Kurztest AKG Q701: High-End-Kopfhörer für Connaisseure

AKG_Q701_teaser_2

Der Kopfhörer AKG Q701 gehört zu den High-End-Kopfhörern und genießt einen hervorragenden Ruf. Die Quincy Jones Edition setzt zudem noch einen ungewöhnlichen Design-Akzent. Wir haben uns den Over-Ear-Kopfhörer aufgesetzt und am Rechner und Smartphone getestet, bis die Ohren glühen.

AKG_Q701_seite_ganz
Der österreichische Hersteller AKG erfreut sich unter Audio-Liebhabern großer Beliebtheit und gilt als gute Alternative zu Modellen der deutschen Anbieter Sennheiser und Beyerdynamic. Der Klassiker AKG Q701 ist auch als Quincy-Jones-Edition erhältlich, wobei der Hersteller verspricht, jeden Kopfhörer individuell zu testen. Die hochwertige Verarbeitung des Kopfhörers gefällt. Auffällig ist das Design des Modells: Neben silberfarbenen Elementen erhält der schwarze Kopfhörer durch neongrüne Applikationen eine eigenwillige Note.

AKG_Q701_naht
Man findet den etwas aufdringlichen Grünton in der Ledernaht des Kopfhörerbügels sowie in den Kabeln. Diese weisen auf eine Besonderheit des AKG Q701 hin: Das Kabel ist abnehmbar und in zwei Ausführungen vorhanden. Einmal mit 6,3 mm Klinke zum Anschluss an eine Stereoanlage und mit 3,5 mm Klinke zum Anschluss an mobile Player. An der linken Kopfhörerseite befindet sich der XLR-Eingang. Das 6,3-mm-Kabel ist 3 Meter, das 3,5-mm-Kabel sogar 6 Meter lang – für den mobilen Einsatz ist das eine Menge Kabel, das zu verstauen ist. Durch die halboffene Bauweise eignet sich der AKG Q701 allerdings ohnehin kaum für das Hören in der Straßenbahn oder im Zug: Umgebungsgeräusche schirmt er nur wenig ab, und die Musik ist bei höheren Laustärken in der Umgebung gut vernehmbar.

AKG_Q701_kabel

Ein wichtiges Kriterium für Kopfhörer ist der Tragekomfort. Die samtigen Schaumstoffmuscheln schmiegen sich angenehm um die Ohren herum. Mit 300 g ohne Kabel sind die Kopfhörer nicht zu schwer, aber auch kein Leichtgewicht. Das Lederband des Kopfbügels besitzt gepolsterte Wulste, trotzdem empfand ich den Druck auf den Kopf als etwas zu hart und als gewöhnungsbedürftig. Es ist gut möglich, dass nach längerer Nutzung das Leder etwas nachgiebiger wird und sich dadurch der Tragekomfort verbessert.

AKG_Q701_nummer
Nach dem Vorgeplänkel geht es aber zur Hauptsache, dem Klang. Wir schlossen den AKG Q701 an einen iMac in der Redaktion an und hörten verschiedene Tracks rauf und runter: Von Klassik (Gustav Mahler), die bei Klangtests wohl unvermeidbaren Dire Straits über Jazz und Punkrock bis hin zu Marianne Faithfulls edle Coverversion von „The Crane Wive 3“. Der AKG Q701 präsentiert eine präzise und nicht zu enge Klangbühne, bei der die einzelnen Instrumente genau im Raum verortbar sind.

AKG_Q701_detail
Feinste Details offenbaren sich, differenziert im Raum, was allerdings auch einen unerwünschten Nebeneffekt haben kann: Der AKG Q701 verzeiht keine Schlampereien bei der Aufnahme und deckt sie schonungslos auf. Das zeigt sich auch bei den Bässen, die etwas zurückhaltender Aufspielen, als man es von anderen Kopfhörern gewohnt ist. Positiv formuliert: Sie sind so, wie sie sein sollten, dynamisch und wuchtig, wenn es die Abmischung im Studio erlaubt. Aber eben kein Gramm mehr. Ehrlich bleibt der AKG Q701 auch in den Höhen und spitzt sie nicht zu, um so mehr Transparenz vorzuspiegeln. Gute Aufnahmen klingen, wie sie klingen sollten: echt.

AKG_Q701_vorneDurch die geringe Impedanz von 62 Ohm liefert der AKG Q701 auch an mobilen Geräten mit ihrer schwächeren Ausgangsleistung eine recht hohe Lautstärke, weshalb uns die Tauglichkeit des Kopfhörers an Smartphone und Tablets interessierte. Im Gegensatz zum Einsatz an einer Anlage oder am PC leidet das Klangergebnis deutlich. Vor allem den Bässen fehlt es dann an etwas mehr Dynamik und die Klangbühne schrumpft. Diese Mäkeleien haben einen Grund: Smartphones haben letztlich zu wenig Power und meist auch einen schlechten DAC, um das Potential des AKG Q701 entfalten zu können. Hierfür bietet sich dann ein tragbarer DAC inklusive Verstärker an, falls man den Kopfhörer doch mit auf die Reise nehmen möchte.

AKG_Q701_buegel

Fazit

Von allen bisher von uns getesteten Kopfhörern setzt sich der AKG Q701 mühelos an die Spitzenposition. Er bietet eine hervorragende Verarbeitung und bei richtiger Ansteuerung einen unglaublich präzisen und detailreichen Klang auf einer mittelgroßen Klangbühne. Lediglich beim Tragekomfort bemängeln wir die etwas harte Polsterung, was je nach Kopfgröße zu unangenehmen Druck führen kann, aber nicht muss. Man sollte sich auch bewusst sein, dass der AKG Q701 trotz der niedrigen Impedanz ordentlich Leistung benötigt. An mobilen Geräten ist der Klang zwar immer noch gut, aber vom High-End-Erlebnis, das mit dem Kopfhörer möglich ist, weit entfernt.

Das könnte dich auch interessieren:

avatar

Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
Dieser Beitrag wurde unter Audio, Ausgepackt, Test abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.