Kaufberater: Benutzerfreundliche und einfache Smartphones für Senioren und Anfänger*innen

      Kaufberater: Benutzerfreundliche und einfache Smartphones für Senioren und Anfänger*innen

      Langsame Hardware, kleine Displays und Features, die man bei den meisten aktuellen Smartphones so gar nicht mehr findet. „Senioren-Smartphones“ oder auch „Smartphones für ältere Menschen“ haben nicht den besten Ruf, sprechen allerdings mit ca. 24 Mio Menschen über 60 Jahre allein in Deutschland eine potentiell sehr große Zielgruppe an. Wir haben uns angeschaut, was die Geräte wirklich können und worauf du beim Kauf achten solltest.

      Warum gibt es spezielle Smartphones für ältere Nutzer*innen?

      Viele jüngere Nutzer*innen verstehen sicherlich kaum, warum es überhaupt spezielle Smartphones für Senioren oder ältere Menschen geben sollte. Wer den eigenen Eltern (wie ich) schon mal bei technischen Problemen helfen musste, dürfte das hingegen anders sehen. Den Großeltern ein nagelneues Galaxy S22 in die Hand zu drücken und zu denken „Ihr macht das schon!“, dürfte daher ebenfalls nicht immer die beste Idee sein. Lange Trouble-Shooting-Telefonate über die diversen Grundlagen sind dann nämlich oft vorprogrammiert.

      Im Gegensatz zu den meisten Leser*innen dieses Beitrags sind ältere Leute weder mit dem Internet noch mit Smartphones aufgewachsen. Und so wie ich vermutlich ein Auto aus den 60ern nicht ohne vorherige Einarbeitung fahren könnte, kommen vor allem ältere Leute mit aktueller Technik wie Smartphones, Notebooks sowie häufig auch PCs nicht mehr mit. Tatsächlich ist das kein unbekanntes Phänomen, denn mit dem zunehmenden Zeitmangel im Alter steigt man einfach nach und nach aus und läuft nicht mehr jubelnd jedem neuen technischen Trend hinterher, selbst wenn er im Alltag Vorteile mit sich bringt.

      Symbolbild: Pixabay

      Dazu kommen noch eingeschränkte körperliche sowie auch finanzielle Möglichkeiten. Dafür ist – auch wenn die eigenen Großeltern das sicherlich verneinen würden – Zeit vorhanden. Und obwohl Smartphones für die meisten trotzdem eine hohe Einstiegsbarriere innehaben und viele Features sicherlich nie genutzt werden dürften, sind letztendlich die Kommunikationsmöglichkeiten mit WhatsApp und Co. der ausschlaggebende Faktor, der Smartphones selbst für ältere Leute interessant macht. Ein Foto von der Urenkelin, ein kurzes Video aus dem Urlaub oder einfach nur die Möglichkeit, bei einem Notfall schnell jemanden erreichen zu können, dürften dabei den Hauptnutzen für die meisten Senioren darstellen.

      Welche Anbieter von Senioren-Smartphones gibt es auf dem Markt

      Um Senioren die Nutzung von aktueller Technik zu ermöglichen, haben es sich kleine Hersteller wie Doro, Ordissimo oder Emporia zur Aufgabe gemacht, Smartphones, Laptops und Co. besonders einstiegsfreundlich zu gestalten. Die Ansätze sind dabei ähnlich, es gibt aber Unterschiede bei den Produkten.

      So zielt der schwedische Hersteller Doro bspw. ganz genau auf Senioren und will ihnen den Zugriff auf aktuelle Technik ermöglichen. Sie sollen unabhängiger, aber auch aktiver und sicherer im Alltag sein sowie Kontakt zu ihren Kindern und Enkeln pflegen können. Doro bietet ausschließlich Smartphones an, die sich im Preisbereich von 219 bis 359 Euro* bewegen. Hervorzuheben ist vor allem die Kooperation mit der Experten-Community HELFERLINE, die neuen Nutzer*innen bei der Einrichtung oder generellen technischen Fragen in Form eines Telefonats oder Videogesprächs helfen kann. Via Gutschein sind die ersten 30 Minuten kostenlos. Für kurze Fragen keine schlechte Sache, für eine umfassende Einrichtung dürfte es allerdings nicht ausreichen.

