Nvidia GeForce RTX 3090 Ti: Das sagt die Fachwelt zum 450W-Monster

      Nvidia GeForce RTX 3090 Ti: Das sagt die Fachwelt zum 450W-Monster

      Nvidia holt mit der GeForce RTX 3090 Ti die Brechstange heraus und beschert uns eine neue Titan-Grafikkarte – die nur nicht so heißen darf. Wir haben uns angesehen, was die Fachwelt zum stromhungrigen Vollausbau der Ampere-Architektur sagt.

      „Half Life 3 Confirmed“ – denn eine prominentere Brechstange durften wir seit Gordon Freeman wohl nicht mehr bestaunen. Nvidia hatte die GeForce RTX 3090 Ti bereits im Januar zur Computex in die Kamera gehalten und baldige Zusatzinfos versprochen. Doch die kamen nicht. Stattdessen machten sich Gerüchte über weitere Lieferverzögerungen und Produktionsschwierigkeiten des Ampere-Vollausbaus breit.

      Nvidia GeForce RTX 3080 Ti Nvidia GeForce RTX 3090 Nvidia GeForce RTX 3090 Ti
      Architektur Ampere
      Chip GA102-225-A1 GA102-300-A1 GA102-350-A1
      Prozess 8 nm von Samsung
      CUDA-Kerne 10.240 10.496 10.752
      Grafikspeicher 12 GB GDDR6X 24 GB GDDR6X
      Geschwindigkeit 19,0 Gbps 19,5 Gbps 21 Gbps
      TDP 350 Watt 350 Watt 450 Watt

       

      Denn im Gegensatz zu den anderen Geschwistern der RTX-3000er-Serie kommt hier der Vollausbau der Ampere-Architektur zum Einsatz, der bislang nur in der professionellen RTX A6000 verbaut wurde. Auch der Stromanschluss ist ein Novum, denn nach den 12-Pin-Steckern von einigen Founder’s Editions, wird nun ein 16-Pin-Stecker obligatorisch. Dieser versorgt die Karte über ein Kabel theoretisch mit bis zu 600 Watt. Für „klassischere“ Netzteile liegen aber auch drei 8-Pin-Adapter bei.

      Was sagt die Fachpresse nun zu Nvidias neuer Karte?

      Deutsche Pressestimmen

      Die Kollegen von ComputerBase sprechen von einem „Blick in die Zukunft“. Neben noch schnellerem GDDR6X-Speicher, kommt in der 3090 Ti erstmals der neue PCIE-5.0-Stromstecker zum Einsatz. Dieser wird aufgrund der erhöhten Leistungsaufnahme zur Pflicht und – im Gegensatz zu den anderen RTX-3000er-Karten – nun auch in den GPUs von Board-Partnern genutzt.

      Kritisch werden der Preis von mindestens 2250€ und die exorbitante Leistungsaufnahme von 450 Watt (bzw. sogar 516 Watt in der Spitze) gesehen. Während ersterer im Gegensatz zur RTX 3090 als zu hoch eingeschätzt wird, nimmt das letztere den „Blick in die Zukunft“ voraus. Denn laut diversen Gerüchten sollen die kommenden RTX-4000er-GPUs ebenfalls deutlich an der Stromschraube drehen. Bis zu 850W-Leistungsaufnahme könnten hier gerüchteweise auf uns zukommen.

      Im Großen und Ganzen kommt es, wie zu erwarten war: Die RTX 3090 Ti ist die mit Abstand schnellste Grafikkarte für Gamer:innen, die sich ca. 12% vor die RTX 3080 Ti und etwa 6% vor die RTX 3090  schiebt – dabei, im Vergleich zu den beiden, aber annähernd 30% mehr Energie verbraucht.

      EVGA GeForce RTX 3090 K|NGP|N

      Hardware-Experte Igor Wallosek von Igors Lab hält ebenfalls nicht hinter dem Berg und nennt die RTX 3090 Ti in einem Kommentar nach seinem Test gar „ein Fass ohne Boden“. Zwar gibt es ihm zufolge Bereiche, in denen die investierte elektrische Leistung weniger wichtig ist, doch diese haben „mit Gaming jetzt wirklich nichts zu tun“. In seinem Test der RTX 3090 Ti Suprim X landete die 500W-Karte in 4K-Auflösung lediglich 5% vor der „sparsameren“ RTX 3090. In Full-HD-Auflösung waren es sogar nur 2%.

      PC Games Hardware ist hingegen etwas unkritischer und spricht schlichtweg von der RTX 3090 Ti als „extrem schnell, extrem stromdurstig und extrem teuer“. Im gesammelten Performance-Index landet die GPU wieder ca. 5% vor der „normalen“ 3090. Ein systemischer Trend zu warmen und stromfressenden GPUs, der mit der RTX 3090 Ti weiterzugehen scheint, wird hingegen nicht kritisiert. Stattdessen wird vor allem der Sinn als „Vorspiel für die nächste GPU-Generation“ hervorgehoben.

