Motorola RAZR im Test

Der liebe Kollege Hannes hatte die Möglichkeit, sich das Motorola RAZR anzuschauen. Ich bat ihn, für euch seine persönliche Meinung einmal schriftlich festzuhalten. Hier ist sein Text:

Carsten hatte ja kürzlich das Motorola RAZR zum Test erhalten. Da er selbst aktuell einen Langzeittest über das iPhone 4s in der Mache hatte, konnte er verständlicherweise nicht parallel das RAZR testen. Also hat er es mir netterweise zum längeren Test zukommen lassen, da ich ihm gegenüber schon vorher erwähnte, dass ich das RAZR gern mal live sehen würde. Gesagt getan, ich habe es eine knappe Woche im täglichen Einsatz getestet. Das Ergebnis findet Ihr nun hier.

Design/Verarbeitung:

Schon beim Auspacken und ersten Anfassen fällt auf, dass Motorola hier wieder sehr viel Wert auf die Verarbeitung und das Design gelegt hat. Nichts klappert, knarzt oder wackelt – wie auch, es gibt ja keinen Akkudeckel da der Akku fest eingebaut ist. Dafür ein kleiner Minuspunkt. Dafür weiss das Design zu gefallen und es fühlt sich durch die Kevlar Rückseite sehr wertig an. Fotos und Videos hatte Carsten hier ja schon verbloggt, daher hab ich mir die an dieser Stelle gespart.

Haptik:

Beim ersten anfassen hat man noch ein gewisses “wow-Gefühl”, leider vergeht dieses Gefühl nach kurzer Zeit wieder. Das RAZR ist schlicht zu groß geraten, um es bequem mit einer Hand bedienen zu können. Ich habe schon recht große Hände, dennoch braucht es teilweise abstrakte Verrenkungen, um an die unteren Menütasten zu kommen. Oft muss man auch umgreifen, um an bestimmte Punkte des Displays zu kommen.
Ein Pluspunkt ist aber die Wölbung auf der Rückseite, in der Kamera, Lautsprecher und der Klinkenanschluss untergebracht sind. Man kann z.B. bei lesen von Texten oder auch beim telefonieren diese Wölbung als “Halterung” nutzen, damit das Gerät nicht aus der Hand rutscht.

Display:

Auf das Display hatte ich mich besonders gefreut. 4,3”, Super-AMOLED Advanced ( was auch immer das advanced bedeutet) und eine hohe Auflösung. Klingt perfekt.
Leider ist dem nicht so. Die Auflösung bzw. die Pixeldichte ist einfach zu gering. Sobald man genauer hinsieht sticht einem die grobe Auflösung ins Auge. Und hat man die einmal bemerkt, kann man es leider kaum noch übersehen. Besonders bei weißem Hintergrund oder kleiner Schrift fällt es sofort auf. Texte können z.B. im GReader nicht mehr in Normalgröße gelesen werden, da die Schrift unscharf wirkt und es auf Dauer einfach keinen Spaß mehr macht zu lesen. Zoomt man den Text heran, wird er scharf und gut lesbar – dafür scrollt man umso mehr. Auch fällt bei weißem Hintergrund auf, dass das Display zu einem Gelbstich neigt.

Auch die Farben des Displays können mich nicht überzeugen. Sie wirken einfach unnatürlich grell und viel zu übersättigt. Auch ein Vergleich mit dem iPhone-Display hat es bestätigt, dass die Farben alles andere als natürlich sind. Ob die Farben gefallen ist natürlich Ansichtssache – mir gefallen sie absolut nicht. Dafür gibt es ein tiefes schwarz, wie es besser kaum geht und sehr gute Kontraste. Der Blickwinkel kann sich auch sehen lassen, ich hatte aus keiner Position Schwierigkeiten mit invertierten Farben oder ähnlichem.

Bedienung/Software:

Kommen wir zum Herzstück und dem Punkt, an dem Motorola leider bislang bei fast keinem Android-Phone wirklich punkten konnte: Der Software und damit der Bedienung des Phones. Die Grundausstattung ist recht dürftig. Eine BILD-App die nicht deinstallierbar ist, zumindest nicht ohne Rooten des Phones. Natürlich sind die Standards wie die Google-Apps mit an Board, ein E-Mail-Client ist dabei und diverse Social-Network-Apps. Ein MP3-Player darf auch nicht fehlen. Die Social Network Apps haben bei mir irgendwie nicht funktioniert. Als ich dort meinen G+ Account einbinden wollte, konnte ich mein bereits auf dem RAZR eingerichtetes Google-Konto nicht auswählen, als ich ein neues anlegen wollte, hieß es dass der Account schon existiert. Bravo! Also gut, Social Network-Apps links liegen gelassen und G+, Tweetdeck etc. einzeln installiert.

