Philips PicoPix 3610 – mobiler Beamer für die Jackentasche

Philips PicPix 3610

Unter einem Beamer stellte man sich meist ein unhandliches Gerät vor, das entweder im Besprechungsraum an der Decke hängt oder zu Hause im Hobbykeller steht. Mobile Beamer hatte ich Euch schon einige vorstellen dürfen, aber der Begriff „kompakter Beamer“ wird bei Philips wörtlich genommen. Der PicoPix ist etwas größer als ein BigPack-Zigaretten und wiegt nur 284 g.

Mit dem integrierten Akku könnt Ihr den Projektor quasi überall einsetzten. Filme lassen sich entweder per DLNA vom Handy streamen oder per USB-Stick direkt am Beamer abspielen. Laut Hersteller sogar bis zu einer Bilddiagonale von 120 Zoll.

PicoPix-Größenvergleich

Größenvergleich: Beamer vs. Zigarettenschachtel

Dass der Philips PicoPix kein klassischer Beamer ist, sieht man nicht nur bei den Abmessungen. Diese betragen lediglich  105 x 105 x 31,5  mm. Auch die Angabe zur Helligkeit reist keinem vom Sockel. Der PicoPix schafft lediglich 100 ANSI-Lumen. Zum Vergleich „normale“ LED-Beamer haben 500  – 1500 ANSI-Lumen. Auch der Kontrast liegt beim „Beamerchen“ von Philips auf einem sehr geringen Niveau. Laut technischen Daten beträgt der Kontrast gerade mal 1.000:1.

Ich sollte jedoch beim PicoPix nicht so auf die technischen Daten herumreiten, denn dies ist kein gewöhnlicher Beamer und sollte nicht mit herkömmlichen Projektoren in den Ring steigen. Zur Vollständigkeit hier die Angaben vom Hersteller:

Technischen Daten vom Philips PicoPix 3610

Projektionssystem DLP
Lampe
  • RGB LED
  • 30.000 Stunden
Natürliche Auflösung 854 x 480 Pixel
Betriebssystem Android 2.3.1
Kontrastverhältnis 1.000:1
Abstand zur Projektionsfläche 0,5 m – 5,0 m
Anzeigegröße 30 – 305 cm (12″ – 120″)
Schnittstelle
  • DC-In
  • SD-Kartenleser
  • microUSB
  • VGA/HDMI mit Adapterkabel
  • 3,5mm Audio
Abmessungen/Gewicht 105 x 105 x 31,5  / 284g
Akku 7,4 V bei 1800 mA, ~ 120 Minuten

Zubehör

Zum Beamer bekommt Ihr natürlich auch einen Ladeadapter, eine handliche Fernbedienung und je ein USB- und HDMI-Kabel. Auch eine Kurzanleitung ist vorhanden. Eine ausführliche Bedienungsanleitung könnt Ihr Euch hier herunterladen.

Zunächst zum PicoPix 3610: Der Beamer ist so klein, dass er locker in meine Jackentasche passt. Integriert ist ein Akku mit 1800 mA, was für 2 Stunden reichen sollte. Geladen wird per Ladeadapter. Der Beamer arbeitet auf DLP-Technik mit LED-Lichtquellen. Als Betriebssystem kommt wie schon beim Screeneo Android zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um Android 2.3.1. Die Hardware basiert auf einem SOC-Modul von Rockwell, das mit einem Single-Core-Prozessor arbeitet.

 Anschlüsse

Erstaunlich viele Anschlussmöglichkeiten sind am Winzling zu finden. Seitlich ist eine vollwertige USB-Buchse vorhanden, die sich zum Beispiel für USB-Sticks oder USB-Festplatten nutzen lässt. Auf der Rückseite befinden sich die Buchsen für Power, mini-USB, Sound-Out und einmal für mini-HDMI. Außerdem ist hier noch ein Kartenleser für SD und MMC-Karten vorhanden. Auch ein kombinierter A/V-Anschluss ist am Beamer zu finden. Das passende Kabel gibt es bei Philips als optionales Zubehör.

Unterseite

Auf der Unterseite ist neben einem Stativgewinde auch ein hauseigener Docking-Anschluss vorhanden. Hierüber können Erweiterungen, wie zum Beispiel die PicoPix Sound Station mit Zusatzakku oder PicoPix TV-Station (DVB-T) mit dem Beamer Kontakt aufnehmen.

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Mit dem PicoPix spricht Philips mehr die jüngere Fangemeinde an, die Handyfotos oder Videos mit Freunden überall teilen wollen.

Aber auch Außendienstmitarbeiter werden den PicoPix lieben, denn er wiegt nicht viel, ist Akkubetrieben und nutzt selbst auf Flughäfen oder in der Bahn jede freie Fläche als Projektionsfläche.  Beamer aus der Tasche und schon lassen sich Präsentationen vom Smartphone, Tablet oder Speicherkarte von Digital Kameras über dem Beamer ausgeben. Natürlich auch vom USB-Stick PDF- oder Office-Dateien. Laut Hersteller sind bis zu 120 Zoll Bilddiagonale möglich. Hier bin ich etwas skeptisch, denn 120 Zoll bedeutet eine Bilddiagonale von über 3 Meter. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen.

Getestet wurde der PicoPix tagsüber im Büro, wobei es hier ein paar dunkle Ecken gibt. Hier entstanden auch die Aufnahmen von den Settings.

Die Settings sind sehr spartanisch und beschränken sich auf das Notwendigste. Interessant ist, dass Philips als Betriebssystem Android einsetzt. Die meisten Menüs sind so, wie man sie vom Smartphone oder Tablet her kennt. Obwohl kein direkter Play-Store-Zugang auf dem Beamer zu finden ist, lassen sich APK-Dateien (Programm-Dateien für  Android Systeme) ohne Probleme installieren. So zum Beispiel die Überwachungs-App für den Akku. Da es sich um die Android-Version 2.3.1. handelt laufen nicht alle Apps. Aber dafür ist der PicoPix auch nicht ausgelegt.

