Lesertest: Netgear Orbi Mesh WiFi System

Vor kurzem haben wir uns in einem Test das Netgear Orbi Mesh System angesehen und einige Geräte unter euch verlost. Jörg war einer der glücklichen Gewinner und offenbar so froh über den Gewinn, dass er für uns und euch gleich einen ganzen Test geschrieben hat. Viel Spaß beim Lesen!

Am 26. Juli diesen Jahres veröffentlichte notebooksbilliger.de auf ihrem Blog einen Test über das neue Orbi MESH System von Netgear. Im Anschluss an diesen Bericht konnte man einen Kommentar hinterlassen, wenn man Interesse hatte, dieses System ebenfalls zu testen. Ich habe dort meinen Kommentar hinterlassen – aus Gründen, die sich später noch zeigen werden, hatte ich durchaus Interesse, mal ein Mesh System zu testen – hatte die Sache danach aber schon fast wieder vergessen und war in den Urlaub gefahren.

Nach der Rückkehr aus dem Urlaub fand ich dann in meinem Postfach eine Mail von notebooksbilliger.de, dass ich bei der Verlosung des Testsystems gewonnen hätte. Man bräuchte noch meine Postadresse, dann würde man mir das Testsystem zuschicken. Die Übermittlung der Versandadresse war schnell erledigt, wenige Tage später war das System dann bei mir.

Ich hatte mich beworben für ein Gerät des Typs RBK 40, also für das „mittlere“ System. Dieses Gerät habe ich auch zum Testen erhalten.

Die technischen Daten des RBK40 noch einmal in aller Kürze (der Einfachheit halber habe ich sie aus dem Testbericht von notebooksbilliger.de übernommen):

  • WLAN Standard(s): 802.11ac, 802.11n, 802.11a, 802.11b/g,
  • WLAN Übertragungsraten:
    • Gesamtdatenrate: bis zu 2.200 Mbit/s
    • Datenrate 2.4 GHz: bis zu 400 Mbit/s
    • Datenrate 5 GHz: 2x bis zu 866 Mbit/s
  • Reichweite: bis zu 250 m²
  • WLAN Technologie: WLAN Mesh
  • Verschlüsselung: WPA/WPA2, WPA-PSK/WPA2-PSK
  • Anschlüsse Gesamt: 7x Gbit LAN, 1x Gbit WAN
    • Davon am Router: 3x Gbit LAN, 1x Gbit WAN
    • Davon am Satelliten: 4x Gbit LAN

Ausgangssituation

Der Internetzugang bei uns wird – wie wohl in vielen anderen Haushalten auch – über eine FRITZ!Box hergestellt. Dieselbe FRITZ!Box stellt unter anderem auch das WLAN im Haus zur Verfügung. Das ist aus verschiedenen Gründen nicht wirklich optimal, so befindet sich die FRITZ!Box auf dem Dachboden des Hauses, montiert an einer doppeltgemauerten Wand. Alleine diese Wand schottet das Signal schon für die hinter der Wand gelegenen Bereiche deutlich ab, auch ist die Montage auf dem Dachboden problematisch für den WLAN Empfang im Erdgeschoss und im Keller. Auch ist die gesamte Wohnfläche, die sich auf zwei Wohneinheiten verteilt, mit etwa 350 m² eigentlich zu groß für eine WLAN Versorgung mit nur einer FRITZ!Box. Desweiteren ist es gewünscht, dass zwei separate Garagengebäude und ein Geräteschuppen auch mit WLAN versorgt werden. Die bisher genutzte FRITZ!Box hat daher ihre Leistungsgrenze – die Verwendung von Repeatern oder ähnlichem ist bisher nicht erfolgt – erreicht.

Der Wunsch nach Performancesteigerungen war bei uns nicht hauptursächlich für den Wunsch, ein Mesh System zu testen. Performanceprobleme in den Bereichen, in denen der WLAN Empfang gesichert war, traten bei uns bisher nicht auf, das Problem war mehr die WLAN Abdeckung des gesamten Objektes. Übertragungsintensive Anwendungen wie Videostreaming o. ä. werden bei uns derzeit so gut wie gar nicht genutzt.