      Ein ähnliches Konzept verfolgt der österreichische Hersteller Emporia, der vor über 30 Jahren gegründet wurde. Emporia setzt die Priorität ebenfalls auf eine einfache Bedienung und will damit gezielt Senioren ansprechen. Neben der Entwicklung und Produktion von Smartphones, Tablets, Tastenhandys und dazugehörigen Apps bietet man sogar Trainings- und Schulungsprogramme für Senioren an. Des Weiteren findet man auf der Homepage auch Festnetztelefone, umfangreiche YouTube-Tutorials und passendes Zubehör wie Kopfhörer, Typecover oder Schutzhüllen für die Geräte.

      Der französische Hersteller Ordissimo vermeidet hingegen ganz bewusst das Wort „Senioren“ in Verbindung mit technischen Geräten, denn viele ältere Nutzer*innen wollen kein dediziertes „Senioren-Smartphone“ haben. Das wirkt nämlich so, als könnten sie mit einem normalen Smartphone nicht umgehen. Das dürfte bei einem Großteil zwar auch der Fall sein, der Mensch tat sich aber schon immer schwer damit, (mit dem höheren Alter einhergehende) Schwächen zuzugeben. Aus diesem Grund konzentriert sich Ordissimo auf Adjektive wie einfach, bequem oder benutzerfreundlich. Man schließt also auch Nutzer*innen jüngerer Altersklassen mit ein, die technisch nicht so versiert sind. Der Hersteller hat neben Smartphones auch Tablets, Notebooks und einen All-in-One-PC im Portfolio.

      Worin unterscheiden sich Senioren-Smartphones von normalen Smartphones?

      Soviel zur Theorie der Hersteller, aber worin unterscheiden sich die einfachen Senioren-Smartphones denn nun von aktuellen, normalen Smartphones? Kleiner Spoiler: Die Unterschiede sind sehr groß. Das fängt schon beim Blick in die technischen Daten an. Den meisten versierten Nutzer*innen wie uns dürfte hier sicherlich erstmal die Kinnlade herunterfallen. 120 Hz, AMOLED-Display, 256 GB Speicher, 8 GB RAM, 5000-mAh-Akku oder Quad-Cam? Weit gefehlt. Selbst bei den teuersten Geräten wie dem Doro 8080 für 359 Euro* oder dem Ordissimo LeNumero2 für 349 Euro* gibt es Hardware teilweise auf dem Stand von 2019. Bei Emporia überschreitet man 250 Euro* hingegen gar nicht erst.

      Im Einstiegsbereich fallen zum Beispiel Begriffe wie Qualcomm Snapdragon 215, Micro-USB, 2000 mAh oder Hauptkamera mit 8 MP, ab der Mittelklasse um 220 bis 250 Euro* werden mitunter aber zumindest Triple-Cam, Android 10, Nano-SIM, ein FHD+-Display sowie USB-C oder ein Fingerabdruckscanner geboten. Designtechnisch bewegen sich viele Geräte irgendwo im Bereich des Galaxy S7 oder auch neuer, haben aber teilweise noch physische Tasten und große Display-Rahmen. Viele bieten daher auch einen Klinkenanschluss sowie erweiterbaren Speicher.

      Bei der Software setzen die Hersteller auf Android als Basis und legen verschiedene selbst entwickelte Oberflächen über das OS. Die Unterschiede zu einem Vanilla-Android sind teilweise immens und fangen schon bei der Einrichtung an, da einige Smartphones viel mehr von den jeweiligen Nutzer*innen wissen wollen. Wo liegen bspw. körperliche Einschränkungen beim Seh-, Hör- oder Tastsinn? Viele Features werden im Betriebssystem zudem viel genauer und umfangreicher erklärt. Das ist nützlich, damit die Nutzenden besser verstehen können, was das Smartphone überhaupt kann und wie die einzelnen Prozesse funktionieren. Eine ausführliche Bedienungsanleitung ist ebenfalls Standard.

      Sind „normale“ Smartphones trotzdem eine gute Idee?

      Warum sollte man der eigenen Großmutter aber nun ein Smartphone mit etwas überholter Hardware andrehen? Ganz einfach, weil für sie die Hardware nicht an erster Stelle steht. Ihr geht es lediglich darum, dass es funktioniert, sie es versteht und sie Kontakt zu ihren Liebsten halten kann. Ob das Display nun 720p oder 1080p hat, spielt für die Emotionen beim Betrachten eines Fotos von den Enkeln kaum eine Rolle. Das Gleiche gilt auch für die Anzahl der Megapixel, wenn man das Motiv trotzdem gut erkennen kann. Und solange es funktioniert, dürfte auch unwichtig sein, welche Android-Version auf dem Gerät läuft.

