La Carrera Panamericana: Die letzte Etappe

Ich will heute nicht lange drum herum reden, sondern direkt zum wichtigsten Ereignis des Tages, dem letzten Zieleinlauf für dieses Jahr, vorspulen. Bis dahin ist sowieso nichts spektakuläres passiert. Jochen und Manuel haben an diesem Tag einen der vorderen Startplätze und waren dementsprechend relativ früh am Ziel, während Tim und Frank sehr weit hinten waren. Am Anfang war noch vergleichsweise sehr wenig los. Von einigen aus der Truppe, die nicht zum ersten Mal an der La Carrera Panamericana teilnehmen, wurde eine große Party angekündigt und dem entsprechend hoch waren meine Erwartungen.

Wieder einmal fand der Zieleinlauf vor einer wunderschönen Kathedrale statt

Noch kurz um die Kurve und dann ist geschafft

Bei Jochen und Manuel war die Freunde etwas verhalten, hatte ich das Gefühl, weil das für sie kein perfekter Tag war. Das Auto lief zwar problemlos durch, aber da den Tag zuvor zwei Kipphebel kaputt gegangen sind und so kurzfristig nicht repariert werden konnten, waren die beiden den ganzen Tag mit nur sechs statt acht Zylindern unterwegs. Nachdem die beiden also durch waren, habe ich mich in der Autoschlange bestimmt 500m nach hinten vorgekämpft, natürlich mit kaltem Bier und Tequilla im Gepäck. Der Zieleinlauf hat dieses Mal viel länger gedauert als sonst, da so gut wie alle Fahrer auf das Dach ihres Fahrzeugs gestiegen sind und sich haben feiern lassen.

Deshalb hat noch über eine Stunde gedauert, bis wir auf der Zielrampe waren, von dem Zeitpunkt als ich die beiden erreicht hatte. Die Zeit haben die beiden aber sehr gut mit Tequilla und Bier überbrücken können. Kurz vor der Zielrampe haben wir noch paar Kinder auf der Motorhaube mitgenommen. Es wurde kurz vorher allerdings nochmal spannend. Damit der Motor beim Stehen nicht zu heiß wird, hat Tim den Motor immer wieder ausgemacht und mit jedem Mal ließ sich der Motor immer schwerer anlassen. Nach dem Zieleinlauf wurde das Auto einfach irgendwo abgestellt und lies sich dann später überhaupt nicht mehr starten. Das war dann wirklich einfach nur Glück!

Nicht nur der Motor, sondern auch die Reifen vom schwarzen Mustang hätten es keinen Tag länger gemacht

Endlich am Ziel angekommen: Manuel Pabst und Jochen Mass

Auch am endlich am Ziel angekommen: Die erste von zahlreichen Umarmungen zwischen den beiden

Danach wurde nur noch gefeiert, es gab unendlich viele Bierduschen. Die Erleichterung und Freude war wirklich bei allen so groß, dass man diese harten sieben Etappen geschafft hat. Jeder hat jeden umarmt und man sich gegenseitig bei den anderen bedankt. Die Platzierungen und Zeiten waren eher zweitrangig. Es war einfach alles sehr emotional und ich habe einige gestande Männer gesehen, die vor Freude Tränen in den Augen hatten, so auch Tim Mälzer! Er meinte, dass er schon viel erlebt hätte, aber sowas geiles noch nicht!

Er hat gleich mal seine Teilnahme für nächstes Jahr angekündigt, ich weiß aber nicht welchen Einfluss der Tequilla bei dieser Ankündigung gespielt hat. Jedenfalls großen Respekt an Tim und Frank, dass sie trotz so viel Pech und Pannen, nie ans aufgeben gedacht und immer weiter gekämpft haben.

Nach der feuchtfröhlichen Feier vor der Kathedrale, mittlerweile war auch die ganze Straße voller Menschen, sind wir kurz ins Hotel um uns schnell fertig zu machen. Es wurde angekündigt, dass wir um 20.30 Uhr mit einem Esel durch die Stadt ziehen würden. Ich konnte mir nicht so wirklich was darunter vorstellen, aber es hörte sich nicht schlecht an. Beim Esel angekommen, spielte eine Band mit Trompete und einer dicken Trommel wirklich geile Musik und die ersten waren schon am tanzen. Der Esel war vollgepackt mit Tequilla in 5 Liter PET-Flaschen und es wurden kleine Schnapstässchen aus Keramik verteilt, die man sich um den Hals hängen konnte.