Verpackung/ Erster Eindruck

Das System wird in einem Karton geliefert, der für PC-Komponenten schon fast aufwändig und „edel“ erscheint. Der obere Teil des Kartons ist abnehmbar, das Innere sehr aufgeräumt und sauber aufgeteilt. Router und Satellit liegen jeweils in einer eigenen „Schale“, die Kabel sind in einem weiteren kleinen Karton untergebracht, auch hier sind Netzwerkkabel und die beiden Netzteile einzeln verpackt.

Router und Satellit sind aus weißem Kunststoff, die Oberfläche ist matt. Design und Farbe sind Geschmackssache – durch die weiße Farbe sollte es aber möglich sein, sie recht unauffällig zu stellen und optisch „verschwinden“ zu lassen. Die Geräte haben beide in etwa die gleiche Größe und lassen sich (jedenfalls von mir) recht gut mit einer Hand fassen – die etwas matte Oberfläche verhindert dabei ein „Rutschen“ in der Hand. Der Router hat eine blaue Kappe, der Satellit eine weiße. Auf der weißen Oberfläche verfügen sie lediglich über ein „orbi“-Branding, das aber nicht besonders auffällig ist.
Beide Geräte verfügen über vier Gummifüße, auf denen sie sicher stehen und sich nicht so einfach verschieben lassen. Nimmt man die Geräte in die Hand, war ich erstmal erstaunt, wie schwer sie doch für Kunststoff-Geräte waren – man hat schon etwas in der Hand. Es klappert nichts, die Verarbeitung ist in Ordnung.

Das „Anschlusspanel“ beider Geräte ist fast identisch. Ein Sync-Schalter, ein Power-Schalter (der aber, da die Geräte externe Steckernetzteile haben, nur eine Alibi-Funktion hat), der Anschluss für das Netzteil. Ein Reset-Knopf und vier Netzwerkanschlüsse – wobei beim Router (hier abgebildet) natürlich nur drei effektiv nutzbar sind, weil der vierte (der gelbe) zum Anschluss an das Modem benötigt wird.

Inbetriebnahme

Möglich ist die Erstinstallation per App oder per Webbrowser. Ich habe mich für die „Old-School“-Installation entschieden und den Weg per Webbrowser gewählt. Apps auf dem Handy/ dem Tablet sind ja ganz nett für bestimmte Funktionen – aber bei der Inbetriebnahme/ Installation von Hardware bevorzuge ich doch den „konventionellen“ Weg über den Computer.

Hinsichtlich der Aufstellung der beiden Geräte habe ich mich entschieden, nicht auf eine „Vergleichbarkeit“ mit der Fritz!Box zu achten, sondern zu versuchen, eine optimale Platzierung im Haus zu erreichen. Das ist u.a. deswegen unproblematisch möglich, weil wir einige Netzwerk-Kabel  im Haus liegen haben, ich das Orbi-System also auch gut per Kabel mit der Fritz!Box verbinden kann.

Die Inbetriebnahme der „Hardware“ geht schnell. Router aufstellen, Netzwerkkabel in die Netzwerksteckdose, Stromkabel ins die Steckdose, läuft. Das obere Licht des Routers blinkt ein bißchen, leuchtet dann konstant weiß. Dann mit dem Satelliten zum Aufstellungsort gegangen, Stromkabel in die Steckdose, Satellit hinstellen. Das obere Licht blinkt ein bißchen weiß, dann leuchtet es sattblau. Router und Satellit haben sich miteinander verbunden.

Die Software-Inbetriebnahme gestaltete sich etwas schwieriger. Ein erster Verbindungsversuch mit dem stationären Rechner scheiterte. Der direkte Aufruf der IP-Nummer des Orbi-Routers führte zu einem TimeOut, ich konnte auf dem LAN-Weg über die Fritz!Box keine Verbindung herstellen (übrigens gelang es mir auch später nicht, über die Fritz!Box eine Verbindung zum Orbi-Router herzustellen, selbst nach Aktivierung der Fernsteuerfunktion in der Orbi-Software).
Also habe ich ein Notebook aufgebaut und dieses in das Orbi-WLAN eingeklinkt. Damit funktionierte dann die Anmeldung via orbilogin.com, so dass es mit der Einrichtung losgehen konnte. Nach Einrichtung von Admin-Zugang (das Admin-Passwort muss neu gesetzt werden – wobei es vielleicht auch schön gewesen wäre, wenn man den „Namen“ des Admin-Accounts hätte ändern können; so weiß jeder, dass der „admin“ heißt) und Netzwerkschlüssel (der Netzwerkschlüssel muss übrigens nicht geändert werden – es funktioniert auch, wenn man den werkseitig eingestellten Schlüssel beibehält) wollte das System erstmal ein Firmware-Update für Router und Satellit durchführen. Danach war die Einrichtung des Systems beendet. Ich habe mich das erste Mal in das System eingeloggt.
Nun ja … die Benutzeroberfläche ist eher schlicht. Es stehen zwei verschiedene Ansichten zur Verfügung – EINFACH und ERWEITERT.