      Grundsätzlich haben einfache und benutzerfreundliche Smartphones mit „starker und aktueller Hardware“ nämlich nur bis zu einem gewissen Punkt etwas zu tun. Klar, das Smartphone sollte genügend Leistung für eine flüssige Bedienung bieten, schnell reagieren und auch zukunftssicher sein, damit ist es aber in den meisten Fällen für ältere Nutzer*innen schon getan. Natürlich gilt das aber nicht für alle.

      Symbolbild: Pixabay

      Tatsächlich ist bei uns in der Redaktion angesichts der verbauten Hardware eine Diskussion darüber entbrannt, wie nützlich diese Telefone wirklich sind. Der Mehrwert liegt aber nicht nur bei der Software. Denn obwohl die Hardware nicht beeindrucken kann, trumpfen die meisten Anbieter ebenfalls beim Service auf. Notfall-Button mit eigener App, Schulungen oder Rundum-Service bieten die meisten großen Hersteller wie Samsung, Xiaomi und Co. nämlich für spezielle Kundengruppen nicht an – und genau hier dürfte auch der zweite große Vorteil für viele ältere Nutzer*innen liegen.

      Normale Smartphones setzen zwar für den jeweiligen Preisbereich auf deutlich bessere und aktuelle Hardware, können jedoch weder mit der angepassten und benutzerfreundlichen Oberfläche noch einem Rundum-Service, Hilfsnetzwerk oder einer dedizierten Hotline für Rückfragen aufwarten.

      Senioren-Smartphones in der Praxis

      Reicht die Hardware denn im Alltag wirklich aus und bietet die Software tatsächlich einen Mehrwert? Das wollte ich in einem Praxis-Test herausfinden und habe zwei Hersteller gebeten, mir jeweils ein Sample zuzuschicken. Erfreulicherweise hat mir Doro das 8050 Plus und Ordissimo das LeNumero2 zugeschickt, anhand derer ich mich mit den verschiedenen Oberflächen vertraut machen konnte.

      Doro 8050 Plus

      Fangen wir mit dem Doro 8050 Plus an. Das Smartphone kommt in einer relativ großen Verpackung daher, was angesichts des üppigen Lieferumfangs nicht verwunderlich ist. Nett: Doro legt für jedes Smartphone in der Plus-Version direkt eine passende, schicke Lederhülle dazu. Aber auch sonst bietet der Lieferumfang alles, was für die Nutzung im Alltag notwendig ist. Ladestation, Netzteil, Typ-C-Kabel, Kopfhörer und eine ausführliche, bebilderte Kurzanleitung in fünf Sprachen.

      Das Smartphone erinnert optisch an ein Samsung Galaxy S7, besitzt also noch eine physische Taste und hat relativ große Ränder an Stirn und Kinn. Auf der Rückseite sitzt die Single-Cam mit LED-Blitz und der Notfalltaste darunter. Auf der Unterseite gibt es einen USB-C-Port und oben den Klinkenanschluss. Insgesamt macht das Smartphone einen guten Eindruck und sieht schick aus.

      Technische Daten: Doro 8050 Plus
      Smartphone Doro 8050 Plus
      Android (Release) Android 9
      SoC Qualcomm Snapdragon 215
      Grafikchip Adreno 308
      RAM 2 GB
      Speicher
      16 GB
      erweiterbar bis zu 128 GB
      Display 5,45″ LCD
      Auflösung 720 x 1440px
      295 PPI
      Max. Bildrate 60 Hz
      1. Kamera 13 MP
      2. Kamera
      3. Kamera
      Selfie-Kamera 5 MP
      Anschlüsse USB 2.0 Typ-C
      Klinkenanschluss
      Konnektivität 4G
      Wi-Fi 4 (802.11n)
      Bluetooth 4.2
      A-GPS
      SIM Nano-SIM
      Akku 3.000 mAh
      Maße 15,3 x 7,1 x 0,9 cm
      Gewicht 165g
      Marktpreis ca. 150 Euro*

      Kommen wir zur Software. Nach der Einstellung der Sprache kann ich direkt auswählen, ob ich bereits ein Smartphone benutzt habe, Anfänger bin oder das Gerät für eine andere Person einrichte. Ich spiele das Szenario mal als Anfänger durch und werde direkt an die Grundlagen der Smartphone-Nutzung herangeführt. Wie verwende ich einen Touch-Screen? Welche Eingabemöglichkeiten habe ich? Außerdem kann ich die Darstellungsgröße von Text und Elementen an meine Sehstärke anpassen, diverse Farbschwächen angeben, einen Dark-Mode aktivieren, angeben, ob ich ein Hörgerät verwende oder unterschiedlich gut auf beiden Ohren höre und meine Reaktionszeit bei Eingaben festlegen.

