Motorola VerveOnes M.E. – Kabellose Freiheit?

Mit den VerveOnes von Motorola bzw. Binatone hatten wir bereits komplett kabellose Kopfhörer im Test. Bei der ersten Stereo-Verion von Motorola gab es noch einige Kinderkrankheiten, wie unser Test gezeigt hat. Darauf hat man sich bei Binatone nicht ausgeruht, sondern mit den VerveOnes Music Edition eine neue Version herausgebracht, die in Details verfeinert wurde und vor allem klanglich besser aufspielen sollen. 

Der allererste Eindruck ist dabei wenig überraschend: Die Music Edition hat sich optisch kaum verändert, wenn man von der Farbe absieht. Statt in schwarz kommen sie nun in weiß daher. Das bekannte Batterie- und Transport-Case ist wieder mit dabei, wirkt mechanisch aber etwas verfeinert. Während die erste Version noch etwas klapprig wirkte und man beim Öffnen Kunststoff auf Kunststoff schaben hörte, ist die Mechanik nun etwas runder, verfeinerter.

Auch an den Ohrhörern selbst hat sich mechanisch etwas getan: Die Knöpfe sind leicht geschrumpft, in den Zwischenraum zwischen Gehäuse und Knopf sind die Status-LEDs untergebracht. Die Knöpfe fühlen sich nun auch deutlich wertiger an, das metallische Klicken beim Auslösen ist komplett verschwunden.

Der Lieferumfang ist ansonsten identisch: Ein kurzes USB-Ladekabel, zusätzliche Ohrstücke und etwas Zettelwerk sind neben den Kopfhörern und dem Lade-Case enthalten. Daneben sind die VerveOnes M.E. auch weiterhin nach IP54 gegen Flüssigkeiten geschützt und über die VerveLife App lässt sich der letzte bekannte Standort der Kopfhörer abrufen – basierend darauf, wo und wann die Kopfhörer das letzte Mal mit dem Smartphone verbunden waren.

Seitens der Verarbeitung hat Binatone wie schon erwähnt nachgebessert, an den Kopfhörern selbst hat sich allerdings nicht viel geändert. Sie bestehen weiterhin aus Kunststoff und alle Teile die das Ohr berühren sind mit einer Silikonschicht überzogen. Dadurch sitzen sie bequem und sicher im Ohr.

Nichts geändert hat sich auch bei der Ersteinrichtung. Kopfhörer aus der Ladeschale nehmen, beide Tasten gedrückt halten, bis die LED Blau-Rot (rechts) bzw. Blau (links) blinken, auf dem Smartphone nach den Kopfhörern suchen und verbinden – fertig. Wer will kann jetzt noch die VerveLife App installieren, mit der sich die Kopfhörer im Falle eines Verlusts orten lassen.

Will man die Kopfhörer dann später nach einer Pause oder dem Aufladen wieder mit dem Smartphone verbinden, genügt es nicht wie bei den VerveOnes die Ladeschale zu öffnen und die Kopfhörer zu entnehmen, man muss sich jetzt auch mit kurzem gedrückt halten der Tasten einschalten. Nicht weiter schlimm, muss man aber erstmal wissen. 😉

Den Verbindungsstatus geben die Kopfhörer dann per Sprachausgabe an. Hier gibt es zwei Stufen: „VerveOnes Connected“ bedeutet, dass der rechte Ohrhörer als Master verbunden ist, „VerveOnes linked“ wird angesagt, sobald die beiden Ohrhörer miteinander verbunden sind. Der ganze Verbindungsvorgang dauert ein paar Sekunden, bis dann auch beide Ohrhörer synchronisiert sind.

Passform und Tragekomfort

Für mich der wichtigste Aspekt. Ich habe bei In-Ears regelmäßig Probleme, dass diese nicht richtig sitzen und dadurch entweder zu locker sitzen und herausfallen, oder so fest sitzen, dass sie nach kurzer Zeit drücken. Die VerveOnes sitzen irgendwo dazwischen. Die kleinsten Eartips sitzen ein wenig zu locker und dichten nicht komplett ab, die mittleren dagegen sind etwas zu groß.

Dadurch habe ich immer noch recht viel von meiner Umgebung wahrgenommen und auch das Gefühl, dass sie herausrutschen – auch wenn das nicht der Fall war. Durch die Form halten sie selbst ohne die Eartips fest im Ohr, ein wirkliches Risiko sie bei normaler Nutzung zu verlieren sehe ich daher nicht. Die Passform ist aber natürlich auch sehr subjektiv. Jedes Ohr ist anders, daher hilft hier für eine finale Entscheidung meistens wirklich nur ausprobieren, ob die Kopfhörer sicher sitzen und gut abschirmen. Was ich mir allerdings in der Hinsicht wünschen würde: Passende Comply-Foam Eartips. Der spezielle Schaum passt sich dem Ohr an und sorgt so für optimale Abdichtung und Passform – ähnlich wie bei Ohropax Gehörschützern. Vielleicht liefert Binatone hier bei einer kommenden Generation nach.

