La Carrera Panamericana: Die vierte Etappe

Heute konnten wir alle etwas länger schlafen als gewohnt, weil der Start erst um 10 Uhr war. Mehr als fünf Stunden Schlaf taten zur Abwechselung mal allen ganz gut, besonders unseren Mechanikern, denke ich. Beide Autos wurden über Nacht wieder fit gemacht, besonders an dem schwarzen Mustang haben Andy und Hans wohl noch sehr lang gebastelt und die Elektrik teilweise neu verkabelt. Die Mühe hat sich wohl gelohnt, so viel vorweg.

Eine weitere sehr gute Nachricht habe ich heute beim Servicepoint erfahren und mich wirklich gefreut. Die Wertung von der ersten Etappe wurden wohl endlich korrigiert und so sind Jochen und Manuel in unserem weißen Mustang als achter in der Gesamtwertung und ERSTER in der Klasse „Historic C“ in die heutige Etappe gestartet. Wenn das mal nicht geil ist, dann weiß ich es auch nicht! Die Autos vor den beiden in der Gesamtwertung spielen alle Leistungsmäßig in einer anderen Liga, so dass ein achter Platz in der Gesamtwertung umso beachtenswerter ist. Vor allen Dingen muss mal bedenken, dass die beiden bisher nicht immer so schnell fahren konnten, wie sie hätten können, weil die Stoßdämpfer die Kombination aus Jochens Fahrstil und mexikanische Straßenverhältnisse nicht so zu mögen scheinen. Auch heute beklagte sich Jochen Mass nachdem Rennen, dass die Befestigungen für die hinteren Stoßdämpfer den Strapazen der La Carrera Panamericana nicht stand gehalten haben.

Wir sind heute etwas vorgefahren und haben uns nach rund 10 Minuten, bevor die Straße für die erste Speedetappe gesperrt wurde, an die Abzweigung eines Feldweges gestellt, die von einem Sheriff bewacht wurde. Wenige Minuten nach Beginn der Speedetappe haben wir über das Funkgerät des Sheriff gehört, dass bereits gekracht hat. Wir haben uns viel bei gedacht, da hier bei jeder Speedetappe nun mal Unfälle passieren. Bisher kam glücklicherweise niemand ernsthaft zu Schaden.

Der Sheriff als Streckenposten

Als nächstes haben wir uns gewundert, dass die Rennautos alle nur noch langsam fuhren und es raste ein Krankenwagen nachdem anderen die Strecke hoch. Spätestens da wurde uns klar, dass irgendwas schlimmeres passiert sein musste. Da Jochen und Manuel bereits auch an uns vorbei gefahren sind, hatte ich schon gehofft, dass es nicht die beiden getroffen hat. Nach einer Weile haben wir den Sheriff gefragt, ob wir auf die abgesperrte Strecke dürfen, um zu sehen was los ist. Er hat kurz Rücksprache über Funk mit seinem vorgesetzten gehalten und schließlich erlaubte er uns die Auffahrt auf die Strecke. Wenige hundert Meter später haben wir schon die ganzen Rennautos in einer Schlange stehen gesehen, die meisten Piloten waren auch schon ausgestiegen. Wir sind aber noch bis zur nächsten Haltebucht vorgefahren, von wo wir sehen konnten, dass unser weiße Mustang nicht am Unfall beteiligt war. Am Auto habe ich Manuel getroffen, der mir erzählte, dass es wenige hundert Meter vor ihnen einen Frontalzusammenstoß zwischen einem Rennauto und einem entgegen kommenden Fahrzeug gab. In der Tat konnte ich aus der Ferne einen weißen Mustang der Quer auf der Straße stand erkennen. Kameramann Florian und ich sind also zur Unfallstelle, die von den Rettungsfahrzeugen umstellt war. Als wir ankamen wurden gerade die Insassen aus dem normalen Wagen aus dem Wagen geborgen und Transportfähig gemacht. Alle waren drei waren zum Glück noch ansprechbar. Wie man hörte haben die Piloten den Unfall mit eher leichten Verletzungen überstanden, der Überrollkäfig hat stand gehalten und die beiden vermutlich vor schlimmerem bewahrt.