      Als Nächstes folgt das Einlegen der SIM-Karte und die Verbindung mit dem WLAN in normaler Manier, genauso wie das Kopieren von Apps und Daten sowie das Verknüpfen eines Google-Kontos mitsamt der dazugehörigen Einstellungen. Noch die Sperr-PIN festlegen, den Google Assistant aktiveren und – falls gewünscht – eine Karte für Google Pay hinterlegen. Im Anschluss gibt es eine Einweisung in die Notruftaste und die optionale Einrichtung von Response by Doro. Ein Service, der die Notruftaste bspw. mit der Sendung einer Mitteilung an bestimmte Personen verknüpft.

      Im Anschluss bietet Doro auf dem 8050 Plus ein Lernprogramm an, mit Hilfe dessen sich Nutzer*innen mit den Grundfunktionen, dem Startbildschirm, Einstellungen usw. vertraut machen können. Wie versende ich eine Nachricht, wie nutze ich die Schnelleinstellungen, wo finde ich alle Apps usw. Besonders gut gefällt mir vor allem, dass die Einstellungen mit kleinen Screenshot-Tutorials erklärt werden und die Gesten direkt abgefragt werden. So sollten sich auch ältere und technisch nicht so versierte Nutzer*innen schnell einlernen können.

      Auf dem Startbildschirm angekommen, lassen sich diverse Funktionen wie eine Doro-Schnellzugriffsanzeige aktivieren und es wird erklärt, wo was auf dem Startbildschirm zu finden ist. Über die Hilfe lassen sich die Tutorials jederzeit abrufen. Auf den ersten Blick bewegt sich die Oberfläche relativ nah an dem normalen Android, Doro verzichtet allerdings auf einzelne Symbole für Email, SMS, Fotos, Anrufe und Co. Stattdessen setzt der schwedische Hersteller auf die vier Aktionswörter „Anrufen“, „Anzeigen“, „Senden“ und „Hinzufügen“ und betitelt alle Symbole zur besseren Verständlichkeit ebenfalls.

      Dabei wird der/die Nutzer*in schrittweise durch alle Aktionen geführt. Tippt man bspw. auf Senden und dann auf Foto, gelangt man direkt zur Bildergalerie und wählt das Foto aus. Danach öffnet sich das Freigabe-Menü und man kann die App auswählen, mit der man das Foto versenden möchte. Diese öffnet sich im nächsten Schritt und das Foto wird hinterlegt. Nur noch etwas Text hinzufügen und versenden. Das Ganze klappt damit quasi kinderleicht und ohne Hürden. Die Oberfläche bietet in meinen Augen also einen echten Mehrwert.

      Unterm Strich ist die Ausstattung des Smartphones in Ordnung. Apps werden relativ flüssig geöffnet, die Kamera macht mit 8,3 MP solide Fotos, könnte allerdings einen HDR-Modus vertragen. Der interne Speicher ist mit 16 GB sehr knapp bemessen, lässt sich aber immerhin via MicroSD-Karte erweitern. Die Auflösung des LCD-Displays ist mit 720p ausreichend scharf, Sonne sollte man angesichts der maximalen Helligkeit allerdings meiden. Bei gelegentlicher Nutzung ist die Akkulaufzeit passabel, mit Android 9 ist man softwareseitig jedoch auf dem Stand von 2018. Zwar dürfte das für die Nutzenden im Alltag nicht wirklich relevant sein, veraltete Sicherheitspatches können aber trotzdem ein gewisses Risiko darstellen.

      Ordissimo LeNumero2

      Ordissimo hat genau zwei Smartphones im Programm und mir für diesen Beitrag das bessere „LeNumero2“ zur Verfügung gestellt. Das Smartphone macht dank Tropfen-Notch und schmalen Display-Rändern einen modernen Eindruck. Es besitzt eine blau-gestreifte Rückseite, ab Werk ist zudem eine Schutzfolie auf dem Display angebracht. Insgesamt ist das Design schick und gefällig.

