Kommentar: Sony Vaio, ein Rückblick in Trauer und Zorn

Sony Vaio Pro 11 Black
Sony trennt sich von seiner Traditionsmarke Vaio und steigt aus dem PC-Geschäft aus. Damit werden die aktuellen Modelle wohl die letzten Sony-Notebooks sein, die noch zu haben sind. Sony Deutschland verspricht zumindest, auf die Geräte noch wie gehabt Gewährleistung und Garantie zu geben. Für mich ist der Rückzug von Sony auch eine persönliche Geschichte. Denn meine ersten beiden Notebooks waren Vaio-Modelle, angefangen mit dem Vaio C1 Picturebook.

Früher war ja bekanntlich alles besser. Das stimmt zwar nicht, aber an das Vaio C1 erinnere ich mich gerne zurück. Sony betrat den Markt außerhalb Japans 1997, das revolutionäre PCG-505 erschien in Amerika und kann sich auch heute noch sehen lassen. Das superflache Vaio mit 10,4-Zoll-Bildschirm und Intel Pentium MMX Prozessor im flachen Magnesiumgehäuse kann man getrost als Ultrabook-Vorläufer betrachten.

Sony Vaio PCG-505
Das Sony Vaio PCG-505 war das erste „Ultrabook“

Das Vaio C1 Picturebook war seinerzeit das ungewöhnlichste Notebook im Programm. Es besaß ein breites 8,9 Zoll Display mit 1024 x 480 Pixeln und wog rund 1 kg. Der Clou war eine um 180 Grad drehbare Webcam im Displayrahmen. Auf dem Gerät lief Windows 98. So gerne ich das Vaio C1 mochte, zum Arbeiten war es vor allem wegen der geringen vertikalen Arbeitsfläche recht unpraktisch und das Notebook musste einem „echten“ Arbeitsgerät weichen, einem Vaio-Japan-Import mit 14 Zoll Display.

Sony Vaio C1
Mein erstes Notebook: Das Sony Vaio C1

Das Besondere an dem Gerät (Typenbezeichnung weiß ich nicht mehr): Das Notebook stellte sich „auf die Hinterbeine“, wenn man es aufklappte, um eine bessere Kühlung zu ermöglichen. Eine abnehmbare Glasplatte schützte das Display. Innovativ war wie beim Vaio C1 ein Rädchen (Jog Dial) an der Seite, das als Bedienelement funktionierte. Gebraucht habe ich es nie und das japanische Windows 98 ersetzte ich irgendwann durch Windows 2000. Über vier Jahre, bis 2004, leistete mir das Vaio treue Dienste und reiste mit mir durch die Weltgeschichte.

Sony Vaio PCG-GT1
Das Sony Vaio PCG-GT1 war innovativ, aber unglaublich teuer

Auf meiner Wunschliste ganz oben stand zeitweise das Sony Vaio PCG-GT1, das Sony nur in Japan anbot. Eingebaut in das 1 kg schwere Mini-Notebook war eine schwenkbare DV-Kamera. Ein winziges 6,4-Zoll-Display zeigte 1024 x 768 Bildpunkte an, was einer hervorragenden Pixeldichte von 200 ppi entspricht. Über einen amerikanischen Händler hätte man das im Jahr 2000 erschienende Gerät zwar bestellen können, aber der Preis von knapp 4000 US-Dollar war dann doch etwas sehr hoch. Sprich: Das GT1 war für mich unbezahlbar.

Sony Vaio Pro 13
Aktuelles Modell: Sony Vaio Pro 13

Am Ende siegte dann doch wieder die Vernunft, zumindest teilweise. Ich kehrte mit dem Apple Powerbook mit 17 Zoll Bildschirm zurück in die Mac-Welt. Mein Kontakt zu Sony Vaio Geräten begann wieder im Rahmen von notebookjournal.de, für das ich diverse Modelle auf Messen in der Hand hatte und testen durfte. Auf der letzten IFA in Berlin hatte ich den Eindruck, dass Sony wieder ein wenig mehr wagt und ausprobiert: Meine alte Faszination von manchen Sony-Produkten war doch noch nicht ganz verschwunden. Und irgendwie macht mich die Entscheidung von Sony, die Vaio-Sparte zu verscherbeln, gleichzeitig traurig und zornig. Die PC-Welt wird ein Stückchen grauer, dabei hätte es der japanische Hersteller doch gekonnt: uns mit ungewöhnlichen Designs und Konzepten zu überraschen. Wie in alten Zeiten.

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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1 Kommentar auf "Kommentar: Sony Vaio, ein Rückblick in Trauer und Zorn"

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Gast

Ach wer sagt denn das Vaiio als eigene Marke nicht ebenfalls inovativ sein kann? 🙂
Alles hat vor und Nachteile…

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