Eigentlich wird bei Speedetappen die Straße komplett abgesperrt, auch für den Gegenverkehr, um genau so solche Unfälle zu vermeiden. Wie die Strecke für das Rennen freigegeben werden konnte, obwohl noch normale Autos auf der Strecke waren, bleibt vielen ein Rätsel. Ich hatte mich jedenfalls schon gewundert, weil ich auch noch entgegenkommende Fahrzeuge gesehen habe, als die Speedetappe bereits lief.

Einer der ersten Autos, die in die Speedetappe gestartet sind. Im Hintergrund ist ein entgegenkommendes Fahrzeug zu sehen.

Krankenwagen auf dem Weg zur Unfallstelle

Wir haben etwas hin- und her diskutiert, auch mit einem dritten Kameramann, ob man sowas filmen sollte und sind zu dem Schlus gekommen, dass es auch zur La Carrera Panamericana gehört und man sowas filmen kann, solange da keine Verletzen mehr liegen. Jochen meinte jedenfalls, wie auch im Video zu hören, die Speedetappe wäre schon abgesagt gewesen bevor die ersten Autos gestartet sind, aber dann bleibt die Frage, warum die Autos trotzdem in einem Zeitabstand von rund 30 Sekunden los geschickt wurden und ob man alle Fahrer ordentlich informiert hat. Ich meine, die Rennfahrer gehen ja alle bewusst ein Risiko ein, wenn sie an so einem Rennen teilnehmen. Wenn aber unbeteiligte Menschen zu Schaden kommen, dann ist das mindestens doppelt so bitter. Ich hoffe, dass alle Opfer den Unfall ohne bleibende Schäden überstehen werden und wünsche an dieser Stelle gute Besserung! Nach diesem Unfall wurden alle Speedetappen bis zum Servicepunkt gestrichen und die Rennautos sind alle im Konvoi direkt zum heutigen Servicepunkt gefahren. Auf dem Weg zum Servicepunkt haben wir uns erst einmal um über 30 km verfahren, weil ich statt auf die Karte zu achten, lieber das Unfallvideo geschnitten habe.

Die langen Autofahrten kann ich dank dem Notebook, den ich von Fujitsu für die Reise gestellt bekommen habe, für produktive Zwecke nutzen 😉

Der Olli musste am Servicepunkt noch kurz was an den Autos schrauben.

Auf dem Weg vom Servicepunkt nach Morelia gab es Kühe zu sehen, die im Sumpf/Wasser grasten. Sowas hätte ich vorher auch nie für möglich gehalten

Nachdem Servicepunkt haben wir eine Abkürzung über die Autobahn genommen (und diesmal ohne uns zu verfahren) und waren in weniger als einer Stunde in Morelia fast am Zieleinlauf angekommen. Wir haben dann aber umgedreht und sind zur der Strecke gefahren, von wo die Autos in den Stadt rein kommen sollten, damit wir sie ins Ziel begleiten können. Wir haben uns also an den Straßenrand gestellt und wenige Minuten später kam auch schon unser weiße Mustang vorbei geschossen. Wir haben die beiden ein Stück begleitet, aber leider wurden alle Rennautos von der Polizei angehalten und wurden zum Zieleinlauf eskortiert. Schien eine Geste der örtlichen Polizei zu sein. Aufgeben wollten wir so schnell nicht, sind also wieder zurück und haben das gleiche mit dem schwarzen Mustang probiert, was auch super geklappt hat. Der Zieleinlauf war wieder an der örtlichen Kathedrale, es war aber weniger los als in den letzten Tagen, könnte damit zusammenhängen, dass heute Montag ist und der Zieleinlauf relativ früh war. War aber trotzdem toll. Bin zu fuß hinter dem schwarzen Mustang durch das Ziel und habe Flyer der Fahrer bzw. des Autos verteilt. Alle Teams haben selbstangefertigte Flyer mit, auf dem meistens das Auto und die Fahrer zu sehen sind. Diese Flyer sind ein sehr begehrtes Gut hier in Mexiko und die Leute reißen es einem aus der Hand, als wären es Geldscheine. Gänsehautstimmung!