      Zum Lieferumfang gehören ein Netzteil, ein USB-C-Kabel, Kopfhörer, ein SIM-Slot-Öffner und eine Anleitung in Deutsch. Die Anleitung ist sehr umfangreich und bietet sogar farbige Fotos der Smartphone-Oberfläche zur Erklärung. Alle Funktionen des Telefons werden übersichtlich und leicht verständlich Schritt für Schritt durchgegangen, sodass auch weniger versierte Nutzer*innen mit ihr schnell Hilfe bekommen sollten. Schade: Eine Hülle ist nicht dabei.

      Auf der Rückseite befinden sich der Fingerabdrucksensor und die Triple-Cam. Außerdem sind Symbole aufgedruckt, die sowohl die Funktionen der drei Tasten an der rechten Seite erklären sowie den Schacht für Nano-SIM- und Micro-SD-Karte kennzeichnen. Der interne Speicher von 64 GB ist nämlich erweiterbar.

      Technische Daten: Ordissimo LeNumero2
      Smartphone Ordissimo LeNumero2
      Android (Release) Android 10
      Ordissimo Benutzeroberfläche
      SoC Mediatek Helio P23MT6763T
      Grafikchip ARM Mali-G71 MP2
      RAM 4 GB
      Speicher
      64 GB
      erweiterbar
      Display 6,3″ LCD
      Auflösung 1080 x 2340px
      Max. Bildrate 60 Hz
      1. Kamera 12 MP
      2. Kamera 20 MP
      3. Kamera 8 MP
      Selfie-Kamera 13 MP
      Anschlüsse USB-C
      Konnektivität 4G
      Wi-Fi 4 (802.11n)
      Bluetooth
      SIM Nano-SIM
      Akku 4.000 mAh
      Maße 15,7 x 7,4 x 0,8 cm
      Gewicht 183g
      Marktpreis ca. 320 Euro*

      Bei Ordissimo beginnt die Einrichtung wie bei einem normalen Android-Smartphone: Sprache auswählen, SIM-Karte einlegen, mit dem WLAN verbinden, Google-Konto und Assistant einrichten, das war es schon. Hier merkt man einen deutlichen Unterschied zum Smartphone von Doro, bei dem vorab viel mehr Fragen in Bezug auf die körperliche Verfassung des Nutzenden gestellt wurden. Ordissimo wendet sich allerdings auch nicht primär an Senioren, sondern an technisch nicht so bewanderte Anwender*innen. Körperliche Einschränkungen sind also weniger relevant.

      Beim ersten Starten landet man auf dem normalen Android-Startbildschirm. Mittig befindet sich eine große Schaltfläche, mit der man die angepasste Oberfläche von Ordissimo aktivieren kann. Danach gibt es kein Zurück mehr und die stark veränderte Oberfläche wird ersichtlich. Ordissimo setzt auf eigene, große Symbole und Oberflächen, ab Werk sind zudem schon viele Apps auf dem Startbildschirm hinterlegt.

      Widgets gibt es zwar nicht, mit einem Wisch nach links öffnet sich aber der App-Manager, mit dem unkompliziert zusätzliche Apps auf dem Startbildschirm hinzugefügt werden können. Praktisch: Da sie schon installiert sind, musst du sie quasi nur noch „liken“, um sie auf dem Startbildschirm hinzuzufügen. Dadurch gibt es weniger Spielraum für Fehler bei der Installation aus dem Play Store. Bei einem Wisch nach rechts öffnen sich standardmäßig die Kontakte.

      Statt „Google Maps“ oder „Gmail“ ist zudem von „Landkarte“ oder „E-Mails“ die Rede. Das Tastenfeld für Anrufe fällt ebenfalls deutlich größer als normal aus. Ebenfalls gut: Die Optionen sind stark vereinfacht, damit Nutzer*innen hier nicht so einfach verloren gehen. Hinter einigen Apps verstecken sich gewisse Eigenentwicklungen des Herstellers.

      Ganz so stark an die Hand genommen wie bei Doro werden Nutzer*innen insgesamt also nicht. Mit Android 10 ist das LeNumero2 zwar nicht topaktuell, im Alltag läuft es jedoch flüssig und macht einen soliden Eindruck. Die Kamera-App startet schnell, zudem werden ein 2-facher Zoom und auch ein Ultraweitwinkel geboten. Die Ergebnisse der Hauptkamera sind in Ordnung, das Ultraweitwinkel hat allerdings Probleme mit dem Weißabgleich und Fotos werden an den Rändern etwas unscharf. Für Schnappschüsse aus dem Urlaub reicht es aber allemal.

