Nokia Lumia 920 & Windows Phone 8 Hands-On

Die neuen Nokia Lumia Smartphones hatten wir euch ja bereits vorgestellt. Zum damaligen Zeitpunkt durften die Geräte zwar angefasst werden, da Windows Phone 8 aber noch nicht veröffentlicht war, durfte die Software noch nicht genutzt werden. Wir sahen daher nur den Homescreen.

Die technischen Daten und das Design sind ja bereits hinlänglich bekannt, daher will ich mich in diesem Beitrag eher auf die Softwareseite konzentrieren – denn auch dort hat sich einiges getan. Die Kamera konnte ich nun etwas genauer testen, damit habe ich für euch ein paar Fotos und Videos gemacht.

Wo fangen wir an? Am besten bei dem, was für die meisten Nutzer am wichtigsten ist:

Apps:

Bei den Apps fängt man nicht bei Null an, sondern alle Windows 7 Apps sind auch direkt für WP8 verfügbar. Zum Start stehen daher knapp 120.000 Apps bereit – darunter auch 43 der 50 beliebtesten iOS und Android Apps.
Um das Angebot stetig weiter auszubauen wird eng mit den Entwicklern zusammengearbeitet. Zusätzlich dazu, arbeiten Nokia und Microsoft mit der Aalto Universität in Finnland an einem Projekt zu „Fusion of engineering, Business and Design“. Damit sollen die zukünftigen Entwickler bestmöglich ausgebildet werden.
Hinzu kommt, dass Windows 8/RT und Windows Phone 8 Apps auf der gleichen Basis programmiert werden können – somit ist es ohne weiteres möglich, eine App für alle drei Plattformen zu erstellen.
Ich denke, dass die App Auswahl über kurz oder lang noch deutlich steigen wird und dann wirklich für jeden die passende App dabei sein wird.

Kamera:

Die Kamera ist natürlich ein Herzstück der Lumia-Reihe. Insbesondere das Lumia 920, welches mit der Pureview Kameratechnik ausgerüstet ist, ist interessant. Hierzu sind extra zwei Mitarbeiter von Carl Zeiss angereist um die Technik zu erläutern. Die genauen technischen Daten würden aber den Rahmen des Beitrags sprengen. Für diejenigen, die sich ein ungefähres Bild vom Linsenaufbau machen wollen, habe ich hier ein Foto aus der Präsentation zur Kamera. Leider ist es nicht besonders gut, aber ich hoffe, ihr erkennt es trotzdem.

Aufbau Lumia 920 Linse

Die Kamera hat auf jeden Fall zwei generelle Highlights. Der OIS, der optische Bildstabilisator, ist bisher einmalig in einem Smartphone und sorgt dafür, dass Fotos und Videos sowohl bei Bewegung, als auch bei langen Belichtungszeiten scharf werden. Einen Vergleich habe ich natürlich auch angestellt.

Vergleich „Dunkelkammer“ – Links Sony Xperia S, Rechts Lumia 920

Links Sony Xperia S, rechts Lumia 920

Und weil Vergleiche so schön sind, hier noch ein Vergleich bei der Videoaufnahme. Passenderweise mit Gegenlicht. Beide Geräte habe ich ungefähr auf Kopfhöhe nebeneinander gehalten, so dass man Verwackelungen etc. schnell erkennen sollte.

Das Zweite sind die so genannten „Lenses“. Das sind Kamera-Apps, wie Beispielsweise Instagram. Klingt nicht wie etwas Besonderes, allerdings ist das Besondere an den Lenses, dass die Apps direkt in die eigentliche Kamera App integriert werden – man braucht also nicht jede App einzeln auf den Homescreen legen, sondern kann ganz bequem in der Kamera-App auswählen.

Die Foto und Videoqualität des Lumia 920 haben mich auf jeden Fall überzeugt. Natürlich  kann man nicht die Qualität einer Spiegelreflexkamera erwarten, aber für eine Kamera in einem Smartphone sind es hervorragende Ergebnisse. Für Schnappschüsse und gelegentliche Fotos reicht die Kamera definitiv und man kann die Kompaktknippse getrost zuhause lassen.

Displayvergleich, aufgenommen mit Lumia 920

Ortsbasierte Dienste

Nokia hat sich seit einiger Zeit das „where“ also das „wo“ auf die Fahnen geschrieben. Das bedeutet, dass einer der großen Fokuspunkte ortsbasierte Dienste, wie die Navigation per Auto, zu Fuß oder mit dem öffentlichen Nahverkehr sind. Die Apps an sich sind schon seit Windows Phone 7 bekannt, wurden jetzt allerdings noch etwas aufgebohrt. Beispielsweise ist das Kartenmaterial komplett offline verfügbar, was im Urlaub oder in Gebieten ohne mobiles Internet eine erhebliche Erleichterung darstellt.
Ein Highlight dabei ist „Nokia CityLens“. Die App ist eine Art „Augemented Reality“ Navigation, die in Worten schwer zu beschreiben ist. Zum Glück gibt es dazu aber ein Video von Nokia (leider nur in Englisch):

Mit dabei sind jetzt auch Indoor Maps – also beispielsweise Lagepläne von Flughäfen.

