Praxistipps für bessere Fotoaufnahmen mit dem Smartphone

Smartphone-Kameratipps

Die beste Kamera ist die, die man immer dabei hat. Entsprechend hoch ist der Anteil von Fotos, die mit einer Smartphone-Kamera gemacht werden, denn das Mobiltelefon steckt meist in der Tasche. Einfache Kompaktkameras haben dagegen weitgehend ausgedient, auch deshalb, weil ihnen Smartphone-Kameras von der Bildqualität fast ebenbürtig sind. Um tolle Fotos zu schießen, reicht aber eine gute Smartphone-Kamera allein nicht aus. Wir haben schon ein paar Hinweise zur Gestaltung von Fotoaufnahmen mit dem Smartphone gegeben und schieben jetzt allgemeine Tipps zur Einstellung und Bedienung einer Smartphone-Kamera nach.

1. Spezielle Kamera-Apps verwenden

Die Kamera-Apps von Android, iOS und Windows Phone bieten nicht immer besonders viele manuelle Einstellungsmöglichkeiten, was das kreative Fotografieren mit der Smartphone-Kamera stark einschränkt. Möchte man mehr fotografische Möglichkeiten haben, dann sollte man sich eine spezialisierte Kamera-App anschaffen, die es für wenige Euro in den App Stores für Android, iOS und Windows Phone gibt. Die Apps bieten eine Vielzahl manueller Einstellungsmöglichkeiten, Filter und fertige Belichtungsprogramme für verschiedene Aufnahmeszenarien. Empfehlenswert sind Manual Camera für Android, Camera+ für iOS und ProShot für Windows Phone.

Manual Camera
Manual Camera für Android (kostenpflichtig, 2,69 Euro)

Camera+

Camera+ für iOS (kostenpflichtig, 2,99 Euro)

ProShot

ProShot für Windows Phone (kostenpflichtig, 2,99 US Dollar)

2. Auflösung und Bildqualität einstellen

Unter anderem bestimmen die eingestellte Auflösung und Bildqualität der Kamera, ob und wie gut Details auf einem Foto abgebildet werden. Um optimale Ergebnisse zu erzielen, stellt man die höchste Auflösung der Kamera ein. Wichtig ist, dass es sich dann um die höchste native Kameraauflösung handelt, denn einige Smartphone-Kameras pumpen die Auflösung durch Interpolation künstlich auf. Dadurch wirken Aufnahmen verwaschen. Die Bildqualität sollte man auf die höchste (häufig auch feinste) Stufe stellen, sodass keine Details durch die Datenkompression verloren gehen. Die Fotos benötigen dadurch mehr Speicherplatz.

3. Linse säubern

Nach einiger Zeit sammeln sich Schmutz und Fingerabdrücke auf der Kameralinse des Smartphones, die später auf den Fotos als Schlieren oder Punkte zu sehen sein können. Vor dem Fotografieren sollte man deshalb die Linse an der (sauberen) Kleidung abwischen.

Linse Smartphone-Kamera reinigen

4. Blitzlicht sparsam verwenden

In Smartphones der Unter- und Mittelklasse sind meist einfarbige Blitzlichter verbaut. Dabei erzeugen sie ein weiß-blaues Licht, dass häufig unangenehme Schlagschatten erzeugt, nahe Objekte übermäßig anstrahlt und bei Personen für unerwünschte Zombi-Gesichtsblässe sorgt. Häufig reichen die kleinen LED-Blitzlichter nicht aus, um größere Szenen ausreichend auszuleuchten. Mehrfarbige Blitzlichter, wie sie in Oberklassemodellen verwendet werden, passen ihre Farbtemperatur in Abhängigkeit des Umgebungslichtes an. Entsprechend hellen sie die Szene auf, ohne das vorhandene Farbambiente zu verfälschen. Auch wenn das ordentlich funktioniert, überzeugen mit Blitzlicht aufgenommene Fotos selten. Man sollte daher den künstlichen Aufheller sparsam einsetzen. Die meisten Smartphones schaffen es, auch in dunkler Umgebung noch ansehnliche Fotos verwacklungsfrei aufzunehmen. Im Zweifel stellt man ein wenig den ISO-Wert höher oder benutzt bei der Aufnahme unbewegter Motive ein Stativ.

Detailaufnahme Blitz eines Apple iPhones

Mehrfarbige Smartphone-Blitzlichter sorgen für eine Aufhellung im Farbton des Lichtambientes.

5. Verwacklungen verhindern

Einige Smartphone-Kameras verfügen über digitale oder optische Bildstabilisatoren, die Verwacklungen ausgleichen. Das gelingt bei optischen Bildstabilisatoren über eine Mechanik besser als bei den digitalen Pendants. Bei eingeschaltetem digitalem Bildstabilisator wird gleichzeitig die ISO-Empfindlichkeit heraufgesetzt, was die Belichtungszeit verkürzt und dadurch zusätzlich verwackelte Fotos vermeidet. Mit höherer ISO-Zahl steigt allerdings das Bildrauschen, sodass die Fotoqualität leidet. Besser man verzichtet auf einen digitalen Bildstabilisator und benutzt ein Stativ. Das können herkömmliche Standstative mit einer passenden Klemmhalterung für Smartphones sein oder flexible Mini-Stative, die man (fast) überall befestigen kann und bei bestimmten Modellen auch magnetisch an Metallflächen halten. Wer kein Stativ mitschleppen will oder kann, stellt das Smartphone auf ein Objekt und stabilisiert dadurch das Kamerabild. Alternativ lehnt man sich als Fotograf an eine Wand oder einen Baum. Dadurch ist die Gefahr des Verwackelns geringer. Wenn nichts zum Ablegen oder Abstützen in der Nähe ist, dann sollte man das Smartphone beim Fotografieren in beiden Händen halten, denn dann liegt die Kamera stabiler und ruhiger in den Händen.

