Praxistest: Lenovo Yoga Tablet 3 Pro, das Android-Tablet mit integriertem Beamer

lenovo_yoga_tablet_teaserDas Lenovo Yoga Tablet 3 Pro sticht aus der Tablet-Masse heraus, denn es besitzt einen Projektor. Damit eignet es sich für Präsentationen im Business-Einsatz, worauf das Pro hinweist, sowie für Unterhaltungszwecke. Beides wollten wir unbedingt testen: Wie bewährt sich der Projektor des Yoga Tablet 3 Pro in der Praxis?

lenovo_yoga_tablet_s_linksFür das erste Modell, dem Yoga Tablet 2 Pro, stand ein bekannter Name Pate: Ashton Kutcher. Der bei uns vor allem durch seine Rolle in Two and a Half Man als Nachfolger von Charlie Sheen bekannte Schauspieler engagiert sich seit einiger Zeit in der Technik-Szene und hält beispielsweise Beteiligungen an IT-Start-Ups. Das Yoga Tablet 3 Pro muss ohne den bekannten Patron auskommen, bietet aber wie sein Tablet-Vorgänger das besondere Schmankerl: Lenovo integriert einen Mini-Beamer im schlanken Gehäuse.

Design und Verarbeitung

lenovo_yoga_tablet_standFür ein Tablet besitzt das Lenovo Yoga Tablet 3 Pro eine ungewöhnliche Form: Über dem Display sitzt gut sichtbar eine Wulst, in der sich die Stereolautsprecher, Scharnier und der Projektor befinden. Durch das Scharnier lässt sich ein stabiler Metallständer stufenlos herausklappen. Eine Entriegelungstaste fixiert den Ständer im eingeklappten Zustand. Somit lässt sich das Tablet wie bei Yoga-Geräten gewohnt für verschiedene Modi hinstellen: Der Stand-Modus eignet sich gut dazu, um das Tablet aufzustellen, um beispielsweise Videos direkt auf dem Display anzusehen. Eingeklappt geht der Wulst als Griff durch, wenn man das Yoga Tablet 3 Pro im Hochformat wie ein Buch halten will. Wenn man den Projektor benutzen möchte, legt man das Tablet hin und hebt es im gewünschten Winkel an. Die Verarbeitung des Tablets ist gut, es wirkt solide und lässt sich kaum verwinden. Mit 668 g ist es nicht das Leichteste, allerdings auch nicht unzumutbar schwer. Durch den Wulst relativiert sich die Dicke von ansonsten schlanken 4,7 mm, zugeklappt ist es durch die Wulst rund 22 mm dick.

Display

lenovo_yoga_tablet_ganzDas Display bietet auf 10,1 Zoll eine hohe Auflösung von 2560 x 1600 Pixel, was eine Pixeldichte von 298,9 ppi ergibt. Das Bild ist also gestochen scharf. Auch in anderen Disziplinen überzeugt das Display und erreicht mit etwas über 400 cd/m² eine hohe Leuchtkraft und mit 1:1343 einen hohen Kontrast. Farben wirken kräftig und lebhaft, der Schwarzwert ist gut. Abstriche gibt es bei der Blickwinkelabhängigkeit, denn aus spitzeren Blickwinkeln betrachtet erscheint das Bild nicht nur dunkler, sondern die Anzeige bekommt auch einen leicht grün-bläulichen Farbstich.

Technik

Als Prozessor kommt ein Intel Atom x5-Z8500 zum Einsatz, dessen vier Kerne mit 1,44 GHz takten. Sie lassen sich auf maximal 2,24 GHz übertakten. Unterstützt werden sie von 2 GB Arbeitsspeicher. Die Prozessorleistung ist hoch genug für eine flüssige Ausführung von Android und fordernder Anwendungen.