      Golem bemüht ebenfalls das Bild von der Brechstange für Enthusiasten, sieht aber auch den Testballon für zukünftige Generationen. Verglichen wird hier mit der RTX 3080 Ti, gegenüber der sich das neue Topmodell meist zwischen zehn und 15 Prozent absetzen kann. In ausgewählten Titel, wie etwa Cyberpunk oder Dirt 5, waren es aber sogar 18 Prozent.

      Englischsprachige Pressestimmen

      Auch im englischsprachigen Netz mischt sich Enttäuschung zum Stromhunger der GPU mit der Freude über neue Spitzenwerte bei Benchmarks. Die Kollegen von Gamers Nexus halten sich aber wie gewohnt nicht zurück und kritisieren ebenfalls die Leistungsaufnahme. Besondere Sorgen macht sich Steve um kurzzeitige Leistungsspitzen, die viele Netzteile überfordern könnten oder gar zu Systemabstürzen führen können.


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      Immerhin kommen in den gemachten Benchmarks (auch Kreativanwendungen) etwa acht bis zwölf Prozent an Mehrleistung gegenüber dem Non-Ti-Modell zusammen. Außer für seriöse Content-Creators sieht er aber somit keine echte Daseinsberechtigung für die RTX 3090 Ti.

      Anthony von Linus Tech Tips kritisiert, das Watt-Zahlen den GPU-Herstellern zunehmend egal werden. Eine EVGA-Version der RTX 3090 Ti kommt gar mit einem zweiten ATX-Stecker daher, der der Karte bis zu 1200 Watt-Leistungsaufnahme ermöglicht.


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      Insgesamt wird der Existenzsinn der Karte und die allgemeine Richtung, in die sich GPUs entwickeln, kritisch gesehen.

      Jay von JayzTwoCents fragt sich, ob die RTX 3090 Ti nicht vielleicht doch als Verlängerung des Lebenszyklus der 3000er-Serie gelten könnte. Ansonsten sieht er deren Anwendungsfall vor allem für Benchmark-Weltrekorde – aber sonst nicht viel.


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      Er sieht den Hauptgrund für die neue Flaggschiff-GPU vor allem bei AMD: Denn deren Radeon 6900XT kam der RTX 3090 in vielen Benchmarks gefährlich nahe. Nvidia „musste“ also gegensteuern, um die Leistungskrone weiterhin zu behalten.

      Unsere Einschätzung

      In Zeiten stetig steigender Energiepreise (und damit zusammenhängender globaler Krisen) ist der Trend zu immer stromhungrigeren Grafikkarten maximal unschön. Wo sind die Optimierungen auf den Sweet Spot zwischen Performance und Stromverbrauch? Klar, ist die RTX 3090 Ti als angekündigte „Brechstange“ ein schlechtes Beispiel für Effizienz, doch als Werbung für die Ampere-Architektur taugt sie laut den diversen Pressestimmen nur bedingt.

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      Zumindest bei Nvidia wurde in der aktuellen Generation also fast durchgehend an der Stromschraube gedreht, und glaubt man den Gerüchten, so wird sich das fortsetzen. Vielleicht kommt ja Intel zur Hilfe und veröffentlicht bald GPUs, die nicht auch als Heizung doppeln können. AMD hat zumindest in den Konsolen sehr sparsame SoCs verbaut, die trotzdem beeindruckende Grafik auf den Schirm zaubern und auch Apple geht in diese Richtung. Hoffen wir, dass es von Nvidia auch bald wieder eine Effizienz-Alternative geben wird. Die mutmaßliche neue Fertigung bei TSMC sollte das ja prinzipiell ermöglichen.

      Wir sind auf jeden Fall gespannt, wie sich Gaming-Grafikkarten in Zukunft entwickeln werden. Was glaubt ihr? Dreht sich die Stromschraube endlos weiter oder werden effizientere Modelle wieder ein Ding? Schreibt es uns im Kommentarbereich.

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      via: ComputerBase, Igors Lab (1) (2), PCGH, Golem, Linus Tech Tips, Gamers Nexus, JayzTwoCents, nvidia

      Veröffentlicht von Clemens

      Großer Film- und Serien-Fan, der von Antonioni bis Tarkowski (fast) alles gesehen hat, was Kino und Fernsehen hergeben. Durch Super Nintendo und PS1 fand er Mitte der 90er seine Leidenschaft für PC- und Konsolenspiele. Zockt mittlerweile vornehmlich am selbstgebauten Gaming-PC und gelegentlich auch auf der PlayStation.

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