Opera VPN für iOS im Test

Opera VPNDie Softwareschmiede Opera stellt mit der iOS-App Opera VPN eine interessante Funktion zur Verfügung. Mit der kostenfreien App kann man sein Apple iPhone, iPad und iPod via Virtual Private Network mit dem Internet verbinden. Im kurzen Test haben wir Vorteile und Nachteile der App ausgemacht.

Ein Virtual Private Network (VPN) ist ein bewährtes Mittel, um abhörsichere Verbindungen aufzubauen. Besonders gerne setzen es Unternehmen ein, um ihre Standorte mit verschlüsselter Netzwerkinfrastruktur zu verknüpfen. Ein weiteres Nutzungsszenario ist, dass man unabhängig von seinem eigentlichen Aufenthaltsort einen anderen Standort vortäuschen kann. Baut man sich nicht sein eigenes VPN mithilfe seines Routers oder eines Raspberry Pi auf, kann man sich VPN-Dienste mieten. Das ist in der Regel mit hohen monatlichen Kosten verbunden oder, wenn man sich für einen kostenfreien Service entscheidet, in der Performance eingeschränkt. Abhilfe verspricht die kostenfreie iOS-App Opera VPN, die ohne großen Konfigurationsaufwand eine systemweite VPN-Verbindung aufbaut.

Die VPN-Verbindung des norwegischen Software-Studios Opera, das für den gleichnamigen Browser bekannt ist, ist schnell eingerichtet. Hat man sich die App Opera VPN auf Apple iPhone, iPad oder iPod installiert, muss man die Geschäftsbedingungen akzeptieren. Liest man sich die englischsprachigen AGB und die Datenschutzrichtlinie durch, fällt schnell auf, dass der VPN-Dienst nur indirekt mit Opera verknüpft ist. Den VPN-Service selbst bietet das von Opera erworbene kanadische Unternehmen SurfEasy an. Hat man den AGB zugestimmt, muss man mit der Aufzeichnung von übermittelten Daten wie aufgerufenen Webseiten seitens SurfEasy rechnen. Außerdem will die App über Push-Benachrichtigungen Werbung aussenden. Die Freigabe zum Senden von Push-Benachrichtigung scheint aber (noch) kein Zwang zu sein. Während des gesamten Testzeitraums haben wir der App unter iOS die Rechte entzogen und konnten trotzdem den VPN-Service nutzen.

Die App trägt in den iOS-Systemeinstellungen einen IPSec-VPN-Server ein. Der Nutzer muss nicht viel tun, außer der App die Berechtigung dafür zu erteilen, die durch ein iOS-Popup abgefragt wird. Wenige Sekunden später steht auch schon die VPN-Verbindung, was iOS mit dem Schriftzug „VPN “ in der Statusleiste anzeigt. Auch beim Wechsel der Funkanbindung muss der Nutzer nicht aktiv werden. Wechselt man zwischen WLAN und Mobilfunknetz, unterbricht die VPN-Verbindung kurz und steht automatisch nach wenigen Sekunden wieder zur Verfügung. Sind iPhone, iPad oder der iPod gesperrt, ist VPN nach einigen Minuten deaktiviert, schaltet sich aber automatisch wieder ein, sobald das iOS-Device entsperrt ist. Im Sperrzustand eingehende Messenger-Nachrichten, E-Mails oder sonstige Internet-Aktivitäten des iPhones werden also nicht über VPN übertragen.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Opera-kauft-VPN-Entwickler-SurfEasy-2581418.html

In der App Opera VPN kann der Nutzer den virtuellen Standort auswählen. Zur Wahl stehen die nächstgelegene Region, Deutschland, die Niederlande, Kanada, USA und Singapur. Speed-Tests haben ergeben, dass sich die Standortwahl auf die Übertragungsgeschwindigkeiten niederschlägt. Je näher sich der gewählte Standort am tatsächlichen Aufenthaltsort befindet, desto höher fällt die Übertragungsrate aus. An unserem VDSL-Anschluss mit 50 Mbit/s Download und 10 Mbit/s Upload blieben mit aktivem VPN in Deutschland und den Niederlanden den meisten Fällen noch rund 30 Mbit/s übrig. Negativ-Ausschläge mit Umweg über Singapur fielen mit mindestens 4 Mbit/s noch akzeptabel aus. Bei vielen VPN-Anbietern erhält man noch niedrigere Übertragungsraten.