An Massenspeicher stehen bei unserem Modell lediglich 32 GB zur Verfügung. Gut, dass das Tablet einen microSD-Kartenleser besitzt und damit auch größere Filmbibliotheken offline verfügbar machen kann. Allerdings hat Lenovo hier den Rotstift angesetzt, das Gerät unterstützt offiziell lediglich Karten bis 32 GB Größe.

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Bei der Akkulaufzeit kleckert das Tablet nicht, sondern klotzt: Über 14 Stunden spielt das Yoga 3 Pro mit seinem 10.200-mAh-Akku unser Testvideo bei leicht reduzierter Display-Helligkeit ab. Das ist Rekord. Die von Lenovo versprochenen 18 Stunden und mehr sind also bei gemischtem Anwendungsmix realistisch.

Für Videochats und Selfies besitzt das Lenovo Yoga 3 Pro eine Frontkamera mit 5 Megapixeln.

Software: Update-Orgien

Auf dem Tablet kommt Android 5.1 Lollipop zum Einsatz. Wer das Lenovo gekauft hat, wird in eine Update-Orgie verwickelt. Mehrere Software-Updates des Herstellers stehen bereit, die nacheinander abgearbeitet werden müssen. Dabei sind die kryptischen Bezeichnungen wenig hilfreich. Unschön ist auch, dass man die Updates nacheinander in den Einstellungen aufrufen muss. Die Größen reichen dabei von 1 bis über 100 MB. Unverständlich ist uns, warum die Aktualisierung den Bildschirm um 180 Grad dreht, wenn man das Yoga im Beamer-Modus betreibt, denn der war bei uns der Standard-Modus. Immerhin ist es zu begrüßen, dass Lenovo die Software des Gerätes pflegt.

Beamertest: Der Projektor in meinem Bett

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Die Daten von Pico-Projektoren wie im Yoga Tablet 3 Pro sind nicht besonders umwerfend und sie besitzen manchmal auch andere Nachteile: Der optionale Mini-Beamer für das Fujitsu Lifebook E733 konnte uns vor allem durch die fehlende Trapezkorrektur nicht überzeugen. Mal sehen, ob Lenovo das besser hinbekommt.

Das Foto gibt es schlecht wieder, aber der Pico-Beamer im Lenovo Yoga Tablet 3 Pro liefert in dunkler Umgebung und nicht zu großer Entfernung ein scharfes und farbenfrohes Bild.

Das Foto gibt es schlecht wieder, aber der Pico-Beamer im Lenovo Yoga Tablet 3 Pro liefert in dunkler Umgebung und nicht zu großer Entfernung ein scharfes und farbenfrohes Bild.

Die kurze Antwort ist: Ja. Die ausführliche Antwort: Die automatische Trapezkorrektur des 50-Lumen-Beamers funktioniert schnell und zuverlässig, sodass man die manuelle Korrektur in der Regel nicht benötigt. Die Automatik stößt allerdings an ihre Grenzen, wenn der Winkel zu steil wird. Der Fokus stimmt auf Anhieb, lässt sich aber auch über den Bildschirm einstellen. Das Bild wirkt im Test scharf, auch wenn die Auflösung von 480p keine allzu hohe Detailauflösung bietet. Die Automatiken funktionierten im Test hervorragend. Die Bedienung ist also denkbar einfach. Ein Vorteil gegenüber leistungsstärkeren Beamern ist der geräuschlose Betrieb, da das Yoga Tablet 3 Pro ohne Lüfter auskommt. Insgesamt hält sich die Wärmeentwicklung auch im Dauerbetrieb in Grenzen. Die Lichtleistung reicht bei sehr kurzen Distanzen aus, um auch bei schwachem Tageslicht ein gut erkennbares Bild auf einer weißen Raufasertapete zu erkennen.

Der Bildschirm des Tablets schaltet sich voreingestellt im Beamerbetrieb ab, was Strom spart. Die Zeit lässt sich von wenigen Sekunden bis zu „Nie“ festlegen. Eine Einstellung erlaubt es, dass sich der Projektor bei Erschütterungen oder extremen Helligkeitsveränderungen ausschaltet.