Danach E-Mail-Accounts einrichten. Ich habe 2 an der Zahl – der Google Mail-Account war direkt eingerichtet durch die Ersteinrichtung von Android. Also mal fix mein GMX-Konto noch per IMAP eingerichtet. Funktioniert – dachte ich zumindest zuerst. Nach mehreren Stunden wunderte ich mich, dass keine E-Mails kamen und auch keine Benachrichtigungen etc. Also mal nachgesehen. Es waren 8 neue E-Mails da – allesamt als gelesen markiert, ohne dass ich davon wusste, dass die Mails überhaupt da waren. Ich dachte das liegt evtl. an der Ersteinrichtung o.ä. aber Fehlanzeige. Die gesamte Woche musste ich dauernd selbst nachsehen ob neue Mails da sind, da es keinerlei Benachrichtigungen gab und alle Mails sofort als gelesen markiert wurden. Aber um mal etwas positives zu erwähnen: Es gibt einige Gimmicks in der Mail-App die ich praktisch fand. Z.B. kann man Gesten festlegen, um E-Mails zu löschen, als gelesen/ungelesen zu markieren etc. Zur für mich zweitwichtigsten App: dem Musik-Player.

Mit einem Wort: Furchtbar. Absolut unbrauchbar. Weder ist das Erstellen von Playlists möglich, noch gibt es einen Equalizer, am schlimmsten war aber, dass die Wiedergabe teilweise selbständig auf Shuffle umgestellt hat. Das ist bei ca. 400 MP3s etwas nervig, wenn der Player einfach mal beschließt nicht den gewählten Künstler oder das Album zu spielen, sondern wild durch die Library springt. Also direkt erstmal PowerAmp aus dem Market installiert. Einstellungen wie bei meinem Defy eingerichtet und dann den Hörtest gemacht: immer noch nicht das Wahre. Trotz identischer Settings wie auf meinem Defy war die Soundqualität ziemlich mies. Bässe sind schwammig und undifferenziert, Mitten quasi nicht vorhanden und die Höhen fangen schon bei 70% Lautstärke an zu kreischen und zu verzerren. Bei den meisten Liedern waren die Vocals nicht zu verstehen, da die Mitten gefehlt haben. Wer Wert auf guten Sound legt und mehr als die mitgelieferten In-Ears nutzen will, wird hier nicht glücklich. Meine Kopfhörer sind sehr klangneutrale Sennheiser HD215, die das wiedergeben, was eingespielt wird. Hier war es nicht überzeugend. Wirklich schade, da müssen auf jeden Fall noch Updates her, die eventuell den Soundtreiber etwas verbessern, damit auch ein ungetrübtes Hörerlebnis möglich ist.

Auch gibt es einen kleinen Bug bei der Messaging App (SMS/MMS). Ich konnte die ersten 2 Tage keine SMS versenden, aber empfangen. War etwas nervig da ich dadurch jeden, der mir schrieb zurückrufen musste. Nach mehreren Neustarts, SIM raus und wieder rein stecken ging es dann irgendwann.

Leistung:

Die Leistung war wie für einen Dual-Core zu erwarten durchgehend sehr gut. Selbst komplexere Spiele laden sehr schnell und laufen durchgehend flüssig.
Auch sämtliche Anwendungen und die Menüs laufen stets flüssig ohne spürbare Verzögerungen. Die einzige App die beim Scrollen Ruckler erzeugte, war Google-Curents. Warum, wieso und weshalb finde ich auch etwas merkwürdig. Hier gibt es also keinen Grund zur Beanstandung. Nur der Systemstart könnte etwas schneller gehen, der dauert – vermutlich – durch die vorinstallierten Apps doch recht lang. Aber wer startet schon sein Smartphone ständig neu? Benchmarks möchte ich hier nicht extra durchlaufen lassen, die Werte sind einfach zu variabel.

Kamera:

Die Kamera habe ich nur gelegentlich genutzt, für Schnappschüsse. Zu mehr taugt sie leider auch nicht. Bei schlechten Lichtverhältnissen oder Kunstlicht bekommen die Fotos einen seltsamen Grünstich und werden ziemlich unscharf. Bei Tageslicht sind die Fotos aber durchaus brauchbar. Videos habe ich auch ein paar gemacht. Die Qualität geht in Ordnung für eine Handy-Kamera und liegt für mein Empfinden im groben Mittelfeld. Allerdings auch hier sehr stark von den Lichtverhältnissen abhängig.