Opera VPN

Außerdem hat die Wahl des virtuellen Standorts entscheidende Auswirkungen auf die Latenz: Im Test haben wir schwankende Ping-Zeiten von 50 bis über 700 Millisekunden festgestellt, was Übertragungsraten in die Länge ziehen kann. Möchte man die Ping-Zeiten mit aktivem Opera VPN so niedrig wie möglich halten, sollte man als virtuellen Standort Deutschland oder die Niederlande auswählen anstatt USA, Kanada oder Singapur. Durch die kürzeren Übertragungswege steigt die Chance, von niedrigen Ping-Zeiten zu profitieren, was die Datenübermittlung beschleunigt.

Die insgesamt schlechtere Performance wirkt sich spürbar auf die Datenübertragung aus, vor allem durch längere Wartezeiten beispielsweise beim Aufbau von Webseiten. Manchmal fehlten Inhalte wie Bilder. Auch unter WhatsApp kam es gelegentlich zu Verbindungsproblemen und Nachrichten wurden nicht verschickt. Zusätzlich zum VPN bietet die Opera App einen Werbeblocker und einen Tracking-Blocker, die standardmäßig aktiv sind und ebenfalls systemweit funktionieren. Während unseres Kurztests haben wir tatsächlich in den meisten Apps keine Werbung angezeigt bekommen.

Opera VPN

Den wahren Vorteil von Opera VPN haben wir schnell gefunden: Es lassen sich Geoblocking-Sperren umgehen. Mit einem virtuellen Standort außerhalb Deutschlands konnten wir YouTube-Videos aufrufen, die in Deutschland aufgrund der schwelenden Auseinandersetzung zwischen Google und der GEMA nicht zugänglich sind. Auch konnten wir ohne Probleme das US-amerikanische Angebot von Netflix nutzen, wo der Anbieter von Video-Streams deutlich mehr Filme und Serien bereitstellt wie in Deutschland.

Fazit

Die iOS-App Opera VPN ermöglicht die unkomplizierte Einrichtung eines VPN-Services. Die VPN-Verbindung arbeitete über den Testzeitraum mit wenigen Ausnahmen überwiegend stabil und schnell. Besonders praktisch: Durch den verlagerten virtuellen Standort kann man Geoblocking-Sperren elegant und ohne großen Aufwand umgehen. Zudem blockt die App effizient Werbung in den meisten Apps. Dafür will Opera VPN selber mit Werbung über Push-Benachrichtigungen die Aufmerksamkeit des Nutzers erheischen. Während unseres Tests konnten wir der App Opera VPN die Erlaubnis verwehren, sodass wir keine Werbung erhalten haben. Möglich, dass die App bald nur noch funktionieren wird, wenn man ihr Push-Benachrichtigungen gestattet. Durch die ausgelagerte VPN-Funktion bleibt bei der Nutzung von Opera VPN immer ein fader Beigeschmack hinsichtlich des Datenschutzes, denn der Anbieter behält sich die Speicherung von Verbindungsdaten vor.

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Über Robert Tischer

Aufgewachsen mit Lego und Nintendo Game Boy eroberte schon bald ein Laptop mit MS-DOS und Windows 3.1 mein Herz und meinen Schreibtisch im Jugendzimmer. Nach einer kurzen Technikrezession sind Schreibtisch und Spielplatz 20 Jahre später auf die Größe eines Wohnzimmers gewachsen, das inzwischen einen Anbau vertragen könnte.
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