Natürlich gibt es auch jede Menge Änderungen, die Windows Phone 8 direkt betreffen und auf allen Geräten mit Microsofts mobilem System zu finden sind.

Zum einen wurde der Homescreen runderneuert und man kann nun die Kacheln in verschiedenen Größen besser personalisieren. Auch der Sperrbildschirm kann man nach persönlichen Anforderungen individuell anpassen. Damit sind die wichtigsten Informationen nun auch ohne entsperren des Geräts direkt griffbereit.

Ein für mich auch sehr wichtiger Punkt ist, dass der Zune-Zwang aufgehoben wurde. Zune war eine Synchronisierungssoftware, um z.B. Daten vom PC auf das Smartphone zu bringen. Mit Windows Phone 8 wird diese aber nicht mehr benötigt, da die Geräte einfach als Massenspeicher erkannt werden.

Eine integrierte Backup-Lösung besitzt WP8 nun auch, mit der Einstellungen, Nachrichten und ähnliches einfach über die Cloud gesichert werden können.

Xbox Music ist ebenfalls integriert – manch einer kennt den Dienst bestimmt schon aus Windows 8 oder von der Xbox. Knapp 30 Millionen Titel können darüber kostenfrei gestreamt werden. Um die Titel auch offline verfügbar zu machen, ist aber eine monatliche Gebühr von 10 Euro fällig.

DLNA ist endlich von Hause aus integriert – Musik oder Filme vom Smartphone auf die heimische Anlage oder den Fernseher streamen ist also auch kein Problem mehr.

Für Familien ist sicher auch die Kinderecke interessant. Hier kann ein eigener Bereich z.B. für die Kinder festgelegt werden. Dieser kann ohne PIN-Eingabe nicht verlassen werden und enthält nur Apps, die man selbst dafür freigegeben hat.

Die Firmenkunden erhalten auch einige Sicherheitsfunktionen, beispielsweise einen Safeboot (verschlüsselter Startvorgang) und Funktionen, um das gesamte Gerät auch per Remote zu verwalten oder gar komplett zu formatieren. Das Office Paket synct zudem automatisch mit einem ggf. vorhandenen Exchange Server.

Allesamt sind dies spannende Neuerungen, die ich in der Kürze der Zeit leider nicht alle selbst ausprobieren konnte. Ein abschließendes Urteil kann ich daher noch nicht fällen.

Natürlich gibt es auch ein paar Punkte die mir nicht so gut gefallen haben. So ist z.B. die Farbauswahl der Kacheln, auch Tile genannt, weiterhin auf die vorgegebenen Farben begrenzt – warum man hier nicht einfach eine beliebige Farbe festlegen kann, verstehe ich nicht. Auch können die Kacheln weiterhin nur einheitlich gefärbt werden, sprich alle haben die gleiche Farbe – es sei denn, der Entwickler hat die Kachel zur App auf eine Farbe festgelegt. Dann lässt sich diese auch nicht ändern.
Einige Einstellungen, wie WLAN oder Blutooth aktivieren/deaktivieren sind auch nur vergleichsweise umständlich über die Einstellungen zu erreichen. Das kann Android dank Energy Widgets oder der Energieverwaltung über die Statusbar besser.
Designtechnisch ist Windows Phone nach wie vor konsequent, leider vereinzelt auf kosten der Lesbarkeit. So sind Überschriften bei Apps mit langem Namen zum Teil einfach abgeschnitten. Dieser Punkt wurde leider 1:1 aus Windows Phone 7 übernommen.

Insgesamt gefallen mir die Änderungen und die neue Windows Phone Version aber, so dass ich sehr gespannt auf einen ausgiebigen Test bin und drücke Nokia die Daumen, dass aus dieser Hardware- und Softwarekombination das Comeback des Jahres wird.

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3 Kommentare auf "Nokia Lumia 920 & Windows Phone 8 Hands-On"

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Gast
Mo

Hat das HTC 8X auch die Nokia Dienste?

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Gast
Nook

Schaut Euch doch bitte mal den Kalender an. In WP7.5 gab es in der Monatsansicht keine Vorschau – bei der Terminplanung hieß es also Tag öffnen, reingucken, zurück zur Monatsansicht, nächsten Tag öffnen usw. – Ist das mit WP8 besser geworden? Vielleicht kann man ja sogar (ggf. im Querformat) im Monatskalender endlich die Minischrift entziffern?

Und noch eins: Wie sieht’s mit personalisierten SMS- und Email-Tönen aus?

Danke, und weiter so!

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