Akkulaufzeit:

Ich würde mal groß sagen, dass die Akkulaufzeit im Mittelfeld liegt. Knapp einen Tag hat es durchgehalten, wobei ich kein Poweruser bin, sondern nur gelegentlich E-Mails prüfe, Musik höre und ab und an mal Twitter, G+ etc. abrufe. Dennoch war der Akku am Ende des Arbeitstags immer unter 15% Restkapazität – dabei hat es mehr als die Hälfte der Zeit nur im Standby auf dem Tisch gelegen. Wenn man abends spontan noch was unternehmen möchte, sollte man zwischendurch eine Steckdose aufsuchen damit es nicht zwischendurch schlapp macht.

Fazit:

Insgesamt bin ich enttäuscht vom RAZR. Ich mag Motorola an sich für Ihre hohe Verarbeitungsqualität, aber die Software bessert sich einfach nicht, was ich sehr schade finde. Mein Defy war mit der Standard-ROM auch fast unbrauchbar, mit Custom-ROM macht es aber einfach nur Spaß und ich liebe es. Ich denke wenn man über das Display hinweg sehen kann, ist das RAZR für Bastler eine Gute Wahl, sobald es die ersten Custom ROMs gibt und die Software-Bugs damit behoben werden. Momentan schmälert aber die Software-Umsetzung den Spaß ziemlich. Auch das sehr groß geratene Gehäuse ist grenzwertig. Für Leute mit riesigen Pranken sicher angenehm, für kleine Frauenhände oder auch “normale” Männerhände aber deutlich zu groß. Ordentlich Pluspunkte sammelt es dafür für die sehr gute Verarbeitung und das ansehnliche Gehäuse.
Ich muss gestehen, dass ich froh war, als der Test beendet war und ich wieder mein Defy in der Hand hatte.

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8 Kommentare auf "Motorola RAZR im Test"

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Danke für den Test. Ich dachte, dass dies endlich mal ein gutes Handy von Motorola mit Android wird. Habe hier auch ein Defy, was ich neben einem iPhone 3g pflege. Custom Rom werde ich bei Gelegenheit mal aufspielen, da das Defy netterweise Kontakte und deren Nummern vertauscht/ falsch darstellt. Für mich wäre die Kamera kein Problem, da ich sehr selten Schnappschüsse mache. Schon eher würde mich die Soundausgabe via Kopfhörer stören, da hätte ich auch mehr erwartet. Das Design vom RAZR ist spitze, hatte es noch nicht in der Hand, aber ich habe (ich nehme mal an) normal große Hände,… Read more »
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Hi Denis, ich kann dir nur empfehlen es einfach mal in die Hand zu nehmen und zu testen wie es klappt. Und vor allem wie dir das Display gefällt. Ich hatte auch einigen das RAZR in die Hand gedrückt die das Display super fanden. Ist immer etwas Ansichtssache 🙂 Aber der Sound ist für mich wirklich ein k.o. Kriterium da ich viel Musik höre. Da muss noch einiges passieren – und sei es durch Custom Roms. P.S: MIUI Android aufm DEFY ist einfach nur ein Traum 😉 Dagegen ist die Stock-ROM der reinste Krampf.. glaub mir, mit der aktuellen MIUI… Read more »
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Danke für den Tip Hannes.
Ein Kollege von mir nutzt den cyanogen mod erfolgreich mit dem Defy und das wäre eigtl. meine erste Wahl. Ich warte jedoch erstmal ab, da ich das Defy umtauschen werde, das es leider ein paar Macken out of the box hatte. Zum Jahreswechsel dauert der Umtausch/ Reperatur bei Motorola bestimmt 4 Wochen 🙁

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Na solang es nur Software Macken sind – Custom rüber und gut 🙂 Aber bei Hardware verständlich, muss ja erstmal gefixt werden.
Hatte Cyanogen auch drauf, fand ich aber optisch nicht ganz so schön, da hat MIUI doch etwas mehr zu bieten. Und vor allem ist in der ROM schon ein Voltage Tweak dabei, damit die Leistung besser verteilt wird – längere Akkulaufzeit. Oder mehr leistung, wie man will 😉 Auf 1400MHz liefs stabil, dafür war der akku in 5 stunden leer 😀 Aber die Defy CPU schafft locker 1GHz mit längerer Akkulaufzeit als basistakt und vor allem mit weniger Abwärme.

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Der Vorgänger war doch zum Klappen oder???

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wenn man das Vorgänger nennen will, dann ja 🙂
Die RAZR Serie ist einfach immer die Utra-Slim Baureihe, die besonders Dünn ist.

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Ahh ok danke für deine Erläuterung 😉

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