PUBG GI 2018: Unterhaltsam, aber noch mit Luft nach oben

      PUBG GI 2018: Unterhaltsam, aber noch mit Luft nach oben

      Am 25. Juli 2018 starteten in der Mercedes-Benz Arena in Berlin beim PUBG Global Invitational 2018 die ersten Matches in der Third-Person Perspektive. Wir waren live dabei und haben uns einen Eindruck von der Atmosphäre vom ersten großen eSport-Event unter der Führung der PUBG Corporation gemacht. Dabei sind uns sowohl Stärken als auch Schwächen aufgefallen.

      Gleißender Sonnenschein, kaum Wind und 32°C Außentemperatur – es hätte vermutlich bessere Tage gegeben, um Spielern aus aller Welt beim Zocken von PUBG zuzuschauen. Von dem bombastischen Wetter haben sich aber inbesondere die asiatischen Fans auch an einem Mittwochabend nicht abbringen lassen. Wir haben uns ebenfalls pünktlich zum ersten Match unter die Zuschauer gemischt und waren gespannt auf das, was uns nun erwarten sollte.

      Die Ruhe vor dem Sturm

      Schaut man in die Menge der größtenteils asiatischen Zuschauer, die die Mercedes-Benz Arena etwas mehr als zur Hälfte füllen, wird eines schnell offensichtlich: Auch beim Battle Royale-Genre ist eSport dort schon deutlich weiter als hier. Mittlerweile ist es 18:30 Uhr und eigentlich sollte das erste Spiel schon vor einer halben Stunde beginnen, aber die Zuschauer wirken entspannt und ruhig – typisch asiatisch eben.

      Dann ist es endlich soweit. Eine kreisförmiger Vorhang fällt und schließt die Mitte der Arena völlig ein. Dort sind die Plätze der Spieler in zwei Etagen aufgebaut. Auch die Lichter der Arena sind auf PUBG gestellt und bilden einen blauen Kreis. Begleitet von Violinen laufen nun 80 Spieler nach und nach in die Halle und verschwinden hinter dem Vorhang, um ihre Plätze in den Vierergruppen einzunehmen. Plötzlich fallen Soldaten mit Fallschirmen von der Decke und bekriegen sich Waffen und Explosionen – es wird klar: Alle Zeiger stehen auf PUBG.

      Nach einem stimmungsvollen, aber etwas zu langen Video hebt sich der Vorhang und wir können sehen, dass sich die Spieler, Coaches und Spielrichter auf ihren Plätzen eingefunden haben. Dann geht es endlich los: 80 Spieler bzw. 20 Teams aus der ganzen Welt starten in die PUBG-Weltmeisterschaft 2018 im ersten Match in der Third-Person Perspektive.

      Kein Vergleich zum normalen Online-Match

      Wir merken schnell, dass das hier nicht mit dem verstreuten und verplanten Ablauf eines normalen PUBG-Matches vergleichbar ist. Bis zum First Blood dauert es gefühlt eine Ewigkeit. Grade im Vergleich zu CS:GO, bei dem eine Runde auch schon mal nach 15 Sekunden zu Ende sein kann, ist der Einstieg viel langsamer. Die Teams sind auf der großen Karte zu Beginn natürlich deutlich taktischer und defensiver – ja einfach professioneller unterwegs. Es gilt: Fahrzeuge besorgen, starke Waffen sammeln und gute Visiere sowie Magazinerweiterungen finden – vorher lohnt sich die Konfrontation sowieso nicht.

      Dabei hat die PUBG Corporation glücklicherweise nicht die gleichen Fehler wie Epic Games bei einem Fortnite-Turnier gemacht, das vor Kurzem stattfand. Das erste Problem war dabei die Austragung als Online-Turnier. Bedingt durch die unterschiedlichen Standorte und die Austragung auf den amerikanischen Servern gab es erwartungsgemäß Ping-Probleme und Lags bei einigen Teilnehmern. Außerdem belohnte Epic Games allein den letzten Überlebenden mit einem Preisgeld, was natürlich dafür sorgte, dass campen und sich zu verstecken auf der Tagesordnung stand und die Unterhaltung dadurch auf der Strecke blieb.

      PGI 2018 hat Testcharakter

      Obwohl es beim PGI 2018 auch für Abschüsse Punkte und Preisgelder gibt, verlief der Einstieg trotzdem etwas langsam. Die Geschäftsführer gaben im Vorfeld sogar zu, dass das Event einen gewissen Testcharakter innehat. Brendan Greene meinte außerdem, dass PUBG noch nicht wirklich bereit dafür ist, ein echter eSports-Titel zu sein. Das unterstreicht auch der 5-Jahres-Plan, den der CEO Changhan Kim realisieren will, um PUBG zu einem der relevantesten eSport-Titel zu machen.