Smartphone auf Mini-Stativ

6. Digitalen Zoom vermeiden

Über einen optischen Zoom verfügen Smartphone-Kameras nicht, sehr wohl aber über einen digitalen Zoom. Ihn sollte man möglichst nicht verwenden, denn das Bild wird einfach nur digital aufgepumpt, ohne dass zusätzliche Details ersichtlich werden. Solche Fotos wirken dann pixelig und verwaschen. Möchte man bei einer Smartphone-Kamera zoomen, dann muss man das mit den Füßen tun und näher an das Objekt herangehen, um den gewünschten Bildausschnitt zu erhalten. Der ist dann, bei Festbrennweite des Objektivs fotografiert, knackscharf. Nicht immer lassen es die äußeren Bedingungen zu, näher an ein Objekt heranzugehen. Zu nah sollte man das ohnehin nicht tun, denn das kann beispielsweise bei Gebäudefotografien zu Verzerrungen in Form von stürzenden Kanten sorgen.

Beispielfoto Digitaler Zoom

Mit digitalem Zoom aufgenommene Fotos wirken in Originalgröße unscharf.

7. Fokus manuell bestimmen

Die meisten Smartphone-Kameras setzen ihren Fokus automatisch mehr oder weniger in die Bildmitte. Das ist bei manchen Bildkompositionen unerwünscht. Mit einem Finger-Tap bestimmt man auf dem Display das Objekt, auf dem der Fokus liegen und das scharf abgebildet werden soll.

8. HDR-Modus wählen

Motive wirken auf einem Foto blass. Einzelne Bildteile saufen ab, Details verschwimmen zu einer breiigen Masse, einige Bildteile sind zu hell, andere zu dunkel. Um mehr Farbdynamik und durchgängig hohe Details auf einem Foto zu erhalten, kann man bei vielen Smartphone-Kameras den High-Dynamic-Range-Modus (HDR) aktivieren. Die Smartphone-Kamera schießt dann mehrere Fotos mit unterschiedlichen Belichtungszeiten und kombiniert sie zu einem Foto mit einem ausgeglichenen hohen Licht- und Dynamikumfang. Die Fotos können jedoch auch unnatürlich wirken, deshalb speichern einige Kameras wie beispielsweise das iPhone 6 (Plus) zusätzlich eine Normalaufnahme. HDR funktioniert nicht bei bewegten Objekten. Es können dann Wischeffekte auf dem Foto auftreten.

Fotobeispiel Smartphonekamera ohne HDR

Aufnahmen ohne HDR wirken auf den ersten Blick ganz hübsch, …

Fotobeispiel Smartphonekamera mit HDR

… mit HDR offenbart sich eine höhere Farbdynamik und mehr Details sind sichtbar.

9. Richtig auslösen und Selbstauslöser benutzen

Beim Betätigen des Auslösers kann man das Smartphone sehr schnell verreißen. Das Ergebnis sind verwackelte Aufnahmen. Das liegt daran, dass vielfach geglaubt wird, dass der virtuelle Auslöse-Button beim Drücken auslöst, tatsächlich löst er erst beim Loslassen aus. Man kann also recht entspannt auf den Auslöser drücken, das Smartphone wieder stabilisieren und dann den Knopf loslassen. Das funktioniert allerdings nur bei Kamera-Apps, bei der keine Serienbildfunktion aktiv ist, denn sonst werden bei langem Druck auf den Auslöser mehrere Aufnahmen hintereinander geschossen. Bei einigen Smartphones ist eine der Lautstärketasten mit dem Auslöser für die Kamera belegt, sodass man nicht auf ein haptisches Feedback verzichten muss. So kommt das Feeling einer „echten“ Fotokamera auf.

Bei Gruppen-Selfies geht ohne Selbstauslöser nichts. In der Kamerasoftware lässt sich sehr einfach die Verzögerungsdauer einstellen, bevor der Auslöser automatisch auslöst. Smartphone-Kameras lassen sich auch fernauslösen. Bei Android-Smartphones funktioniert das über einen Bluetooth-Fernauslöser, bei einem Apple iPhone ebenfalls über einen Bluetooth-Fernauslöser oder einer Apple Watch. Das Display der Apple Watch dient dann gleichzeitig als Kontrollmonitor für den Bildausschnitt.

10. Mehrfachaufnahmen anfertigen

Die optimale Aufnahme gelingt selten beim ersten Mal. Manchmal ist die Belichtung schlecht, der Aufnahmewinkel ungünstig oder die Aufnahme verwackelt. Da meist ausreichend Speicherplatz im Smartphone zur Verfügung steht, kann man getrost ein wenig experimentieren, mehrere Aufnahmen anfertigen und später das beste Foto auswählen.

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Über Oliver Bünte

Als Journalist, Historiker und bekennender Technikfreund beschäftige ich mich seit über 30 Jahren mit Computern und habe die Entwicklung mobiler Technik von Handys und PDAs bis hin zu Smartphones und Tablets von Anfang an kritisch begleitet. Ich vermittele tagtäglich als Journalist und aktiver Blogger auf notebooksbilliger.de, notebookjournal.de, applebrain.de und vivacities.de alles, was den Anwender wirklich interessiert. Du findest mich auf Facebook, Twitter, Google+, LinkedIn und XING.
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1 Kommentar auf "Praxistipps für bessere Fotoaufnahmen mit dem Smartphone"

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Gast

Great tips, and thank you so much for including my app ProShot! 😀 Just wanted to let you know, ProShot is also available on iOS and Android 😉

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