Kurztest Sony MDR-1ADAC: Kopfhörer mit integriertem Verstärker

Wer über schlechten Sound bei Smartphone oder PC klagt, könnte mit dem Bügelkopfhörer Sony MDR-1ADAC glücklich werden. Über digitale Anschlüsse nimmt der Sony die Musikdateien vom Abspielgerät an, wandelt sie intern mit einem DAC und gibt sie analog verstärkt auf die Ohren. Zum Preis eines Mittelklasse-Smartphones erhält man den Kopfhörer plus eine Batterie an Digitalkabeln zum Anschluss an Smartphone, PC, iPhone und Sony Walkman.

Verarbeitung und Tragekomfort

Der Sony-Kopfhörer ist erstklassig verarbeitet. Kein Klappern, kein Knarzen, alle Spaltmaße sind klein und gleichmäßig. Einzig eine Naht löste sich von der linken Ohrmuschel unseres Testgeräts und trübt den ansonsten perfekten Eindruck. Der Materialmix aus Kunststoff, Metall und Leder sieht nicht nur gut aus, sondern fühlt sich auch sehr wertig an. Wo andere Hersteller sich von der knausrigen Seite präsentieren, spart Sony nicht am Lieferumfang: In einer großzügig bemessenen Transporttasche finden Kopfhörer sowie alle beigelegten Kabel Platz. Mit Anschlussmöglichkeiten für Smartphone (Micro-USB), iPhone (Lightning), PC und Notebook (USB) und Sony Walkman (WM-Port) und einem Klinkenkabel ist der Kopfhörer für viele Zuspieler geeignet. Alle Kabel sind 1,2 Meter lang und damit ausreichend für den mobilen Einsatz.


Trotz des relativ hohen Gewichts von gut 300 g konnten wir den Kopfhörer längere Zeit tragen, ohne dass es unbequem wurde. Die Polsterung an Bügel und Hörermuscheln ist angenehm weich. Dass die ohrumschließenden Muscheln etwas zu klein sind und die Ohrläppchen der Lauscher berühren, störte uns nicht. Sony setzt beim MDR-1ADAC auf ein offenes System. Damit sind Umgebungsgeräusche bei leiser Musik hörbar und laute Töne dringen ungehindert nach außen. Die Luftzirkulation ist trotz der Verwendung von Kunstleder ordentlich.

Technik

Die linke Kopfhörer-Muschel beherbergt den Power-Schalter, in dem eine kleine LED den Status anzeigt. Ist der Kopfhörer betriebsbereit, leuchtet sie grün, leerer Akku und Ladevorgang werden mit rot signalisiert. Neben dem analogen Anschluss für 3,5-Zoll Klinkenstecker befinden sich am linken Hörer zwei Micro-USB-Buchsen für die digitale Übertragung, von denen eine zusätzlich für den Ladevorgang gedacht ist. Um nicht aus Versehen den Akku des Kopfhörers mit dem Smartphone-Akku zu laden, sind die beigelegten Kabel für mobile Zuspieler wie Smartphone, iPhone und Sony MP3-Player mit einem extra Stift versehen und passen nur in den Kopfhörer-Port ohne Ladefunktion.

Angeschlossen an PC oder Notebook lädt sich der Akku des Kopfhörers beim Musikhören auf. Ein Ladevorgang des ausgeschalteten Kopfhörers dauert knapp viereinhalb Stunden. Bei mittlerer Lautstärke erreichten wir im Test eine Akkulaufzeit von sechs Stunden. Ist der Akku leergespielt, kann man den Kopfhörer per Klinkenkabel analog weiter nutzen. Mit geringer Impedanz von 40 Ohm und hoher Empfindlichkeit von 102 dB/mW klappt das auch an mobilen Zuspielern wie Smartphone oder MP3-Player. An der rechten Kopfhörermuschel befindet sich ein Drehrad zur Einstellung der Lautstärke. Das bietet den Vorteil der schnelleren Anpassung und stufenlosen Einstellung im Vergleich zu Lautstärkewippen oder Tasten.