      Viele Fans und Spieler würden sich vermutlich vorerst auch mit einem größeren Fokus auf Bugfixing und Gameplay-Optimierung zufrieden geben und könnten auf Event-Passes und Crates verzichten. Auch beim Zuschauen sind die ein oder anderen Clipping-Fehler aufgefallen, die einem Turnier dieser Größe doch einen etwas merkwürdigen Touch verleihen.

      Spannung nimmt erst zum Ende richtig Fahrt auf

      Problematisch bleibt außerdem die schiere Menge an Spielern, die sich insbesondere zum Start gleichzeitig auf dem Schlachtfeld befinden. Obwohl die Kommentatoren wirklich alles gaben und einen guten Job gemacht haben, fanden teilweise so viele Konfrontationen und Abschüsse gleichzeitig statt, dass es schwierig war, den Überblick zu behalten. Womöglich wurden auch einige spannende Szenen verpasst. Hier will die PUBG Corporation mit spezifischen Feeds von Lieblingsteams aber noch ansetzen und das bessere und zielgerichtetere Verfolgen von Teams und Spielern zumindest am heimischen PC ermöglichen.

      Müsste ich den Spannungsverlauf der Matches in einem Diagramm darstellen, dann würde ich vermutlich in etwa die Form eines exponentiell verlaufenden Graphen zeichnen. Hier wird klar, wie viel Geschwindigkeit das immer kleiner werdende Spielfeld letztendlich ins Spiel bringt. Trotz aller Defensive kommt es so schon mal vor, dass ein Spieler auf einem Motorrad mitten durchs Getümmel fährt, um in die sichere Zone zu gelangen – und am Ende tatsächlich überlebt.

      Abgesehen von vereinzelten guten oder überraschenden Aktionen der Profi-Spieler war das Publikum besonders immer am Ende der Matches mit ganzem Herzen dabei. Bemerkbar wurde das natürlich durch die Lautstärke in der Halle, die richtig Fahrt aufnahm, wenn der Spielercounter unter 30 fiel. Dann war die sichere Zone oft so klein, dass sich die verbliebenen Spieler über kurz oder lang treffen mussten und schlussfolgernd das Actionlevel im „Nahkampf“ den Höhepunkt erreichte. Leider war dieser Moment dann aber auch schnell vorbei und vom Getümmel blieb nur der Rundensieger übrig.

      Team Liquid holt am ersten Tag zwei Rundensiege

      Das Skillevel der Spieler wird auch mit dem sinnvollen Einsatz von Granaten und dem taktischen Ausnutzen der Umgebung deutlich. Mit einer Granate lassen sich verletzte Spieler einfach und sicher endgültig eliminieren, ohne die Deckung verlassen zu müssen. Außerdem können Rauchgranaten entscheidend sein, wenn man entdeckt wurde und sich zurückziehen muss. Jeder PUBG-Spieler weiß zudem, wie überlebenswichtig die Fahrzeuge im Spiel sind. Einige Spieler haben kaum den Boden berührt und saßen schon im mit Flammen verzierten Dacia ihrer Wahl. Des Weiteren fiel uns auch das sorgsame Scouting der Teams mit einzelnen Spielern, das viele Strafen und Leanen und natürlich die sehr hohe Reaktionsgeschwindigkeit auf.

      Letztendlich konnte Team Liquid am ersten Tag zwei Rundensiege und Ghost Gaming sowie Oh My God einen Rundensieg mit nach Hause nehmen. Bedingt durch die Punkte für Abschüsse befindet sich Team Liquid mit 1685 Punkten aber nur auf dem zweiten Platz hinter Gen.G Black mit 1720 Punkten. Die komplette Tabelle mit den aktuellen Ergebnissen findet ihr hier.

      Raum für Verbesserungen

      Unterm Strich lässt sich nach dem ersten Tag auf dem PGI 2018 festhalten, dass eSport im Battle Royale-Genre gerade durch die langsamen Einstiegsphasen etwas gewöhnungsbedürftig – für einige womöglich auch langweilig – ist. Wer bspw. an CS:GO oder auch einige MOBA-Titel gewöhnt ist, könnte von dieser unterhaltungsbezogenen Durststrecke möglicherweise abgeschreckt werden. Hier lässt sich durch ein angepasstes Regelsystem und eine schneller kleiner werdende Zone aber womöglich Abhilfe schaffen.

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      via mein-mmo 1, 2

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      Die Leidenschaft fürs Zocken wurde bereits in den frühen 90ern mit Bubble Bobble am Sega Master System II geweckt. Spielt mittlerweile hauptsächlich am PC und hätte gerne viel mehr Zeit, um sich seinem ständig wachsenden Pile of Shame zu widmen.

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      Die relativ niedrige und überwiegend asiatische Zuschauerzahl liegt vor allem daran, dass Third-Person außerhalb Asiens komplett irrelevant ist.
      Ab dem dritten Tag wird es deutlich mehr Publikum und Stimmung geben. Die etwas langsame Anfangsphase stimmt wohl aber das gehört nun mal dazu und ich finde den Taktischen Aspekt dieser auch durchaus interessant.