Nach einer halben Stunde konnten wir dann endlich durch die engen Gassen von Zacatecas. Es war eine Art Prozession und die Stimmung erinnerte mich sehr stark an Karneval. Selbst die Polizisten, die uns begleitet haben, waren ordentlich am trinken. Wir sind bis zu dem Hotel gezogen, wo die Siegerehrung stattfinden sollte. Es war ein Bankett mitten in einer ehemaligen Stierkampfarena. Bis wir was essen konnten hat es lange gedauert, von der eigentlichen Siegerehrung habe ich dann leider nichts mehr mitbekommen, weil wenn ich auch nur paar Minuten länger geblieben wäre, wäre ich einfach am Tisch eingeschlafen.

Die letzten 14 Tage waren nicht gerade von ausreichend viel Schlaf geprägt. Eigentlich hatte ich Manuel gebeten, mir die Platzierung per SMS zu schicken, hat aber nicht gemacht. Ich habe aber eben unten beim Frühstück gehört, dass es einen Pokal für die beiden gegeben hat. Wofür genau erfahre ich dann hoffentlich später. Für unsere beiden Rennanfänger Tim und Frank spielte die Platzierung überhaupt keine Rolle, ihr Credo war es einfach nur in Zacatecas anzukommen.

In wenigen Stunden fliege ich mit einem Teil der Truppe von Zacatecas nach Mexiko City, bevor es dann heute Abend endgültig um kurz vor 21 Uhr Ortszeit wieder Richtung Frankfurt am Main geht. Die anderen verladen heute die Autos in die Container und fahren dann morgen die Servicefahrzeuge nach Mexiko City. Ein endgültiges Fazit gibt es dann später, ich muss erst einmal die letzten 14 Tage sacken lassen, selbst dafür blieb hier nämlich keine Zeit. Da diese Frage bestimmt oft kommen wird zurück bin: Nein, Tim Mälzer hat uns hier nicht für uns bekochen können, auch dafür war einfach keine Zeit da, obwohl er das sehr gerne für uns gemacht hätte! Aber für nächstes Jahr hat er uns das versprochen, mal schauen, ob ich wieder dabei sein kann 😉

Die Gefühle beruhen nicht auf Gegenseitigkeit: Tim liebt sein Auto, das Auto ihn scheinbar nicht.

Zum Schluss wurde es nochmal richtig voll!

Update: Die Endresultate sind jetzt veröffentlicht worden und demnach haben Jochen Mass und Manuel Pabst mit dem weißen Mustang den 11. Platz (von 107) in der Gesamtwertung gemacht. Tim Mälzer und Frank Meyer konnten im sicheren Mittelfeld auf Platz 54. landen.

 

(Alle Fotos mit einer Nikon Coolpix P7100 aufgenommen)

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Über Cihan Boz

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4 Kommentare auf "La Carrera Panamericana: Die letzte Etappe"

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Gast

Herzlichen Glückwunsch an alle Fahrer, die Servieleute und die gesamte Crew – es hat wirklich Spaß gemacht das ganze hier zu verfolgen, anfangs war ich ja etwas skeptisch, aber es war wirklich spannend und interessant.

Es war auch schön, Jochen Mass mal wieder im TV bzw. auf Bildern zu sehen. Dennoch tut mir der Mustang leid, wenn ich sehe, dass er da oben drauf sitzt… 😉

Viele Grüße an das gesamte Team,
Andreas

P.S.: Nissan-Werbung auf einem FORD Mustang??? 😉

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Gast

Es waren tolle und spannende Berichte und ich habe jedes Wort jeden Tag verschlungen.
Großen Respekt an die Fahrer,das Team und die Service-Leute von euch – Ihr habt euch super geschlagen.
Speziellen Dank an Cihan für die viele Arbeit,das war bestimmt Stress pur.

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Gast

wow – das waren ja wohl ein paar coole und abwechselungsreiche Tage!

Danke für die tollen Berichte…

Als ich die Nissanaufkleber gesehen hab fragte ich mich auch, ob so ein altes Datsun Z Modell (Datsun hießen die Autos von Nissan ja früher) nicht auch gut für so nen Oldtimerrennen geeignet gewesen wär – aber ich glaube, die sahen eher sportlich aus und waren nicht so richtig sportlich motorisiert…

Ich find es auf jeden Fall erstaunlich und bemerkenswert, was ihr da geleistet habt und hab bei den vielen technischen Problemen nicht immer geglaubt, dass beide Wagen durchs Ziel rollen…
RESPEKT
🙂
Danke für den Spass
Peter

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Gast

Wirklich klasse Berichterstattung und Gratulation an das gesamte Team!

Waren wirklich spannende Tage, das Verfolgen hat sehr viel Spaß gemacht!

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