Sound

Der wohl wichtigste Aspekt bei Kopfhörern – natürlich. Im Gegensatz zu den VerveOnes+ bietet die Music Edition keinen eigenen Equalizer, man muss sich also mit einer separaten App oder, in meinem Fall, dem Equalizer des Players seiner Wahl behelfen. Genutzt habe ich dafür z.B. Poweramp als Player auf dem Huawei Mate 9 oder Huawei P10. Aber erstmal zur Grundabstimmung. Die orientiert sich am allgemeinen Trend, dass die Höhen etwas beschnitten werden und die Tiefen dafür stärker ausgeprägter sind. Die Mitten wirken dazwischen etwas verloren. Insgesamt ist die Abstimmung aber OK, wer sowieso eher aktuellen Pop, HipHop oder Elektro hört wird an der Voreinstellung nichts ändern wollen. Für mittenlastige Musik wie Rock, Metal, Blues oder gar Klassik kann man sich dann mittels Equalizer behelfen, entsprechende Änderungen nehmen die VerveOnes ME auch gut an.

Insgesamt wirkt der Ton allerdings etwas gedrängt und es entwickelt sich keine richtige Bühne. Auch wirken sie etwas träge und gerade schnelle Songs kommen dadurch dann zu kurz. Audiophile Nutzer dürften hier also wenig Freude haben. Insgesamt ist das aber schon meckern auf einem recht hohen Niveau. Gerade für den gedachten Einsatzzweck – also unterwegs und komplett kabellos Musik hören – ist der Sound definitiv gut genug. Um mich zuhause mit der Lieblingsplatte im Sessel zurückzulehnen, würde ich sie dann aber doch nicht nutzen.

Sprachqualität

Auch ein Mikrofon ist integriert, das neben Telefonaten auch mit Google Now und Siri kompatibel ist. Die Sprachübertragung ist gut, auch der Gegenüber versteht einen sehr gut. So ist dann auch die Sprachsteuerung mittels Google Now und Siri kein Problem. Etwas merkwürdig ist es dennoch, da die Ohren abgedichtet sind. Zumindest ich werde mich wohl nie ans Telefonieren per Headset gewöhnen – zum Glück telefoniere ich generell eher sehr selten. 😉

Akkulaufzeit

Binatone bzw. Motorola versprechen bis zu drei Stunden pro Ladung, über das Case können die Ohrhörer außerdem bis zu 3 Mal nachgeladen werden – insgesamt sollte man damit also um die 9 Stunden erreichen.

Bei mittlerer Lautstärke kam ich im Schnitt auf etwa 2,5 Stunden Laufzeit, bis die Ohrhörer nach der Ladeschale verlangten. Aufladen konnte ich sie dann tatsächlich dreimal, bis die Ladeschale anfing rot zu blinken, um den niedrigen Ladestand zu signalisieren.

Rund zwei bis drei Stunden Laufzeit klingen nicht überragend, in der Praxis reicht es allerdings vollkommen aus. Selten trage ich Kopfhörer derart lange ohne Unterbrechung – und da man sie zum Schutz vor Verlust dann eh besser im Case verstaut, werden sie auch zwischendurch immer wieder geladen. Die gefühlte Laufzeit ist also deutlich höher, als die zwei bis drei Stunden zunächst erscheinen lassen. Ich konnte sie zum Beispiel im Vorfeld des Mobile World Congress in Barcelona den ganzen Tag während meines Standtrundgangs nutzen, ohne dass ich eine Zwangspause zum Aufladen machen musste. Während geführten Touren, in Cafés, oder einfach in den wirklich imposanten Kathedralen Barcelonas nimmt man die Kopfhörer ja eh heraus und verstaut sie währenddessen im Etui.

Fazit

Klanglich gibt es kaum Unterschiede zu den normalen VerveOnes – wenn man vom metallischen klicken der Tasten absieht. 😉 Dafür gibt es eine bessere Verarbeitung, sowohl bei den Ohrhörern, als auch beim Case. Die Farbe ist dann natürlich Geschmackssache – ich würde ja Schwarz weiterhin vorziehen, Weiß dürfte aber sicher auch seine Anhänger finden.

Insgesamt bin ich auch mit der Neuauflage zufrieden, auch wenn das Audioprofil nicht meinen sonstigen Hörgewohnheiten entspricht. Wer zudem keine Probleme mit der Passform hat, findet hier gute kabellose Kopfhörer, die zudem noch günstiger als die Konkurrenz sind.

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