Beim Stromverbrauch zeigt sich der Projektor genügsam. Die Akkulaufzeit sinkt von über 14 auf immerhin noch knapp 8 Stunden. Das ist durchaus beeindruckend.

lenovo_yoga_tablet_hintenNun zur Praxis. Man liegt abends im Bett und hat noch Lust, einen Film oder eine Serie zu schauen. Anstatt auf das Tablet-Display zu starren, wirft man dazu das Bild an die Wand oder die Decke. Das Scharnier lässt sich um 180 Grad drehen, das liegende Tablet wirft dann das Bild direkt an die Decke. Bei der Nutzung treten allerdings Probleme auf. Für ein großes Bild benötigt man eine größere Distanz zwischen Beamer und Projektionsfläche. Durch die laue Lichtleistung nimmt aber die Helligkeit des Bildes mit zunehmender Entfernung rapide ab. Selbst ein vollständig abgedunkelter Raum verhindert nicht, dass das Bild schnell flau und dunkel wirkt. Um ein Bild mit einem Meter Breite zu projizieren, muss man den Beamer knapp 1,50 Meter weit entfernt aufstellen. Das ist auch ungefähr die maximale Weite, bevor die Helligkeit massiv einbricht. Ein zweites Problem ist der Ton. Die „JBL-Soundbar“ im Tablet liefert zwar für Tablet-Verhältnisse einen ordentlichen und auch lauten Klang, dem es aber an Fülle und wie in Tablets üblich an Bässen fehlt. Da hilft auch die „Dolby Atmos“ Zertifizierung und die gute räumliche Klangverteilung wenig. Zudem spielt die Musik „vorne“, also beim Tablet, womit die Sound-Quelle nicht beim Bild liegt. Einfache Lösungen sind Lautsprecher oder eine Soundbar, die man in diesem Szenario am besten über Bluetooth anspricht, oder über Kopfhörer.

In der Praxis ist der Sehabstand zum Bild einfach zu groß. Damit bleibt der Eindruck eines „Mäusekinos“. Für das einfache, problemlose Heimkino ist der Beamer also nicht geeignet. Anders sieht es aus, wenn man mehreren Leuten bei einem Meeting etwas präsentieren will. Hierfür ist der Projektor sehr gut geeignet, sofern man den Raum etwas abdunkeln kann. Damit erfüllt der Beamer seinen von Lenovo vorgesehenen Einsatzzweck und überzeugt.

lenovo_yoga_tablet_rueckFazit

Das Lenovo Yoga Tablet 3 Pro ist ein faszinierendes Stück Android-Tablet mit brillantem Display, einer überragenden Akkulaufzeit sowie hervorragender Ausstattung und Verarbeitung. Ein Highlight ist der Beamer, der durch einfache Bedienung und auf kurzen Distanzen mit einem sehr schönen Bild überzeugen kann. Man sollte sich allerdings der Beschränkungen bewusst sein: Heimkino nein, Präsentation ja. Ein Wermutstropfen für manche Anwender könnte das etwas höhere Gewicht des Tablets im Vergleich zu anderen Geräten sein, ansonsten lässt sich das Lenovo Yoga Tablet 3 Pro uneingeschränkt empfehlen.

 

Das Lenovo Yoga Tablet 3 Pro ist bei uns im Shop mit und ohne LTE erhältlich.

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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Eine Antwort auf Praxistest: Lenovo Yoga Tablet 3 Pro, das Android-Tablet mit integriertem Beamer

  1. avatar Praxistest sagt:

    Mit einer normalen VGA-Auflösung ist der Pico-Beamer aber nichts außergewöhnliches. Ganz nett, um mal einige Fotos zu zeigen, aber für Filme reicht das nicht. Trotzdem eine interessante Produktidee.

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