Retromania: 10 Jahre ROKR von Motorola – Apples iTunes-Phone-Flop

Motorola_ROKRBevor es das iPhone gab, versuchte Apple zusammen mit dem Hersteller Motorola den Markt zu erobern. Besser gesagt: Apple brachte die iTunes-Kompatibilität mit und Motorola mit dem ROKR ein Telefon, das als riesiger Flop in die Geschichte einging und Apple bei der Entwicklung des iPhone vorantrieb.

Man kann nur spekulieren, wie die Geschichte des iPhone verlaufen wäre, hätte das Motorola-Handy damals Erfolg gehabt. Aber nun zu den Fakten. Als das ROKR erschien, war Motorola gerade mit seinen RAZR-Mobiltelefonen äußerst erfolgreich. Das flache Klapphandy erschien als V3 bereits 2003 und hatte eine 1,3 Megapixel Kamera sowie einen MP3-Player an Bord. Speicherkarten las es auch, nämlich microSD-Karten mit bis zu 512 MB Größe. Das reicht für rund 100 Songs im 128-Kbit-AAC-Format – das Format, das Apple damals in seinem iTunes-Store verkaufte. Ein normales Mobiltelefon wie das V3 konnte diese Dateien aber nicht abspielen, dazu benötigte man aufgrund des damals noch verwendeten DRMs zwingend iTunes als Musikplayer.

Apple entschloss sich zur Zusammenarbeit mit Motorola, der amerikanische Hersteller war schließlich seinerzeit Haus- und Hoflieferant der Prozessoren im Mac. Ziel: die iTunes-Integration im Mobiltelefon. Als Steve Jobs am 7. September 2005 die Frucht der Zusammenarbeit als „One more thing“ vorstellte, war die Enttäuschung groß. Erwartet hatten die meisten Anwender ein Premium-Handy, das die Tugenden des RAZR fortsetzt. Pustekuchen. Das ROKR E1 entpuppte sich als Variante des unscheinbaren Barrenhandys E398. Manche bösen Zungen verpassten dem ROKR (Rocker) den Spitznamen STINKR. Lediglich die iTunes-Anbindung wies drauf hin, dass Apple die Hand im Handy-Spiel hatte. Enttäuschend war auch die Sache mit dem Speicherplatz: Das ROKR konnte zwar microSD-Karten bis zu 1 GB Größe verarbeiten, die Firmware beschränkte die Anzahl der abspielbaren Songs aber auf 100. Zudem war die Übertragung von Musik über USB sowie die Bedienung äußerst träge.

ROCKR_Anleitung_

Die zweite Auflage des ROKR, das E2, verzichtete auf den iTunes-Player. Motorola integrierte Apples Medien-Player zuletzt im RAZR V3im, das Mitte 2006 erschien, aber keine große Aufmerksamkeit erregen konnte. Im September beendete Steve Jobs die iTunes-Unterstützung. Ein halbes Jahr später, am 9. Januar 2007, präsentierte der Apple-CEO dann das iPhone. Der Rest ist Geschichte.

Quelle Bilder: Wikipedia, ROKR-Bedienungsanleitung (PDF)

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Über Marcel Magis

Ich bin Journalist und Schriftsteller. Unter anderem arbeitete ich für macnews.de, c't, Telepolis und notebookjournal.de. Ich liebe Nudeln und schreibe in meiner freien Zeit unverdrossen an einem großen Roman weiter, der wöchentlich im Netz erscheint. Du findest mich auf Facebook, XING und meinem Blog.
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