicht erst ins rechte Licht rücken. Dazu kommen die häufig sehr minderwertigen internen Mikrofone. Die versprechen nicht nur eine besonders hallige und flache Sprachqualität, sondern haben bedingt durch den großen Abstand zum Sprecher häufig auch schon stark mit leichten Hintergrundgeräuschen zu kämpfen.

      Warum? Für viele Hersteller wurde das Thema Webcam bisher eher stiefmütterlich behandelt. Das ist auch keine Überraschung, denn nur die wenigsten Nutzer brauchen sie wirklich. Mit dem Jahr 2020 könnte sich das gravierend geändert haben, denn auch die Öffentlichkeit bekommt die schlechte Qualität zu spüren. Besonders schlimm zeigt sich die Situation bspw. bei Interviews aus dem Home-Office im Hochglanz-TV. Interviewpartner sind oft weder besonders gut zu erkennen noch besonders klar zu verstehen.

      Drei interne Webcams und die Creative Live! Cam Sync 1080p

      Ich habe mir daher die Frage gestellt, ob eine dedizierte Webcam schnell und einfach Abhilfe verschafft. Ist das Upgrade bei der Bild- und Sprachqualität wirklich spürbar? Um der Frage auf den Grund zu geben, habe ich mir die Creative Live! Cam Sync 1080p besorgt. Die Webcam mit dem griffigen Namen wandert zu einer UVP von 50 Euro über die Ladentheke. Ein hoher Preis, wenn man an die vielen Nutzer denkt, die sich täglich mit 400- bis 600-Euro-Notebooks herumschlagen müssen. Die Konkurrenz im Video-Vergleich sieht wie folgt aus:

      • interne Kamera des Lenovo Legion Y740 (2018 / Test)
      • interne Kamera des Razer Blade 15 Advanced Model (2020)
      • interne Kamera des Acer Swift 3 (2019)
      • Sony A7 III als Webcam angebunden

      Bei der Videoqualität liegt die Live! Cam Sync 1080p vorne

      Betrachtet man die Preise der drei Notebooks, dann bewegen wir uns abgesehen vom Acer Swift 3 mit ca. 500 Euro im hochpreisigen Notebook-Segment mit Geräten über 2.000 Euro. Das Razer Blade 15 Advanced Model 2020 schlägt sogar mit knapp 3.500 Euro zu Buche. Die Preise haben allerdings wenig Aussagekraft in Bezug auf die Webcam. Warum? Weil alle Hersteller ihren Notebooks eine interne 720p-Webcam spendieren. Damit ist die Auflösung bei allen intern verbauten Modellen gleich. Ob wirklich Unterschiede bestehen, zeigen erst die folgenden Testaufnahmen:

      Wie man sieht, nehmen sich die ersten drei Aufnahmen bei der Bildschärfe nicht wirklich viel. Die Aufnahme vom Acer Swift 3 ist etwas dunkel, dafür ist das Fenster am rechten Rand nicht so ausgebrannt und die Dynamic Range dementsprechend gut. Die Haut wird allerdings zu rot dargestellt und Schrift im Hintergrund zu erkennen ist nicht möglich. Die Dynamic Range beim Lenovo Legion Y740 scheint angesichts der ausgebrannten Fläche niedriger, dafür ist das Gesicht heller. Insgesamt wirkt das Bild eher kalt mit leichten Blau-/Grünstich. Problematisch ist vor allem die Position der Webcam unter dem Display, denn dadurch sieht die Aufnahme eigentlich viel nasenbetonter aus:

      Die Auflösung der Webcam des Razer Blade 15 Advanced Model wirkt tatsächlich etwas höher als bei den anderen internen Webcams. Das wird womöglich durch softwareseitiges Nachschärfen erreicht. Im Hintergrund ist sogar fast der Autor auf dem Buch erkennbar. Letztendlich zieht in diesem Fall das höhere Rauschen der Qualität aber einen Strich durch die Rechnung. Zudem gibt es rötliche Farbartefakte auf dem Pullover und die Kanten wirken ausgefranst. Die Dynamic Range ist ebenfalls nicht sehr hoch.

      Und wie sieht es bei der Creative Live! Cam Sync 1080p aus? Der Vorteil der höheren Auflösung ist auf den ersten Blick sichtbar. So ist bspw. nicht nur der Autor auf dem Buch erstmals lesbar, man erkennt sogar den Titel. Ferner lassen sich einzelne Haare ausmachen und die Webcam macht bei Farbdarstellung sowie Kontrasten eine gute Figur. Ein weiterer Vorteil ist natürlich, dass ihr die Webcam überall da positionieren könnt, wo ihr es möchtet. Kollege Clemens hat mir im Praxis-Videotelefonat via MS Teams die deutlich bessere Videoqualität übrigens ebenfalls bescheinigt.