Das Interesse an den Fahrern und Autos war auch heute wieder riesig

Kathedrale, wo das große Fest stattfand

Kommen wir zu den Sachen, die bei einem Rennen wirklich zählen: Also Jochen und Manuel hatten wegen den Stoßdämpfer-Problemen heute mit 28:08 Minuten nicht die schnellste Zeit gefahren, aber als ich mir die Zeiten fast am Ziel an der Zeittafel angeschaut habe, konnte die Konkurrenz nicht viel Zeit gut machen, so dass sie sehr wahrscheinlich morgen Früh wieder als ERSTER in ihrer Klasse ins Rennen starten werden. Yeah! Der schwarze Mustang lief heute laut den Piloten Tim und Frank absolut Klasse, so dass die beiden heute auch wieder sichtlich Spaß am Rennfahren hatten, nachdem es die letzten beiden Tage nicht so optimal lief! Tim und Frank waren in der heutigen Wertung überhaupt nicht drin, weshalb ich auch keine Platzierung hier an dieser Stelle nennen kann.

Jochen und Manuel an eine der vielen Ampeln in Morelia

Die morgige Route führt von Morelia nach Guanajuato. Nach fast 450 km und sechs Speedetappen sollte das Ziel erreicht sein.

P.S. Gewinner des heutigen Tippspiels ist Jürgen P.! Glückwunsch!

(Alle Fotos mit einer Nikon Coolpix P7100 aufgenommen)

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8 Kommentare auf "La Carrera Panamericana: Die vierte Etappe"

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Bernd

Hi Cihan,

wieder ma ne super Zusammenfassung des Renntages, auch wenn es doch ein kurzer war.
Endlich fahren die Jungs (zumindest der Weiße) auf dem Ranking wo sie hingehören.
Ich will ein Gesamtsieg sehen, sonst streiche ich Manuel aus meinen Memoiaren…:-)…also bau Druck auf bei den Jungs!

Viel Spass noch

Bernd

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Jens J.

Hoffentlich sind die Leute von dem Unfall schnell wieder auf dem Damm, schon unschön wenn unbeteiligte rein gezogen werden.

Top das beide Mustangs soweit laufen!

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Peter

Das da noch normale Autos unterwegs sind spricht ja für ne gewisse mexikanische Gelassenheit bei den Veranstaltern – ich drück den Verunglückten die Daumen für ne schnelle und komplette Genesung – hoffentlich kümmert sich der Veranstalter wenigstens um ne optimale medizinische Versorgung!

Und euren beiden Teams drück ich natürlich weiter die Daumen und hoffe, dass eure Mechaniker Crew nicht mehr permanent so viel zu tun hat und es nun problemlos weiter Richtung Ziel geht.
Werdet ihr eigentlich von Tim auch essenstechnisch mal verwöhnt oder konzentriert er sich voll aufs fahren – bei den bisherigen Platzierungen sieht das ja so aus!

Viel Spaß

Peter

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Peter

Hi Cihan,
pausiert das panamericana Gewinnspiel heute?

Dann geh ich wieder geocachen 😉
Auch wenn es nicht so spannend wie ein Rennen quer durch Mexico ist… 🙂

Gruß
Peter

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Andy

Echt spannender Bericht – zum Glück ist nochmal alles gut gegangen.
Ich denke da ist noch einiges offen… wo liegt eigentlich der Porsche im Gesamtfeld?

MfG Andy

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Jürgen P.

Hallo,
Ich verfolge täglich euren Bericht über die La Carrera Panamericana 2011. Und muss erstmal sagen: Respekt für die Strapazen die Ihr da auf euch nehmt-ist sicher nicht ganz einfach. Die beiden Mustangs finde Ich ein Traum -einfach schön.

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