Die Anbindung zum Internet erfolgt über WLAN, das nach dem Standard 802.11 a/b/g/n arbeitet. Smartphones, Tablets oder Mediaplayer können auch kabellos ihre Videos und Bilder über den Beamer ausgeben. Ist kein WLAN in der Nähe fungiert der PicoPix als Hotspot und baut ein passendes Netzwerk auf. Per DLNA lassen sich jetzt multimediale Inhalte kabellos zum Beamer übertragen.

Aber auch per USB-Stick oder Festplatte kann der PicoPix Video, Audio, Bilder und auch Office-Dateien ausgeben. Unterstützte Formate:

  • Video: avi, mov, mp4, mkv, flv, 3gp, webm
  • Audio: MP3, WAV, OGG, FLAC
  • Foto: JPEG, BMP, PNG, GIF
  • Office: pdf, ppt/pptx, xls/xlsx, doc/docs

Praxistest

Philips PicoPix

Philips PicoPix im Besprechungsraum

Schon nach den ersten Minuten fällt auf, dass die Bild- und Farbqualität sehr vom Umfeld abhängt. Zum einen die Lichtverhältnisse und zweitens die Projektionsfläche. Je heller die Umgebung ist desto blasser wird das Bild natürlich. Nach dem Abdunkeln des Besprechungsraums konnte ich mit dem Philips PicoPix die 100 Zoll große Projektionsfläche fast ausfüllen. Der Raum hat eine Tiefe von 5 Metern. Um das Bild mit meiner Digitalkamera musste ich den Abstand auf 4,5 m verkürzen und das Bild wurde entsprechend kleinerer. Trotz des großen Abstandes wurde das Bild vom Beamer überraschend gut dargestellt und hat selbst die schärfsten Kritiker hier im Büro überzeugt.

Die Ausleuchtung des Bildes lässt an den vier Ecken was nach. Farben und Kontraste werden selbst bei dieser Größe gut dargestellt. Nach Verkürzen des Projektionsabstandes werden diese sogar noch besser.

Was nicht so gut ist, ist die Soundausgabe, aber das weiß Philips. Denn zum PicoPix bietet der Hersteller eine entsprechende Erweiterungsbox an, die die gleichen Abmessungen aufweist wie der Beamer. Dies Sound Station besitzt zwei Lautsprecher mit je 2 Watt und einen eigenen Akku für 3 Stunden.

Der Beamer kann alles abspielen, was ich ihm anbot: MKV-Dateien in FullHD, PDF-Dateien mit vielen Bildern oder Musikdateien. Über DLNA ließen sich Smartphone (Sony Xperia Z2) und Beamer nur koppeln, wenn ich das interne WLAN vom Beamer eingeschaltet hatte. Unser WLAN im Büro ist für diesen Dienst gesperrt.

Für eine rudimentäre Bedienung besitzt der PicoPix ein Touchpad, das auch Gesten erkennt. Jedoch ist die Eingabe sehr zeitraubend und manchmal sehr frustrierend. Einfacher geht mit einer USB-Maus oder -Tastatur. Anstecken und sofort wird das Gerät erkannt.  Für alle, die ihr Smartphone nicht aus den Händen legen können, gibt es auch eine Android- und iOS-App. Diese simuliert die Bedienelemente und das Touchpad des Beamers.

Fazit

Philips hat mich binnen wenigen Wochen zweimal sehr positiv überrascht. Schon der Ultra-Kurzdistanz-Beamer ScreenNeo konnte überzeugen. So auch der Winzling, der PicoPix 3610.

Ich dachte ja zuerst, dass der PicoPix nur ein Gadget für Technik-Freaks ist, die schon alles haben und mal wieder bei Freunden auf dicke Hose machen wollen.  Ich habe mich überzeugen können, dass der PicoPix kein Spielzeug ist. Dazu ist er zu teuer. Einen direkten Vergleich mit einem Einsteiger-Beamer mit 1000 Ansi-Lumen würde der PicoPix natürlich nicht standhalten. Technikbedingt hat er nur 100 Ansi-Lumen und Tageslicht mag der Beamer deshalb überhaupt nicht.

Der Philips PicpPix sammelt seine Pluspunkte durch seinem integrierten Akku sowie Abmessungen und Gewicht. Außerdem kann er so gut wie alles vom internen oder externen Speichermedium wiedergaben.

Die 120-Zoll-Bilddiagonale, mit der Philips den PicoPix 3610 bewirbt, kann ich bestätigen. Aber, ja es gibt ein „Aber“, hierfür braucht Ihr einen Projektionsabstand von 5 m. Und je größer der Abstand zur Projektionsfläche ist, desto schwächer werden Farben und Kontrast. Bei kurzen Abständen ist das Bild – je nach Helligkeit – überraschend gut.

Zum Sound kann ich nur sagen, nutzt bitte einen externen Lautsprecher wie zum Beispiel den AeroSkull, Jongo S3 oder Bayan Audio Soundbook. Zur Sound Station von Philips kann ich nichts sagen. Diese werde ich mir erst auf der IFA in Berlin ansehen / anhören.

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Über Siggy

Ich arbeite seit rund zwei Jahrzehnten als Journalist. Ich war unter anderem Redakteur bei PC Direkt und Tom´s Hardware. In meiner Freizeit klappere ich Flohmärkte ab und werfe in Science-Fiction-Serien einen Blick in die Zukunft.
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