Das auf der einfachen Ansicht auf der Startseite das Passwort in Klarsicht zu lesen ist, ist – finde ich – unnötig. Dass es „durchläuft“, weil der Anzeigeplatz nicht ausreicht, finde ich schon ärgerlich und einen „Designfehler“. Ansonsten gibt es in der einfachen Ansicht u.a. eine Übersicht der angeschlossenen Geräte (z.B. einen Satelliten, welch Wunder), die Möglichkeit, ein Gastnetzwerk einzurichten oder Kindersicherungen einzurichten sowie die Einstellungen des WLAN zu ändern (SSID und Passwort). In der erweiterten Ansicht gibt es wesentlich mehr Möglichkeiten – u.a. kann man einen VPN-Service konfigurieren, DynDNS-Dienste verwenden, Portweiterleitungen einrichten, sich die Datenvolumina anzeigen lassen.
Ich gehe davon aus, dass man „in der Praxis“ die Konfigurationsseiten des Systems nicht mehr sonderlich oft anfassen wird – von daher: Sei es, wie es sei.

Leistung

Die Internetverbindung bei uns wird über eine aktuelle Fritz!Box hergestellt. Provider ist die Telekom mit einem Downstream von ca. 25 Mbit/sek., der Upstream liegt – typisch für die DSL-Tarife verschiedener Anbieter – deutlich darunter. Performanceprobleme bestehen bei uns bisher nicht, da wir sehr datenintensive Nutzungen wie Streamingdienste nicht bis sehr selten nutzen. Unser Problem ist vielmehr die WLAN-Abdeckung in unserem recht großen Haus mit zwei Wohneinheiten und anschließendem Garten, der aber teilweise auch mit einem Netzwerk abgedeckt werden soll.

Obwohl die Performance nicht unser Hauptaugenmerk sein soll, habe ich doch an mehreren – für uns interessanten und für die Gesamtabdeckung wichtigen Punkten – die Download-Geschwindigkeit gemessen … als Indikator dafür, wie gut und stabil das WLAN an diesen Punkten ist. Upstream und Ping lasse ich mal unberücksichtigt.

Referenzpunkt dürfte der Messpunkt eins sein, der sich eine Etage direkt unter der Fritz!Box und ziemlich genau zwischen den beiden Orbi-Geräten befindet.
Fritz!Box: 17,88 Mbit/sec
Orbi: 24Mbit/ Sec
(Das Bild ist insofern identisch bei verschiedenen Mess-Standorten im OG).

Standort 2 (Frontseite Haus, EG)
Fritz!Box: 0,19 Mbit/sec
Orbi: 10,72 Mbit/sec

Standort 3 (Hinterseite Haus, EG)
Fritz!Box: kein Empfang
Orbi: 24,05 Mbit/sec

Standort 4 (Hausseite, EG)
Fritz!Box: 0,51 Mbit/ sec
Orbi: 23,81 Mbit/sec

Standort 56 (Keller)
Fritz!Box: 1 Mbit/ Sec
Orbi: kein Empfang

Vergleicht man die verschiedenen Messungen, stellt man zunächst fest, dass das Orbi-System selbst unter für die Fritz!Box nahezu optimalen Bedingungen eine erhebliche bessere Verbindung aufbaut. Das ändert sich auch im gesamten Obergeschoss des Hauses nicht – verzichtet habe ich auf eine Messung direkt an der Fritz!Box auf dem Dachboden, weil dieser Punkt nicht praxisrelevant ist.