      Das Bild mit der Sony A7 III ist als Referenz mit dabei und soll zeigen, wie es wirklich aussehen kann. Das Bokeh (der unscharfe Hintergrund) ist gewollt. Neben der sehr hohen Bildqualität hat es aber auch einen Nachteil, den schon HD-Fernsehen hervorgerufen hat: Falten, Mitesser und Bartstoppeln werden viel zu gut sichtbar. Im Video-Call werden Auflösung und Qualität allerdings zugunsten einer flüssigen Wiedergabe von MS Teams und Co. heruntergerechnet.

      Hohe Sprachqualität bieten auch interne Dual-Array-Mikrofone

      Bleibt die Frage, wie es um die Sprachqualität steht. Creative spricht bei der Live! Cam Sync 1080p von einem integrierten Dual Built-in Mikrofon. Da die Webcam im Zweifelsfall sogar weiter vom Mund entfernt ist als eine interne Webcam, muss das jedoch keine Verbesserung bedeuten.

      MS Surface Headphones 2 via Creative BT-W3 (BT 5.0)

      Creative Live! Cam Sync 1080p via USB-Verbindung

      Internes Notebook-Mikrofon vom Lenovo Legion Y740

      Vergleicht man die drei Aufnahmen miteinander, dann wird schnell klar, dass die MS Surface Headphones 2 als ANC-Headset die beste Aufnahmequalität bieten. Das Mikrofon befindet sich viel näher am Mund, daher ist die Aufnahme lauter, klarer und Hintergrundgeräusche können besser herausgefiltert werden. Wer viele Meetings abhalten muss und häufig zu Wort kommt, erweist mit einem richtigen Headset daher nicht nur sich, sondern auch den Kollegen einen großen Gefallen.

      Das interne Dual-Array-Mikrofon des Lenovo Legion Y740 macht ebenfalls keinen schlechten Job. Selbst bei lauten Hintergrundgeräuschen ist die Stimme noch gut verständlich. Obwohl in der dedizierten Webcam ebenfalls ein Dual Mic steckt, leidet die Sprachqualität unter dem hohen Abstand vom Nutzer zum Mikrofon und dem geringen Abstand der beiden Mikrofone zueinander. Das ist der geringen Größe der Live! Cam Sync 1080p geschuldet. Bei einem Notebook ist der Abstand größer und der Stereo-Effekt kommt besser zum Tragen. Dafür muss allerdings auch ein Dual Array Mic verbaut sein. Kontraproduktiv für die Verständlichkeit ist zudem die Sprachrichtung, da bei normaler Sitzposition eher in Richtung des internen Notebook- als des Webcam-Mikrofons gesprochen wird.

      Einfache Einrichtung, durchdachte Extras, montiertes Kabel

      Die Einrichtung der Creative Live! Cam Sync 1080p ist übrigens ein Kinderspiel. Einfach das USB-Kabel mit einem beliebigen USB-Port verbinden und schon wird die Webcam vom PC erkannt. Der Schriftzug leuchtet, wenn die Webcam aktiv ist. Dank Gummi-Abdeckung könnt ihr die Webcam aber auch jederzeit „mechanisch deaktivieren“. Ich hätte mir allerdings ein abnehmbares USB-Kabel gewünscht. Für den Einsatz am Desktop-PC sollte die Länge von 1,4m für die meisten Nutzer passen, aber am Notebook könnte es auch mal kürzer sein. Top: Falls euch die Klemme und das Kugelgelenk zu locker sind, könnt ihr beide Mechanismen mit einem kleinen Schraubenzieher anpassen.

      Fazit: Externe Webcam verbessert Bild-, aber nicht Sprachqualität

      Insgesamt macht ihr mit einer dedizierten Webcam daher insbesondere bei der Videoqualität einen deutlichen Schritt nach vorne. Eine Webcam wie die Creative Live! Cam Sync 1080p im Bereich bis 50 Euro reicht dafür schon locker aus. Bei der Sprachqualität seid ihr mit den internen Mikrofonen besser beraten, wenn es sich um ein Dual-Array-Mikrofon handelt. Die Stereo-Aufnahmen sind den Mikrofonen der externen Webcam überlegen. Ihr arbeitet in einem Großraumbüro oder generell einer lauten Umgebung und seid „Intensiv-Meeter“? Dann solltet ihr über ein ordentliches ANC-Headset (Kaufberater) nachdenken.

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      Die Leidenschaft fürs Zocken wurde bereits in den frühen 90ern mit Bubble Bobble am Sega Master System II geweckt. Spielt mittlerweile hauptsächlich am PC und hätte gerne viel mehr Zeit, um sich seinem ständig wachsenden Pile of Shame zu widmen.

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