      Damit macht das Ordissimo LeNumero2 sehr viel richtig und bietet eine vereinfachte, angepasste Oberfläche. Ein paar Schwächen gibt es aber: Neben der teilweilse unvollständigen Übersetzung der Oberfläche in den Optionen könnte selbige auch noch aktueller sein. Die letzte Version ist laut Dateiname auf dem Stand vom August 2020. Mit aktuell ca. 320 Euro* ist das LeNumero2 zudem nicht ganz günstig, bietet für das Segment aber auch eine vergleichsweise moderne Ausstattung.

      Letztendlich ist es für eine Person meines Alters schwierig zu beurteilen, ob die Hersteller mit ihren Smartphones den Nerv von Nutzer*innen älterer Semester treffen. Aus diesem Grund habe ich das Doro 8050 Plus auf die Reise zu einem weiteren Praxis-Test geschickt: In die Hände meines 85 Jahre alten Großvaters, der zwar mobil und gut drauf ist, bisher aber noch nie ein Smartphone in den Händen gehalten hat. Ich wollte wissen, ob er damit wirklich im Alltag zurechtkommt und es auch tatsächlich nutzt. Ob das der Fall ist, werde ich zu einem späteren Zeitpunkt hier berichten.

      Gibt es Alternativen zu einem Senioren-Smartphone?

      Normale Smartphones sind für viele ältere Nutzer*innen also keine wirkliche Alternative. Was aber, wenn die eigenen Großeltern kein dediziertes Senioren-Smartphone oder Gerät mit Touchscreen wollen?

      Feature Phone

      Dann könnte vielleicht ein Feature-Phone den gewünschten Zweck erfüllen. Die Geräte lassen sich noch mit haptischen Tasten bedienen. Da mit dem Alter die feinmotorischen Fähigkeiten der Hände oft nachlassen, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Ein Blick in unseren Klassiker-Bereich von Nokia gibt darüber Aufschluss, was der Markt aktuell so hergibt. Nokia hat nämlich auch in den letzten Jahren noch neue Feature-Phones wie das 8000 4G oder 6300 4G auf den Markt gebracht. Das Klapphandy Nokia 2720 Flip hatte sich Eike im Test sogar ausführlich angeschaut.

      Mich hat ebenfalls interessiert, was die Geräte so können – oder auch nicht. Daher habe ich mir das aktuelle Nokia 8000 4G besorgt. Tatsächlich fühlt sich das Phone an, als würde man eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit machen. Mich erinnert das 8000 4G bspw. an das Sony Ericsson W960i, das ich 2008 genutzt habe. Neben dem Formfaktor und den Tasten ist dafür vor allem ein kleines Detail verantwortlich: Snake ist vorinstalliert.

      Tatsächlich hat das 8000 4G auf den ersten Blick nicht viel mit einem Smartphone gemeinsam. Das 2,8″-Display hat eine vergleichsweise geringe QVGA-Auflösung (320x240px) und ist natürlich deutlich kleiner als gewohnt. Wenn man seit Jahren an einen Touchscreen gewöhnt ist, muss man bei der Tasten-Bedienung zudem ganz schön umdenken. T3 lässt grüßen. Hat man nie einen Touchscreen benutzt, ist das natürlich eine andere Geschichte und man findet sich schnell zurecht.

      Obwohl das Feature Phone etwas altbacken wirkt, werden aktuelle Dienste wie WhatsApp, YouTube oder Google Maps unterstützt. Die Kommunikation mit den Enkeln ist also gesichert. Als Betriebssystem kommt KaiOS zum Einsatz und die Apps findet man im KaiOS Store. Für das Nötigste ist das 8000 4G hardwareseitig mit Snapdragon 210 und 512 MB RAM gerüstet. Der herausnehmbare Akku bietet übersichtliche 1500 mAh, hält angesichts der geringen Display-Fläche aber trotzdem länger als bei einem Smartphone.

      Für Fotos steht eine 2-MP-Kamera auf der Rückseite zur Verfügung. Die Ergebnisse der Kamera sind vor allem in Innenräumen (erwartungsgemäß) durchwachsen und wirklich nur für rudimentäre Einsatzzwecke vorgesehen.