Sound

Doch wozu benötigt man die Digitaltechnik im Kopfhörer? Die meisten Smartphones und Notebooks sind mit minderwertigen Soundchips ausgestattet, die häufig auf die integrierten Lautsprecher oder den beigelegten Ohrsteckern angepasst sind. Bei der Wandlung der digitalen Informationen der Musikdateien in analoge Signale für Kopfhörer und Verstärker scheitern die meisten Onboard-Soundchips an Taktgenauigkeit und enttäuschen, grob gesagt, mit diffuser Abbildung der Soundlandschaft. Da die Digital-Analog-Wandlung und Verstärkung direkt im Sony-Kopfhörer stattfindet, werden die Soundchips der Zuspieler nicht benötigt. Tatsächlich leistet die Digital-Analog-Wandlung des Sony-Kopfhörers gute Arbeit. Angeschlossen an einem uralt Samsung Galaxy S Plus überzeugt der Kopfhörer über Micro-USB durch fetteren Bass, lautere Mitten und sauberere Höhen als über den Klinkenanschluss. Vor allem begeistert er mit einer sehr hohen Auflösung und einer tollen räumlichen Wiedergabe mit hoher Dynamik, neigt aber bei hohen Lautstärken zum Verzerren und lässt einige Details vermissen. An modernen Zuspielern wie Apple iPhone 5s oder MacBook Pro 15 Retina sind die klanglichen Unterschiede zwischen digitaler und analoger Anschlussart weniger stark. Analog angeschlossen spielt der Kopfhörer etwas detailreicher und lauter, dafür aber insgesamt unruhiger und mit mehr Jitter auf. In beiden Fällen tendiert der Kopfhörer zu einem warmen und basslastigen Klangbild.


In einem Punkt bietet der Sony MDR-1ADAC einen entscheidenden Vorteil. Spielt man verlustbehaftete Medien wie MP3, WMA oder AAC über einen digitalen Anschluss ab, trumpft der Sony MDR-1ADAC auf. Die Musik klingt nicht so dumpf wie gewohnt, dabei räumlicher und einen Tick präziser.

Fazit

Für Musikliebhaber, die nicht nur unterwegs, sondern auch zu Hause gerne Kopfhörer für audiophile Höhepunkte verwenden und sich nicht teure Kopfhörerverstärker und einen dedizierten DAC kaufen wollen, hat Sony den Kopfhörer MDR-1ADAC entwickelt. Der ohrumschließende Bügelkopfhörer ist mit einem DAC sowie Verstärker ausgestattet und ersetzt damit die minderwertigen Soundchips von Smartphone, Notebook und PC. Um eine Armada an Zuspielern mit dem Sony Kopfhörer verwenden zu können, legt der Hersteller freundlicherweise passende Kabel für Smartphone, iPhone, PC und Sony Walkman bei. Der Sound des Sony-Kopfhörers überzeugt mit einer klaren und räumlichen Klangbühne mit leichter Betonung im Bassbereich. Vor allem der geringe Jitter und die klangliche Aufwertung stark komprimierter Musikdateien haben uns sehr gut gefallen. Ein Manko ist die durchschnittliche Akkulaufzeit, aber immerhin lässt sich der Kopfhörer auch mit leerem Akku per Klinkenkabel an Smartphone und PC weiternutzen.

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Über Robert Tischer

Aufgewachsen mit Lego und Nintendo Game Boy eroberte schon bald ein Laptop mit MS-DOS und Windows 3.1 mein Herz und meinen Schreibtisch im Jugendzimmer. Nach einer kurzen Technikrezession sind Schreibtisch und Spielplatz 20 Jahre später auf die Größe eines Wohnzimmers gewachsen, das inzwischen einen Anbau vertragen könnte.
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