Die Erdgeschoss-Messungen jeweils an den Hausseiten sind ebenfalls ziemlich eindeutig. Die Fritz!Box schafft es faktisch nicht, hier ein brauchbares WLAN aufzubauen. Die Betondecke zwischen OG und EG dämpft vermutlich einfach zu stark. Das Orbi-System bringt an der Frontseite, wo die beiden Orbi-Geräte recht weit entfernt stehen, etwa 10Mbit, an den beiden Seiten, die näher an den Sendern stehen, fast volle Leistung. Hier geht die Abdeckung auch bis weit in den Garten hinein, auch die angesprochenen Gartenschuppen werden erreicht, allerdings mit einem deutlichen Leistungsabfall.
Einen youtube-Stream habe ich auf dem Tablet laufen lassen und bin einmal quer durch das Untergeschoss gelaufen, letztlich von einem Standort direkt unter dem Satelliten zu einem Standort direkt unter dem Router. Das muss eigentlich zu einem Wechsel des Meshpoints geführt haben – bemerkt habe ich das nicht. Der Stream lief absolut flüssig.

Im Keller liefern beide Systeme de facto kein WLAN – die zweite massive Decke durchdringt keines der beiden Systeme.

Fazit

Das Orbi-System baut ein sehr gutes WLAN auf, das sich über das ganze Haus erstreckt. Es deckt wesentlich größere Bereiche des Hauses ab als die Fritz!Box und liefert auch einen besseren Downstream als die Fritz!Box in den Bereichen, in denen beide Empfang haben. Der Wechsel des Meshpoints schien jedenfalls bei mir glatt zu laufen und keine Probleme zu machen.

Aus meiner Sicht gibt es daher erstmal eine klare Kaufempfehlung für Leute, die eine schwierige WLAN-Situation haben und sich ohne Verlegen von Kabeln einen besseren Empfang verschaffen wollen  und größere Bereiche eines Hauses/ einer Wohnung abdecken wollen (oder müssen). Aufbau, Installation und Inbetriebnahme gingen weitgehend unproblematisch (wenn man anderen Testberichten glaubt, dann ist die Inbetriebnahme per App wohl noch einfacher als die Browservariante, die ich gewählt habe) – die WLAN-Geschwindigkeit  ist, gemessen an meiner Internet-Anbindung, sehr gut.

Allerdings sollte man auch berücksichtigen, dass der Vergleich Fritz!Box vs.  Netgear Orbi Mesh kein fairer Vergleich ist, sondern ein bißchen Äpfel und Birnen verglichen werden.
Wir haben auf der einen Seite das „Multifunktionsgerät“ Fritz!Box, quasi eine eierlegende Wollmilchsau, die Modem, Router, WLAN-Basis, DECT-Basis, Anrufbeantworter, NAS und ggfs. – via USB-Anschluss – noch Druckerserver ist – für einen Preis von 195,- Euro (bei notebooksbilliger.de). Auf der anderen Seite steht das hochspezialisierte Netgear Orbi Mesh-System, das letztlich ein tolles WLAN aufbaut, aber nicht ansatzweise an den Funktionsumfang der Fritz!Box herankommt, dabei aber 345,- Euro kostet (notebooksbilliger.de).
Ich denke, vergleichbarer wäre ein Test, wenn man für die Preisdifferenz von ca. 150,- Euro die Fritz!Box mit zwei Repeatern (z.B. 2x der AVM 1750E, zusammen für 150,- Euro bei notebooksbilliger.de) ergänzen würde und dann, wenn in absehbarer Zeit in das Fritz!OS die Mesh-Funktionalität integriert wird, nochmal testet.

Zum Schluss möchte ich mich bei NetGear und notebooksbilliger bedanken, dass sie mir das Testsystem zur Verfügung gestellt haben!

Disclaimer: Alle Aussagen in diesem Beitrag sind ausschließlich Jörgs Ansichten. notebooksbilliger.de und Netgear haben zu keinem Zeitpunkt Einfluss auf den Inhalt des Textes genommen.

➦ Orbi RBK 40 notebooksbilliger.de
Dieser Beitrag wurde unter Aktion/Gewinnspiel, Kurztest abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse einen Kommentar

1 Kommentar auf "Lesertest: Netgear Orbi Mesh WiFi System"

Benachrichtige mich zu:
avatar
avatar
Gast

Ein sehr ausführlicher Lesertest der so manchem Tests eines Redakteurs gleich kommt.
TOP!

wpDiscuz