      Ansonsten ist das 8000 4G leicht und einfach bedienbar, setzt aber auf viel Kunststoff und fühlt sich daher nicht so hochwertig an. Dafür kommt es in bewährter Bauform daher und dürfte im Alltag deutlich mehr aushalten als Smartphones mit Vorder- und -Rückseite aus Glas. Mit ca. 80 Euro* ist es zudem sehr günstig zu bekommen. Eine speziell angepasste Oberfläche für Senioren bietet das Nokia 8000 genauso wie Feature Phones allgemein aber nicht.

      EinfachFon

      Eine weitere Alternative stellt der Anbieter „EinfachFon“ da. Dieser spendiert aktuellen Nokia-Smartphones eine andere Oberfläche, die ebenfalls Senioren-freundlicher ist. Der Vorteil? Bei den Geräten handelt es sich zum Beispiel um das Nokia G50, das mit aktueller Hardware, guter Kamera, 128 GB Speicher und einem großen Display aufwarten kann. Dazu gibt es eine ausführliche Bedienungsanleitung und das Smartphone kommt fertig eingerichtet zum Kunden. Das G50 ist mit 259 Euro* ohne Vertrag so aber auch etwa 60 Euro* teurer als mit der originalen Android-Oberfläche.

      Screenshot: EinfachFon

      Der Startbildschirm des Smartphones erinnert zudem kaum noch an Android, denn er ist ähnlich wie Windows Mobile in einzelne Bereiche unterteilt. Dadurch wirkt er sehr aufgeräumt und bietet Schnellzugriffe auf die grundlegenden Funktionen, die für Senioren wichtig sind. Mit dabei ist ebenfalls eine Notruf-Funktion. Es lassen sich allerdings auch zusätzliche Apps wie WhatsApp installieren.

      Einfacher Modus

      Einige Hersteller wie Samsung oder Oppo bieten bei ihren Smartphones einen „einfachen Modus“ an, der die Komplexität reduzieren soll. Wer sich jedoch eine komplett neue Nutzererfahrung darunter vorstellt, dürfte schnell enttäuscht werden. So wird meistens nur die Anzeige in Form von Schrift und Icons vergrößert, das Menü vereinfacht und der Kontrast erhöht.

      Nichtsdestotrotz findet man in den Einstellungen von Android auch so viele Bedienungshilfen bei eingeschränkter Seh- oder Hörfähigkeit, die bei Doro bspw. bei der Einrichtung abgefragt werden. Schriftgröße verändern, Darstellung an Farbschwächen anpassen, Reaktionszeit ermitteln, Mono-Audio aktivieren, Untertitel für unterstütze Apps anzeigen lassen oder auch Text mit hohem Kontrast darstellen – das ist alles in diversen Untermenüs von Android zu finden. Es sollte daher vorab von einer Person eingerichtet werden, die sich mit Smartphones auskennt. Sprachbefehle sind übrigens auch eine gute Möglichkeit, das für ältere Anwender*innen oft nervige Tippen zu umgehen.

      Senioren-Smartphones: Meine Empfehlung

      Du willst deiner Großmutter ein Smartphone schenken, aber wie entscheidest du dich nun am besten? Das hängt zuallererst von den Gegebenheiten ab. Gibt es körperliche Einschränkungen? Ist deine Großmutter technikaffin oder eher nicht? Wie groß ist ihr Wille, sich mit neuer Technik auseinanderzusetzen?

      Sieht sie nicht mehr so gut und ihr technisches Verständnis ausbaufähig, dann liegt der Griff zu einem Senioren-Smartphone nahe. Sie bilden einen sehr guten Ansatz, wenn es darum geht, die tägliche Nutzung möglichst einfach zu gestalten. Durch die angepasste Oberfläche und das schrittweise Abwickeln eines Vorgangs vom Anfang bis zum Ende ist die Gefahr gering, dass etwas schiefgeht. Zudem berücksichtigen die Geräte bei der Einrichtung die meisten körperlichen Einschränkungen, was gerade im hohen Alter sinnvoll ist. In der Praxis hat mir das Konzept von Doro bspw. gut gefallen.

      Für 150 Euro* ist Ausstattung des 8050 Plus in Ordnung und auch aktuellere Smartphones dieser Preisklasse schneiden bei der „gefühlten“ Performance kaum besser ab, obwohl sie natürlich ein OS mit aktuellen Sicherheitspatches, moderne Hardware und damit eine höhere Zukunftssicherheit bieten. Mit dem Doro 8100 hat der Hersteller immerhin gerade* ein aktuelleres Gerät mit Triple-Cam, Android 11, modernerem Design und der hauseigenen Oberfläche auf den Markt gebracht.

      Wenn die Feinmotorik in den Fingern eingeschränkt ist und daher gezieht ein Touchscreen vermieden werden soll, können Feature Phones wie das Nokia 2720 Flip oder 8000 4G eine gute Alternative darstellen. Mit klassischem Tastenfeld umgehen sie die Hürde eines Touchscreens und ermöglichen trotzdem den Zugriff auf aktuelle Smartphone-Apps. Da die Tastengröße von Gerät zu Gerät unterschiedlich ausfällt, solltest du darauf besonders achten. Mit teils weniger als 100 Euro* sind Feature Phones sehr erschwinglich und haben eine deutlich längere Akkulaufzeit als Smartphones. Ihre Kameras sind aber keine Offenbarung und das Betriebsystem ist ebenfalls nicht speziell auf ältere Nutzende angepasst.

      Soll es hingegen ein Smartphone sein, aber bitte mit guter Kamera, schnellem Prozessor und aktuellen Sicherheitspatches? Beim Anbieter EinfachFon bekommt man genau das. Dank vereinfachter und übersichtlicher Oberfläche sind die Geräte trotzdem für ältere Nutzer*innen geeignet. Das OS wirkt bedingt durch die bunten Farben allerdings auch sehr verspielt und ist optisch ziemlich weit vom normalen Android entfernt. Man outet sich dadurch also schnell als Nutzer*in eines Senioren-Smartphones, was mitunter tatsächlich ein Problem darstellen kann.

      Will man das vermeiden, kommt womöglich das Ordissimo LeNumero2 in Frage. Die sinnvolle und leicht verständliche Oberfläche unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht so sehr vom normalen Android und punktet trotzdem mit vielen Funktionen. Das LeNumero2 ist mit 320 Euro* zwar nicht günstig, bietet die gute Benutzererfahrung aber in Verbindung mit einem Achtkern-Prozessor, großem Display, solider Triple-Cam, einem halbwegs aktuellen Android und 4000-mAh-Akku. Ein Fingerabdrucksensor ist ebenfalls dabei und das Gerät lässt sich sogar mit dem Gesicht entsperren.

      Es gibt also einige Möglichkeiten. Bei meinen Eltern habe ich es bpsw. mit normalen Smartphones versucht und jetzt rufen sie mich schon mal an, wenn es darum geht, eine App aus dem Play Store zu installieren. Das Aktivieren des einfachen Modus würde ihnen vermutlich nicht helfen, die Oberfläche eines Smartphones für ältere Nutzer*innen vielleicht schon. Meine Mutter hat die Sprachsteuerung immerhin dazu gebracht, mutiger und schneller im Umgang mit dem Smartphone zu werden. Es ist also auch ratsam, ein Gerät mit gut funktionierender Sprachsteuerung auszuwählen. Für ältere Leute kann sich ein Stift als Eingabehilfe ebenfalls anbieten.

      Im Gegensatz dazu sind meine Schwiegergroßeltern fit im Umgang mit Technik und haben mit einem normalen Smartphone keine Probleme. Du solltest deine Entscheidung also unbedingt davon abhängig machen, was in deiner Familie der Fall ist. Es ist aber immer ratsam, die Einrichtung und Grundfunktionen gemeinsam mit der zukünftig nutzenden Person durchzugehen. Solange das Phone (auch auf längere Sicht) funktioniert, bin ich überzeugt, dass die Hardware zweitrangig ist. Das gilt jedoch nicht für die Reaktionsgeschwindigkeit des Displays und eine zu langsame Performance im Allgemeinen. Hier will niemand unnötig Zeit und Nerven vergeuden.

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      Stand: April 2022

      Fotos: Pixabay 1, 2; Einfachfon

      Veröffentlicht von

      Die Leidenschaft fürs Zocken wurde bereits in den frühen 90ern mit Bubble Bobble am Sega Master System II geweckt. Spielt mittlerweile hauptsächlich am PC und hätte gerne viel mehr Zeit, um sich seinem ständig wachsenden Pile of Shame zu widmen.

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